In diesem Essay erfolgen Betrachtungen zu Alan Scroufe's Buch "Der Weg zur eigenen Persönlichkeit. Wie Bindungserfahrungen uns lebenslang prägen".
Inhaltsverzeichnis
1. Betrachtungen zum Buch von Alan Scroufe
2. Säuglingsforschung-Bindungstheorie-Borderline-Persönlichkeitsorganisation
3. Das Menschenbild der Bindungstheorie und der Psychoanalyse
4. Kritik an Scroufe's Buch ist zugleich Kritik an der immer noch vorherrschend behavioristischen Kindererziehung in den USA
5. Addendum für „Betrachtungen zum Buch von Alan Scroufe „Der Weg zur eigenen Persönlichkeit“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Alan Scroufes Werk „Der Weg zur eigenen Persönlichkeit“ auseinander, reflektiert dessen bindungstheoretische Ansätze vor dem Hintergrund psychodynamischer Konzepte und hinterfragt die soziopolitischen Rahmenbedingungen der Kindererziehung in den USA.
- Analyse der Bedeutung frühkindlicher Bindungserfahrungen für die Persönlichkeitsentwicklung.
- Kontrastierung von Behaviorismus, Psychoanalyse und Bindungstheorie.
- Diskussion von Borderline-Persönlichkeitsstrukturen als Folge frühkindlicher Mangelerfahrungen.
- Kritische Beleuchtung der US-amerikanischen Erziehungspraxis und fehlender sozialer Absicherung für Mütter.
- Einordnung der Thematik in den Kontext politischer Machtstrukturen und globaler Gesellschaftskritik.
Auszug aus dem Buch
Säuglingsforschung-Bindungstheorie-Borderline-Persönlichkeitsorganisation
Andererseits ist seit R. Spitz' Untersuchung „Hospitalism-an inquiry into the genesis of psychiatric condition in early infancy“klar, Bindung-Bindungsstile-Bindungsstörungen-Persönlichkeitsstörungen sind eine Skala der Orientierung, die das Lebensalter als Kriterium verwendet (Spitz, Säuglingsforscher, Psychoanalytiker, 1887-1974).
Ab dem vollendeten 15. Lebensjahr in der BRD, nach der WHO dem 18 Lbsj. sprechen die Experten von Persönlichkeitsstörungen. Und mit den Leitaffekten der Wut, des Hasses, der Angst ist davon die Borderline-Persönlichkeitsstörung wahrscheinlich die schlimmste. Und die würde ich ihm zuschreiben. Disorder ist dabei nicht Krankheit!
Erst seit 1980 etwa wird die Diagnose Borderline-Persönlichkeit in der Nomenklatur des ICD und wissenschaftlichen Arbeiten verwendet und in der Merkmalslistung wird häufig unerwähnt gelassen, die Betroffenen werden geradezu täglich gequält mit dem Hin und Her zwischen Angst, Wut, Hass. Und dem unbewusst bleibenden Wunsch, zu zerstören und vernichten wie es ihnen selbst in der frühen Kindheit erging und was sie tief beschämte. Der Hamburger Psychiater Dulz (2013) hat das sehr treffend bildhaft dargestellt.
Säuglinge bzw. Neugeborenen erleben bei mütterlicher Mangelbetreuung sog. Vernichtungsängste, archaische Qualen der Wut, des Hasses verbunden mit dem Erleben, ich soll vernichtet werden, wenn nicht prompt eine Reaktion auf Bindungssignale erfolgt. Weil damit eine tiefe Beschämung erlebt wird i.S. von ich soll getötet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Betrachtungen zum Buch von Alan Scroufe: Einleitende Würdigung des Autors und dessen offenem Umgang mit eigenen psychischen Problemen sowie der Relevanz seiner wissenschaftlichen Arbeit.
2. Säuglingsforschung-Bindungstheorie-Borderline-Persönlichkeitsorganisation: Theoretische Herleitung von Bindungsstörungen und die Verbindung zu Borderline-Persönlichkeitsstrukturen sowie der Bedeutung frühkindlicher Spiegelung.
3. Das Menschenbild der Bindungstheorie und der Psychoanalyse: Vergleich der Menschenbilder von Behaviorismus, klassischer Psychoanalyse und Bindungstheorie im Hinblick auf Autonomie und Bindung.
4. Kritik an Scroufe's Buch ist zugleich Kritik an der immer noch vorherrschend behavioristischen Kindererziehung in den USA: Fundierte Kritik an mangelnden sozialen Standards und der restriktiven Erziehungskultur in den USA im Kontext von Scroufes Erkenntnissen.
5. Addendum für „Betrachtungen zum Buch von Alan Scroufe „Der Weg zur eigenen Persönlichkeit“: Ergänzende Analyse der soziopolitischen Situation in den USA, insbesondere hinsichtlich Inhaftierungsraten und Waffengewalt.
Schlüsselwörter
Bindungstheorie, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Säuglingsforschung, Psychoanalyse, Behaviorismus, frühkindliche Entwicklung, Mutterschutz, USA, Erziehungspraxis, Intersubjektivität, Spiegelung, Kindeswohl, psychische Gesundheit, Trauma, Sozialkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Rezension und kritische Auseinandersetzung mit dem Buch von Alan Scroufe unter Einbeziehung bindungstheoretischer und psychoanalytischer Perspektiven.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die frühkindliche Bindung, die Auswirkungen mütterlicher Mangelbetreuung, psychische Störungsbilder und die gesellschaftspolitische Situation in den USA.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Scroufes Thesen zu evaluieren, die Relevanz der Bindungstheorie hervorzuheben und gleichzeitig auf systemische Missstände in der US-amerikanischen Erziehungskultur hinzuweisen.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden genutzt?
Es werden Konzepte aus der Bindungstheorie (Bowlby/Ainsworth), der psychoanalytischen Selbstpsychologie (Kohut, Winnicott) und der Hermeneutik integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Persönlichkeitsstörungen durch Bindungsmangel und kontrastiert diese mit dem Menschenbild des Behaviorismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wesentliche Begriffe sind Bindungstheorie, Borderline-Störungen, frühkindliche Prägung, Sozialkritik und Menschenbild.
Warum spielt die US-amerikanische Sozialpolitik eine so große Rolle in der Kritik?
Der Autor argumentiert, dass die prekären Bedingungen für Eltern und Kinder in den USA die bindungstheoretischen Erkenntnisse in der Praxis konterkarieren und kindliche Entwicklung gefährden.
Was bedeutet der Begriff „Holding“ im Kontext der Arbeit?
„Holding“ beschreibt die essenzielle, beruhigende körperliche und emotionale Aufnahme des Kindes durch die Mutter, die für die Identitätsbildung grundlegend ist.
- Arbeit zitieren
- Hans E. W. W. Sachs (Autor:in), 2022, Betrachtungen zu Alan Scroufe's Buch "Der Weg zur eigenen Persönlichkeit. Wie Bindungserfahrungen uns lebenslang prägen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1192287