In dieser Arbeit wird der Forschungsstand zu der Frage "Warum konnte der Plan einer EU-Armee bislang nicht oder nur sehr eingeschränkt verwirklicht werden?" aufgezeigt. Zur Darstellung des Forschungsstand werfen wir einen Blick auf die Vergangenheit und versuchen, die Gründe zu katalysieren, welche dafür sorgen bzw. sorgten, dass es nie zu einer EU- Armee gekommen ist. Um diese zu identifizieren, wird ein Blick auf drei Zeitabschnitte geworfen, welche eine Möglichkeit einer Formung einer Europaarmee boten. Angefangen wird in den 1950er mit der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, gefolgt von der Zeit des Endes des Kalten Krieges, abschließend wird das Versagen der EU während des Kosovokrieges betrachtet. Anschließend werden anhand der Ergebnisse drei Integrationstheorien (Neofunktionalismus, liberaler Intergouvernementalismus und Sozialkonstruktivismus) auf ihren Erklärungsgehalt geprüft. Abschließend wird anhand der gewonnenen Erkenntnis ein Ausblick auf die aktuelle Lage der EU geworfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodik
3. Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft
4. Ende des Kalten Krieges
5. Kosovokrieg - Versagen der EU
6. Theoretische Ansätze - Verknüpfung der Fälle
6.1 Der Sozialkonstruktivismus
6.2 Der Neo-Funktionalismus
6.3 Liberale Intergouvernementalismus
7. Forschungslücke
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historischen Ursachen für das wiederholte Scheitern der Bestrebungen, eine gemeinsame Europäische Armee zu etablieren. Anhand zentraler historischer Krisenmomente wird analysiert, warum trotz sicherheitspolitischer Notwendigkeit eine supranationale Verteidigungsunion bislang nicht realisiert werden konnte.
- Historische Analyse der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG)
- Rolle sicherheitspolitischer Krisen wie des Kosovokrieges
- Anwendung politikwissenschaftlicher Integrationstheorien (Neofunktionalismus, Sozialkonstruktivismus, liberaler Intergouvernementalismus)
- Identifikation nationaler Interessenkonflikte und Souveränitätsvorbehalte
- Bewertung der aktuellen Forschungslage zur europäischen Integration
Auszug aus dem Buch
Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft
Europa schaut auf sechs Jahre Krieg zurück, der Wunsch nach Sicherheit ist groß. Um die Bedrohung der Sowjetunion zu minimieren, unterzeichneten im März 1948 Großbritannien, Frankreich und die Beneluxstaaten den Brüsseler Vertrag. Der Kern des Vertrages war ein gegenseitiges Verteidigungsverprechen. Im Falle eines Angriffs auf Europa sollten die Nationen sich gegenseitig Beistand leisten (Wissenschaftliche Dienste, 2018, S.5). Weitere Sicherheitsmechanismen wurden 1949 mit der Gründung der NATO beschlossen. Zwölf Staaten, unter anderem die USA und die Mitglieder des Brüsselers Vertrages, schlossen sich zusammen, um „die Russen fern zu halten, die Amerikaner zu integrieren und die Deutschen am Boden zu halten“ (Stadnik, 2016, S. 2).
Als 1950 der Korea-Krieg ausbrauch, nahm die geopolitische Spannung zwischen dem Westen und dem Osten ein Hoch an. Die USA drängt Frankreich dazu, die Deutschen wieder zu bewaffnen, um Teil der Verteidigung Europas zu werden und somit die alliierte Militärpräsenz in Europa zu stärken. Um die Wiederauferstehung der Wehrmacht zu vermeiden, kam der französische Minister Robert Schuhmann auf die Idee, die deutsche Armee innerhalb einer europäischen Armee neu zu gründen (Dutard, 2018, S. 2). Die sogenannte Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) sollte nach dem Pleven Plan realisiert werden. Dieser sah eine Europäische Armee vor, die die nationalen Armeen abschaffen sollte. Sie soll einer supranationalen Behörde unterstehen, welche die Armee demokratisch kontrollieren sollte (Wissenschaftliche Dienste, 2018, S.6). Der Weg zur europäischen Armee war geebnet. Bis 1954 hatten alle Mitglieder bis auf Frankreich den Vertrag ratifiziert. Am 30. August 1954 scheitert die EVG an der Nichtratifizierung der französischen Nationalversammlung. Mögliche Gründe für das Scheitern waren die starke Einwirkung der Militärs auf die Abgeordneten und die mangelnde Unterstützung für föderalistische Projekte, sowie die Prioritäten, die sich Frankreich setzte. Sie wollten die Finanzen sowie die Wirtschaft des Landes fördern und nicht die europäische Integration, da sie sich der Gefahr ausgesetzt sahen, Opfer eines Verdrängungswettbewerb in Europa zu werden. Als Folge des Scheiterns stimmte Frankreich einer Aufnahme Deutschlands in den Nordatlantikpakt zu (Volkmann, 1999, S.180ff).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass trotz komplexer globaler Risiken eine europäische Armee bisher nicht realisiert werden konnte, und skizziert die historische Persistenz dieses Themas.
Methodik: Das Kapitel erläutert den Forschungsansatz, der anhand drei ausgewählter Zeitabschnitte und drei Integrationstheorien die Gründe für das Scheitern einer Europaarmee untersucht.
Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft: Es wird der Versuch der 1950er Jahre analysiert, eine supranationale Armee zu schaffen, und das Scheitern dieses Vorhabens durch die Nichtratifizierung Frankreichs begründet.
Ende des Kalten Krieges: Dieses Kapitel betrachtet die Identitätskrise der EU während des Kalten Krieges und die daraus resultierende militärische Handlungsunfähigkeit, illustriert am Beispiel des Golfkrieges.
Kosovokrieg - Versagen der EU: Die Analyse zeigt auf, wie der Zerfall Jugoslawiens die Unfähigkeit der EU zur eigenständigen Konfliktbewältigung offenlegte und eine Hinwendung zu Eingreiftruppen forcierte.
Theoretische Ansätze - Verknüpfung der Fälle: Hier werden der Sozialkonstruktivismus, der Neo-Funktionalismus und der liberale Intergouvernementalismus genutzt, um die untersuchten historischen Fälle wissenschaftlich zu erklären.
Forschungslücke: Abschließend werden die multiplen Krisen der letzten Dekade betrachtet, um zu hinterfragen, ob diese den Integrationsprozess langfristig hemmen oder als Katalysator für notwendige Veränderungen dienen könnten.
Schlüsselwörter
Europäische Armee, Europäische Verteidigungsgemeinschaft, Integrationsprozess, Sozialkonstruktivismus, Neo-Funktionalismus, liberaler Intergouvernementalismus, Souveränität, Sicherheitspolitik, Krisenmanagement, NATO, Kosovokrieg, Verteidigungsreform, europäische Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Ursachenforschung bezüglich des Scheiterns der Bestrebungen zur Gründung einer europäischen Armee in der Geschichte der europäischen Integration.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik, das Spannungsfeld zwischen nationaler Souveränität und supranationaler Integration sowie der Einfluss von Krisen auf diesen Prozess.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Kernfrage lautet: „Warum konnte der Plan einer EU-Armee bislang nicht oder nur sehr eingeschränkt verwirklicht werden?“
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode verwendet, bei der drei ausgewählte Zeitabschnitte (EVG, Ende Kalter Krieg, Kosovokrieg) anhand dreier Integrationstheorien (Sozialkonstruktivismus, Neo-Funktionalismus, liberaler Intergouvernementalismus) geprüft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Meilensteine sowie die theoretische Verknüpfung der Fälle mit den gewählten Integrationstheorien detailliert erörtert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Souveränitätsvorbehalte, supranationale Integration, sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit und nationale Interessen spielen eine entscheidende Rolle.
Warum wird der Sozialkonstruktivismus zur Erklärung herangezogen?
Er dient dazu zu erklären, wie die Identität der Akteure und bestehende Institutionen wie die NATO das Verhalten der Mitgliedstaaten prägen und einer Abwendung hin zu einer EU-Armee entgegenstehen.
Welche Rolle spielt die Politik des "leeren Stuhls" in der Argumentation?
Sie wird genutzt, um die Blockierung des Integrationsprozesses durch Frankreich zu illustrieren, die verdeutlicht, wie nationale Interessen supranationale Bestrebungen in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik stoppen können.
- Arbeit zitieren
- Erik Schlüter (Autor:in), 2020, Eine Europäischen Armee. Warum konnte der Plan bislang nicht verwirklicht werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1191182