Im Fremden: Darstellung des Bösen im Film ALIEN (1979)


Term Paper (Advanced seminar), 2008
12 Pages, Grade: 1,0

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Inhaltsverzeichnis

I.Einleitung

II. Im Fremden: Inszenierung der Angst vor dem Unbekannten

III. Darstellung des Bösen im Film
a. Alien als Verkörperung des Bösen
b. Sexualität im Film
c. Rolle der Wissenschaft und Technik

IV. Das Böse provoziert von der Begegnung mit dem Menschen

V. Schlussbetrachtung
Originaltitel des Films: Alien
Genre: Horror | Sci-Fi
Regisseur: Ridley Scott
Drehbuchautoren: Dan O'Bannon, Ronald Shusett
Premierendatum: 25. Oktober

I. Einleitung

Ein Blick in den Weltraum: der Raumfrachter „Nostromo“, beladen mit Tonen von Erz, befindet sich auf dem Weg zurück zur Erde. Seine aus sieben Menschen bestehende Besatzung liegt während der Fahrt im Tiefschlaf. Bald werden sie aber vom Computersystem geweckt, weil es ein seltsames Signal in der Nähe des Transportschiffes empfangen hatte. Die Crewmitglieder sollen die Quelle dieser Nachricht identifizieren und landen deshalb auf einen unbekannten und extrem unwirtlichen Planeten. Im alten Raumschiff, wovon das Signal stammt, finden sie die Überreste einer unbekannten Lebensform und werden einige Minuten später zum ersten Mal mit ihrer tatsächlichen Entdeckung konfrontiert und zwar: die Aliens. Von diesem Moment an beginnt der Kampf auf Leben und Tod, die tödliche Jagt durch die engen Korridore des Unbekannten, wobei das Böse immer in den dunkelsten Ecken auf seine Beuten lauert: alles eine bekannte Geschichte …

Der Film „Alien“ von Ridley Scott gehört zweifellos zu den Klassikern im Science-Fiction Genre1. Treu zu der Sci-Fi-Thematik, stellt er das ewige Streben des Menschen andere Welten zu erkundigen, wenn auch nicht zu erobern, dar. Oft sind diese unbekannten Territorien voller Geheimnisse ein Objekt der unendlichen menschlichen Neugierde- Neugierde, die die unzähligen Fragen nach dem Ursprung des Menschen und seiner Stelle im Weltall, sowie nach der Existenz anderer Lebensformen im Universum begleitet. Oft geht diese Neugierde Hand in Hand mit der Angst vor dem Unbekannten, das im Film am häufigsten in Form von blutdurstigen Monstern aus dem All materialisiert wird.

Auf den ersten Blick wirkt „Alien“ vor allem mit den typischen Horrorszenen, wo Mensch und Ungeheuer aufeinander treffen. Eine genauere Auseinandersetzung mit dem Film offenbart jedoch auch andere Aspekte der filmischen Erzählung- vor allem in Zusammenhang mit der Erscheinungsformen des Bösen. Um einen allgemeinen Eindruck über die Darstellung des Fremden im Film zu vermitteln, werden in der vorliegenden Arbeit zuerst die filmische Atmosphäre und die Inszenierung von Isolation und Angst analysiert. Folgend wird versucht, die vielfältigen Repräsentationen des Bösen im Laufe des Films zu enthüllen. Mit Rücksicht auf die bisher gemachte Analyse wird im Folgekapitel der Frage nachgegangen, woher das Böse tatsächlich stammt und es werden einige Parallele zwischen Mensch und Monster gezogen. Ein zusammenfassender Überblick über die Alien-Filmreihe in Bezug auf das Thema bildet den Schluss dieser Arbeit.

II. Im Fremden: Inszenierung der Angst vor dem Unbekannten

Die Kamera erforscht langsam den Weltraum: außer der Sterne ist in weiter Ferne nichts zu erkennen. In der überall herrschende Dunkelheit erscheint zum ersten Mal der Transportschiff „Nostromo“- eine riesengroße Maschine mit groben, kalten Metallkonstruktionen. Noch die Eröffnungsszene vermittelt dem Zuschauer das Gefühl der absoluten Leere und Isolation, die im Kosmos herrschen. Weiter wird der Beobachter in den tatsächlichen Handlungsort eingeführt: in den Raumfrachter „Nostromo“. Die Kamera leitet langsam den Blick des Zuschauers, von links nach rechts, von oben nach unten und bietet einen umfassenden Überblick über die ganze Umgebung: lange leere Korridore, dunkle verlassene Zimmer. Nicht nur die äußerliche Isolation, sondern auch im Inneren des Frachters herrscht das Gefühl der „kosmischen Instabilität“:

„Ein Labyrinth aus Gängen, Schächten, Schleusen und Kammern zwischen automatischen Schiebetoren. Kaum vorhanden der Boden unter den Füßen, wo schmale Leitern die Vertikale durchmessen, und durchlässig dort, wo nur Gitterroste die Plateaus voneinander trennen. Nichts scheint sicher.“ (Hurka 2004, S. 208)

Nicht nur, dass der Raumschiff kein gemütlicher Aufenthaltsort ist, sondern bietet er später sogar einen Unterschlupf und Versteck für das Böse.

Die langen Einstellungen verstärken das Gefühl der Einsamkeit und die düstere Atmosphäre: es sieht so aus, als es auf dem Raumschiff kein Leben herrscht. Das Computersystem im Kommandozimmer ist das Einzige, was in diesem Moment ein Lebenszeichen von sich gibt. Die Technik wird an dieser Stelle wirklich als lebendiges und vernünftiges Wesen dargestellt. Während die Besatzung von „Nostromo“ auf dem langen Weg zurück zur Erde schläft, haben die Maschinen die Steuerung des Frachters übernommen und, wie es auch später klar wird, haben dadurch den Schicksal der Crewmitglieder bestimmt. Der Boardcomputer mit dem bedeutungsvollen Namen „Mother“ (also

„Mutter“) weckt die Besatzungsmitglieder und somit wieder das Leben auf dem Raumschiff. Man hat jetzt die Chance, während ihres Frühstücks, alle sieben Menschen auf dem Board kennenzulernen. Sie sitzen, lachen über ihre Scherze, streiten um ihr Gehalt und warten auf ihre Heimkunft. Sie sind keine Abenteuer, keine Helden, sondern ganz normale Arbeiter, die am Anfang des Filmes eine kleine Gemeinschaft formieren, „ein winziges Abbild der (amerikanischen) Gesellschaft, in einer fremden, noch jedenfalls weitgehend unbekannten Umgebung […]“ (Behrens, U. 2002). Die Tatsache, dass die handelnden Personen ganz normale Menschen sind, erleichtert die Identifikation des Zuschauers mit den Charakteren. Er bekommt das Gefühl im Geschehen Mitwirkender zu sein und kann später selber die innerliche Befindlichkeit der Handlungsfiguren nacherleben: Angst eben.

Weiter wird das Gefühl der Unsicherheit durch das Fehlen eines eindeutigen Hauptdarstellers verstärkt. Ripley, die tatsächliche Heldin der Geschichte erscheint als solche erst im finalen Viertel des Films. Kane, der am Anfang als erster aufwacht und Dallas- der Haupt Kommandeur, der sich immer als sehr impulsiv und kühn zeigt, sind die beiden Charaktere, die sich am Anfang als scheinbare Helden etablieren. Doch sie zählen auch zu den ersten Opfern des Außerirdischen.

„Dadurch, dass sich „Alien“ weigert, dem Zuschauer von Anfang an eine Identifikationsfigur an die Hand zu geben, steigert sich das Moment der Bedrohung und Unsicherheit enorm“ (Möltner, D. 2003).

Auf diese Weise wird man als Beobachter ebenso in der Luft hängen gelassen wir die handelnden Personen: normale Menschen, mit ihren genauso normalen „Alltagsproblemen“, neugierig und fasziniert bei ihrer ersten Begegnung mit dem Fremden, ohne überhaupt zu ahnen, was sie später in der ihnen bisher bekannten Umgebung erwartet.

III. Darstellung des Bösen im Film

a. Alien als Verkörperung des Bösen

Bevor man den schon erwachsenen Alien in seiner vollen Grausamkeit sieht, wird man während des Films mit seinen „harmloseren“ Formen konfrontiert. Eigentlich erscheinen alle seinen Entwicklungsstadien genauso gefährlich zu sein wie die Endform: die Eier, die die scheußliche Gefahr in sich versteckt haben; der Facehugger2, der den Wirtskörper anspringt und sich sogar operativ nicht entfernen lässt; der Chestburster, der um zu leben, die Brust des Wirts zertrümmern soll und der erwachsene Alien, der blitzschnell aus dem Schatten attackiert. Nicht nur wird der Außerirdische durch diese drei Angriffsmöglichkeiten dämonisiert (vgl. Hurka 2004, S. 207), sondern wird er auch als unzerstörbar und äußerst resistent dargestellt. Falls der Monster verletzt oder angegriffen wird, spritzt Säure aus seinem Körper, die Materie jeder Art ätzen kann. Wie Parker im Film selber zur Erkenntnis kommt: „Got a wonderful defence mechanism. You don`t dare kill it“ (00:41:03). Außerdem besitzt der Alien die Fähigkeit, sich sogar an den ungünstigsten Bedingungen anzupassen:

„ […] I have confirmed that he`s got an outer layer of protein polysaccharides. He has a funny habit of shedding his cells and replacing them with polarized silicon which gives him a prolonged resistance to adverse environmental conditions […].” (Ash, Alien: 00:43:46). Auf allen Stufen seiner Entwicklung kommt der Alien als eine unverwüstliche Mordmaschine vor.

Außer seines ekelhaften Äußeren- der doppelten Kiefer, des glitschigen langen Kopfes ohne Augen, wird die Übermacht des Außerirdischen auch durch die Tatsache betont, dass er während der Handlung nie in seiner körperlichen Ganzheit gezeigt wird- in allen Szenen stehen v.a. seiner Gebiss anstatt einer Zunge und seine Glieder mit skelettartiger Struktur im Vordergrund. Im Laufe des ganzen Films erscheint das Monstrum sehr selten (ca. 4 Mal), wobei der Zuschauer keine Möglichkeit bekommt, die Alienfigur längere Zeit zu beobachten und damit näher kennenzulernen: die letzte bleibt genauso fremd, mysteriös und bedrohend wie am Anfang noch.

Der Alien bewegt sich hauptsächlich in die Lüftungskanäle des Raumschiffes, die von den Menschen selten benutzt oder betreten werden: er haltet sich fern von der Besatzung, hat aber gleichzeitig Zugang zu allen Räumen des Frachters. Die Art und Weise, wie er aus den Schatten attackiert und dann blitzschnell in die unmittelbare Umgebung verschwindet schafft die Illusion, als ob der Alien mit dem Interieur des Raumschiffes verschmelze. Man denke z.B. an der Sequenz, als es Ripley endlich geschafft hat, mit der Rettungskapsel zu fliehen. Während sie sich aufs Schlafen vorbereitet, stoßt sie plötzlich auf das Ungeheuer, das sich in einem Haufen von Kabeln, Röhren und anderer Maschinerie versteckt hat: trotz der Großaufnahmen bleibt es in seinem Unterschlupf auch für den Zuschauer unerkennbar. Der Raumschiff bzw. die Rettungskapsel haben dem Alien Zuflucht gegeben und der Mensch kann sich nirgendwo mehr sicher fühlen: sogar das Eigene und bisher Bekannte wird jetzt als Fremdes gesehen.

Die Idee des Biomechanischen (vgl. Hurka 2004, S. 199) findet hier eine besondere Betrachtung. Nicht nur schmilzt er zu der inneren Metallkonstruktion des Raumschiffes zusammen, sondern ist der Alien selbst eine Mischung aus organischen und technischen Strukturen- ein „Biomechanoid“3. Das Konzept des Biomechanischen als das Böse wird auch weiter im Film entwickelt- dessen Darstellung bleibt keinesfalls nur im Rahmen der Alienfigur begrenzt.

[...]


1 Der Film kann nicht eindeutig dem Science-Fiction-Genre zugeordnet werden, da er eigentlich v.a. die Charakteristiken eines Horrorfilms aufweist, doch ein typischer Horrorfilm ist er auch nicht.

2 Der Facehugger ist die nächste Phase im Alien-Lebenszyklus nach dem Ei. Der Facehugger befestigt sich zum dem Wirtskörper und erhaltet ihn am Leben, bis sich der Chestburster völlig entwickelt hat. Weiter platzt der letzte aus der Brust des Opfers heraus und wächst bis zum schon bekannten Alien heran.

3 Der schweizer Künstler HR Giger, der den Entwurf für den Alienkörper ausgearbeitet hat, ist mit seinen einmaligen „Biomechanischen Stil“ weltbekannt geworden. Quelle: http://www.hrgiger.com/ [Offizielle Webseite von HR Giger, letzter Zugang: 05.10.2008]

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Details

Title
Im Fremden: Darstellung des Bösen im Film ALIEN (1979)
College
University of Augsburg
Grade
1,0
Author
Year
2008
Pages
12
Catalog Number
V119125
ISBN (eBook)
9783640228164
File size
463 KB
Language
German
Tags
Fremden, Darstellung, Bösen, Film, ALIEN, movie critic, Alien movie, Rezension, Filmanalyse, Alien 1979 movie
Quote paper
Tanya Cherneva (Author), 2008, Im Fremden: Darstellung des Bösen im Film ALIEN (1979), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119125

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