˝We hold these Truths for self-evident, that all Men are created equal, that they are endowed
by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty, and the
Pursuit of Happiness.˝ Mit diesem Satz aus der Unabhängigkeitserklärung, den wohl heute
jedes Schulkind in den Vereinigten Staaten von Amerika auswendig zu zitieren weiß, gipfelt
am 4. Juli 1776 ein Konflikt, der letztendlich zur vollkommenen Unabhängigkeit der dreizehn
amerikanischen Kolonien vom britischen Mutterland führen wird.
Am 10. Februar 1763 sorgt der Friede von Paris, der den Siebenjährigen Krieg (1756-1763)
beendet, in Nordamerika für eine jähe Zäsur. Das British Empire verdrängt das erste
französische empire colonial endgültig aus seinen Besitzungen in Nordamerika. Für
Großbritannien endet damit ein Konflikt, der das Land in tiefe finanzielle Bedrängnis
gebracht hat, für Frankreich bedeutet der Friede von Paris eine der größten militärischen
Niederlagen seiner Geschichte, die den Wunsch nach Revanche mit sich bringt. Die Briten
hingegen suchen nun primär nach Lösungen ihrer prekären Finanzsituation und entdecken
dabei, die bisher steuerlich begünstigten Kolonien an der amerikanischen Ostküste als
mögliche Einnahmequellen. So beschließt das britische Parlament in London 1765 zunächst
das Stempelsteuergesetz, den Stamp Act, welcher Abgaben auf alle Arten von Drucksachen
vorsieht. In den Folgejahren werden schrittweise die Zölle auf Glas, Leder, Papier und
schließlich vor allem auf Tee angehoben. Bei diesen Initiativen beruft sich das Parliament auf
seine alleinige Entscheidungshoheit, die sich auch auf die Kolonien in Nordamerika ausdehne.
Hierbei sind sich die Parlamentarier und die Regierung in London nicht des starken
Freiheitswillens der Kolonisten bewusst, den diese bereits aus britischer Tradition rührend,
mit nach Nordamerika gebracht haben.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Die Entstehung der Unabhängigkeitserklärung und der amerikanische Unabhängigkeitskrieg
2. Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika
3. Demokratische Partizipation und Volkssouveränität in der frühen US-Geschichte
4. Der Vergleich mit historischen Demokratiemodellen: Attische Demokratie, Schweiz und England
5. Die Amerikanische und die Französische Revolution im Vergleich
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die historische und politische Legitimität der Bezeichnung der Vereinigten Staaten als "älteste Demokratie der Welt" durch eine Analyse ihrer Verfassungsgeschichte im Vergleich zu anderen Demokratiemodellen und der Französischen Revolution.
- Historische Herleitung der amerikanischen Unabhängigkeit und Verfassungsgebung
- Analyse der Prinzipien des Rechtsstaates und der Volkssouveränität in der US-Verfassung
- Kritische Würdigung der demokratischen Partizipation und der Elitenherrschaft zu Beginn der USA
- Vergleichende Untersuchung der Amerikanischen und Französischen Revolution
- Historische Einordnung des Begriffs "älteste Demokratie" im Kontext globaler Demokratiemodelle
Auszug aus dem Buch
Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika
Diese Verfassung, die im Jahre 1789, just im Jahr der Französischen Revolution also, endgültig in Kraft tritt, bedeutet in rechtlicher Hinsicht eine Revolution, wiewohl sie entstehungsgeschichtlich nichts anderes als ein Kompromiss zwischen den einzelnen Staaten und Bevölkerungsgruppen, die sich im Vorfeld der Ratifizierung teils heftige Debatten über die Form der neuen Verfassung liefern, ist, wie zum Beispiel die berühmten Federalist Articles eindrücklich illustrieren. Grundprinzipien, wie die Gewaltentrennung, die Meinungs- und Glaubensfreiheit, die Trennung von Kirche und Staat und schließlich das Gleichheitsprinzip bedeuten entscheidende Veränderungen und einen deutlichen Schritt hin zu einem modernen Rechtsstaat und Staatswesen.
Legt man die Grundprinzipien der Verfassung an, so stellt man fest, dass sie in vielen Punkten dem modernen Verständnis einer demokratischen Verfassung durchaus nahe kommt. Man muss jedoch konstatieren, dass die Verfassungsväter der Vereinigten Staaten, in der Tradition der Antike und der Jahrhunderte danach, der „reinen“ Demokratie eher kritisch bis ablehnend gegenüber stehen und in ihr etwas wie die schon in der Antike gescholtene Ochlokratie, die Herrschaft des Pöbels sehen. So ist es nicht verwunderlich, dass das Wort „Demokratie“ nicht einmal in der Verfassung auftaucht, sondern viel mehr von der „Republik“ gesprochen wird.
Die Kritik an der Verfassung ist deshalb auch von Anfang an heftig. Ihre Gegner werfen ihr vor, dass sie dem Präsidenten quasimonarchische Rechte einräume, die Jurisdiktion über den Stimmberechtigten stelle, die Regierung zu zentralistisch sei und damit die Freiheiten der Bürger gefährdet seien, sowie dass das Volk durch die Schwäche der Legislative zu wenig zu Wort komme. Es sind die Verfasser der Federalist Articles, James Madison (1751-1836), John Jay (1745-1829) und Alexander Hamilton (1755-1804), die die Prinzipien der neuen Verfassung in ihren Schriften wortgewandt verteidigen. Für sie steht die Gewährleistung der Freiheit in engem Zusammenhang mit einer starken Regierung und einer freien Wirtschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Entstehung der Unabhängigkeitserklärung und der amerikanische Unabhängigkeitskrieg: Dieses Kapitel zeichnet den Weg von den kolonialen Konflikten mit dem britischen Mutterland über die Unabhängigkeitserklärung bis hin zum militärischen Sieg der Vereinigten Staaten nach.
2. Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika: Hier wird die Etablierung der US-Verfassung von 1789 als Kompromiss beleuchtet, wobei die philosophischen Einflüsse und die Skepsis der Verfassungsväter gegenüber einer direkten Demokratie hervorgehoben werden.
3. Demokratische Partizipation und Volkssouveränität in der frühen US-Geschichte: Das Kapitel analysiert die Diskrepanz zwischen dem demokratischen Anspruch der "Volkssouveränität" und der faktischen Exklusion großer Bevölkerungsteile vom Wahlrecht in den Anfangsjahren.
4. Der Vergleich mit historischen Demokratiemodellen: Attische Demokratie, Schweiz und England: Der Autor stellt die US-Verfassung in den Kontext historischer Vorläufer wie der attischen Demokratie, den schweizerischen Landsgemeinden und der englischen Magna Charta, um den Anspruch der "ältesten Demokratie" zu prüfen.
5. Die Amerikanische und die Französische Revolution im Vergleich: Abschließend werden die Wechselwirkungen zwischen den beiden Revolutionen untersucht, wobei der Fokus auf den unterschiedlichen Ansätzen zur Volkssouveränität und modernen Demokratie liegt.
Schlüsselwörter
Vereinigte Staaten von Amerika, Demokratie, Verfassung, Volkssouveränität, Rechtsstaat, Amerikanische Revolution, Französische Revolution, Federalist Articles, Partizipation, Gewaltentrennung, Unabhängigkeitserklärung, Wahlrecht, Antike, Geschichte, Staatsphilosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Legitimität des Anspruchs der Vereinigten Staaten, die "älteste Demokratie der Welt" zu sein, unter Berücksichtigung der Entstehungsgeschichte ihrer Verfassung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Verfassungsgeschichte der USA, die Prinzipien der Volkssouveränität und Rechtsstaatlichkeit sowie der Vergleich mit anderen revolutionären Bewegungen und historischen Demokratiemodellen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob die USA aufgrund ihrer frühen Verfassungsgebung tatsächlich als älteste moderne Demokratie gelten können oder ob dieser Ehrentitel aufgrund der mangelnden Partizipation in der Anfangsphase und anderer historischer Modelle fragwürdig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, indem sie Primär- und Sekundärquellen der Verfassungs- und Ideengeschichte kritisch vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung der Unabhängigkeitserklärung, die philosophischen Grundlagen der US-Verfassung, die eingeschränkte Partizipation in der Gründungsphase sowie den ideengeschichtlichen Vergleich zur Französischen Revolution.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Volkssouveränität, Rechtsstaat, Verfassungsgeschichte, Partizipation und die beiden großen westlichen Revolutionen charakterisiert.
Wie bewertet der Autor die Rolle der "Federalist Articles"?
Der Autor ordnet die Federalist Articles als essenzielles Verteidigungsinstrument der Verfassung ein, das den Übergang zu einem modernen Flächenstaat legitimierte und die Gewaltentrennung sowie das System der checks and balances propagierte.
Inwiefern beeinflusste die Französische Revolution den Vergleich?
Die Arbeit stellt heraus, dass die Französische Revolution konsequenter die allgemeine demokratische Beteiligung forderte, während die USA primär ein Modell des Rechtsstaates etablierten, das erst später demokratische Teilhabe für alle Bürger öffnete.
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- Andreas Ludwig (Author), 2006, Die Vereinigten Staaten von Amerika - die älteste Demokratie der Welt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119048