Der Algerienkrieg 1954 bis 1962. Zusammenbruch der französischen Kolonie


Hausarbeit, 2008
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Situation in Algerien vor dem Ausbruch des Krieges
2.1 Die Vorgeschichte Algeriens in Grundzügen
2.2 Die Eroberung Algeriens im Jahre 1830
2.3 Die Politische Situation der Algerier

3. Vom Aufstand bis zur Ausweitung zum nationalen Befreiungskrieg
3.1 Auslöser und Ausbruch des Befreiungskrieges
3.2 Die Vorgehensweise der FLN
3.3 Kampf und Strategie für die Freiheit
3.3.1 Der Soummam-Kongress
3.3.2 Die Schlacht von Algier
3.4 Die Rolle der Deutschen

4. Charles de Gaulle – Der Beginn der V. Republik
4.1 Das Evian-Abkommen

5. Schlussteil

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 1. November 1954 wurde durch das Generalgouvernement in Algier, Frankreichs oberste Behörde in Algerien, eine Reihe bewaffneter Aktionen algerischer Nationalisten bekannt gegeben. Damals ahnten wohl nur wenige, dass Afrikas bislang härtester und blutigster national-revolutionärer Befreiungskrieg begonnen hatte - die algerische Revolution.

Dieser Tag gilt als der Beginn des militärisch geführten algerischen Befreiungskampfes durch die FLN (Front de Libération National/Nationale Befreiungsfront Algeriens) gegen die Kolonialherrschaft Frankreichs. Lange wurde in der französischen Presse über Verletzungen der Menschenrechte, Gräueltaten und sogar Folter, denen von 1954 bis 1962 die algerische Zivilbevölkerung zum Opfer gefallen war und in die die französische Armee verwickelt war, berichtet.

In dieser Arbeit wird zunächst auf Fakten eingegangen, wie die Vorgeschichte Algeriens und die politische Rahmenbedingungen des algerischen Befreiungskrieges. Das soll verdeutlichen, welche nationalistischen Kräfte und Motive dahinter standen und wie Frankreichs Reaktionen auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der Algerier im bis dahin französisch geltenden Algerien waren - wie es also zu einem derartigen Krieg überhaupt kommen konnte.

Anschließend wird der Befreiungskampf an sich thematisiert, wie alles mit dem Aufstand am 1. November 1954 begann und die weitere Entwicklung. Hierbei wird primär auf die FLN und ihre Vorgehensweise eingegangen. Denn der Kampf für Unabhängigkeit forderte nicht nur Opfer auf beiden Seiten, es steckte auch eine ausgefeilte Kampftaktik dahinter, in Form von einer Sensibilisierung der algerischen Bevölkerung durch die FLN und eine blinde Repression der nationalistischen Bewegung durch die französische Armee.

Zudem werden der Soummam-Kongress und die bekannte Schlacht um Algier thematisiert, wichtige Ereignisse in der Entwicklung des Unabhängigkeitskrieges. Auch die Rolle der Deutschen war alles andere als unbedeutend, denn trotz einer deutlich zurückhaltenden Position dem Algerienkonflikt gegenüber, aus Rücksicht auf die gerade begangene deutsch-französische Aussöhnung, leisteten im Hintergrund linke deutsche Militanten große Hilfe zugunsten der Rebellen in Algerien.

Im vierten Teil dieser Arbeit, wird auf General Charles de Gaulle eingegangen, welcher im Zweiten Weltkrieg den Widerstand Frankreichs gegen die deutsche Besatzung anführte. Zur Beruhigung der verschärften Lage im französischen Algerien und aufgrund der politischen Sackgasse der IV Republik angesichts der mit Waffen ausgetragenen Freiheitsforderungen der FLN, kam er erneut an die Macht. Es werden die entscheidenden Phasen seiner Algerienpolitik thematisiert, die zur letztendlichen Unabhängigkeit Algeriens führten.

Am Ende der Arbeit werden die allgemeinen Betrachtungen im Fazit nochmal zusammengefasst.

2. Die Situation in Algerien vor dem Ausbruch des Krieges

2.1 Die Vorgeschichte Algeriens in Grundzügen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zählte Algerien zu den Gebieten der arabischen Welt, welche von dem Osmanischen Reich, der damaligen zentralen Macht des Islams, kontrolliert wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt stand Algerien unter zahlreichen Fremdherrschaften und wurde zum Ziel fremder Mächte, die sich im heutigen Algerien niederließen. Das einheimische Volk Algeriens bestand aus Nachfahren von Libyer-, Numidier-, und Mauretaniervölkern, die zusammenfassend als „Berber“ bezeichnet werden. Zudem zogen im 4. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung kriegerische Nomaden, die sogenannten „Tuareg“ in das Land ein. Diese stammten aus dem südwestlichen Asien.

Im 9. Jahrhundert vor Christus folgte die Invasion der Phönizier, der die Länder des südlichen Ufers des Mittelmeeres zum Opfer fielen. Von ihnen wurde auch die Stadt Karthago gegründet.

Es folgten die Römer, welche die Erben Karthagos wurden. Von den Römern wurde das nordafrikanische Land erobert und in die Provinzen „Africa“ im Nordosten und „Mauretania“ im Nordwesten geteilt. In dieser Zeit wurden viele Berbersiedlungen christianisiert, da sich unter den römischen Besatzern die ersten Christen und Juden befanden. Die Nomaden wurden in den Süden vertrieben, bis hin zu den, von Schwarzafrikanern besiedelten Gebieten.

Im 7. Jahrhundert n. Chr. zogen die Araber unter dem Propheten Mohammed in den sogenannten „Maghreb“, die im Westen gelegenen Gebiete des Islams ein.

Durch die Ablösung des Römischen Kulturgutes durch Arabisches, setzte sich auch die arabische Sprache durch. Auf die Christianisierung folgte die Islamisierung, und wieder hatte eine fremde Kultur ihre politische, wirtschaftliche und kulturelle Struktur der ansässigen Bevölkerung aufgezwungen.

Bis zum 15. Jahrhundert herrschten die arabischen Dynastien im „Maghreb“ und breiteten sich bis ins südliche Spanien aus. Die spanische Reconquista[1] erreichte mit der Vertreibung der Araber aus Granada ihren Höhepunkt im Jahre 1492. Mit Hilfe des türkischen Korsaren Arudsch und der osmanischen Flotte schafften es die Bewohner Algiers jedoch, die Spanier aus ihren Stützpunkten in Nordafrika zu vertreiben.

Algerien wurde von nun an als türkischer Vasallenstaat regiert. Die Bevölkerung blieb allerdings trotz der türkischen Herrschaft arabisch und erste Ansätze einer algerischen Nation wurden unter der Regierungsform eines Militärstaates geschaffen.

Über drei Kontinente hatte sich das Osmanische Reich ausgebreitet: Vom Rande Südeuropas, bis zum „Maghreb“ und in den Nahen Osten. Auf die Phönizier, die Vandalen, die Römer, die Araber, die Spanier und die Türken folgten schließlich die Franzosen.[2]

2.2 Die Eroberung Algeriens im Jahre 1830

Die Geschichte Algeriens ist eine Aneinanderreihung von Invasionen bis hin zur Eroberung durch die Kolonialmacht Frankreich im Jahre 1830, die von Handelsinteressen der Bourgeoisie in Marseille vorangetrieben wurde. Ein Vorwand für die Eroberung Algeriens waren zudem diplomatische Spannungen. Diese entstanden wegen der ausstehenden Bezahlung von Weizenlieferungen, mit denen Algerien Frankreich nach der französischen Revolution geholfen hatte. Gegen die französische Eroberung wurde unter Führung des Emirs Abd-el-Kader enormer Widerstand geleistet, welcher jedoch gebrochen werden konnte, als Frankreich den Sultan von Marokko zwang jegliche Hilfe für die Algerier einzustellen. Allerdings erhoben sich immer wieder einzelne Gebiete Algeriens gegen die französische Herrschaft, bis hin zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Zu erwähnen sind hier der Kabylenaufstand von 1871 und der letzte große Aufstand von 1954, in dem über 120.000 Algerier für ihre Heimat kämpften. Die Besetzung Algeriens wurde von der 1831 gegründeten Fremdenlegion gesichert, und im Jahre 1840 wurde die totale Eroberung Algeriens beschlossen. Das hatte eine erneute Kolonisierung des Gebietes zur Folge, da tausende Europäer mit Hilfe der französischen Regierung einwanderten. Die Einwanderungswelle fand ihren Höhepunkt zwischen 1872 und 1914, in dieser Zeit verdreifachte sich die europäische Bevölkerung von 245.000 auf 750.000. Zwar wurde die einheimische Bevölkerung weder ausgerottet noch vertrieben, für die Franzosen jedoch handelte es sich um die Christianisierung des Landes.

[...]


[1] Spanisch und Portugiesisch für „Rückeroberung“

[2] Courdouen, Pierre-Marie; „Zwischen zwei Kolonialreichen: Algerien im 19. Jahrhundert“; Hannover 2002; S. 106f

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Algerienkrieg 1954 bis 1962. Zusammenbruch der französischen Kolonie
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V119176
ISBN (eBook)
9783640222100
ISBN (Buch)
9783640223848
Dateigröße
2809 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Algerienkrieg, Zusammenbruch, Kolonie
Arbeit zitieren
Janna Lüken (Autor), 2008, Der Algerienkrieg 1954 bis 1962. Zusammenbruch der französischen Kolonie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119176

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