Die Frage, ob Belohnung und Bestrafung angebrachte Erziehungsmittel für die Schule dar-stellen, wird in dieser Arbeit aus psychologischer Perspektive untersucht. Dazu werden die Standpunkte verschiedener psychologischer Denkrichtungen einander gegenübergestellt und miteinander in Beziehung gesetzt.
Wie beurteilt die Gestalttheorie – im Vergleich mit Psychoanalyse, Individualpsychologie und Behaviorismus – Belohnung und Bestrafung als Erziehungsmittel im schulischen Kontext? Welche alternativen Erziehungsmittel werden gegebenenfalls vorgeschlagen?
Als Ausgangspunkt für die Beantwortung dieser Fragen werden zunächst die Begriffe Belohnung und Bestrafung aus psychologischer Perspektive definiert. In einem Exkurs wird anschließend die Bedeutung von Bestrafung um die gesellschaftliche, rechtliche und erzieherische Perspektive erweitert.
Daraufhin wird sich nacheinander den psychologischen Schulen der Psychoanalyse, der Individualpsychologie, des Behaviorismus und der Gestalttheorie zugewandt, wobei dabei ihr genereller Ansatz zu Erziehung, deren Beurteilung der Erziehungsmittel Belohnung und Bestrafung sowie die jeweiligen Auswirkungen auf die Schule beleuchtet werden. Nachdem die Perspektiven der psychologischen Richtungen einzeln erarbeitet wurden, werden diese abschließend innerhalb eines Vergleichs miteinander in Beziehung gesetzt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DIE BEGRIFFE „BELOHNUNG“ UND BESTRAFUNG“
3 EXKURS: STRAFE IN GESELLSCHAFT, RECHT UND ERZIEHUNG
3.1 STRAFE IN DER GESELLSCHAFT
3.2 STRAFE UND RECHT
3.3 STRAFE IN DER ERZIEHUNG
3.4 ZWISCHENFAZIT
4 BELOHNUNG UND BESTRAFUNG IN DER PSYCHOLOGIE
4.1 PSYCHOANALYSE
4.1.1 ANSÄTZE ZU ERZIEHUNG
4.1.2 BEURTEILUNG VON BELOHNUNG UND BESTRAFUNG
4.1.3 BELOHNUNG UND BESTRAFUNG IN DER SCHULE
4.2 INDIVIDUALPSYCHOLOGIE
4.2.1 ANSÄTZE ZU ERZIEHUNG
4.2.2 BEURTEILUNG VON BELOHNUNG UND BESTRAFUNG
4.2.3 BELOHNUNG UND BESTRAFUNG IN DER SCHULE
4.3 BEHAVIORISMUS
4.3.1 ANSÄTZE ZU ERZIEHUNG
4.3.2 BEURTEILUNG VON BELOHNUNG UND BESTRAFUNG
4.3.3 BELOHNUNG UND BESTRAFUNG IN DER SCHULE
4.4 GESTALTPSYCHOLOGIE
4.4.1 KURT LEWIN
4.4.2 WOLFGANG METZGER
4.4.3 ZWISCHENFAZIT
4.4.4 BELOHNUNG UND BESTRAFUNG IN DER SCHULE
5 VERGLEICH
6 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die Verwendung von Belohnung und Bestrafung als Erziehungsmittel im schulischen Kontext aus der Sicht der vier psychologischen Denkrichtungen Psychoanalyse, Individualpsychologie, Behaviorismus und Gestalttheorie zu beurteilen, miteinander zu vergleichen und mögliche Alternativen aufzuzeigen.
- Vergleichende Analyse psychologischer Erziehungstheorien
- Theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen Belohnung und Bestrafung
- Interdisziplinärer Exkurs zur Bedeutung von Strafe
- Kritische Reflexion von Belohnungssystemen im schulischen Alltag
- Herausarbeitung alternativer Ansätze zur Verhaltenssteuerung
Auszug aus dem Buch
Die Begriffe „Belohnung“ und Bestrafung“
Eine allgemeine psychologische Definition von Belohnung und Bestrafung aufzustellen sei Guss zufolge unmöglich, da die einzelnen psychologischen Schulen unterschiedliche Schwerpunkte setzten, weswegen die beiden Erziehungsmittel aus Sichtweise der jeweiligen psychologischen Schule einzeln zu definieren seien (vgl. Guss, 1975c, S. 115). Dieser Aufforderung wird im Hauptteil dieser Arbeit nachgegangen, in welchem jeweils die individuellen Ansichten von Belohnung und Bestrafung thematisiert werden. An dieser Stelle wird jedoch zunächst versucht, allgemeine Definitionen der beiden Begriffe aufzugreifen, wie sie in Psychologielexika zu finden sind. Im Dorsch-Lexikon wird Belohnung wie folgt definiert: „allg. Wertung, Anerkennung, Vergeltung. In Lernexp. Ist B. Verstärkung oder Bekräftigung oder der Anreiz, der … eine Person motivieren soll, eine best. Aufgabe auszuführen“ (Belohnung, 2020).
Bestrafung wird als ein unangenehmes Ereignis [bezeichnet,] das auf eine Handlung folgt und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieser Handlung in ähnlichen Situationen herabsetzen soll. …. Bei stärkeren Bestrafungen sind oft die durch sie ausgelösten … affektiven Erregungen störende Nebenwirkungen für benachbarte Lernprozesse, die von der spezifischen Bestrafung nicht betroffen werden sollten. Der Lernerfolg kann dadurch herabgesetzt werden. (Bestrafung, 2020)
An den beiden Definitionen fällt auf, dass Belohnung ausschließlich in ihrer Funktion und Wirkung beschrieben wird, wohingegen bei Strafe zusätzlich auf mögliche unerwünschte Nebenwirkungen hingewiesen wird, was indirekt eine Wertung ebendieses Erziehungsmittels beinhaltet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik durch ein aktuelles Praxisbeispiel und Formulierung der Fragestellung.
2 DIE BEGRIFFE „BELOHNUNG“ UND BESTRAFUNG“: Versuch einer allgemeinen Definition der Begriffe aus psychologischer Perspektive.
3 EXKURS: STRAFE IN GESELLSCHAFT, RECHT UND ERZIEHUNG: Multidimensionale Betrachtung von Strafe unter Einbeziehung gesellschaftlicher, rechtlicher und erzieherischer Aspekte.
4 BELOHNUNG UND BESTRAFUNG IN DER PSYCHOLOGIE: Detaillierte Analyse der Positionen von Psychoanalyse, Individualpsychologie, Behaviorismus und Gestalttheorie.
5 VERGLEICH: Gegenüberstellung und Synthese der verschiedenen psychologischen Standpunkte.
6 FAZIT: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf künftige Studien.
Schlüsselwörter
Belohnung, Bestrafung, Erziehung, Psychologie, Psychoanalyse, Individualpsychologie, Behaviorismus, Gestalttheorie, Schule, Erziehungsmittel, Motivation, Konditionierung, Ermutigung, Logische Folgen, Verhaltenssteuerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie unterschiedliche psychologische Schulen die klassischen Erziehungsmittel Belohnung und Bestrafung im Kontext des Schulalltags bewerten.
Welche Schulen werden in der Arbeit betrachtet?
Die Autorin analysiert die Standpunkte der Psychoanalyse, der Individualpsychologie, des Behaviorismus und der Gestalttheorie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die theoretischen Ansätze der vier psychologischen Schulen gegenüberzustellen, um zu verstehen, wie sie den Einsatz von Belohnung und Bestrafung legitimieren oder ablehnen und welche pädagogischen Alternativen sie vorschlagen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturtheoretische Analyse, bei der existierende psychologische Theorien und Erkenntnisse zusammengetragen, verglichen und auf den schulischen Kontext transferiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Erziehungsansätze der jeweiligen psychologischen Schulen, deren spezifische Beurteilung von Belohnung und Bestrafung sowie die Anwendung auf den Schulkontext.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben den Hauptbegriffen Belohnung und Bestrafung sind Begriffe wie Erziehungsmittel, Motivation, Konditionierung, Ermutigung und Verhaltenssteuerung zentral.
Wie unterscheidet die Individualpsychologie Belohnung von Ermutigung?
Während Belohnung als eine Form der externen Beeinflussung betrachtet wird, die das Kind abhängig macht, zielt Ermutigung darauf ab, die Selbstachtung und Eigenmotivation des Kindes zu stärken, ohne es zu bewerten.
Welche Rolle spielt die Gestalttheorie bei der Ablehnung von Belohnung?
Die Gestalttheorie betont die Bedeutung der psychologischen Gesamtsituation und der Prägnanztendenz; sie lehnt externe Anreize ab, da diese das Kind von einem schöpferischen Prozess ablenken und die natürliche Ordnung stören können.
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- Marleen Hinderer (Autor), 2021, Belohnung und Bestrafung in der Schule. Ein Vergleich verschiedener psychologischer Schulen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1190861