Das von der französischen Philosophin und Schriftstellerin Simone de Beauvoir 1949 veröffentlichte Werk Le Deuxième Sexe („Das andere Geschlecht“)1 mit der These „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“2 beeinflusste sowohl die Literaturwissenschaft als auch die Literaturproduktion. Die Annahme, dass gesellschaftliche Vorstellungen von Weiblichkeit „in der irrigen Vorstellung einer natürlich gegebenen Ordnung wurzeln“3 und zu hierarchischen Geschlechts-beziehungen, Frauendiskriminierung und -unterdrückung führen, richtete die Aufmerksamkeit der Literaturwissenschaft auf neue Arbeitsfelder. Der von männlichen Autoren dominierte traditionelle Literaturkanon4 wurde in Frage gestellt, literarisch vermittelte Frauenbilder wurden herausgearbeitet5, auch patriarchatskritisch analysiert6, und Theorien zu einer spezifisch weiblichen Schreibweise (Écriture feminine) entwickelt7. In dieser Arbeit, die auf der Erkenntnis des Konstruktionscharakters von ,Geschlecht’ aufbaut, soll nicht wie in der so genannten „feministischen Literaturwissenschaft“8 Partei für das weibliche Geschlecht ergriffen werden. Die Analyse-Kategorie ,Geschlecht’, im Sinne von „soziales Rollenmuster“9 soll hier, wie es Jutta Osinski als Merkmal einer gender-orientierten Literaturwissenschaft hervorhebt10, auch literarisch vermittelte Männerbilder umgreifen. Außerdem soll das in den Werken dargestellte Verhältnis zwischen den Geschlechtern in den Blick genommen werden. Wie bereits angedeutet, beeinflusste der Gender-Diskurs auch die Literaturproduktion selbst, und zwar nicht nur durch die stärkere Präsenz von Autorinnen. In einigen Werken der Gegenwartsliteratur wird auf den Konstruktionscharakter von Geschlechterbildern direkt oder indirekt Bezug genommen.
- Arbeit zitieren
- Juliana Hartwig (Autor:in), 2008, Die Darstellung und das Verhältnis der Geschlechter in ausgewählten Romanen von Elfriede Jelinek, Marlene Streeruwitz und Sibylle Berg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119101