Sicherheit der Lebensgrundlage: Das Bedingungslose Grundeinkommen. Unterrichtsprojekt


Seminararbeit, 2021

17 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Theorie: Bedingungsloses Grundeinkommen
1.1 Prinzip des Bedingungslosen Grundeinkommens
1.2 Argumente für das BGE
1.3 Argumente gegen das BGE
1.4 Fazit

2. Projektplanung
2.1 Rahmenbedingungen
2.1.1 Lernziele
2.2 Projektidee und grober Verlauf
2.3 Konkrete Planung der Durchführung
2.3.1 Einstiegsphase
2.3.2. Erarbeitungsphase
2.3.3 Abschlussphase
2.4 Erwartungen und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Theorie: Bedingungsloses Grundeinkommen

Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist ein sozialpolitisches Konzept, welches zur Sicherung der Lebensgrundlage dienen soll, jedoch bisher in keinem Land tatsächlich realisiert wurde und nur in klein angelegten Pilotprojekten getestet und theoretisch erforscht wurde.

1.1 Prinzip des Bedingungslosen Grundeinkommens

Die Grundidee für das Bedingungslose Grundeinkommen basiert auf der Tatsache, dass der technologische Fortschritt sowie die zunehmende Digitalisierung auch Einfluss auf den Arbeitsmarkt hat und immer stärker haben wird. Immer mehr Tätigkeiten werden langfristig von Maschinen übernommen, die im Gegensatz zum Menschen genauer, rund um die verfügbar und nie in Krankenstand oder auf Urlaub sind. Zwar entstehen auch einige ganz neue Jobs, jedoch wird vermutet, dass langfristig sehr viele Menschen ihre Arbeit verlieren und keine neue finden werden. Gleichzeitig gibt es andere Berufe, die unersetzbar und systemrelevant sind, und gleichzeitig aber niedrig entlohnt werden, wie Jobs in der Pflege Reinigung, Erziehung, Gastronomie oder auch in der Abfallentsorgung. Zwar gibt es staatliche Transferleistungen wie das Arbeitslosengeld oder auch die Mindestsicherung, jedoch wäre eine einheitliche Leistung sinnvoller, um das Leben aller Menschen in gleichem Maße abzusichern.

Das Bedingungslose Grundeinkommen ist also eine monatliche Zahlung an jeden Einwohner eines Landes, welches weder an Voraussetzungen noch an Leistungen geknüpft ist. Jeder hat Anspruch darauf und kann diesen auch nicht verlieren. Die Höhe der Zahlung schwankt in den Modellen von Land zu Land, da sie über der nationalen Armutsgrenze liegen muss. In Österreich wäre ein Betrag von 1000€ angedacht (Herndler, 2019). Ob man sich mit diesem Betrag zufriedengibt oder noch zusätzlich einer Erwerbstätigkeit nachgeht, um Geld dazuzuverdienen, ist jedem selbst überlassen. Zu beachten gilt, dass Sozialleistungen, wie Arbeitslosengeld, Familienbeihilfe und auch die staatliche Pension wegfallen. Das bedeutet, jeder Mensch wäre selbst für seine finanzielle Vorsorge verantwortlich.

1.2 Argumente für das BGE

Die Wirkungen eines Bedingungslosen Grundeinkommens können aufgrund der fehlenden tatsächlichen Belege aus der Realität nur mit Vorsicht betrachtet werden – sie basieren Großteils auf theoretischen Auseinandersetzungen, Spekulationen oder äußerst kleinmaßstäbigen Forschungsprojekten.

Das BGE will ein menschenwürdiges Leben für alle. Nicht nur die finanzielle Absicherung der Menschen wäre erfüllt, sondern auch andere soziale und gesellschaftliche Aspekte würden sich verbessern. Beispielsweise müssten sich ArbeitgeberInnen um die Schaffung besserer Arbeitsbedingungen und höherer Löhne bemühen, weil die Option zu kündigen für ArbeitnehmerInnen nicht mehr mit einem finanziellen Desaster verbunden wäre. Viele Menschen würden sich vermutlich zu einer Reduktion ihrer Arbeitsstunden entscheiden und hätten mehr Zeit, sich dafür um Haushalts-, Pflege- und Kinderbetreuungspflichten zu kümmern oder sich ehrenamtlich zu engagieren. Die bessere Work-Life-Balance, die durch geringere Arbeitszeiten entsteht, hätte vermutlich auch positive Effekte auf die mentale und körperliche Gesundheit der Menschen. Zudem würde weniger Druck bei der Arbeitssuche entstehen, da nicht um jeden Preis der nächstbeste Job angenommen werden muss, sondern tatsächlich länger nach der Tätigkeit gesucht werden kann, die am besten zu den eigenen Erwartungen passt, was sich laut Theorie als Qualitätssteigerung der Tätigkeit bemerkbar machen könnte (Herndler, 2019). Womöglich wäre auch der Anreiz, selber unternehmerische Tätigkeiten zu wagen oder in den Aktienhandel einzusteigen, größer, wenn die finanzielle Sicherheit durch das BGE gegeben wäre.

Außerdem würde der momentane Verwaltungsaufwand der Sozialleistungen, für den in Österreich etwa 5000 Beschäftigte arbeiten (Herndler, 2019) erheblich sinken, wenn jeder denselben Betrag ausgezahlt bekommen würde.

Durch die steigenden Löhne und die Gewissheit, unabhängig von allen Umständen jeden Monat 1000€ zu bekommen, wären Menschen vermutlich eher bereit, teurere Produkte zu kaufen – so hätten hochwertige Produkte und regionale Bio-Lebensmittel eine höhere Chance und müssten sich nicht dem Preiskampf mit der Billigproduktion hingeben. Dieser Aspekt wäre positiv für nachhaltige und umweltschonende Entwicklung.

1.3 Argumente gegen das BGE

Jedoch sprechen auch einige Punkte der theoretischen Spekulationen gegen die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Einige machen sich um die Finanzierung Gedanken. Diese würde zwar durch das Wegfallen der jetzigen Sozialleistungen zu einem großen Teil abgedeckt werden, andererseits wären aber auch Erhöhungen der Unternehmenssteuern sowie de Mehrwertsteuer notwendig. Zusätzlich könnte der Staat gezwungen sein, in anderen Bereichen Einsparungen vorzunehmen: zum Beispiel bei der Bildung, der Sicherheit oder der medizinischen Versorgung.

Höhere Steuern und die zuvor erwähnten höheren Löhne würden jedoch auch zu höheren Preisen führen, sodass der Wert des zusätzlich ausbezahlten Geldes sinken würde. Experten vermuten besonders hohe Preissteigerungen am Wohnungsmarkt im städtischen Bereich, da viele Menschen sich dann ein Leben in der Stadt ermöglichen möchten (Herndler, 2019).

Durch die Preissteigerungen wäre die internationale Konkurrenzfähigkeit jedoch geschwächt, da man nicht mehr mit dem Preisniveau anderer Länder mithalten kann. Es ist jedoch schwer einzuschätzen, wie groß dieser Effekt und seine Folgen sein könnten.

Das Hauptrisiko, das die Kritiker des BGE sehen, ist die Gefahr des fehlenden Personals. Sie vermuten, dass der fehlende Arbeitsdruck Faulheit fördern würde und sich zu viele Menschen gegen eine zusätzliche Erwerbstätigkeit entscheiden würden. Da jedoch bessere Arbeitsbedingungen und erfüllende Tätigkeiten ermöglicht werden würden, und Menschen von Grund aus ein Bedürfnis nach sinnvoller Beschäftigung haben, gilt es aber als unwahrscheinlich, dass das tatsächlich in diesem Ausmaß eintreten würde. Laut mehreren Umfragen würden etwa zwei Drittel der Menschen genauso weiterarbeiten wie bisher, einige würden weniger arbeiten oder den Job wechseln und höchstens 10% würden nicht mehr arbeiten (Galileo ProSieben, 2020).

Noch kein Land hat sich getraut, das Bedingungslose Grundeinkommen tatsächlich einzuführen und nur wenige Feldversuche wurden bisher durchgeführt. Dies liegt daran, dass sich die Politik der europäischen Staaten darauf beruft, eine soziale Verantwortung für die BürgerInnen zu haben, weswegen die unterschiedlichen bedarfsabhängigen Sozialhilfen bevorzugt werden. Der Staat würde vor einem großen finanziellen Risiko stehen, wenn er Milliarden an die Menschen auszahlt, ohne zu wissen, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen zu erwarten sind.

1.4 Fazit

In einem Volksbegehren im November 2019 wurden immerhin fast 70.000 Stimmen (1,1% der Wahlberechtigten) für die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens gesammelt (Bundeswahlbehörde, 2019). Auch in anderen Ländern werden immer wieder Forderungen und Initiativen zu diesem Thema gestartet – bislang mit minimalem Erfolg, vermutlich weil das Risiko aufgrund der fehlenden Erfahrungswerte zu groß ist. In Deutschland startet 2021 eine dreijährige Feldstudie, die die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirkungen von 120 Grundeinkommen-Empfängern untersucht wird (Lehrke, 2020).

Im theoretischen Diskurs erscheint das Thema jedenfalls spannend und in vielerlei Hinsicht revolutionär. Ob das momentan vorherrschende kapitalistische System zukunftsfähig ist, ist fraglich. Die immer weiter auseinanderklaffende Kluft zwischen arm reich, die steigenden Burnout-Fallzahlen und die gleichzeitig höchstens schleichend stattfindende Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den angesprochenen schlechtbezahlten aber systemrelevanten Bereichen dürften nur wenige der Zeichen dafür sein, dass Veränderungen zumindest realistisch durchgedacht, erforscht und vielleicht sogar eines Tages ausprobiert werden sollten.

2. Projektplanung

Um die Thematik des Bedingungslosen Grundeinkommens mitsamt seinen Vor- und Nachteilen zu erarbeiten, eignet sich das folgende Unterrichtsprojekt.

2.1 Rahmenbedingungen

Die vorliegende Projektplanung befasst sich mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen und wird im weitesten Sinne als Teil der Verbraucherbildung angesehen und wurde als Teil des Gegenstandes „Ernährung und Haushalt“ konzipiert. Aufgrund des massiv begrenzten Stundenausmaßes dieses Schulfaches wäre eine Durchführung im Rahmen des „Geographie und Wirtschaft“- Unterrichts oder in einem Freigegenstand besser geeignet. Zudem ist ein Unterricht von „Ernährung und Haushalt“ im Regellehrplan der Oberstufe nicht vorgesehen und eine Bearbeitung dieses komplexen Themas in der 6. Schulstufe ist nicht zielführend.

- Im Lehrplan der Oberstufe finden sich mehrere passende Themenbereiche, in denen das Thema bearbeitet werden könnte (BMBWF, 2017):

- 5. Klasse: Die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Menschen bewerten
- 7. Klasse: Gesamtwirtschaftliche Leistungen und Probleme sowie Wirtschafts-und Sozialpolitik erklären
- 8. Klasse: Politische und ökonomische Systeme vergleichen

Aufgrund der Komplexität des Themas und der großen Anteil an theoretischem Diskurs und Spekulation empfiehlt sich eine Durchführung in der Sekundarstufe II.

Die fachlich beteiligten Unterrichtsgegenstände sind Ernährung und Haushalt, Geographie und Wirtschaft sowie Geschichte und politische Bildung. Weiters sind Querverbindungen zu Psychologie und Philosophie sowie Ethik möglich. Bei der Anfertigung des Videos für die Abschlussphase kann der Informatikunterricht eingebracht werden oder auch Deutsch, wenn es um das Formulieren rhetorisch gelungener Sätze geht.

Außerdem lässt sich das Thema dem Unterrichtsprinzip „Verbraucherbildung“ unterordnen, welches fächer- und schulstufenübergreifend angewandt werden soll.

Die Dauer des Projektes beträgt ungefähr 8 Einheiten, wobei auch eine Durchführung der ersten beiden Phasen in einem geblockten Vormittag Sinn machen würde. Je nach zeitlicher Ressource können einzelne Schritte abgekürzt oder auch ausgeweitet werden. Eine verkürzte Version des Projekts sieht nur die Schritte 1-3 vor und lässt den vertiefenden Abschluss in den Schritten 4 und 5 aus.

2.1.1 Lernziele

Das Haupt-Projektziel lautet: Die SchülerInnen nennen Vor- und Nachteile des Bedingungslosen Grundeinkommens und bilden damit analytisch und argumentativ ihre eigene Meinung dazu.

Weitere fachliche Lernziele der Erarbeitungsphase lauten:

- Die SchülerInnen erklären den Grundgedanken und die Funktionsweise des Bedingungslosen Grundeinkommens
- Die SchülerInnen schätzen das Bedingungslose Grundeinkommen hinsichtlich seiner realistischen Umsetzbarkeit ein.
- Die SchülerInnen diskutieren Auswirkungen des Bedingungslosen Grundeinkommens unter verschiedenen Perspektiven.

Außerdem stärken sie aufgrund der verwendeten Arbeitsmethoden ihre kommunikativen und sozialen Fähigkeiten und üben Argumentations- Diskussions- und Präsentationssituationen. Durch die selbstständige Arbeitsweise werden Selbstkompetenz aber auch Organisations- und Teamfähigkeit gefordert und die Themenwahl erfüllt die Kriterien der Zukunftsorientierung, Handlungsorientierung, Reflexionsfähigkeit und Multiperspektivität, die im „Geographie und Wirtschaft“ -Unterricht sowie anderen Gegenständen stets Anwendung finden sollen.

2.2 Projektidee und grober Verlauf

Da das Bedingungslose Grundeinkommen ein sehr komplexes Thema ist, welches fast ausschließlich auf theoretischen Überlegungen basiert, da entsprechende praktische Erfahrungen im großen Stil noch fehlen, ist es schwierig, dieses Thema praxisnah und alltagstauglich mit den SchülerInnen zu erarbeiten, jedoch sollte dies trotzdem nicht unversucht bleiben. Daher wird in der Einstiegsphase mittels eines Gedankenexperiments und dem Vergleich mit dem Taschengeld auf die Lebenswelt der SchülerInnen eingegangen. Nach einem übersichtlichen und anschaulichen Informationsvideo werden in der Erarbeitungsphase die kommunikativen und kreativen Fähigkeiten im Rahmen eines Rollenspiels gefordert. Noch kreativer und selbstwirksamer wird die Klasse beim Erstellen eines eigenen Informationsvideos, welches das Prinzip sowie die Vor- und Nachteile eines Bedingungslosen Grundeinkommens darstellt. In der Abschlussphase wird ein Termin organisiert, an dem ein oder mehrere Experte/n zum Thema in die Schule eingeladen wird. Hier dürfen auch andere Klassen teilnehmen, sodass nach der Videopräsentation eine rege Diskussion entsteht.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sicherheit der Lebensgrundlage: Das Bedingungslose Grundeinkommen. Unterrichtsprojekt
Note
1
Autor
Jahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V1191798
ISBN (Buch)
9783346630483
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedingungsloses Grundeinkommen, BGE, UBI, Universal Basic Income, Unterrichtsvorbereitung, Unterrichtsprojekt, Unterricht, Schule, Wirtschaftspädagogik, Verbraucherbildung
Arbeit zitieren
Laura Gomboc (Autor:in), 2021, Sicherheit der Lebensgrundlage: Das Bedingungslose Grundeinkommen. Unterrichtsprojekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1191798

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