Die vorliegende Arbeit verfolgt zwei Ziele: Zum einen soll ein Analyseinstrument entwickelt werden, welches es den Studierenden im Masterstudiengang Wirtschaftspädagogik ermöglicht, videografierten Unterricht im Hinblick auf die unterrichtlichen Qualitätskriterien ‚Classroom Management‘ und ‚Klarheit und Strukturiertheit‘ zu analysieren, um ihre diagnostische Kompetenz sowie ihre Analyse- und reflexive Handlungsfähigkeit zu verbessern. Zum anderen soll ein Konzept für die Einbindung eben dieses Analyseinstruments in die didaktische Ausbildung der angehenden Wirtschaftspädagog*innen an der Georg-August-Universität Göttingen im Rahmen des Masterseminars ‚Schul- und Unterrichtspraktische Studien und Schulpraktikum‘ (SUPS) erstellt werden.
Es stellen sich zwei Fragen: Erstens, ob und vor allem wie eine Darstellung der oben genannten Kriterien in einem Analysebogen auf Grund der Komplexität von Unterricht annähernd trennscharf möglich ist, um sie für die Studierenden händelbar zu machen. Zweitens, was alles benötigt wird und welche Voraussetzungen zu erfüllen sind, um ihnen im Rahmen der didaktischen Ausbildung die Analyse dieser Kriterien in videografiertem Unterricht zu ermöglichen, damit die Analysefähigkeit und das Verständnis von Unterricht, insbesondere der Planungs- und Durchführungsaspekte, gesteigert werden kann. Die Arbeit gliedert sich wie folgt: Während Kapitel zwei und drei den theoretischen Hintergrund zur Videografie von Unterricht und unterrichtlichen Qualitätskriterien darstellen, beschreibt Kapitel vier das methodische Vorgehen.
Hierzu zählt neben der Vorstellung des Analyseinstruments auch die Vorstellung der videografierten Unterrichtseinheit, welche im Rahmen der Testung des Instruments herangezogen wird. Das fünfte Kapitel zeigt die Ergebnisse der Testung und stellt diese zusammenfassend für alle Fallvignetten dar. In Kapitel sechs wird zum einen der Wert des Analyseinstruments reflektiert und diskutiert, sowie andererseits die mögliche Einbindung dieser Analysearbeit in der Ausbildung der Wirtschaftspädagog:innen an der Universität Göttingen vorgestellt. Im abschließenden siebten Kapitel erfolgt neben einer Rekapitulation und Schlussbetrachtung ein Ausblick für weitere Forschungsarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Videografierter Unterricht
2.1 Bedeutung für die Lehrer*innenbildung
2.2 Fremd- und Eigenvideos im Rahmen der Kompetenzentwicklung
2.3 Fallvignetten
3 Qualitätskriterien von Unterricht: Theoretische Fundierung und Begründung
3.1 Eine zusammenfassende Darstellung bisheriger Konzepte zur Unterrichtsqualität
3.2 Classroom Management
3.3 Klarheit und Strukturiertheit
4 Methodisches Vorgehen
4.1 Phasierung von Unterricht
4.2 Das Analyseinstrument für videografierten Unterricht
4.3 Vorstellung der videografierten Unterrichtseinheit
4.3.1 Rahmenbedingungen
4.3.2 Phaseneinteilung der Unterrichtseinheit und Schnitt der Fallvignetten
4.3.3 Planungsmaterial der Unterrichtseinheit
4.3.4 Transkription der Unterrichtseinheit
5 Testung des Analyseinstruments: Darstellung der Ergebnisse
6 Diskussion
6.1 Der Wert des Analyseinstruments
6.2 Einbindung des Analyseinstruments in die Ausbildung von Wirtschaftspädagog*innen an der Universität Göttingen: Ein Konzept
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, ein Analyseinstrument zu entwickeln, das Studierenden im Masterstudiengang Wirtschaftspädagogik ermöglicht, videografierten Unterricht hinsichtlich der Qualitätskriterien "Classroom Management" sowie "Klarheit und Strukturiertheit" gezielt zu reflektieren und diagnostisch zu beurteilen, um so ihre reflexive Handlungsfähigkeit zu stärken.
- Entwicklung eines evidenzbasierten Analysebogens für Unterrichtsvideos
- Verzahnung von theoretischen Qualitätskriterien mit praktischen Analyseinstrumenten
- Konzeptionelle Einbindung von Videoanalysen in die universitäre Lehramtsausbildung
- Erprobung des Analyseinstruments an einer konkreten videografierten Unterrichtseinheit
Auszug aus dem Buch
3.2 Classroom Management
Das Unterricht ein überaus komplexes Geschehen ist, wurde bereits erwähnt. Doyle (1986) beschreibt dazu sechs Merkmale, welche die Komplexität charakterisieren. Dazu zählen die Multidimensionalität, Simultaneität, Unmittelbarkeit, Unvorhersehbarkeit, Öffentlichkeit und Historizität. Vor allem die ersten vier Merkmale sind gerade für Lehrer*innen in Ausbildung eine große Herausforderung. Herzog (2002, zitiert nach Syring, 2017, S. 12 f.) ergänzt Doyles Merkmale um zwei weitere: Intransparenz und Informalität. Auch diese beiden spielen eine besondere Rolle. Dadurch, dass das Interaktions- und Kommunikationsgeschehen nicht durchschaubar und Unterricht auf Grund der situativen Bedingungen nur bedingt standardisierbar und reglementierbar ist, stellt er vor allem Noviz*innen, welche noch nicht über ein breites Handlungsrepertoire verfügen, vor Herausforderungen.
Um die Komplexität des Unterrichts zu bewältigen, sollten Lehrer*innen über die Kompetenz der Klassenführung verfügen. Der Begriff der Klassenführung ist in Deutschland weit verbreitet, wenngleich dieser nicht ganz dem entspricht, was er heute bedeutet. Grundsätzlich können vier Denkrichtungen bzw. Ansätze der Klassenführung beschrieben werden. Diese sind, orientierend an Helmke (2017a, S. 172 f.), das ‚Klassenlehrersein‘, ‚Klassenführung als Inbegriff erfolgreichen Unterrichts und Führens‘, ‚Klassenführung als Reaktion auf Störungen‘ und der ‚integrative Ansatz‘, der präventive Maßnahmen der Lehrkraft in den Mittelpunkt stellt. Vor allem die letzten beiden sind weit verbreitet und finden sich in verschiedenen Arbeiten wieder, da sie eine Unterscheidung zwischen reaktivem und präventivem Handeln verdeutlichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung begründet die Relevanz der Unterrichtsreflexion und der Professionalisierung von Lehrkräften durch Videografie und legt die Ziele der Arbeit dar.
2 Videografierter Unterricht: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung von Unterrichtsvideos für die Lehrer*innenbildung und führt in die Arbeit mit Fallvignetten zur Kompetenzentwicklung ein.
3 Qualitätskriterien von Unterricht: Theoretische Fundierung und Begründung: Hier werden theoretische Konzepte zur Unterrichtsqualität, insbesondere Classroom Management sowie Klarheit und Strukturiertheit, fundiert begründet und hergeleitet.
4 Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung des Analyseinstruments sowie die Planung, Durchführung und Transkription der videografierten Unterrichtseinheit.
5 Testung des Analyseinstruments: Darstellung der Ergebnisse: Es werden die Ergebnisse der Anwendung des Analyseinstruments auf die erstellten Fallvignetten und die damit verbundenen Erkenntnisse dargestellt.
6 Diskussion: Dieses Kapitel diskutiert den Wert des Instruments und entwirft ein Konzept zur Einbindung der Analysearbeit in die universitäre Ausbildung der Wirtschaftspädagog*innen.
7 Fazit und Ausblick: Diese abschließende Betrachtung rekapituliert die Ergebnisse und zeigt Potenziale für zukünftige Forschungsarbeiten auf.
Schlüsselwörter
Lehrer*innenbildung, Unterrichtsqualität, Classroom Management, Klarheit, Strukturiertheit, Videografie, Fallvignetten, Analyseinstrument, Unterrichtsplanung, Berufsfeld, Reflexionsfähigkeit, Wirtschaftspädagogik, Unterrichtsvideos, Kompetenzentwicklung, Unterrichtsreflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Analyseinstruments, das angehenden Lehrkräften helfen soll, die Qualität von Unterricht auf Basis von Videoaufzeichnungen systematisch zu beurteilen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Classroom Managements, die Bedeutung von Klarheit und Strukturiertheit im Unterricht sowie die methodische Aufbereitung von videografiertem Unterricht für die universitäre Ausbildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Entwicklung eines Instruments, welches es Studierenden ermöglicht, videografierten Unterricht hinsichtlich spezifischer Qualitätskriterien zu analysieren, um so ihre diagnostische Kompetenz sowie ihre Analyse- und Reflexionsfähigkeit zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein qualitativ-inhaltsanalytisches Vorgehen gewählt, basierend auf Mayring (2010), um die Qualitätskriterien in strukturierte Kategorien und Indikatoren zu überführen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Qualitätskriterien hergeleitet, dann das methodische Vorgehen bei der Instrumentenentwicklung erläutert und schließlich die Ergebnisse der Testung an einer konkreten Unterrichtseinheit dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lehrer*innenbildung, Unterrichtsqualität, Classroom Management, Klarheit, Strukturiertheit, Videografie, Fallvignetten und Reflexionsfähigkeit.
Warum wurde gerade die Corona-Pandemie für die Erstellung der Unterrichtseinheit relevant?
Da die Schulen während der Pandemie geschlossen waren, konnte kein regulärer Unterricht gefilmt werden. Die Arbeit griff daher auf bereits bestehende Unterrichtsvideos aus einem Masterseminar zurück.
Welche Bedeutung haben "Fallvignetten" in diesem Analysekonzept?
Fallvignetten dienen als visualisierte Ausschnitte von Unterrichtssituationen, die es den Studierenden ermöglichen, komplexe Prozesse gezielt zu stoppen, zu analysieren und unter verschiedenen Aspekten zu reflektieren.
- Arbeit zitieren
- Lea Strycharczyk (Autor:in), 2020, Entwicklung eines Instruments zur Analyse videografierten Unterrichts. Die Qualitätskriterien ‚Classroom Management‘ und ‚Klarheit und Strukturiertheit‘, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1191326