Digitale Transformation zeigt vielfältige Handlungsmöglichkeiten für Organisationen auf, die erkannt haben, welchen Mehrwert der digitale Wandel bringt. Um sich an die veränderten Rahmenbedingungen des digitalen Wandels anzupassen, spielt die Herausbildung neuer Strategien, Organisationsstrukturen und Managementpraktiken für Organisationen eine tragende Rolle. Folglich muss ein zielorientierter organisationaler Transformationsprozess initiiert werden, dessen Steuerung erforderlich ist, um den erfolgreichen Verlauf des Prozesses gestalten und evaluieren zu können. Laut Hinnings et al. verfügt die institutionelle Perspektive über Konzepte und Theorien, um den Wandel in Organisationen zu ergründen, da diese die soziokulturellen Aspekte des Organisierens betrachtet.
Im Kontext dieser Arbeit wird daher angenommen, dass die Steuerung der digitalen Transformation organisationalen Wandel auslöst und gestaltet. Die vorliegende Arbeit knüpft daher am aktuellen Forschungsstand des Managements des digitalen Wandels im Verwaltungskontext an und soll einen Beitrag dazu leisten, zu verstehen, wie die Steuerung der digitalen Transformation in der öffentlichen Verwaltung abläuft. Dabei wird davon ausgegangen, dass Steuerungsdefizite zum Scheitern von Transformationsprozessen führen, aber mit Hilfe von verschiedenen Ansätzen reduziert werden können. Es wird angenommen, dass Steuerungsmodelle einen Beitrag dazu leisten können, Steuerungsdefizite abzubauen.
Um die Forschungsfrage "Wie läuft die Steuerung der digitalen Transformation in einer Organisation der öffentlichen Verwaltung ab?" zu ergründen, wird zuerst das Begriffsverständnis der Termini Digitalisierung und digitale Transformation (Kapitel 2) festgelegt. Anschließend erfolgen die Beschreibung des theoretischen Rahmens sowie ein analytischer Modellvergleich mit dem Ziel, ein einschlägiges Steuerungsmodell für die öffentliche Verwaltung zu identifizieren (Kapitel 3). Kapitel 4 stellt die Durchführung und Auswahl der Fallstudie dieser Arbeit vor. Die Ergebnisse der Fallstudie werden im folgenden Kapitel zusammengefasst (Kapitel 5). Die Reflexion der Ergebnisse, sowie eine ausführliche Diskussion im Kontext des identifizierten Steuerungsmodells der öffentlichen Verwaltung, werden im Kapitel 6 vorgenommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Digitalisierung
2.2 Digitale Transformation
3. Theoretischer Rahmen: Organisationaler Wandel und Steuerungsmodelle der digitalen Transformation
3.1 Organisationaler Wandel
3.2 Steuerungsmodelle
3.3 Vergleichende Analyse von Steuerungsmodellen
3.3.1 Analytischer Modellvergleich
3.3.2 Begründung der Auswahl des Modells
4. Forschungsansatz und -methoden
4.1 Vorgehen
4.1.1 Planung der Fallstudie
4.1.2 Datenerhebung
4.1.3 Datenauswertung
5. Datenauswertung: Digitale Transformation in der BaFin
6. Diskussion
6.1 Diskussion der Ergebnisse der Fallstudie
6.2 Betrachtung der Ergebnisse im Kontext des Steuerungsmodells DRV
6.2.1 Ergebnisse der Fallstudie und Elemente des DRV im Vergleich
6.2.2 Implikationen für das Steuerungsmodell DRV
7. Résumé
7.1 Zusammenfassung
7.2 Limitationen
7.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie die Steuerung der digitalen Transformation in einer Behörde der öffentlichen Verwaltung erfolgt, um Steuerungsdefizite zu identifizieren und durch ein geeignetes Modell zu adressieren.
- Analyse theoretischer Grundlagen zu digitaler Transformation und organisationalem Wandel.
- Vergleichende Untersuchung verschiedener Steuerungsmodelle hinsichtlich ihrer Eignung für die öffentliche Verwaltung.
- Durchführung einer Fallstudie an der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
- Evaluation des "Digitalen Reifegradmodells für die öffentliche Verwaltung" (DRV) als Steuerungsinstrument.
Auszug aus dem Buch
3.1 Organisationaler Wandel
Bei Organisationen handelt es sich um komplexe Gebilde, die aus einem instrumentellen Verständnis heraus betrachtet werden können. Im Zentrum dieser Betrachtung steht nach HOFFMANN (2017: 9) „die dauerhafte Strukturierung von Arbeitsabläufen und die Darstellung der Arbeitsteilung entlang von Funktionen in hierarchischen Beziehungen“. Dies bedeutet, dass eine Organisation als die „Gesamtheit von Regeln als Instrument zur Realisierung von Zielen“ (HOFFMANN 2017: ebd.) angesehen wird. Damit sich Organisationen an die veränderten Gegebenheiten des digitalen Wandels anpassen, spielt laut MATT, et al. (2015) für diese die Herausbildung neuer Strategien, Organisationsstrukturen und Managementpraktiken eine entscheidende Rolle. Folglich muss ein zielorientierter organisationaler Transformationsprozess initiiert werden, dessen Steuerung erforderlich ist, um den erfolgreichen Verlauf des Prozesses gestalten und evaluieren zu können.
Nach REUTER, et al. (2015: 51) versteht man unter dem Wandel einer Organisation “the product of intrinsic and/or extrinsic motivations to alter the organization’s trajectory”. Organisationaler Wandel wird dabei in der Literatur in inkrementelle und transformatorische Veränderung unterschieden (vgl. BY 2005). Dabei beschreiben REUTER, et al. (2015: ebd.) inkrementelle Veränderungen als „less risky, smaller scale type of change referred to as first order change”. Transformatorische Veränderungen sollen zu tiefgreifenden, dauerhaften Veränderungen führen und liegen vor, „when the deep structure of the organization is transformed“ (BESSON, et al. 2012: 104). Dies beinhaltet sowohl die Veränderung von Werten, als auch von Strukturen und organisatorischem Lernen. Im Rahmen des transformationalen Veränderungsansatzes ist dabei das Risiko wesentlich höher zu bewerten als bei der Vornahme von inkrementellen Veränderungen (vgl. GREENWOOD, et al. 1996; vgl. REUTER, et al. 2015).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der digitalen Transformation als notwendiger organisationaler Wandel und die daraus resultierende Problemstellung in der öffentlichen Verwaltung.
2. Grundlagen: Systematische Definition und Abgrenzung der Begriffe Digitalisierung und digitale Transformation anhand verschiedener Dimensionen.
3. Theoretischer Rahmen: Organisationaler Wandel und Steuerungsmodelle der digitalen Transformation: Erörterung der theoretischen Konzepte zum organisationalen Wandel und kritischer Vergleich verschiedener Steuerungsmodelle zur Vorbereitung der Fallstudie.
4. Forschungsansatz und -methoden: Darstellung des methodischen Vorgehens für die als Fallstudie konzipierte Untersuchung, inklusive Datenerhebung und -auswertung.
5. Datenauswertung: Digitale Transformation in der BaFin: Anwendung des Kategoriensystems zur Analyse der Ist-Situation der digitalen Transformation bei der BaFin.
6. Diskussion: Interpretation der Fallstudien-Ergebnisse und kritische Betrachtung im Kontext des Steuerungsmodells DRV sowie Ableitung von Implikationen.
7. Résumé: Zusammenfassende Darstellung der Erkenntnisse, Reflexion der methodischen Limitationen und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Digitale Transformation, Digitalisierung, öffentliche Verwaltung, BaFin, Steuerungsmodell, Organisationaler Wandel, Fallstudie, Digitales Reifegradmodell, Strategieumsetzung, Transformationsmanagement, Organisationsstruktur, Prozessmanagement, Digitale Kompetenzen, IT-Steuerung, Verwaltungsreform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit befasst sich mit der Herausforderung, wie digitale Transformationsprozesse innerhalb von Organisationen der öffentlichen Verwaltung zielgerichtet gesteuert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen organisationalen Wandel, Strategieformulierung in Behörden, die Anwendung von Steuerungsmodellen und die spezifische Situation bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Forschungsfrage „Wie läuft die Steuerung der digitalen Transformation in einer Organisation der öffentlichen Verwaltung ab?“ zu beantworten und ein geeignetes Steuerungsmodell zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz in Form einer Einzelfallstudie (Single Case Study) gewählt, bei der Primärquellen und leitfadengestützte Experteninterviews trianguliert ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt der theoretische Vergleich verschiedener Steuerungsmodelle, die Planung der Fallstudie, die Datenauswertung bei der BaFin anhand eines Kategoriensystems sowie die anschließende kritische Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind digitale Transformation, öffentliche Verwaltung, BaFin, Steuerungsmodelle und organisationaler Wandel.
Warum wurde die BaFin für die Fallstudie ausgewählt?
Die BaFin ist als Bundesoberbehörde mit komplexen Aufgabenfeldern und hohem Digitalisierungsdruck ein ideales Untersuchungsobjekt für die Herausforderungen der digitalen Transformation in der öffentlichen Verwaltung.
Inwieweit lässt sich das DRV-Modell auf die BaFin übertragen?
Die Analyse zeigt, dass das DRV-Modell zwar inhaltliche Parallelen zur BaFin aufweist, jedoch das Fehlen operativer Enforcement-Instrumente eine direkte Übertragung erschwert und Anpassungen erforderlich macht.
- Arbeit zitieren
- Oliver Gobert (Autor:in), 2021, Steuerungsmodelle der digitalen Transformation. Eine Fallstudie aus der öffentlichen Verwaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1192292