Antisemitismus im Tivoli-Programm


Essay, 2005
6 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Antisemitismus im Tivoli-Programm

Einleitung

Sechzehn Jahre lang stellte der Gründungsaufruf vom 7.Juni 1876 das Programm der Deutsch-Konservativen Partei dar. Erst am 8. Dezember 1892 gab sich die Partei auf dem Parteitag in der Berliner Tivoli-Brauerei eine umfassendere programmatische Grundlage – das Tivoli-Programm. Der im Gründungsaufruf noch fehlende Antisemitismus wird im Tivoli-Programm gleich im ersten Paragraphen aufgeführt („Wir bekämpfen den vielfach sich vordrängenden und zersetzenden jüdischen Einfluss auf unser Volksleben.“) Das Referat will der Frage nach der Ursache für die Integration dieses antisemitischen Gedankens in das Programm nachgehen. Dafür soll zunächst kurz auf den Antisemitismus im Kaiserreich eingegangen werden, danach der populistische Aspekt beleuchtet werden, um dann einen Abriss der Biografie Stoeckers zu geben, dessen Einfluss auf das Tivoli-Programm gerade in der antisemitischen Note sichtbar wird.

Antisemitismus im Kaiserreich

Judenfeindlichkeit findet sich bereits in der Spätantike sowie dann besonders im Hoch- und Spätmittelalter, ausgelöst durch das „aus dem Anspruch der Juden auf Exklusivität erwachsende innerjüdische Zusammengehörigkeitsgefühl sowie ihre Bemühungen, als Minderheit ihre kulturelle, v.a. religiöse Identität in Abgrenzung gegen die nicht jüdische Umwelt auch in der Diaspora zu bewahren.“[1] Judenverfolgungen, Zwangsbekehrungen hatten zunächst ein religiöses Motiv (auch in Berufung auf den „Gottesmord“-Vorwurf). Das wirtschaftliche Moment der Judenfeindlichkeit kam im Mittelalter auf, als die Juden stark aus dem Erwerbsleben ausgegrenzt und in einige wenige Berufszweige gedrängt wurden wie Handel und Geldverleih.

Der „moderne Antisemitismus“ knüpfe, so Nipperdey, an die Traditionen der Judenfeindlichkeit in Einstellung und Verhalten an, man verkenne allerdings seine Wirklichkeit, wenn man nicht das Neue, was ihn aus der Kontinuität hervorhebe, erkenne. Denn er sei post-emanzipatorisch, in dem Sinne, dass er die Emanzipation rückgängig machen wolle. Die „Nähe“ zur Modernität und der bleibende Gruppencharakter („Andersheit als Gemeinsamkeit“) mache „die Juden“ zum Sündenbock des Modernisierungsübels. Nipperdey konstatiert: „Modernitätsnähe einer Minderheit – das charakterisierte die Lage.“[2]

[...]


[1] Brockhaus Geschichte. Mannheim 2003; S. 45.

[2] Thomas Nipperdey: „Deutsche Geschichte 1866-1918 (Band 2)“. München 1993; S. 293.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Antisemitismus im Tivoli-Programm
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Die Parteien im Kaiserreich und in der Weimarer Republik
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
6
Katalognummer
V119192
ISBN (eBook)
9783640228362
Dateigröße
357 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antisemitismus, Tivoli-Programm, Parteien, Kaiserreich, Weimarer, Republik
Arbeit zitieren
Philipp vom Stein (Autor), 2005, Antisemitismus im Tivoli-Programm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119192

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Antisemitismus im Tivoli-Programm


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden