Im Rahmen dieser Arbeit werden die Gedichte „Prière aux masques“ und „Masque nègre“ von Léopold Sédar Senghor analysiert, in denen die Hauptfigur die Masken sind. Die Forschungsfrage der Arbeit lautet: Welche Rolle haben die afrikanischen Masken in den Werken von Léopold Sédar Senghor für die Entstehung der Moderne? Der zweitgrößte Kontinent unserer Erde wird den Menschen, die sich für die Geschichte Afrikas interessieren, oftmals einseitig dargestellt. Über kaum einen Kontinent gibt es so viele Stereotypen wie über Afrika. Jedoch ist die Geschichte Afrikas genauso vielseitig und interessant wie die Geschichte der anderen Länder weltweit. Die Angaben über afrikanische Völker und ihre Kunst sind im Vergleich zu den anderen Völkern und Kulturen sehr knapp.
Die Skulpturen und Masken sind in einer ganz anderen beziehungsweise neuen Weise die sogenannten Manifestationen des spirituellen, kulturellen und sozialen Lebens des afrikanischen Volkes. Jeder Stamm in Afrika besitzt seine speziellen bzw. eigenen Masken, in denen das Erlernen des Handwerks innerhalb des Stammes weitervererbt wird. Jede Maske symbolisiert ein Ritual bzw. hat ihre besondere Bedeutung. Anhand einer Maske kann festgestellt werden, zu welchem Volk diese Maske gehört. Um die Bedeutung der Symbolik auf den Masken zu verstehen, muss man sich mit den religiösen Gebräuchen der Völker in Afrika auseinandersetzen. In der modernen Gesellschaft ist die Maske oftmals zu einem leeren Ding geworden, ganz bedeutungslos; der Maske wird oftmals eine fremde Macht oder irrationaler Aberglaube zugeschrieben. Den frühesten kulturellen Zeugnissen wird etwas Falsches und Uneigentliches, etwas Darunterliegendes, dass eigentlich Wahres und Authentisches verbirgt, zugeschrieben.
Die Masken werden zu den Mitteln der Lüge, des falschen Scheins und der Täuschung gezählt. Heutzutage haben die Menschen andere Assoziationen mit dem Wort „Maske“: eine Schutzmaske während der Corona-Pandemie; eine Gasmaske oder ein maskiertes Ärzteteam im Operationssaal usw. In diesen Fällen ist der primäre Zweck der Masken der Schutz vor Ansteckungen oder Verletzungen. Die Wirkung aller diesen Masken geht aber nicht in ihrer ursprünglichen Funktion auf. Die Bedeutung von afrikanischen Masken ist auf die Schutzfunktion reduziert. Allen Kulturen der Menschheit sind die Masken bekannt, da sie zu den urältesten Gegenständen für Rituale gehören. Afrikanische Masken fungieren eher als ein Einfallstor einer schwer fassbaren Form der Fremdheit.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Afrikanische Masken
1.1. Definition und Funktion
1.2. Die Rolle der Masken
2. Die Ansichten von Léopold Sedar Senghor in seinen Werken
2.1. Masque nègre à Pablo Picasso
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die symbolische und kulturelle Bedeutung afrikanischer Masken und analysiert deren zentrale Rolle im literarischen Schaffen von Léopold Sédar Senghor, um zu ergründen, welchen Beitrag diese für die Entstehung der Moderne leisten.
- Kulturelle Bedeutung und ritueller Kontext afrikanischer Masken
- Masken als Schnittstelle zwischen Transzendenz und sozialer Identität
- Léopold Sédar Senghors Konzept der Négritude und sein Einfluss auf das afrikanische Selbstverständnis
- Analyse der Gedichte „Prière aux masques“ und „Masque nègre“
- Die harmonische Synthese von afrikanischen Werten und europäischem Rationalismus
Auszug aus dem Buch
1.1. Definition und Funktion
Bunte, geheimnisvolle und heilige Masken sind in der afrikanischen Kultur mehr als ein Spiel oder Maskerade. Die Maske ist der wichtigste Teil eines rituellen Kostüms, ein untrennbarer Teil der sozialen und religiösen Rituale. Der Ursprung des Wortes „Maske“ ist bisher nicht völlig erforscht. Der Forscher Weihe R. hat in seinem Buch „Die Paradoxie der Maske“ über die Herkunft aus dem Arabischen festgelegt. Das Wort „mashara“ bezeichnet im Arabischen eine maskierte Person. Das gegenwärtige Wort „Maske“ ist eigentlich ein Lehnwort aus dem Französischen „masque“. Einige Forscher deuten beim Wort „Maske“ auf eine Ableitung aus dem Französischen „maskaro“ hin, welches „dämonische Gestalt“ oder „verkleidete Person“ bedeutet. Cicero verwendete in seinen Ausführungen das Wort „persona“, welches in der wörtlichen Übersetzung „Maske“ bedeutete. Wenn man den Begriff „Maske“ auf solche Weise betrachtet, wie von Cicero verwendet wurde, beschreibt dieser Begriff etwas Individuelles, Innerliches.
Nach der Meinung von Kaster (2005) versteht er unter der Maske eine Schnittstelle zwischen dem Transzendenten und Übernatürlichen. Eine Maske lässt uns vermuten, dass es darunter mehr gibt, als die Menschen sehen und erkennen können. Drei Grundlegende Eigenschaften haben die Masken in sich: Verhüller – indem die Maske das Gesicht des Trägers verdeckt, kann Mimik nicht gelesen werden und die Gefühle bzw. Geheimnisse werden verbergt bzw. maskiert. Gleichzeitig geben die Masken durch die Verdeckung den Mut, menschliche Ängste zu überwinden. Die zweite Eigenschaft der Maske, die von Kaster beschrieben ist, ist ihre Starre. Die Masken sind in einem Ausdruck verharrt, wirken dadurch entrückt und enthoben. Auf solche Weise geben die Masken sowohl den Trägern als auch den Betrachtern den Raum für mehr.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die oft einseitige Wahrnehmung des afrikanischen Kontinents und führt in die Bedeutung sowie Symbolik von Masken in rituellen Kontexten ein.
1. Afrikanische Masken: Dieses Kapitel definiert die Maske als essenzielles rituelles Element und erörtert ihre soziokulturellen sowie psychologischen Funktionen im afrikanischen Kontext.
1.1. Definition und Funktion: Es wird die etymologische Herkunft des Maskenbegriffs erläutert und die Maske als Schnittstelle zwischen transzendenter Erfahrung und menschlicher Ausdrucksform analysiert.
1.2. Die Rolle der Masken: Dieser Abschnitt beschreibt die Maske als Mittel zur Rollenfindung, zur Vermittlung sozialer Normen und als radikale Form des Sich-Verbergens innerhalb gemeinschaftlicher Rituale.
2. Die Ansichten von Léopold Sedar Senghor in seinen Werken: Das Kapitel analysiert Senghors politischen und dichterischen Ansatz, der gegen kulturelle Fremdbestimmung kämpft und die Négritude als Basis für eine neue Zivilisation etabliert.
2.1. Masque nègre à Pablo Picasso: Die Analyse dieses Gedichts verdeutlicht die Maske als Symbol für die Beständigkeit der Vergangenheit in der Gegenwart und als zentrales Element in Senghors Ästhetik.
Fazit: Das Fazit resümiert, dass Masken in Senghors Werk als Identitätswahrzeichen fungieren, die dem Kontinent eine bedeutende Rolle im globalen Dialog und bei der Erneuerung der modernen Welt zuweisen.
Schlüsselwörter
Afrikanische Masken, Léopold Sédar Senghor, Négritude, Moderne, Ritual, Kulturgeschichte, Maskerade, Symbole, Identität, Kolonialismus, Postkolonialismus, Ästhetik, Tradition, Afrika, Menschsein
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kulturellen und rituellen Bedeutung afrikanischer Masken und deren symbolischer Relevanz im literarischen und philosophischen Werk von Léopold Sédar Senghor.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die soziale Funktion von Masken, die Ideologie der Négritude, die Auseinandersetzung mit kolonialen Erblasten sowie die philosophische Verbindung von afrikanischer Tradition und europäischer Moderne.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, welche Rolle afrikanische Masken in den Werken Senghors einnehmen und welchen Beitrag dieses spezifische Symbol für das Verständnis der Entstehung der Moderne leistet.
Welche wissenschaftliche Methodik wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche und kulturgeschichtliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Senghors Gedichten sowie auf relevanter Fachliteratur zu afrikanischer Kunst und Philosophie basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Definition und Rollenbeschreibung afrikanischer Masken sowie eine tiefergehende Interpretation der Gedichte „Prière aux masques“ und „Masque nègre“ im Kontext von Senghors Denken.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Négritude, afrikanische Identität, Maskensymbolik, kultureller Dialog, Dekolonisierung und moderne Zivilisation definiert.
Wie verknüpft Senghor die afrikanische Maske mit der Figur Pablo Picasso?
In dem Gedicht „Masque nègre“ nutzt Senghor die Maske als Symbol für die Zeitlosigkeit und die Beständigkeit der afrikanischen Kultur, um eine Verbindung zwischen der Vergangenheit des Kontinents und dem künstlerischen Einfluss auf die Moderne, repräsentiert durch Picasso, herzustellen.
Welche Rolle spielt der Begriff „Négritude“ im untersuchten Kontext?
Die Négritude dient bei Senghor als ideologische Basis, um afrikanische Werte und Geschichte aufzuwerten, gegen kulturelle Unterdrückung zu mobilisieren und eine harmonische Synthese mit westlichem Rationalismus anzustreben.
Warum ist die „Demaskierung“ bei sterbenden Menschen für den Autor von Bedeutung?
Senghor bzw. die in der Arbeit zitierten Quellen betrachten die Demaskierung im Tod als philosophische Metapher für die Vergänglichkeit des Lebens und die Enthüllung der wahren menschlichen Essenz hinter den rituellen Masken.
Wie interpretiert Senghor die Metapher von „Mehl und Hefe“ in seinem Werk?
In dieser Metapher symbolisiert das Mehl die europäische Kultur, während Afrika als „Hefe“ (Katalysator) fungiert, die für die Wiedergeburt und den Fortschritt der modernen Welt essenziell ist.
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- Natalie Paggel (Author), 2022, Bedeutung afrikanischer Masken bei der Entstehung der Moderne. Analyse der Gedichte „Prière aux masques“ und „Masque nègre“ von Léopold Sédar Senghor, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1191363