Resilienz in Krisen. Wie krisenfest ist Island?

Eine Untersuchung der Wirtschaftskrise 2008 und des Vulkanausbruchs Eyjafjallajökull


Bachelorarbeit, 2021

33 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. ResilienzgegenüberKrisen
2.1. KlärungvonBegriffen
2.1.1. ErläuterungBegriffKrise
2.1.2. Erläuterung Begriff Resilienz
2.1.3. Adaptionszyklus nach Holling
2.2. Sozialkapital als Schlüsselfaktor für Resilienz

3. Wirtschaftskrise 2008
3.1 Phase 0: Industrialisierung und Urbanisierung
3.2 Phase 1: Die Phase des Wachstums (r)
3.3 Phase 2: Die Phase der Erhaltung (K)
3.4 Phase 3: Die Phase der kreativen Zerstörung - Der Kollaps (Q)
3.5 Phase 4: Die Phase der Reorganisation - Der Umbruch (a)

4. Vulkanausbruch - Eyjafjallajökull
4.1 VordemAusbruch
4.2 Nach dem Ausbruch

5. Fazit und aktuelle Entwicklungen
5.1 CoronaPandemie 2020
5.2 Seismische Aktivität - Erdbeben 2021
5.3 Schlussfolgerungen für die Zukunft

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

Kurzfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Resilienz Islands gegenüber natürlichen und anthropogenen Krisen. Island verfügt als Inselstaat einerseits über eine besondere geographische Lage, welche beispielsweise im Zuge der Corona Krise als Resilienz- fördernd zu bewerten ist, andererseits auch über eine geringe Bevölkerungszahl, aufgrund welcher der Zusammenhalt in Krisen in den Persönlichkeiten vieler Isländerinnen und Isländer besonders fest verankert zu sein scheint.

Die Analyse der Wirtschaftskrise 2008 zeigt, dass Island nicht vor Krisen gefeit ist, diese jedoch aufgrund krisenresilienter Subsysteme wie der Fischerei relativ schnell überwunden werden können. Darüber hinaus zeichnet sich eine gewisse Lernfähigkeit der Bevölkerung ab, in ähnlichen Krisen in der Zukunft besonders resilient zu sein. Diese Erkenntnis wurde bei der Untersuchung der Krisenbewältigung des Vulkanausbruchs des Eyjafjallajökull gewonnen. Aufgrund der geographischen Lage und der damit eng verbundenen regelmäßigen seismischen und vulkanischen Aktivitäten ist das Krisenbewusstsein der isländischen Bevölkerung hinsichtlich dieses Risikos, insbesondere in den höher gefährdeten Regionen, überdurchschnittlich ausgeprägt. Dennoch führen oft unvorhergesehene Probleme wie etwa der besonders hartnäckige Aschestaub im Jahr 2010 dazu, dass bewährte Notfallpläne unbrauchbar werden und letztendlich die Krisen aufgrund der richtigen Entscheidungen besonders kompetenter Individuen bewältigt werden können.

Island kann definitiv als krisenerprobte Nation bezeichnet werden, woraus sich bei der Bevölkerung eine resiliente Mentalität entwickelt hat, welche sich in vergangenen Krisen bewährt hat und sich wohl auch in zukünftigen Krisen bewähren wird.

Abstract

The present paper deals with Iceland's resilience towards natural and anthropogenic crises. Iceland, being an island nation, on the one hand has a favorable geographical position, considering, for example, the corona crisis. On the other hand, it is very sparsely inhabited, seemingly leading to more solidarity amongst the Icelandic population. Both factors seem to increase the country's resilience.

An analysis of the 2008 economic crisis displays that Iceland is far from being immune to crises, however, some particularly resilient subsystems, such as the fishing industry, help to overcome the difficulties quickly. Furthermore, it seems that the population learns from past crises, which results in a higher resilience for similar future events. Such a conclusion was drawn from the findings of the analysis of the 2010 volcanic eruption of Eyjafjallajökull. Iceland's position on the Mid-Atlanic Ridge and the seismic activity and volcanic eruptions that come with it seem to have built a crisis awareness among the Icelandic population, especially in the more vulnerable regions. However, unforeseen problems, such as the volcanic tephra at the 2010 eruption, often lead to unemployable emergency plans. The crises then can often only be overcome by competent individuals and their correct decisions within the situation.

Iceland is a country that can definitely be considered tested for crises and therefore the population seems to have adopted a crisis-resilient mentality, which has helped them in the past and also will likely help them in the future.

Vorwort

Diese Bachelorarbeit wurde im Rahmen meines Studiums für Lehramt Sekundarstufe für das Unterrichtsfach „Geographie und Wirtschaftskunde" an meiner Erstzulassungsstelle, der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz im Verbund Cluster Mitte, verfasst.

Da das Thema Resilienz in Krisen gerade jetzt während der Coronapandemie besonders relevant ist, war es mir ein Anliegen, mich mit dieser Thematik näher auseinanderzusetzen. Island ist für mich nicht nur eine zweite Heimat, sondern auch ein Paradebeispiel für das Thema, aufgrund der vulkanischen Aktivität, der ausgesetzten Lage im Nordatlantik, aber auch aufgrund besonders realitätsfremder Bankiers. Letztendlich wollte ich durch diese Arbeit folgende Forschungsfrage beantworten:

„Wie resilient agiert Island im Umgang mit natürlichen oder anthropogenen Krisen?"

Dazu recherchierte ich intensiv zur Wirtschaftskrise 2008 und dem Vulkanausbruch Eyjafjallajökull 2010, wobei mir einige aufschlussreiche wissenschaftliche Untersuchungen sowohl isländischen als auch englischen Ursprungs besonders hilfreich waren.

Ein besonderer Dank gilt meinem Betreuer Dr. Pascal Goeke, der mich mit seinen Ratschlägen bei der Erstellung der Bachelorarbeit sehr unterstützt hat.

Island ist ein kleiner Inselstaat im Nordatlantik, welcher mit einer Fläche von 103.000km[2] und einer Bevölkerung von 367.800 (Karlsson, 2020) als der am dünnsten (3,5 Einwohner pro km[2]) (Urmersbach, 2021) besiedelte Staat Europas gilt. Seine Lage auf dem Mittelatlantischen Rücken zwischen der Eurasischen und Nordamerikanischen Platte sorgt für regelmäßige vulkanische Aktivität. Trotz der nördlichen Lage beschert der warme Golfstrom dem Land relativ milde Winter, wenngleich die Sommer eher kühl ausfallen (Karlsson, 2020). Nichtsdestotrotz führt die Kombination dieser beiden Faktoren zu einer rauen, unberechenbaren Natur: sprudelnde Geysire, donnernde Wasserfälle, Springfluten nach Gletscherabbrüchen, regelmäßigen Erdbeben, Sand- und Schneestürmen sowie Vulkanausbrüchen.

Trotz seiner Schönheit und Vielseitigkeit, fristete das Land bis zum Beginn der 2000er Jahre ein eher unscheinbares Dasein. Erst mit zwei besonderen krisenhaften Ereignissen, der Wirtschaftskrise 2008 und dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull 2010 wurde die Inselnation schlagartig in die internationalen Medien katapultiert. Beide Ereignisse schienen zu Beginn negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Bevölkerung zu haben, konnten jedoch schnell überstanden werden. Deshalb birgt Island besonderes Potential, auf das Thema Resilienz gegenüber verschiedener Arten von Krisen untersucht zu werden.

Das folgende Kapitel erläutert theoretische Ansätze und Modelle, welche sich auf Resilienz beziehen. Diese werden dann in den Kapiteln drei und vier mit den eben beschriebenen realen Krisen verglichen. Im letzten Kapitel werden aktuelle Entwicklungen in Kontrast mit den gewonnenen Erkenntnissen gestellt und ein Fazit gezogen. Die Arbeit endet mit Schlussfolgerungen für die Zukunft.

2. Resilienz gegenüber Krisen

Krisen unterschiedlichen Ursprungs und Ausmaßes mit mehr oder weniger weitreichenden Folgen stellen eine gewaltige Herausforderung für die betroffene Gesellschaft eines Landes und übergeordnete staatliche und politische Systeme dar. Obgleich es sich um Wirtschafts- und Finanzkrisen, Pandemien oder Naturkatastrophen handelt - Krisen können das Leben der Menschen auch langfristig maßgeblich verändern. Doch wie viel Schaden ein System wie ein Staat, eine Wirtschaft oder eine Gesellschaft aber auch ein einzelnes Individuum von einer Krise davonträgt, hängt nicht nur vom natürlichen Ausmaß der Krise, sondern auch von ihrer Bewältigung durch geeignete Maßnahmen der agierenden Akteure ab.

2.1. KlärungvonBegriffen

Bevor die isländische Perfomance im Umgang mit Krisen natürlichen oder anthropogenen Ursprungs betrachtet werden kann, werden einige Begriffe definiert, um ein besseres Verständnis für die Forschungsergebnisse zu schaffen.

2.1.1. ErläuterungBegriffKrise

Der Begriff „Krise" hat seinen Ursprung in der griechischen Sprache als„krisis" was soviel wie Entscheidung bzw. entscheidende Wendung bedeutet. Während diese historische Bedeutung sowohl als positiver, aber auch als negativer Höhepunkt eines Wandlungsprozesses gesehen werden kann, hat der Begriff „Krise" heute eine eindeutig negative Konnotation. Zwar bezieht er sich auch auf den Höhepunkt bzw. Wendepunkt einer Entwicklung, jedoch wird diese als gefährlich, schwierig oder kritisch bezeichnet (Duden, o. J.; Stommer, 2010). Im Volksmund wird, wenn man von einer Krise spricht unweigerlich von einer negativen, den vorherigen positiven Zustand ablösenden Veränderung gesprochen, welche es so schnell und unbeschadet als möglich zu überstehen gilt, um den ursprünglichen oder einen alternativen (besseren) Zustand wieder zu erreichen. Mit jeder Krise sammelt man Erfahrungen, auf welche man im Umgang mit darauffolgenden Krisen zurückgreifen kann. Man entwickelt gewissermaßen eine Krisenfestigkeit, welche im Fachjargon als Resilienz bezeichnet wird. Dieser Begriff wird im folgenden Kapitel erläutert.

2.1.2. Erläuterung Begriff Resilienz

Im Zusammenhang mit Krisen wird einem Begriff immer mehr Beachtung geschenkt: Resilienz. Der Begriff Resilienz wurde 1973 erstmals von Crawford Stanley Holling in seinem Fachaufsatz Resilience and Stability of Ecological Systems beschrieben. Vom lateinischen resilire (zurückschnellen) kommend, bezieht sich Resilienz auf die Fähigkeit eines Systems, nach einer internen oder externen Störung in einen stabilen Zustand zurückkehren zu können. Ursprünglich bezog sich Holling dabei auf ökologische Systeme, heute findet sich der Begriff in vielen Bereichen, darunter der Soziologie oder der Ökonomie, wieder. Holling unterscheidet in seinen wissenschaftlichen Arbeiten vor allem zwischen engineering resilience und ecological resilience:

Engineering resilience bezieht sich auf die Fähigkeit eines Systems, nach einem Schock bzw. einer Störung wieder in das Ausgangsgleichgewicht zurückkehren zu können. Die Resilienz wird dabei in der Wiederstandfähigkeit gegenüber Störungen bzw. in der Zeit, die ein System zur Erholung von diesen benötigt, gemessen. Störungen können in diesem Zusammenhang natürliche Katastrophen wie etwa Flut, Erdbeben oder Vulkanausbrüche, aber auch anthropogene Krisen wie etwa Finanz- und Wirtschaftskrisen, Kriege oder Revolutionen darstellen. Schlüsselbegriffe in diesem Zusammenhang sind etwa Effizienz, Konstanz oder Vorhersehbarkeit als Qualitäten eines resilienten Systems (Davoudi, 2012, S. 300).

Ecological resilience hingegen ist definiert als das Ausmaß einer Störung, welches vom System absorbiert werden kann, bevor es seine Struktur verändert. Sie bezieht sich auf den kritischen Schwellenwert, bei welchen ein System dauerhaft in einen alternativen Zustand befördert wird und damit auf die Fähigkeit, zu bestehen bzw. sich anzupassen. Ein praktisches Beispiel hierfür könnte die Umsiedelung eines Dorfes nach einem Vulkanausbruch oder einer Flut an einen sicheren Standort sein (Davoudi, 2012, S. 300f).

Der Unterschied der beiden Typen liegt darin, dass der erste von nur einem stabilen Zustand bzw. Gleichgewicht eines Systems ausgeht, während der zweite Systemen die Fähigkeit zuschreibt, zwischen verschiedenen stabilen Zuständen zu wechseln. Somit kann ein residentes System trotz beachtlicher Schwankungen entweder in seinen Ausgangszustand zurückkehren oder in einen neuen stabilen Zustand übergehen.

Aus dieser Sichtweise ist ein weiterer Typ entstanden: Evolutionary resilience. Die Idee dahinter besteht darin, dass Systeme entweder durch, oder aber auch unabhängig von Störungen einem evolutionären Wandel unterlegen sind (Scheffer, 2009, in Davoudi, 2012, S. 302). Dabei wird davon ausgegangen, dass die Welt keinen mechanischen, vorhersehbaren Prinzipien unterliegt, sondern chaotisch, unsicher und unvorhersehbar ist. Folglich können sich stabile Systeme ohne nennenswerte äußere Einflüsse spontan verändern (Kinzig et al., 2006, in Davoudi, 2012, S. 302). Resilienz wird dabei nicht nur als Reaktion auf eine Störung gesehen, sondern als die Fähigkeit komplexer sozio­ökologischer Systeme, sich ständig auf neue Gegebenheiten einzustellen und sich an diese anzupassen (Carpenter et al., 2005, in Davoudi, 2012, S. 302). Laut Duit et al. (2010, in Davoudi, 2012, S. 303) kann daher von vergangenem Verhalten eines Systems nicht zwangsläufig auf zukünftiges Agieren geschlossen werden, auch wenn die Umstände vergleichbar sind.

Aus diesem Grund gestaltet sich eine objektive Beurteilung nach festgelegten Kriterien schwierig. Resilienztests auf individueller Ebene werden im Internet zuhauf angeboten, verfügen jedoch vielfach nicht über einen ausreichenden wissenschaftlichen Charakter. Daher bleibt lediglich der Vergleich mit vergangenen Ereignissen sowie im Fall der Wirtschaftskrise mit anderen Nationen.

2.1.3. Adaptionszyklus nach Holling

Die Erweiterung des Resilienzbegriffes um die evolutionäre Komponente veranlasste Holling und Gunderson (2002, in Davoudi, 2012, S. 303) dazu, das Panarchiemodell des adaptiven Zyklus (The Panarchy Model of Adaptive Cycle) zu entwickeln. Darin gehen sie davon aus, dass bei Systemen, welche sich entwickeln und „reifen" gleichzeitig die Resilienz gegenüber Störungen sinkt und damit eine Krise bzw. ein Systemkollaps nahezu unvermeidlich wird. Diese These wird in ihrem Modell in vier Phasen veranschaulicht.

Th« reorganisation phase, (a|, is a time of innovation, restructuring and greatest uncertenty but with high resibence.

The growth phase (r) is characterised by: rapd accumulation of resources (capitate), competition, setting of opportunities, rising level of diversity and connections, and high but decreasing, resilience.

The creotnre destruction phase (O) is characterised by chaotic collapse and release

At conservation phase |K) growth slows down as, resources are stored and used largely for system maintenance. This phase rs characterised by stability, certainty, reduced flexibility, and low resilience.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Panarchiemodell des adaptiven Zyklus (Davoudi, 2012, S. 303)

Die erste Phase (r) ist gekennzeichnet durch Wachstum und Entfaltung: Chancen werden ergriffen, Ressourcen angehäuft, neue Verbindungen geschaffen, die Vielfalt erhöht und es besteht ein oftmals wirtschaftlicher Wettbewerb. Gleichzeitig sinkt jedoch die anfänglich hohe Resilienz. In der zweiten Phase (K) stagniert das Wachstum und Ressourcen werden für die Erhaltung des Systems verwendet. Es wird versucht, das erreichte Niveau zu bewahren, fehlende Innovation führt dabei jedoch zur Verletzlichkeit des Systems gegenüber Störungen. Diese Phase ist charakterisiert durch (vermeintliche) Stabilität und Sicherheit, verminderte Flexibilität und niedrige Resilienz. Mit der dritten Phase (Q) stürzt das System in sich zusammen, dabei wird angehäuftes Kapital freigesetzt. Diese Phase ist gekennzeichnet durch niedrige, aber langsam steigende Resilienz, hohe Unsicherheit aber ebenso hohem Potential. Die letzte Phase (a) vollendet den Zyklus und ist gekennzeichnet durch Experimente und Innovation, sowie sehr hohe Unsicherheit. In dieser Phase entscheidet sich, ob das System in alten Mustern verharrt, oder ein Neustart in einen gänzlich neuen Zustand passiert (Davoudi, 2012, S. 303).

Der adaptive cycle beinhaltet laut Gunderson (2000, in Davoudi, 2012, S. 304) jedoch mehre paradoxe Gegensätze wie etwa Beständigkeit und Veränderung, Flexibilität und Effizienz, Resilienz und Transformation oder Verbundenheit und Adaption. Um diese Gegensätze trotzdem durch das Modell abbilden zu können wurde die Idee der Panarchie entwickelt. Dabei finden laut Gunderson (ebd.) die Phasen des adaptive cycle nicht zwingend in der vorgegebenen Reihenfolge r k Q a oder einem einzigen Zyklus statt, sondern können in mehreren verschachtelten Zyklen, die miteinander interagieren und sich gegenseitig beeinflussen, stattfinden. Darüber hinaus müssen diese Zyklen auch nicht zwingend zeitlich parallel ablaufen (Davoudi, 2012, S. 304). Durch das Modell dieser verschachtelten adaptive cycles können alle natürlichen bzw. gesellschaftlichen „lebensfähigen Systeme" als Adaptionszyklen dargestellt werden, da diese ebenso aus mehreren Subsystemen bestehen, welche zeitlich unabhängig voneinander agieren und von unterschiedlicher Größe sind, sich jedoch gegenseitig beeinflussen (Lukesch, Payer, & Winkler-Rieder, 2010, S. 20). Die Problematik hierbei liegt jedoch darin, dass gesellschaftliche bzw. soziale Systeme sich von natürlichen Systemen signifikant unterscheiden. In natürlichen Systemen laufen diese Zyklen wie beschrieben nach dem Modell ab, während in sozialen Systemen der Mensch oftmals künstlich interveniert (Davoudi, 2012, S. 305). Der Mensch bringt drei Fähigkeiten mit in soziale Systeme: Vorausschau und Absichtlichkeit (zum Beispiel die Regulierung des Fischfangs, damit kein kritischer Schwellenwert überschritten wird), Transfer und Speicherung von Erfahrungswissen durch Kommunikation (früher: Mythen und Glaubenssysteme, heute: moderne Informationstechnologien und Medien), sowie die Nutzung von Technologie zur Manipulation von weit größeren Systemen (zum Beispiel Nanotechnologie oder Kernspaltung bieten vermutlich Möglichkeiten, welche bisher noch nicht erforscht wurden aber mitunter weitreichendere Folgen für das System „Erde" haben) (Lukesch et al., 2010, S. 27). Somit ist das Modell der Adaptionszyklen im Zusammenhang mit sozialen Systemen eher als Richtwert zu sehen.

In diesem Zusammenhang gewinnt jedoch die von Swanstrom (2008, in Davoudi, 2012, S. 304) beschriebene Eigenständigkeit bzw. Eigenverantwortlichkeit der Individuen in einer Krise an Bedeutung. Er argumentiert, dass die Fähigkeit dieser, sich in Krisen bzw. herausfordernden Situationen neu zu erfinden und diesen dadurch zu trotzen, einen Einfluss auf die Mentalität der Gesamtbevölkerung im Sinne einer community-resilience hat. Mit anderen Worten: manche Länder haben eine Bevölkerung, welche aufgrund ihrer Einstellung und Mentalität besser mit Krisen zurechtkommt als andere. Auf diesen Punkt wird im folgenden Kapitel näher eingegangen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Resilienz in Krisen. Wie krisenfest ist Island?
Untertitel
Eine Untersuchung der Wirtschaftskrise 2008 und des Vulkanausbruchs Eyjafjallajökull
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz
Note
2
Autor
Jahr
2021
Seiten
33
Katalognummer
V1191791
ISBN (Buch)
9783346629517
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Resilienz, Island, Krisen, Wirtschaft, Vulkanausbruch, Wirtschaftskrise
Arbeit zitieren
Axel Kolbeinsson (Autor:in), 2021, Resilienz in Krisen. Wie krisenfest ist Island?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1191791

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