Der erste Teil des Titels der Hausarbeit („Der Blick auf das Kind“) ist von Juliane Jacobi geliehen. Thematisch soll sich die Hausarbeit auf diesen Aspekt der Pädagogik Franckes und Rousseaus konzentrieren, wobei die daraus abgeleiteten Erziehungskonzepte jeweils kurz dargestellt werden, weil die pädagogische Praxis rückwirkend auch die Theorie beleuchtet.
Zur Formulierung der Kernfragen kann ein Zitat aus der Einleitung zu dem Buch „Das Kind in Pietismus und Aufklärung“ herangezogen werden:
Das Kindheitsverständnis wird in besonderer Weise von der in einer Zeit anerkannten Erziehungs- bzw. Bildungskonzepten repräsentiert. […] So muss beispielsweise, um der Frage nach dem Kindheitsbegriff im 17. Jahrhundert näher zu kommen, die von Johann Amos Comenius und später August Hermann Francke erhobene Forderung nach einer altersgerechten Erziehung und Schulbildung der Kinder auf ihre anthropologische Implikation hin untersucht werden, während im Blick auf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts davon auszugehen ist, dass seit dem Erscheinen von Rousseaus Erziehungsroman „Émile“ der Begriff Entwicklung bestimmend wird.
Im Hintergrund schwingt auch die Frage des Verhältnisses von Pietismus und Aufklärung mit: Führt Franckes Pädagogik zu Rousseau oder zu anderen folgenden Pädagogen oder ist sie nur ein pädagogischer Seitenweg, der ins Leere läuft? Peter Menck stellt fest:
In den Geschichten der Pädagogik kommt allemal ein Kapitel über den Pietismus vor, und hier wird allemal auf Francke eingegangen. Ich habe mich seit Beginn meiner Beschäftigung mit Francke des Eindrucks nicht erwehren können, dass die Autoren allemal nicht recht wussten, was sie mit ihm anfangen sollten. Dem Rechnung tragend, wird Francke ausführlicher behandelt als Rousseau. Beide werden jeweils mit einer kurzen biografischen Skizze vorgestellt und in ihren ideengeschichtlichen Hintergrund eingeordnet, bevor ein Überblick über den jeweiligen Blick auf das Kind folgt. Die unterschiedlichen anthropologischen Prämissen werden diesem Überblick jeweils vorangestellt. Die in der Einleitung angesprochenen Fragen und Themen werden in der Quintessenz noch einmal aufgegriffen, es folgen abschließend die Angaben zur verwendeten Literatur.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Die Sicht auf das Kind bei August Hermann Francke
- 2.1. Biografische Skizze
- 2.2. Der Pietismus
- 2.3. Anthropologie
- 2.4. Die Erziehung
- 3. Der Blick auf das Kind bei Jean-Jacques Rousseau
- 3.1. Biografische Skizze
- 3.2. Die Aufklärung
- 3.3. Anthropologie
- 3.4. Die Erziehung
- 4. Quintessenz
- 5. Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit vergleicht die Pädagogik August Hermann Franckes und Jean-Jacques Rousseaus, fokussiert auf deren jeweilige Sichtweise des Kindes und die daraus resultierenden Erziehungskonzepte. Die Arbeit beleuchtet die pädagogische Praxis im Kontext der jeweiligen historischen und ideengeschichtlichen Hintergründe (Pietismus und Aufklärung).
- Der Einfluss des Pietismus auf Franckes Pädagogik
- Die anthropologischen Grundlagen der Pädagogik bei Francke und Rousseau
- Vergleich der Erziehungskonzepte von Francke und Rousseau
- Der historische Kontext der beiden Pädagogen (Pietismus und Aufklärung)
- Die Bedeutung der "altersgerechten Erziehung" in beiden Konzepten
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik ein und benennt die Forschungsfrage. Kapitel 2 skizziert zunächst Franckes Leben und ordnet ihn in den Kontext des Pietismus ein. Anschließend wird seine Anthropologie und sein pädagogisches Konzept vorgestellt. Kapitel 3 wiederholt dieses Vorgehen für Jean-Jacques Rousseau, situiert ihn in der Aufklärung und präsentiert seine Sichtweise des Kindes und seine pädagogischen Ideen.
Schlüsselwörter
August Hermann Francke, Jean-Jacques Rousseau, Pietismus, Aufklärung, Kindheitsverständnis, Anthropologie, Erziehungskonzept, altersgerechte Erziehung, pädagogische Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheidet sich das Kindheitsbild von Francke und Rousseau?
Francke sieht das Kind im Kontext des Pietismus als ein zu formendes Wesen mit Fokus auf Disziplin, während Rousseau das Kind als von Natur aus gut betrachtet und eine freie Entwicklung fordert.
Welche Rolle spielt der Pietismus in der Pädagogik Franckes?
Der Pietismus betont die religiöse Erziehung, die Herzensfrömmigkeit und die Unterordnung des eigenen Willens unter Gottes Gebote als Ziel der Bildung.
Was ist das Hauptwerk von Jean-Jacques Rousseau zur Erziehung?
Sein Erziehungsroman „Émile oder über die Erziehung“ gilt als wegweisend für das moderne Verständnis von Kindheit und Entwicklung.
Was bedeutet „altersgerechte Erziehung“ in diesem Vergleich?
Beide Pädagogen forderten, dass Erziehung die spezifischen Phasen der Kindheit berücksichtigen muss, wobei Rousseau den Begriff der „Entwicklung“ prägte.
Führt Franckes Pädagogik direkt zur Aufklärung?
Die Arbeit untersucht, ob Franckes Ansätze ein Vorläufer der Aufklärung waren oder einen eigenständigen pädagogischen Seitenweg darstellten.
Was ist die anthropologische Basis dieser Konzepte?
Es geht um die Frage nach dem Wesen des Menschen: Ist er durch Erbsünde belastet (Pietismus) oder im Kern gut und erst durch die Gesellschaft korrumpiert (Rousseau)?
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- Philipp vom Stein (Author), 2005, Der Blick auf das Kind, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119076