Wo wurde Mehrfachdiskriminierung innerhalb des Seminars „Transnational Perspectives in Gender Studies“ thematisiert, auf welche Weise und mit welchen Ergebnissen?“
Um diese Forschungsfrage zu beantworten, soll dabei zunächst ein theoretisches Wissen aufgebaut werden, welches dann schließlich unter anderem als Analysewerkzeuge herangezogen werden können. Als Erstes wird daher erläutert, was eine Mehrfachdiskriminierung charakterisiert und ebenso weshalb sie relevant ist. Aufbauend auf dieses theoretische Wissen folgt dann die Vermittlung eines bestimmten Blickwinkels, nämlich der diversitätsbewussten Perspektive. Wie diese Perspektive als Mittel dienen kann, Mehrfachdiskriminierungen zu untersuchen wird in diesem Kapitel ebenfalls deutlich gemacht, sodass eine solide theoretische Basis zur Bearbeitung der Forschungsfrage gelegt ist. Dies wiederum soll im anschließenden vierten Kapitel erfolgen, welches die Seminarinhalte in Themengebiete unterteilt und diese nacheinander mit dem Fokus auf Mehrfachdiskriminierung bzw. dem Analysewerkzeug der diversitätsbewussten Perspektive beleuchtet. Im abrundenden Fazit sollen die relevantesten Ergebnisse kurz zusammengefasst werden, sowie geklärt werden, inwiefern die Beantwortung der Forschungsfrage gelang.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Bedeutung von Mehrfachdiskriminierung
3 Diversitätsbewusster Blick um Mehrfachdiskriminierung wahrzunehmen
4 Mehrfachdiskriminierung im Fokus der Seminarinhalte
4.1 Gewalt und Gender
4.2 Feminismus im Islam
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht systematisch, inwiefern das Seminar „Transnational Perspectives in Gender Studies“ das Thema Mehrfachdiskriminierung behandelt, welche methodischen Ansätze dabei gewählt wurden und welche Ergebnisse diese Thematisierung lieferte.
- Theoretische Fundierung von Mehrfachdiskriminierung und diversitätsbewussten Perspektiven
- Analyse des Themenblocks „Gewalt und Gender“ unter dem Aspekt der Mehrfachdiskriminierung
- Untersuchung des Themenkomplexes „Feminismus im Islam“ hinsichtlich Othering-Prozessen
- Kritische Reflexion über die (Nicht-)Thematisierung von Mehrfachzugehörigkeiten
- Evaluation der Forschungsfrage im Kontext der Seminarinhalte
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung von Mehrfachdiskriminierung
Dieses zweideutige Kapitel beginnt mit der Erläuterung des Begriffs der Mehrfachdiskriminierung. Unter einer Mehrfachdiskriminierung wird grob die Diskriminierung aufgrund mehrerer Merkmale verstanden, also etwa das Zusammenspiel mehrerer Dimensionen wie zum Beispiel Rassismus, Klassismus und Transsexismus. Wichtig dabei ist, dass diese Mehrdimensionalität von Mehrfachdiskriminierung nicht (ausschließlich) als additiv gedacht wird, denn das Zusammenspiel mehrerer Diskriminierungsformen bringt meist ganz neue Formen von Diskriminierungen hervor. (vgl. Les Migras, 2012, S. 13 ff.) So erlebt eine fiktive Person, Christina, sie ist unter anderem muslimisch weiß und lesbisch, (natürlich auch aber) nicht nur Mehrfachdiskriminierung in Form von kulturellem Rassismus und additiv dazu in Form von Heterosexismus, sondern sie erlebt auch eine „Mischform“ dieser Mehrfachdiskriminierung die wiederum ganz spezifische Eigenschaften aufweisen kann, beispielsweise jene dass ihr ihr Lesbischsein nicht geglaubt wird, weil in diesem Kontext Lesbischsein als „modern“ bzw. emanzipiert verstanden wird, und diese Eigenschaften ihrem Muslimischsein abgesprochen werden, bzw. der westlichen Kultur vorbehalten werden. In diesem Fall zeigt sich die Mehrfachdiskriminierung als untrennbare Verflechtung ihrer Mehrfachzugehörigkeit.
Ebenso gibt es auch den Fall, wenn Christina nicht feststellen kann aufgrund welchen Merkmals sie eine Diskriminierung erlebt, etwa wenn sie in der Nachbarschaft kritisch beäugt wird. Dadurch, dass sie nicht weiß ob sie wegen ihrer lesbischen oder wegen ihrer muslimischen Lebensweise diesen Blicken ausgesetzt ist, kann es schwer fallen passende Handlungsstrategien gegen diese Art der Mehrfachdiskriminierung zu finden, sprich sich befriedigend dagegen zur Wehr zu setzen. Gleichzeitig wird jedoch auch ein größeres Repertoire an Widerstandsstrategien der Personen, die Mehrfachdiskriminierungen ausgesetzt sind, festgestellt. (vgl. Les Migras, S.12 f)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an der Thematisierung von Mehrfachdiskriminierung innerhalb der Seminarinhalte von „Transnational Perspectives in Gender Studies“ und leitet die zentrale Forschungsfrage her.
2 Die Bedeutung von Mehrfachdiskriminierung: Dieses Kapitel erarbeitet die theoretischen Grundlagen des Begriffs Mehrfachdiskriminierung und grenzt ihn von additiven Diskriminierungsmodellen ab.
3 Diversitätsbewusster Blick um Mehrfachdiskriminierung wahrzunehmen: Hier wird die diversitätsbewusste Perspektive als methodisches Analysewerkzeug vorgestellt, um Othering-Prozesse und Differenzlinien sichtbar zu machen.
4 Mehrfachdiskriminierung im Fokus der Seminarinhalte: Dieses Kapitel bildet das Herzstück der Arbeit und analysiert die Seminarinhalte „Gewalt und Gender“ sowie „Feminismus im Islam“ auf ihre Auseinandersetzung mit Mehrfachdiskriminierung.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert, dass eine explizite Thematisierung von Mehrfachdiskriminierung im Seminar weitgehend ausblieb oder unvollständig blieb.
Schlüsselwörter
Mehrfachdiskriminierung, Gender Studies, Diversität, Othering, Intersektionalität, Transnationale Perspektiven, Gewalt, Feminismus, Islam, Diskriminierungsmerkmale, Identität, Differenzlinien, Migrationsgesellschaft, Analysewerkzeug, Widerstandsstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie das Thema Mehrfachdiskriminierung in den Inhalten des Seminars „Transnational Perspectives in Gender Studies“ behandelt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit konzentriert sich schwerpunktmäßig auf die Themenkomplexe „Gewalt und Gender“ sowie „Feminismus im Islam“.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Wo wurde Mehrfachdiskriminierung innerhalb des Seminars thematisiert, auf welche Weise und mit welchen Ergebnissen?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die „diversitätsbewusste Perspektive“ als methodisches Analysewerkzeug, um die Seminarinhalte auf Othering-Prozesse und die Sichtbarkeit von Differenzlinien hin zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Mehrfachdiskriminierung erarbeitet und anschließend die spezifischen Seminarinhalte auf ihre Tiefe und Art der Thematisierung von Mehrfachdiskriminierung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Mehrfachdiskriminierung, Intersektionalität, Othering, Diversität, Transnationale Perspektiven und Gender Studies.
Warum wird im Kontext von „Gewalt und Gender“ eine mangelnde Thematisierung kritisiert?
Die Autorin kritisiert, dass Statistiken oft nur starre, zweidimensionale Kategorien (wie Alter und Geschlecht) verwenden, wodurch komplexe Mehrfachdiskriminierungen unsichtbar bleiben.
Welche Rolle spielt die „moudawana“ im Abschnitt über Feminismus im Islam?
Das marokkanische Familiengesetz wird diskutiert, um die Widersprüche zwischen gesetzlicher Gleichheit und patriarchalen Strafrechtspraktiken aufzuzeigen, was als Ansatzpunkt für Mehrfachdiskriminierung dient.
Wie bewertet die Autorin die Nichtbeachtung von Identitäten?
Die Nichtbeachtung oder das Abstreiten bestimmter Mehrfachzugehörigkeiten wird als eigenständige, diskriminierende Handlung gewertet, da Identitäten dadurch negiert werden.
- Arbeit zitieren
- Hikaru Uhl (Autor:in), 2020, Mehrfachdiskriminierung im Fokus der Seminarinhalte "Transnational Perspectives in Gender Studies", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1192293