In dieser Arbeit liegt der Schwerpunkt der Betrachtungen auf der Außenkommunikation. In einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft stehen Politiker und Parteien in der Verantwortung und vor der Aufgabe, die von ihnen vertretenen politischen Inhalte und Werte dem Volk gegenüber offenzulegen. Denn in der Demokratie gilt die Politik als begründungspflichtig und zustimmungsabhängig.
Inwiefern dieser Anspruch eines demokratischen Systems an die Transparenz der Politischen Sprache in der aktuellen Politik gelingt, soll in dieser Arbeit an einem konkreten Beispiel näher erörtert werden. Das Thema hat damit über die Wissenschaft hinaus eine gewisse gesellschaftliche Relevanz. Informationsfreiheit und die Transparenz politischer Information ist für das Volk nur gegeben, wenn die überwiegende Mehrheit einer Bevölkerung die Sprache, in denen die politische Information verfasst ist, verstehen und anhand dieses Verständnisses am Ende eine durchdachte Wahlentscheidung treffen kann. Wichtige Kanäle der Parteien zur Information der Bevölkerung vor anstehenden demokratischen Wahlen sind ihre Parteiprogramme. Medial werden diese vom Sprachniveau her häufig als auf dem Niveau von Akademikern liegend eingeschätzt. Es versteht sich von selbst, dass ein Parteiprogramm, das alle Wählerschichten erreichen soll, in einer allgemein verständlichen Sprache verfasst sein sollte. Diese Arbeit beschäftigt sich im Rahmen der Analyse der Politischen Sprache ausschließlich und exemplarisch mit der Analyse von Parteiprogrammen.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
1.1 Einleitung
1.2 Problemstellung
1.3 Parteiprogramme
1.4 Forschungsfrage
1.5 Teilfragen
2.0 Theoretischer Rahmen
2.1 Politische Kommunikation
2.2 Politische Kommunikation aus linguistischer Sicht
2.3 Die Rolle von Parteiprogrammen in der politischen Kommunikation
2.4 Sprachliche Allgemeinverständlichkeit
2.5 Formale Textverständlichkeit und kognitive Fähigkeiten der Leser
2.6 Inszenierung der Politikersprache
2.7 Forschungsstand
2.8 Vorgehensweise
3.0 Methodik
3.1 Datenmaterial
3.2 Indikatoren für formale Sprachverständlichkeit
3.3 Aggregierte Daten / Indizes für formale Sprachverständlichkeit
3.4 Indikator für politische Ausrichtung
3.5 Analyseschritte
3.5.1 Transkribieren der Originaltexte in standardisierte Texte
3.5.2 Erfassung der Häufigkeit von Fachwörtern und Nominalisierungen
3.5.3 Ermittlung des Verständnisindex SEM
3.5.4 Ermittlung des Lesbarkeitsindex LIX
4.0 Ergebnisse
4.1 Länge der Parteiprogramme im Original und transkribiert
4.2 Fachwörter und Nominalisierungen : Verständnisindex SEM
4.3 Lesbarkeitsindex
4.4.Häufigkeitsanalyse von politischen Begriffen
5.0 Fazit
5.1 Zusammenfassung des theoretischen Rahmens und der Forschungsfrage
5.2 Zusammenfassung der Vorgehensweise und der Methodik
5.3 Beantwortung der Forschungsfrage
5.4 Beantwortung der Teilfragen
5.5 Methodenkritik
5.6 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die formale Sprachverständlichkeit aktueller Parteiprogramme von sechs Schweizer Parteien, um zu analysieren, wie diese ihre politischen Überzeugungen in verständlicher Sprache an das Volk vermitteln. Durch einen quantitativen Ansatz werden Indikatoren wie Fachwortdichte, Nominalisierungen und Satzlängen ausgewertet, um die Lesbarkeit zu bewerten und politische Tendenzen abzuleiten.
- Analyse der formalen Sprachverständlichkeit in Schweizer Parteiprogrammen
- Vergleich der Verständlichkeit mittels SEM-Index und Lesbarkeitsindex (LIX)
- Untersuchung der Verwendung politischer Fachbegriffe als Indikator für politische Ausrichtung
- Kritische Reflexion der "Politikersprache" und deren Inszenierung
Auszug aus dem Buch
2.6 Inszenierung der Politikersprache
Eine kognitive Strukturierung von politischen Texten nach Groeben (1982) in Richtung geringerer Komplexität könnte dazu beitragen, eine unerwünschte „Inszenierung“ der politischen Sprache durch Politiker zu erschweren. Sprachwissenschaftler wie Werner Holly (1985) haben die politische Kommunikation hinsichtlich einer Inszenierung der Sprache erforscht. Holly (1985: 197) beschreibt hierbei in seinem Buch „Politische Kultur und Sprachkultur: Wie sich der Bürger politische Äußerungen verständlich machen kann“ (1985), eine Ausnutzung der politischen Sprache durch Politiker, um Sachverhalte und tatsächliche Ereignisse durch Mythen oder Propaganda zu ersetzen. Holly (1985) bezeichnet den „Inszenierungscharakter“ der politischen Kommunikation als eines der wichtigsten Merkmale der politischen Sprache (Holly 1985: 197). Durch Inszenierung der politischen Sprache können hier Nutzer positive politische Sprachhandlungsmuster wie „Informieren und Diskutieren“ vorschieben, um beim Adressaten eher negativ behaftete Sprachhandlungsmuster wie „Werben und Legitimieren“ zu überdecken aufgreift, um deren eigentliche Bedeutung „aufzudecken“.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Einführung in das Forschungsthema und Darstellung der Relevanz politischer Sprache in der demokratischen Willensbildung.
2.0 Theoretischer Rahmen: Erläuterung der Grundlagen zur politischen Kommunikation, Linguistik und der Rolle von Parteiprogrammen.
3.0 Methodik: Beschreibung der angewandten quantitativen Analyseinstrumente, wie dem SEM-Index und LIX-Lesbarkeitsindex.
4.0 Ergebnisse: Präsentation und Analyse der Daten zur Sprachverständlichkeit und inhaltlichen Ausrichtung der untersuchten Programme.
5.0 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen, methodische Reflexion und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Politische Kommunikation, Sprachverständlichkeit, Parteiprogramme, Schweiz, Politolinguistik, SEM-Index, Lesbarkeitsindex, Nominalisierung, Parteienanalyse, Politikersprache, Quantitative Sprachanalyse, Demokratie, Wahlprogramme, politische Begriffe, Inszenierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Sprachverständlichkeit von Parteiprogrammen der Schweiz aus linguistischer und politikwissenschaftlicher Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die formale Sprachverständlichkeit, die Verwendung von Fachvokabular und die politische Positionierung der Parteien anhand ihrer Programmatik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, in welcher Art und Weise Schweizer Parteien ihre politischen Überzeugungen in verständlicher Sprache an das Volk vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein quantitativer Ansatz verfolgt, der auf standardisierten Texttranskripten basiert und Indikatoren wie Satzlängen, Nominalisierungen und Fachwortdichte auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine detaillierte Methodik und die Vorstellung der empirischen Ergebnisse für sechs verschiedene Schweizer Parteien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Politische Kommunikation, Parteiprogramme, Sprachverständlichkeit und quantitative Analyse charakterisiert.
Warum wurde der Fokus auf Schweizer Parteien gelegt?
Da für Deutschland und Österreich bereits vergleichbare Analysen vorlagen, wurde diese Forschungslücke für die Schweiz geschlossen.
Welche Erkenntnis lässt sich zur Rolle der SVP ableiten?
Die Untersuchung zeigt, dass das Programm der SVP trotz eines populistischen Images eine vergleichsweise komplexe Sprache verwendet, was der Forderung nach leichter Verständlichkeit entgegensteht.
- Arbeit zitieren
- Simon Nussbaum (Autor:in), 2020, Politische Kommunikation und Textverständlichkeit anhand Schweizer Parteiprogramme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1192135