Ursachen und Auswirkungen des Bürgerkriegs in Sri Lanka. Eine kritische Perspektive der Kriegsparteien respektive Akteure


Bachelorarbeit, 2022

56 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ein historischer Rücklick in die Ursachen des Bürgerkriegs
2.1 Der Kolonialismus und Imperialismus in Ceylon
2.2 Die Unabhängigkeit und Unstimmigkeiten zwischen den Nationen

3. Die zuspitzende Kriegslageund kulturell verwurzelten Ursachen
3.1 Die Tamilen und Singhalesen und ihre unterschiedlichen kulturellen und politischen Auffassungen
3.2 Die chronologische und systematische Unterdrückung der Tamilen- Pogrom Black July
3.3 Die Entstehung und Motive des Akteurs LTTE

4. Das Ende des Bürgerkriegs- eine kritische Perspektive
4.1 2009- ein gewaltsames Ende des Bürgerkriegs
4.2 Indien- ein kritischer Krisenmanager respektive Akteur

5. Auswirkungen des Bürgerkriegs
5.1 Postkoloniale Auswirkungen
5.2 Auswirkungen auf Verfassungsebene
5.3 Ende des Bürgerkriegs gleich Beginn des langfristigen Friedens?

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Nicht wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt.“ (Niccolo Machiavelli 2012, S.41) Das Zitat von Niccolo Machiavelli, Philosoph der Neuzeit, bezweckt eine intensive und kritische Analyse der Kriegsakteure. Im Rahmen dieser Thesis wird auf die von Machiavelli angedeutete Zuordnung und Analyse der Kriegsakteure eingegangen. Hierbei wird der Bürgerkrieg in Sri Lanka mit seinen Ursachen und Auswirkungen erläutert und die Kriegsparteien werden intensiv und kritisch betrachtet. Den LeserInnen wird versucht eine neue Sicht auf die Thematik zu bieten und den Horizont auf das südasiatische Thema zu erweitern. Der Bürgerkrieg in Sri Lanka ist ein Thema, das in den westlichen Ländern nach wie vor nicht genügend Aufmerksamkeit erhält und grundsätzlich aus dem internationalen Bildschirm fällt. Ich möchte dem Thema durch diese Arbeit, eine gewisse Aufmerksamkeit zukommen lassen. Das Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, die Frage nach den Faktoren, die zu dem Bürgerkrieg in Sri Lanka führten, zu beleuchten und letztendlich zu klären und ein Ursachen-Wirkungsprinzip aufzuzeigen. In Anbetracht dessen wird die nachfolgende Thesis mit der Methode einer kritischen und analytischen Vorgehensweise ausgeführt. Es werden unterschiedliche wissenschaftliche Befunde herangezogen, um die kritischen Bestandteile der Thematik zu analysieren.

Ich habe mich außerdem für das Thema entschieden, da ich ein hohes intrinsisches Interesse aufweise und viele Meinungen und Äußerungen einfangen konnte, die allerdings subjektiv sind und nicht wissenschaftlich begründet. In Anbetracht dessen möchte ich mir und den Lesern einen objektiven und vielseitigen Blick anbieten, auf Grundlage der Wissenschaft. Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut, beginnend mit den kolonialen Ereignissen im Kontext des Bürgerkriegs. Im weiteren Verlauf der Arbeit geht es darum, die Ursachen zu erläutern und einzuordnen. Anschließend wird der Blick auf die Akteure erweitert und die Auswirkungen werden detailliert auf kultureller und politischer Ebene betrachtet. Die Arbeit wird mit einem Fazit abgeschlossen.

2 Ein historischer Rückblick in die Ursachen des Bürgerkriegs

Die Ursachen des Bürgerkriegs werden im nachfolgenden Kapitel erläutert. Hierbei werden explizit auf die Ursachen im Kontext der Kolonialgeschichte und dem britischen Imperialismus eingegangen. Ziel ist es, die positiven und negativen Vorgehensweisen der Kolonialmächte, insbesondere der britischen Herrschaftsmacht zu erläutern und wie sie die Spannungen innerhalb der Nationen begünstigten. Beginnend mit den Ursachen wird somit das Verständnis für die Entstehung des Bürgerkriegs im weiteren Verlauf dargelegt.

2.1 Der Kolonialismus und Imperialismus in Ceylon

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka begann offiziell im Juli 1983 mit den Pogromen gegen die tamilische Bevölkerung und der Kriegserklärung der Liberation Tigers of Tamil Eelam (vgl. Herring und Esman 2001, S.140f.; Misteli und Grossrieder 2019). Die fundamentalen Faktoren reichen allerdings in die Kolonialgeschichte des Landes zurück. Im folgenden Kapitel werden die Faktoren der Kolonialzeit, die ihre Früchte bis zum Bürgerkrieg trugen, versucht zu erläutern. Hierbei wird insbesondere die Spaltung der Gesellschaft aufgrund der Ethnie und Religionszugehörigkeit ausgeführt. Jene Spaltung begleitet den Bürgerkrieg, bis hin zur Gegenwart. Bevor die Kolonialgeschichte in Sri Lanka analysiert wird, sollte der Begriff Kolonialismus durch die Definition von Osterhammels geklärt werden. Osterhammel, Professor im Ruhestand und anerkannter Historiker, bezeichnet den Kolonialismus und seine Vorgehensweise als „eine Herrschaftsbeziehung, zwischen Kollektiven, bei welcher die fundamentalen Entscheidungen über die Lebensführung der Kolonisierten durch eine kulturell andersartige und kaum anpassungswillige Minderheit von Kolonialherren unter vorrangiger Berücksichtigung externer Interessen getroffen und tatsächlich durchgesetzt werden [...]“ (Osterhammel und Jansen 1995, S.21). Die Definition lässt sich auf die britische Kolonialausübung und den nachfolgenden Beispielen übertragen.

Bevor die Ära der Kolonialgeschichte begann, wurde Sri Lanka über Jahrhunderte von Königen regiert. Seit dem 3. Jhd. v. Chr. pflegte das Land eine königliche Führung (vgl. Povlock 2011, S.3). Zu jenem Jahrhundert waren es beide Religionen, der Hinduismus und der Buddhismus, die ihren Ursprung in Indien hatten und allmählich durch die Populationsbewegung nach Sri Lanka eintrafen, so Povlock, Professor der U.S Naval War College (vgl. Povlock 2011, S.3). Bevor die kolonialen Mächte in Ceylon eintrafen, benötigt es ca. 22 Jahre, bis die Singhalesen die Macht von den tamilischen Königreichen übernahmen (vgl. Povlock 2011, S.3).

Die Insel wurde von der ersten europäischen Macht, den Portugiesen 1505-1656, und anschließend von den Holländern respektive Niederländern von 1656- 1796 eingenommen (vgl. Botschaft und Konsulate von Sri Lanka und Deutschland). Die portugiesischen und niederländischen Mächte nahmen zwar die Insel ein, besonders aus wirtschaftlichen Gründen wie den Handel mit Gewürzen, konnten aber nie die gesamte Insel okkupieren, da das Königreich in Kandy angesehen und beständig war (vgl. Povlock 2011, S.3f.). Die Briten marschierten im frühen 19. Jhd. ein, und fanden ein gespaltetes Land vor sich. Eines, das aristokratisch geführt wurde, in drei gespaltenen ethnischen Gebieten, der Norden und zwei südlichen Herrschaften Ceylons (vgl. Povlock 2011, S.3). Ceylon war die Namensgebung der Briten für das heutige Sri Lanka, inspiriert durch die Portugiesen (vgl. Hariharan 2005, S.89). Zu jener Zeit besetzten und regierten die Niederländer für ca. 150 Jahre (vgl. Peiris 2021). Die Portugiesen brachten die Katholizität, die Niederländer den Protestantismus und die Briten letztendlich die anglikanische Kirche in das Land (vgl. Povlock 2011, S.3). Das Zeitalter der Kolonisation der Briten dauerte von 1815 bis 1948 an (vgl. Povlock 2011, S.3ff.). Durch die East India Company wurde Ceylon eingenommen und von Südindien (Madras) verwaltet. Offiziell wurde Ceylon 1802 zur Kronkolonie der Briten (vgl. Peiris 2021). Rösel ist Bediensteter in der Abteilung für Internationale Politik und Entwicklungszusammenarbeit an der Universität Rostock. Rösel berichtet über die systematischen und politischen Maßnahmen der Briten. Mit einzelnen Schritten versuchten sie ab 1830 die Aristokratie abzuschaffen und eine Reformpolitik anzustreben (vgl. Rösel 2018, S.25).

Das kandyische Königreich war das letzte Königreich in Ceylon, bevor die Briten dieses umstritten umwälzten. Die Bevölkerung vertraute dem kanydischen König und äußerten ihr Vertrauen (vgl. Peiris 2021). Als es zu Unstimmigkeiten kommt, nehmen die Briten geschickt den Herrschaftsanspruch an. Allerdings garantierten sie der Adelsfamilie und Kandyanern hohe Rechte an, um weitere Diskrepanzen zu umgehen (vgl. Peiris 2021). Hierbei lässt sich bereits eine Selektierung und Privilegierung innerhalb des Volkes veranschaulichen, da die Kandyer und ihre Familie hauptsächlich Singhalesen waren und diese höhere Rechte gegenüber den Briten abverlangten.

Rademacher, Sprecher der Solidaritätsgruppe ein Freies Tamil Eelam, schildert in seinem Buch, „Das Verlangen der Tamilen nach einem gerechten Frieden“, die Kriegsgeschehnisse aus der Perspektive der Eelam Tamilen. Hierbei greift er bis auf die Kolonialgeschichte zurück. Die Briten fanden eine Insel, die in einer nördlichen und südlichen Hälfte eingeteilt war, sowohl in ethnischer, politischer als auch in kultureller Hinsicht (vgl. Rademacher1996, S. 1). Unterschiedliche und unabhängige HerrscherInnen dominierten ihre Gebiete. Die britischen Kolonialmächte verschmelzen und zentralisierten beide Staatswesen Ceylons, unabhängig der unterschiedlichen historischen, kulturellen und religiös-ethnischen Differenzen (vgl. Rademacher1996, S. 7). Somit verwarfen die Briten, die Idee und das bisherige Geschehen, eines eigenen tamilischen Staatenwesen. Durch die „Annexion“ der nördlichen und östlichen Provinzen wurde die separierte Insel fusioniert und 1889 in neun Provinzen eingeteilt (vgl. Rademacher1996, S. 7ff.). Die Fusion kann als eindeutiger Faktor für einen potenziellen eskalierenden Konflikt herangezogen werden. Ein plötzlicher Zusammenschluss von zwei unterschiedlichen Nationen, Religionen, Kulturen, in geringer Zeit und auf einem kleinen geographischen Raum, können langanhaltend zu Unstimmigkeiten und zu einer Überanstrengung führen.

Die Briten nutzen die günstigen Bedingungen sowie die Anbauflächen und somit zusammenhängend den Handel mit Tee, Zimt und Kautschuk. Der Handel mit Kautschuk und Tee stieg dabei rapide an (vgl. Peiris 2021). Hierzu nahmen sie explizit Landflächen der Singhalesen ein, um eine effektive Landwirtschaft zu fördern (vgl. Povlock 2011, S.3). Eine Prozedur, die zu einem Misstrauen der singhalesischen Bevölkerung führte. Es hat an zahlreichen Arbeitskräften verlangt. Die Briten siedelten viele indische Plantage ArbeiterInnen nach Kandy (vgl. Povlock 2011, S.3). Ein Rekrutierungsprozess, den die mehrheitlichen singhalesischen BewohnerInnen in Kandy nicht willkommen hießen, da sie gegenüber „Ausländern“ bereits seit Beginn der Ankunft der Briten, misstrauisch entgegenstanden (vgl. Peiris 2021). So wurden die Tamilen nicht nur im Plantagesystem integriert, auch tamilische Eliten hatten die Zugangsmöglichkeit in der Verwaltungsbranche erreicht. Die Hindus (meist Tamilen) der höheren Kaste, die sich dem englischen Ausbildungssystem anpassten, profitierten und waren Teil der bürokratischen und zentralen Verwaltung. (vgl. Rademacher1996, S. 7ff.). Die tamilische Bevölkerung wurde hierbei privilegiert, da die meisten englischen Schulen in tamilischen Gebieten errichtet wurden und sie somit höhere Zugangschance in bestimmte Berufskategorien besaßen (vgl. Povlock 2011, S.4). Hierbei stellten sie eine Mehrheit in den Berufen rund um die Infrastruktur dar. Diese Gegebenheiten wurden durch die Briten vollzogen, zum Trotz der singhalesischen Eliten. Die Integrierung der Tamilen in höhere Positionen, verursachte Konkurrenz und den Beginn einer nationalen singhalesisch-buddhistischen Ideologie (vgl. Povlock 2011, S.4). Eine externe imperiale Macht, Migration durch indische Arbeitskräfte und die Priorisierung der tamilischen Minderheit waren Anhaltspunkte des steigenden singhalesischen Nationalismus. 1915 verschärften sich diese Anhaltspunkte durch anti-tamilische Aufstände und eine chauvinistische Ideologie prozessierte sich voran, während die Tamilen, Hindus und Christen vielmehr als Konkurrenz betrachtet wurden (vgl. Povlock 2011, S.4). Die anti-tamilische und islamophobe Fremdenfeindlichkeit und der Chauvinismus auf religiöser und ethnischer Ebene wurde vorangetrieben. A. Povlock bezeichnet jenes Vorgehen der britischen Besatzungsmacht folgendermaßen „[.] the British pitted the various ethnic groups against one another in order to achieve their own goals“ (Povlock 2011, S.4).

Sivasundaram ist Historiker und Professor an der Universität Cambridge und berichtet über die Ethnizität, Indignität und Migration im Aufkommen der britischen Herrschaft. Der Begriff „Malabar“ bezeichnete die Bewohner der Insel und wurde durch die Niederländer definiert (Sivasundaram 2010, S.429). Dieser wurde allerdings durch die Briten alternativ interpretiert und sorgte bereits hier für eine sprachliche respektive ethnische Spaltung durch die Briten innerhalb des Volkes (vgl. Sivasundaram 2010, S.429). Sie definierten den Begriff als die „Ausländer“, mit welchem die Tamilen aus Südindien gemeint waren, wobei in der Praxis, alle Tamilen, unabhängig ihres Geburtsortes betroffen waren (vgl. Sivasundaram 2010, S.429f.). Durch die Bezeichnung der Tamilen als AusländerInnen wurden die Singhalesen in ihrer Behauptung als UreinwohnerInnen gestärkt und die nationale Kluft stieg weiter an. Eine Kategorisierung wurde zu Beginn 1830 vorgenommen, allerdings waren bereits vorkoloniale Differenzen innerhalb des Volkes vorhanden, die offiziell durch eine dritte Autorität, die der Briten betont wurde (vgl. Sivasundaram 2010, S.430). Arjun Appadurai definiert die Ungerechtigkeit und die Unterscheidung in Mehrheit und Minderheit auf der Insel auch im Versuch des Staatsaufbaus, die nicht beiden Völkern gerecht wurde (vgl. Sivasundaram 2010, S.430). Eine weitere Spaltung erfolgte zwischen den InselbewohnerInnen und FestlandbewohnerInnen, aus dem benachbarten Indien. Beide Regionen wurden durch unterschiedliche territoriale Besatzungsmächte regiert, der East India Company Madras und Crown (vgl. Sivasundaram 2010, S.431). Die Crown Regierung hatte die Tamilen in Sri Lanka nicht zu ihrem Zuständigkeitsgebiet empfunden und schob sie nach Indien ab zu der East India Company (vgl. Sivasundaram 2010, S.451). Die Briten entsandten die „Malabars“ zurück nach Indien, um Stabilität im Landesinneren zu erhalten (vgl. Sivasundaram 2010, S.440). Ein weiterer Anhaltspunkt, der veranschaulicht, dass die Briten die Tamilen als Ausländer betrachteten. Die Frage nach der Staatsangehörigkeit wurde in diesem Kontext, umstritten diskutiert. So waren die Plantage ArbeiterInnen meist indischer Staatsangehörigkeit, teilweise staatslos oder lankischer Staatsangehörigkeit. Erst ab 1988 wurden die staatslosen eine lankische Staatsangehörigkeit erteilt (vgl. Sivasundaram 2010, S.450). Anhand dieses Beispiels lässt sich erläutern, dass die Tamilen in Ceylon eine langwierige Identitätskrise durchlaufen.

2.2 Die Unabhängigkeit und Unstimmigkeiten zwischen den Nationen

Im weiteren Verlauf wird auf die Reformpolitik der Briten eingegangen, die die Kluft vorantrieb und zu einem Minderheits- und Ungerechtigkeitsgefühl der Tamilen beitrug.

Im Jahr 1929 begannen die Reformen der Briten, da es vielseitige Diskrepanzen und Unzufriedenheiten zwischen den Eliten (Buddhisten, Aristokraten, Briten) gab (vgl. Rösel 2018, S.27). Durch die Konsultation wurden den Einheimischen, dass politische Wahlrecht und die Regierungsbesetzung von nationalen Parteien übergeben, womit eine Selbstverwaltung geschaffen wurde (vgl. Rösel 2018, S.27 f.). Allerdings waren die Finanz- und Justizbereiche unter der Kontrolle der Briten. Die Freiheiten, waren Symbol für die britische Kooperation und Unabhängigkeit, trotz allem ist insbesondere der Aspekt der Unabhängigkeit kritisch zu betrachten. Kritisch deshalb, da die Mehrheit der buddhistischen Singhalesen von diesen Freiheiten profitierten und Parteien gründeten und Minderheiten wie die Jaffna Tamilen (Tamilen der nördlichen Provinz), Muslime sich den Singhalesen unterordnen mussten (vgl. Rösel 2018, S.27 f.). So wurde effizient eine buddhistisch singhalesische Militanz organisiert und im CNC (Ceylon National Congress) integriert (vgl. Rösel 2018, S.28). Die CNC befähigte die Singhalesen gemeinsame Feinde anzugreifen und sich zu verteidigen, parallel hierzu wurde für die indisch-tamilischen GastarbeiterInnen der sogenannte „Ceylon India Congress“ eingeführt (vgl. Rösel 2018, S.28). 1946 verwandelte sich die CNC zur United National Party, die bis heute existiert (vgl. Rösel 2018, S.28). Die Mehrheit bzw. Minderheitsdefizite, die ethnische Kluft und Zweiparteiendemokratie begünstigten den religiös ethnischen Konflikt und können als einer der Ursachen des späteren Bürgerkrieges, mitunter der konkurrierenden Rivalität, verstanden werden (vgl. Rösel 2018, S.28). Die Reformen der Briten haben eine oberflächliche und plötzliche Selbstverwaltung ausgeschrieben, die der singhalesischen Mehrheit begünstigt entgegenkam und eine ethnische Fremdenfeindlichkeit im Laufe verstärkte. Da die Briten sich immer eher in den Hintergrund stellten und passiv regierten, kam diese Art der Selbstverwaltung der Mehrheit der Singhalesen entgegen: „It was the Kandy aristocrats who profited in the first place from the antiquarian interests of the British elites [...]“ (Rösel 2018, S.29).

Zu Beginn des 20 Jhd. stieg das Bedürfnis einer stärkeren Mitmischung und Unabhängigkeit in der Politik (vgl. Peiris 2021). Aus dem Bedürfnis entstanden Aufstände, wobei die Briten die singhalesischen Aufständischen verhaften ließ. Eine Front der singhalesischen Bevölkerung entstand. Die National Ceylon Kongress wurde versammelt und die Vorschläge für eine erneute Verfassungsreform besprochen. Durch die im Jahr 1924 neu verkündete Verfassung durch Sir William Manning, erlangt die Nationale Front eine repräsentative Regierung (vgl. Peiris 2021). Die neue Regierung unter der Leitung der National Front wurde der singhalesischen Mehrheit gerecht. Zu ihren Gunsten, bahnten sich Änderungen in der Legislative und in der Kontrolle des Haushalts an, wobei die Exekutive Macht bei den Briten blieb (vgl. Arasaratnam 2022). Die neuen Verfassungsänderungen im neuen Dokument der Briten führte zu einer anspitzenden Kluft zwischen den Tamilen und Singhalesen. Die Tamilen bevorzugten die britisch vorgeschlagene und durchgesetzte kommunale Repräsentation, da sie im nördlichen Teil der Insel stark vertreten waren und somit dieses Gebiet repräsentierten, wobei die Muslime keine Repräsentation erhielten (vgl. Povlock 2011, S.4). Die nationalistischen Singhalesen wandten sich immer mehr gegen eine kommunale Repräsentation ab und erwiderten eine territoriale Repräsentation, weshalb sich die tamilische Minderheit von der National Ceylon Kongress abspalten ließ.

Mit der Donoughmore Verfassung 1930, die durch die Briten impliziert wurde, der späteren Unabhängigkeit 1948 und der Gründung der United Front Partei wurde eine erhöhte Partizipation der Singhalesen begünstigt. Die Donoughmore Verfassung unterzeichnete das Wahlrecht für die BürgerInnen Sri Lankas (vgl. Rawat 2012, S.14). Die Verfassung wurde von den Minderheiten stark kritisiert, wobei die singhalesische Mehrheit, sich ebenfalls nicht vollständig mit der Verfassung identifizieren konnte. Grund hierfür waren unter anderem die Themen wie, multiethnischen Probleme zu lösen und das die Verfassung eine alleinige dominierende Gemeinschaft nicht zuließ (vgl. Rawat 2012, S.14). Die Verfassung befähigte die BürgerInnen, ihre 46 Staatsräte zu wählen (vgl. Sedere 2016, S.1). Hierbei sahen sich die Minderheiten marginalisiert, da die meisten Staatsräte von den Singhalesen gewählt und besetzt wurden.

1956 gelang es ein Elitenblock im Landesinneren mit den Aristokraten, buddhistische und Kandy PolitikerInnen, zu errichten (vgl. Povlock 2011, S.4). Die Eliten beider Ethnien waren allerdings gegen die Donoughmore Reform, da die Tamilen ihre privilegierte Stellung nicht verlieren wollten und die Singhalesen, die indischen Nachkommen unterbinden wollte (vgl. Povlock 2011, S.4). Durch die Vormachtstellung im Lande konnten sie durch die United National Partei, die Entrechtung der Tamilen vollstrecken, um so die Landesinnere Kontrolle der Wahlen beizubehalten (vgl. Rösel 2018, S.29f.). Es sind hochrangige Elite Familien, die innerhalb der Politik mitmischen und dies über Jahrzehnte, wie unter anderem die Jayawardhena, Bandaranaike und die Rajapaksa Familie.

Doch das Blatt wandte sich und die Briten führten ein demokratisches Parlament ein, zum Nachteil der Tamilen, da sie eindeutig in der Minderheit lagen, worauf sie eine „balanced representation“ forderten, die nicht akzeptiert wurde (vgl. Povlock 2011, S.5). Mit der Verfassung 1931 befähigten die Briten dem ceylonesischen FührerIn, politische Macht auszuüben (vgl. Peiris 2021). Die FührerInnen waren ständig aus singhalesischen- Eliten Abstammung. Der Staatsrat war meist besetzt mit territorial gewählten Mitgliedern. Jenes bedeutet, dass die Mitglieder auf territorialer Ebene und nicht auf kommunaler Ebene gewählt wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Minderheit der Tamilen und Muslime, Chancen hatten in den Staatsrat zu gelangen, war sehr gering. Ein Beispiel hierfür symbolisierte der Staatsrat aus dem Jahr 1936, der sich ausschließlich aus singhalesischen Mitgliedern zusammensetzte (vgl. Peiris 2021). Allmählich wurden singhalesische Werte und Normen in Form des Bildungswesens vollstreckt. Der weitere Verlauf einer interethnischen Kluft stieg an. Eine neue „Kaste“ der Intellektuellen entstand, welche die englische Sprache beherrschten (vgl. Peiris 2021). Hierzu zählten zahlreiche tamilische BürgerInnen. Die Rivalität zwischen den ethnischen Gruppierungen stieg voran.

Durch immer wieder einkehrende Verfassungsänderungen bemühten sich die Briten eine ceylonesische Selbstverwaltung zu fördern. Gegen Ende der Kolonialzeit 1944 kam es somit zur Soulbury Kommission. Ceylon wurde zur autonomen Einheit mit einer Treue zum britischen Königreich und dem Beitritt ins Commonwealth (vgl. Peiris 2021). Außerdem behielten die Briten eine interne Selbstverwaltung bei, um Kontrolle über die politischen Angelegenheiten beizubehalten, wenn auch nicht mehr allzu intensiv. Im August 1947 kam es zu den parlamentarischen Wahlen. Die politische Mehrheit bildete die United National Party (UNP), die bis heute beständig ist und sich aus nationalistischen PolitikerInnen bildet. Die politischen Parteien setzten sich wenig für die Minderheitsrechte ein. Außerdem wurde die lankische Flagge zum Symbol der singhalesischen Repräsentation abgeändert (vgl. Povlock 2011, S.15).

Am 4. Februar 1948 wurde die Verfassung umgesetzt und Ceylon wird unabhängig (vgl. Peiris 2021). Kritisch ist der Abgang der britischen Besatzungsmacht anzumerken, da sie eine Art „Ping-Pong Spiel“ mit den gegensätzlichen ethnischen Völkern gespielt hatten. Während der Kolonialzeit unterstützen sie zunehmend die Tamilen und beim Abgang überließen sie der singhalesischen Macht die politische Regierung. Da die UNP stark von einer singhalesischen Elite abhängig ist, die sich zu den damaligen Zeiten stark an die englisch-westlichen europäischen Werte orientierte, stieg die Kluft zwischen Regierung und dem Volk. Kultur, Sprache und Religion wurden vernachlässigt, zum Misstrauen des Volkes (vgl. Peiris 2021). Durch die zunehmende Unzufriedenheit verlor die UNP bei den Parlamentswahlen 1955, an Zuspruch und die Partei des zukünftigen Premiers Bandaranaike, the Sri Lankan Freedom Party kommt an die Macht (vgl. Peiris 2021). Ein Machtstoß zu Gunsten der modernen Nationalisten und zum Nachteil der Minderheiten. Der Weg in den Bürgerkrieg mit dem neuen Premier Bandaranaike begann. A. Povlock beschreibt abschließend die Unabhängigkeit im Rahmen des Imperialismus folgendermaßen: „Independence in 1948 did not lessen the ethnic tensions in Ceylon. On the contrary, it probably made them worse as the majority Sinhalese were now able to exercise their political prerogatives. (Povlock 2011, S.5).

3 Die zuspitzende Kriegslage und kulturell verwurzelten Ursachen

Aufbauend auf den Spannungen innerhalb der Nationen, die seit der Kolonialgeschichte bestehen, wird es in diesem Kapitel um weitere Kriegsursachen gehen. Jene Ursachen spielen sich in und um den Kriegsbeginn ab. Hierbei wird ein allgemeiner Blick auf die Nationen geworfen und die ersten gewaltbereiten Auseinandersetzungen werden behandelt. Diese Ursachen sind wichtig, um die Entstehung und den Verlauf der separatistischen Liberation Tigers of Tamil Eelam zu verstehen.

3.1 Die Tamilen und Singhalesen und ihre unterschiedlichen kulturellen und politischen Auffassungen

Sri Lanka wird vorrangig von zwei Bevölkerungsgruppen bewohnt, den Ceylon Tamilen und den Singhalesen. Beide Völker unterscheiden sich im Wesentlichen in ihrer Sprache, Kultur, Religion und ihren eigenen politischen Systemen und historischen Hintergründen (vgl. Rademacher 1996, S.1). Zu Beginn der Bürgerkriegszeiten setzt sich die Bevölkerung in Sri Lanka folgendermaßen zusammen: 1981 setzt sie sich aus 14,8 Millionen EinwohnerInnen, wobei die Singhalesische Bevölkerung drei Viertel der Bevölkerung ausmachten, die Ceylon Tamilen 1,9 Millionen und die Tamilen aus Indien mit ca. 900.000 Tausend Bewohnern (vgl. Povlock 2011, S.13). 2021 stiegt die Population auf ca. 23 Millionen an. Die Datenbank aus der Nachkriegszeit 2012 veranschaulicht, dass sich die singhalesische Bevölkerung mit 74,9 Prozent und die Tamilen mit 11,2 Prozent als Minderheit und Mehrheit langfristig identifizieren lassen (vgl. CIA the world factbook 2021).

„Mahavamsa“ und „Chulawansa“ sind zwei historische Bücher der Singhalesen, die sich mit der Siedlungsgeschichte und ihren unterschiedlichen Königreichen befassen. Diese Geschichtsbücher sind nicht nur wichtiger Bestandteil der singhalesischen Identitätsfrage, sie brandmarken auch die indisch respektive ceylonesische Geschichte. Das singhalesische Buch befasst sich mit den Handlungsabkommen zwischen den tamilischen und südindischen Königreichen und das Eindringen dieser südindischen Königreiche (vgl. Rademacher 1996, S.1f.). Kriege der beiden Königreiche sorgten für unterschiedliche Aufteilungen innerhalb der Insel und die finale Aufteilung basierte auf eine südliche Hälfte der Singhalesen und eine nordöstliche Provinz der Tamilen (vgl. Rademacher 1996, S.7). Das historische Buch „Mahabataram“ ist das historisch anerkannte und konkurrierende Geschichtsbuch der Tamilen. Die Insel war bereits vor dem Kolonialismus feudal geprägt und kulturell, religiös ging dies in das Kastenwesen über. So beschreibt Rademacher in seinem Buch, dass jede „Klasse“, hierunter wird die Kaste bezeichnet, ihre eigene Funktion besaßen und beruflich wurde die Gesellschaft hierarchisch eingeteilt (vgl. Rademacher 1996, S.2).

Der Bürgerkrieg zwischen den Kriegsparteien der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), die die tamilische Minderheit repräsentierten und der mehrheitlich singhalesischen Regierungstruppen begann offiziell 1983 und dauerte bis 2009 an. Dieser Bürgerkrieg kann eindeutig auf die ethnischen Unterschiede zurückverfolgt werden, allerdings ist der Bürgerkrieg auch ein „Erbe“ des britischen Kolonialismus/Imperialismus. Anandakugan beschreibt dieses Phänomen in seinem Artikel wie folgt, „[...] dass die ethnischen Konflikte Symptome eines viel größeren Problems waren [...]“ (Ananadakugan 2020). Beide Völker versuchten, das zurückzuerobern, was sie als ihr Eigenes empfanden, beispielsweise ihre eigene Würde, Machtanspruch und den dazugehörigen geografischen Raum (vgl. Ananadakugan 2020).

Ethnische Konflikte sind keine Vergangenheit und schlagen sich bis zur Zeitgeschichte voran. Die Religionsverteilung 2021 liegt bei „70,2% Buddhisten, Hindus 12,6%, Muslime 9,7%, Christen 7,4%“ (bpb 2021). Die Spannungen zwischen den unterschiedlichen Völkern liegen weit zurück und in der Ursprungsgeschichte der Insel. So beteuern beide Völker, dass sie die Einheimischen der Insel und das jeweilige andere Volk die Eindringlinge sind. Auf die Siedlungsfrage und Einwohnergeschichte wird in dieser Arbeit nicht genauer eingegangen, da es ein eigenes, komplexes und umfangreiches Themengebiet darstellt.

Wie im Kapitel des Kolonialismus ausgeführt, führten die Reformen und die Vormachtstellung der Tamilen im und um das Jahr 1985 zu Bedrohungsgefühlen von singhalesischen Aufständischen. Während der britischen Besatzung, bevorzugten die Briten, die akademisch geprägten Ceylon Tamilen. Diese besaßen weite und effektive Netzwerke nach Singapur, Indien usw. (vgl. Anandakugan 2020). Die Tamilen profitierten durch die mehrheitlich in ihren Regionen besetzten englischen Schulen. Diese bewirkten bessere Berufs- und Karrieremöglichkeiten für die Tamilen. Nach Ende der britischen Besetzung 1948, veränderte sich der Stellenwert der Ceylon Tamilen und ihre Freiheit wurde immer mehr eingeschränkt. Systematisch arbeiteten sich die Singhalesen auf hochrangige Positionen und entrechteten die Tamilen (vgl. Anandakugan 2020). Roberts, Mitarbeiter an der Universität Adelaide schildert, dass all diese Unterdrückungsmaßnahme gegenüber den Tamilen zur Entwicklung und Etablierung eines separatistischen Nationalismus mit dem Ziel eines unabhängigen nordöstlichen Staates, seitens der Tamilen führte (vgl. Roberts 2006, S.14).

Die Liberation Tigers of Tamil Eelam weitete sich aus, eine Organisation, die sich als Repräsentant der Tamilen einstuft und für einen nordöstlichen Staat auf der Insel kämpfte. Eine Trennung auf geopolitischer Ebene war bereits existent, diese sollte lediglich formiert werden. Im Juli 1983 wurde auf der gesamten Insel, ein singhalesischer Mob gegen die tamilische Bevölkerung vollzogen, bei denen rund 3000 Tausend ZivilistInnen starben, dieser Monat wird seither als „Black July“ bezeichnet und Auslöser zum bewaffneten Bürgerkrieg seitens der LTTE bekannt (vgl. Rademacher 1996, S.61). Im weiteren Verlauf des Kapitels der Ursachen, werden die Unterdrückungsmaßnahmen gegenüber den Tamilen genauer analysiert, um den Verlauf der Ursachen bis hin zum Höhepunkt des Black July zu erläutern.

3.2 Die chronologische und systematische Unterdrückung der Tamilen- Pogrom Black July

Aufgrund der ethnischen und religiös geprägten Differenzen innerhalb der Völker und in der Politik waren Spannungsverhältnisse bereits existent. Jene Differenzen wurden provoziert und verschärften sich seit 1983 dramatisch an und erste Tote seitens der tamilischen Minderheit konnten identifiziert werden (vgl. Rademacher 1996, S.11). Im folgenden Kapitel werden die unterschiedlichen Provokationen, Demonstrationen, Anschläge und Gewaltakte erläutert, die unter anderem zur rebellischen Bewegung der Tamilen führte. Nach der Unabhängigkeit Großbritanniens beschreibt Rademacher die „neo-kolonialistischen“ Strukturen (vgl. Rademacher 1996, S.11). Hierbei wird jene Struktur gemeint, in welcher die Staatsmacht auf die Mehrheit der Singhalesen übertragen wurde. Seit dieser Machtübernahme kam es zu Konflikten zwischen dem singhalesischen Establishment und den tamilischen Eliten und schrittweise blühte der Chauvinismus auf (vgl. Rademacher 1996, S.11). Der Chauvinismus blühte zugunsten der singhalesischen Nationalisten und zum Trotz der tamilischen Minderheit. Durch Pogrome, Gesetze und Eigentumsentzug setzte sich der Beginn des singhalesischen Terrors voran. Als erste Opfer definiert Rademacher die tamilischen Plantage ArbeiterInnen auf singhalesischem Land. Durch das Staatsangehörigkeitsgesetz aus dem Jahre 1948, verloren zahlreiche ArbeiterInnen die Staatsangehörigkeit und die Bedingungen für den Erhalt der Staatsangehörigkeit wurden verschärft (vgl. Rademacher 1996, S.12f.). An kommunalen Wahlen durften die meisten deshalb nicht mehr partizipieren. Das Recht ein Land zu kaufen respektive zu verkaufen oder ein Geschäft zu führen, wurde erschwert und verweigert (vgl. Rademacher 1996, S.12 f.). Grundsätzlich ist hinzuzufügen, dass die entscheidenden politischen Wahlen nicht stark abhängig von den Muslimen oder Tamilen im Land waren, sondern von der singhalesischen Mehrheit in ihren Gebieten (vgl. Roberts 2006, S.14f.). Eine weitere Unterdrückungsmaßnahme war die Annexion tamilischer Gebiete. Diese Annexion wurde von Rademacher als Kolonialisierung der singhalesischen Regierung beschrieben, wobei der Annexionsbegriff adäquater ist (vgl. Rademacher 1996, S.14f.). Als Beispiel dient die östlich liegende Provinz Batticaloa, die von mehrheitlichen Muslimen bewohnt wird. Die Übernahme dieser Gebiete geschieht systematisch mit der Verlagerung von Entwicklungsprojekten der Singhalesen (vgl. Rademacher 1996, S. 15). Zukunftsorientiert bedeutet es also, dass die tamilischen Regionen, die sich nordöstlich der Insel befinden, intern abgeschnitten werden und der Osten zum Singhalesischen Ortsgebiet übergeht.

Der Premier Bandaranayake hatte 1956 den „Sinhala only act“ verabschiedet, dass sich sowohl auf den Sprach- und Wirtschaftssektor übertragen ließ (vgl. Roberts 2006, S.13). Mit dem Gesetz schlug eine neue Reform ein, bei der die Gleichstellung der tamilischen Sprache unterbunden wurde und Sinhala als die einzige und offizielle Sprache eingeführt wurde. Um ein öffentliches Amt zu bekleiden, muss Sinhala als Sprache beherrscht werden (vgl. Roberts 2006, S.13). Dies zog die Rekrutierung von tamilischen Arbeitnehmern zurück und grenzte sie in ihrer Arbeitstätigkeit aus. Auch der Buddhismus festigt sich in der Verfassung als offizielle Religion des Staates (vgl. Povlock 2011, S.5). Außerdem unterband die neue Gesetzgebung die englischsprachige Dominanz im Land.

In einer Statistik von Rademacher kann das Verhältnis der Berufstätigkeit von PolizistInnen verdeutlicht werden: 16.050 singhalesische und 940 tamilische PolizistInnen (vgl. Rademacher 1996, S.18; siehe Anhang 1). Roberts sieht den Sinhala Only Act als politische Aktion, der den separatistischen Gedanken der Tamilen provozierend förderte und stellt die lankische Demokratie kritisch dar. Durch den Sinhala Only Act wurde u. a. der Sprachnationalismus in der Verfassung verwurzelt und die singhalesische Sprache als einzige Amtssprache anerkannt. „The Sinhala language shall be the one official Language of Ceylon“ (Tamilnation.org 1956).

1970 führte das „Standardisierung“ Gesetz zu einem marginalisierten Verfahren gegen die junge Bevölkerung der tamilischen StudentInnen. Das Gesetz verlangte durchschnittlich bessere Noten gegenüber der tamilischen Jugend, um einen Studienplatz zu erhalten, im Vergleich zu den singhalesischen StudentInnen (vgl. Rademacher 1996, S.17; Roberts 2006, S.15). Rademacher zieht hierzu eine Statistik auf, in der die Punktzahl aufgelistet ist, die erreicht werden musste, um bspw. einen Studienplatz an einer technischen Hochschule zu erlangen: tamilische SchülerInnen 250 Punkte und singhalesische SchülerInnen 227 Punkte (vgl. Rademacher 1996, S.19, siehe Anhang 2). Zwar wurde die Standardisierung zurückgezogen, allerdings wurde es durch ein konsequenteres Auswahlsystem ersetzt. Das Auswahlsystem basierte auf den folgenden Datensätzen: 30 % Noten, 55 % geographische Herkunft und 15 % strukturschwache Gebiete (vgl. Rademacher 1996, S.19f.). Im Bewerbungsprozess wurde auf die Religion, „Ethnie“ und dem wohnhaften Distrikt selektiert (vgl. Povlock 2011, S.5).

Pavey, Mitwirkende in den Vereinten Nationen und dem Verteidigungsministerium Frankreichs bezeichnet die schwierigen Zugangschancen der tamilischen StudentInnen als indirekte Diskriminierung (vgl. Pavey 2008, S.3). Wobei das kritisch betrachtet werden muss, da es sich hierbei um eine bewusste und systematische Diskriminierung handelt.

Die Studiengänge Ingenieurswesen veranschaulichen die Zunahme der singhalesischen und die Abnahme der tamilischen StudentInnen. Von den Jahren 1969 bis 1981 lässt sich ein Anstieg von ca. 13 Prozent der singhalesischen StudentInnen und eine Abnahme von ca. 18 Prozent der tamilischen StudentInnen analysieren (vgl. Rademacher 1996, S.21, siehe Anhang 3). Wirtschaftlich wird bis heute, der Norden vom Rest der Insel abgeschnitten. Roberts bezeichnet die Politik der singhalesischen Regierung und die Pogrome, die im nachfolgenden Kapitel beschrieben werden, als „schikanierende Politik gegen die tamilische Bevölkerung“ (Roberts 2006, S.16). Grundsätzlich muss ergänzt werden, dass es auch tamilische Kapitalisten, so Rademacher gab, die in den Süden investierten und von singhalesischen Machthabern unterstützt wurden (vgl. Rademacher 1996, S.22). Heute profitiert grundsätzlich der Süden durch die Kooperationsarbeiten wie bspw. mit den chinesischen Projekten der Seidenstraßeninitiative.

Die Forderungen der tamilischen Bevölkerung und Parteien, nach der drohenden Exklusion waren u. a. eine kommunale Repräsentation, Abschaffung des diskriminierenden Staatsangehörigkeitsgesetz und die Gleichstellung der tamilischen Sprache (vgl. Pavey 2008, S.2).

Aufgrund der Missstände der Tamilen im Lande und der verbalen Widerstände wurde am 26. Juli 1957 der „Bandaranaike-Chelvanayagam Act“ verabschiedet (vgl. Pavey 2008, S.2). Ein Gesetz, was vom Premier Bandaranaike und Chelvanayagam der Federal Party eingeleitet und gebilligt worden war. In dieser neuen Gesetzgebung wurde auf die Lage der Tamilen aufmerksam gemacht und gegen die Missstände herangegangen. Ca. ein Jahr nach der Verabschiedung des Gesetzes wurde der Premier Bandaranaike von buddhistischen Mönchen ermordet, die zuvor ihren starken Widerstand gegen den Premier demonstriert hatten (vgl. Pavey 2008, S.2). Hierbei ist die präsente, politische Rolle einer buddhistischen Mönchen- Gemeinschaft anhaltend und transparent zu erkennen.

Grundsätzlich sind die gewaltbereiten Ausschreitungen nicht seit erst dem Sinhala Only Act aufgetreten. Veranschaulicht wird das, durch den Überfall von 1958 in einem Zug, in dem tamilische Passagiere auf dem Weg zu einer politischen Konferenz in der Stadt Vavuniya waren (vgl. Pavey 2008, S.2). Daraufhin kam es zu einer Gegenexplosion, die insbesondere singhalesische BürgerInnen das Leben nahm. Insgesamt starben mehr als einhundert Menschen bei den gegenseitigen Angriffen (vgl. Pavey 2008, S.2). Spannungen und Provokationen von radikalen Gewaltbereiten Personen, waren existent.

1971 wurde die Janatha Vimikthi Peremuna (JVP) mehrheitlich gewählt durch die externe Unterstützung Koreas und Chinas (vgl. Povlock 2011, S.6 f.). Aufgrund der anbahnenden und bereits existierenden Diskriminierungen in Bildungs- und Berufsleben, versuchten sich die Tamilen durch eine Opposition zu stärken. Aufgrund der Spannungen wird die Tamil United Front 1972 gegründet. Ihre Ziele basierten vor allem auf die tamilischen Rechte und einer Dezentralisierung der Macht (vgl. Povlock 2011, S.6 f.). Vergebens, die Tamil United Front war in ihrer gesamten Laufbahn eine eher schwache Opposition. Aus dieser Organisation heraus entwickelte sich die Partei Tamil United Liberation Front, die als Opposition tätig war, allerdings nicht aktiv genug für die junge Bevölkerung. Ein Bündnis der tamilischen Studenten 1970 entstand. Balasingham gehört zu den Pionieren der LTTE und schreibt über den Zusammenhang zwischen den Aktionen, die die jungen Menschen nicht zufrieden stellte und über die fortführende Marginalisierung der jungen Tamilen, die für bestehende Ängste und Widerstand sorgte (vgl. Balasingham 2005, S.45). Ein Grund, weshalb sich die junge Bevölkerung der Tamilen eine revolutionäre Bewegung erwünschten.

Im August 1977 kam es zum ersten Mob gegen die Tamilen im Land, wobei sich dieser Mob im nördlichen Teil der Insel entwickelte. Auslöser hierfür waren die Provokationen der Polizeibeamten auf einem Tempelfest und ihre Randale, die sie betrunken begangen (vgl. Pavey 2008, S.3). Daraufhin hatte ein tamilischer Jugendlicher einen Polizisten erschossen. Der Auslöser für den ersten Mob, der die Zerstörung von Besitz und Eigentum und ca. 100 toten Tamilen mit sich zog (vgl. Pavey 2008, S.3).

Pavey bezeichnet das in Brand setzten der Jaffna Bücherreich als „kultureller Vandalismus“ (Pavey 2008, S.3). Der Brand wurde im selben Jahr 1981 gesetzt und stellte einen hohen Einschnitt in die Verletzbarkeit der tamilischen Geschichtskultur dar. Historische Dokumente, Manuskripte und fast 90 000 Werke kamen hier zunichte (vgl. Pavey 2008, S.3 f.).

Im Folgenden wird spezifisch auf bestimmte Gesetze eingegangen, die den Bürgerkrieg provozierten und die zu den Unterdrückungsmaßnahmen gegenüber den Tamilen beitrugen. Durch die anspitzende Lage und den Wunsch nach einem separierenden Staat unternahm die lankische Regierung Gesetzesänderung im Rahmen der Staatssicherheit. Die Notfallverordnung 15 a, erlaubte Regierungstruppen Leichen, ohne ihre Identifizierung zu entsorgen, die Verordnung 17 a erlaubte den Truppen ohne ein Gerichtsverfahren, Verdächtige, bezogen auf die Staatssicherheit in unbekannter Zeit zu inhaftieren (vgl. Parliament.lk 2020, S.16f.). Dies ermöglichte, insbesondere tamilische WiderständlerInnen ohne bevorzugten Grund zu inhaftieren. Das im Jahr 1979 erlassene präventive Terrorismus Gesetz (PTA) übergab der exekutiven Macht, Personen bis zu 18 Monate ohne Anklageerhebung und Gerichtsverfahren zu inhaftieren (vgl. Pavey 2008, S.4). Nicht überraschend war, dass die Regierungstruppen und die Exekutiven mehrheitlich singhalesischer Abstammung war und diese Verordnungen primär gegen die tamilische Jugend gerichtet war.

1982 wird ein neues Referendum entworfen, wobei das Referendum vorsieht, dass die Mitglieder in den Ämtern auf sechs Jahre verlängert wurden (vgl. Povlock 2011, S.9). Die tamilischen Oppositionen setzten sich zwar entgegen dem Referendum, allerdings mit einer Minderheit. Aus einem Widerstand heraus legen alle tamilischen Parlamentsmitglieder zum Ablauf ihrer Amtszeit, ihren Sitz nieder (vgl. Povlock 2011, S.9).

1983 griffen singhalesische StudentInnen ihre tamilischen Kommilitonen an, was die ansteigende Spannung, insbesondere unter der jungen Bevölkerung aufzeigt (vgl. Povlock 2011, S.9)

Im April 1983 begann die gewaltbereiten und gegenseitigen Angriffe, die u. a. von Amnesty International protokolliert wurden. Die Angriffe ereigneten sich auf gegenseitiger Basis und Menschen wurden ermordet und Besitztümer zerstört. Laut der Verfassung, Chapter drei, Nummer vier ist die Folter in Sri Lanka abgeschafften worden (vgl. Parliament.lk 2020, S.5). Im Bericht über die Lage in Sri Lanka protokolliert Amnesty International allerdings, über Foltermaßnahmen, die zu Beginn der Kriegszeiten vielfach aufgetreten sind (vgl. Amnesty International 1982, S.28 und 32). Im Juli 1983 spitzte sich die Lage dramatisch zu, wobei die Regierung bestimmte Medienkanäle zensierte und verbot, einschließlich tamilische Medienkanäle, wie u. a. the Saturday Review and Suthantiran (Freedom) (vgl. Pavey 2008, S.5).

3.3 Die Entstehung und Motive des Akteurs LTTE

Im Laufe der Unterdrückungsmaßnahmen gegenüber der tamilischen Bevölkerung, entwickelte sich eine Widerstandsgruppe und ein nationales Gefühl der Unterdrückung, besonders bei den jungen Tamilen. In dem folgenden Abschnitt wird auf die Etablierung jener Gruppe, der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) eingegangen, um aufzuzeigen, in welchem Zusammenhang und aus welchen Ursachen heraus der bewaffnete Konflikt und somit der Bürgerkrieg entstand. Hierbei werden sowohl auf kritische und berechtigte Faktoren und Motive der LTTE eingegangen.

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Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Ursachen und Auswirkungen des Bürgerkriegs in Sri Lanka. Eine kritische Perspektive der Kriegsparteien respektive Akteure
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,0
Jahr
2022
Seiten
56
Katalognummer
V1192284
ISBN (Buch)
9783346638038
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sri Lanka LTTE Tamil Kolonialismus Imperialismus Südasien Buddhismus Hinduismus Bürgerkrieg Indien China Politik Geschichte Migration
Arbeit zitieren
Anonym, 2022, Ursachen und Auswirkungen des Bürgerkriegs in Sri Lanka. Eine kritische Perspektive der Kriegsparteien respektive Akteure, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1192284

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