Mehrfachdiskriminierung im Fokus der Seminarinhalte "Transnational Perspectives in Gender Studies"


Hausarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Bedeutung von Mehrfachdiskriminierung

3 Diversitätsbewusster Blick um Mehrfachdiskriminierung wahrzunehmen

4 Mehrfachdiskriminierung im Fokus der Seminarinhalte
4.1 Gewalt und Gender
4.2 Feminismus im Islam

5 Fazit

1 Einleitung

Mehrfachzugehörigkeiten betreffen jede*n von uns, und doch scheinen sie nur relevant wenn man, auf den sich kreuzenden und dadurch Mehrfachzugehörigkeit erzeugenden Differenzlinien, eine Positionierung als markiertes Subjekt inne hat. Wer zum Beispiel heterosexuell, Cis- Mann, gesund, weiß und sesshaft ist, weist ganz klar genauso eine Mehrfachzugehörigkeit auf wie die Person, die homosexuell, Transgender, rollstuhlfahrend, People of Colour und Migrationsandere*r ist. Dennoch erfährt mit großer Wahrscheinlichkeit lediglich die letztere Person die konkreten Auswirkungen die Mehrfachzugehörigkeiten mit sich bringen können. Eine solche mögliche Auswirkung davon ist die Mehrfachdiskriminierung, die in dieser Arbeit näher beleuchtet werden soll. Dabei sollen die Seminarinhalte des Seminars „Transnational Perspectives in Gender Studies“ auf die Thematisierung von Mehrfachdiskriminierung hin untersucht werden, da es meiner Meinung nach besonders bei transnationalen Betrachtungen unerlässlich ist den Blick für Mehrfachdiskriminierung geschärft zu haben. Transnationale Perspektiven im Sinne davon, den Blick über die Ländergrenzen die den eigenen Lebensstandort eingrenzen zu richten, und die dort dominanten Sichtweisen auf Gegenstandsbereiche der Gender Studies kennenzulernen, beinhaltet eben auch eine besondere Sensibilität gegenüber kontextabhängig und demnach ortsabhängig jeweils dominierenden Differenzlinien und damit einhergehend auch die Aufmerksamkeit gegenüber (potenzieller) Mehrfachdiskriminierung. Insbesondere die Themengebiete der Gender Studies sind meines Erachtens nach unbestreitbar mit dem Thema der Mehrfachdiskriminierung konfrontiert, da Geschlecht als (gewaltsam) omnipräsente Differenzlinie vermutlich in kaum einer Mehrfachdiskriminierung bedeutungslos ist. Und nicht zuletzt vertrete ich die Auffassung, dass erst durch die Registrierung und Anerkennung von Mehrfachdiskriminierung in einem spezifischen Umfeld, dieses ganzheitlicher erfasst werden kann, da es so (zumindest potenziell) in seiner Komplexität erfahren wird. Für transnationale Perspektiven in den Gender Studies ist meiner Meinung nach also das Wissen um, und die Aufmerksamkeit für Mehrfachdiskriminierung unabdingbar.

Um also die Seminarinhalte systematisch mit dem Fokus auf Mehrfachdiskriminierung in neuem Licht zu sehen, soll in der folgenden Ausarbeitung folgender Forschungsfrage nachgegangen werden: „Wo wurde Mehrfachdiskriminierung innerhalb des Seminars „Transnational Perspectives in Gender Studies“ thematisiert, auf welche Weise und mit welchen Ergebnissen?“

Um diese Forschungsfrage zu beantworten, soll dabei zunächst ein theoretisches Wissen aufgebaut werden, welches dann schließlich unter anderem als Analysewerkzeuge herangezogen werden können. Als erstes wird daher erläutert was eine Mehrfachdiskriminierung charakterisiert und ebenso weshalb sie relevant ist. Aufbauend auf dieses theoretische Wissen, folgt dann die Vermittlung eines bestimmten Blickwinkels, nämlich der diversitätsbewussten Perspektive. Wie diese Perspektive als Mittel dienen kann, Mehrfachdiskriminierungen zu untersuchen wird in diesem Kapitel ebenfalls deutlich gemacht, sodass eine solide theoretische Basis zur Bearbeitung der Forschungsfrage gelegt ist. Dies wiederum soll im anschließenden vierten Kapitel erfolgen, welches die Seminarinhalte in Themengebiete unterteilt und diese nacheinander mit dem Fokus auf Mehrfachdiskriminierung, bzw. dem Analysewerkzeug der diversitätsbewussten Perspektive beleuchtet. Im abrundenden Fazit sollen die relevantesten Ergebnisse kurz zusammengefasst werden, sowie geklärt werden, inwiefern die Beantwortung der Forschungsfrage gelang.

2 Die Bedeutung von Mehrfachdiskriminierung

Dieses zweideutige Kapitel beginnt mit der Erläuterung des Begriffs der Mehrfachdiskriminierung. Unter einer Mehrfachdiskriminierung wird grob die Diskriminierung aufgrund mehrerer Merkmale verstanden, also etwa das Zusammenspiel mehrerer Dimensionen wie zum Beispiel Rassismus, Klassismus und Transsexismus. Wichtig dabei ist, dass diese Mehrdimensionalität von Mehrfachdiskriminierung nicht (ausschließlich) als additiv gedacht wird, denn das Zusammenspiel mehrerer Diskriminierungsformen bringt meist ganz neue Formen von Diskriminierungen hervor. (vgl. Les Migras, 2012, S. 13 ff.) So erlebt eine fiktive Person, Christina, sie ist unter anderem muslimisch weiß und lesbisch, (natürlich auch aber) nicht nur Mehrfachdiskriminierung in Form von kulturellem Rassismus und additiv dazu in Form von Heterosexismus, sondern sie erlebt auch eine „Mischform“ dieser Mehrfachdiskriminierung die wiederum ganz spezifische Eigenschaften aufweisen kann, beispielsweise jene dass ihr ihr Lesbischsein nicht geglaubt wird, weil in diesem Kontext Lesbischsein als „modern“ bzw. emanzipiert verstanden wird, und diese Eigenschaften ihrem Muslimischsein abgesprochen werden, bzw. der westlichen Kultur vorbehalten werden. In diesem Fall zeigt sich die Mehrfachdiskriminierung als untrennbare Verflechtung ihrer Mehrfachzugehörigkeit. Ebenso gibt es auch den Fall, wenn Christina nicht feststellen kann aufgrund welchen Merkmals sie eine Diskriminierung erlebt, etwa wenn sie in der Nachbarschaft kritisch beäugt wird. Dadurch, dass sie nicht weiß ob sie wegen ihrer lesbischen oder wegen ihrer muslimischen Lebensweise diesen Blicken ausgesetzt ist, kann es schwer fallen passende Handlungsstrategien gegen diese Art der Mehrfachdiskriminierung zu finden, sprich sich befriedigend dagegen zur Wehr zu setzen. Gleichzeitig wird jedoch auch ein größeres Repertoire an Widerstandsstrategien der Personen, die Mehrfachdiskriminierungen ausgesetzt sind, festgestellt. (vgl. Les Migras, S.12 f)

Mehrfachdiskriminierung meint aber nicht nur eine mehrfache Diskriminierung im Sinne mehrerer Diskriminierungsmerkmale sondern kann auch auf mehrere Diskriminierungsebenen bezogen werden. Um es an Christina beispielhaft deutlich zu machen, kann beschrieben werden, dass ihr Diskriminierungsmerkmal „muslimisch sein“ ihr auf zwischenmenschlicher, institutioneller, staatlicher, virtueller u.v.m. Ebenen Diskriminierungserfahrungen einbringen kann. Ebenso mehrdimensional sind dabei die Täter*innenprofile. So zielt die Perspektive der Mehrfachdiskriminierung auch darauf ab, sichtbar zu machen, dass Täter*innen nicht einer gleichen Gruppierung entstammen, sondern Diskriminierung von unterschiedlichen Täter*innenprofilen ausgehen. Dies ist besonders in Anbetracht dessen wichtig, als dass Täter*innen häufig in einer/wenigen marginalisierten Gruppen verortet werden, in Deutschland durch die Zunahme der Islamophobie oftmals etwa bei muslimischen Menschen. Wenn in Christinas Fall davon ausgegangen wird, dass ihre Diskriminierungserfahrungen aufgrund ihres Lesbischseins überwiegend in ihrer muslimischen Familie bzw. ihrem muslimischen Bekanntenkreis stattfindet, so kann aus einer Perspektive der Mehrfachdiskriminierung widersprochen werden , dass das Täter*innenprofil genauso mehrdimensional ist und diese Annahme nicht zuletzt auch rassistisch zu verorten ist. (vgl. ebd.)

Anzumerken ist außerdem, dass die Perspektive der Mehrfachdiskriminierung nicht mit einer intersektionellen Perspektive gleichgesetzt werden kann. Die Perspektive der Intersektionalität als Perspektive, die vor allem die Verschränkung und das Zusammenspiel von Differenzlinien, welche je nach Positionierung auf dieser, zu Diskriminierungsmerkmalen werden können fokussiert, wird insofern der Perspektive der Mehrfachdiskriminierung nicht gerecht, als dass sie dafür kritisiert wird, die unterschiedliche Massivität von Diskriminierungen aus dem Auge zu verlieren. Diese Beachtung unterschiedlich dominanter Diskriminierungen darf jedoch keinesfalls zu einer Hierarchisierung dieser führen. Aus der Sichtweise der Mehrfachdiskriminierung wirkt demnach eine, die dominanteste, Diskriminierung als Prisma, durch die alle anderen Diskriminierungen erlebt werden. Welche Diskriminierung dabei die Dominanteste ist bzw. als Prisma auf die anderen einwirkt, ist je nach Kontext unterschiedlich. (vgl. Les Migras, S.14)

3 Diversitätsbewusster Blick um Mehrfachdiskriminierung wahrzunehmen

Es stellt sich nun die Frage wie die Mehrfachdiskriminierung die im vorausgegangenen Kapitel erläutert wurde als solche erkannt und ihr entgegen getreten werden kann. Um eine mögliche Antwort darauf zu formulieren soll daher im Folgenden die diversitätsbewusste Perspektive vorgestellt werden und aufgezeigt werden, auf welche Art und Weise diese zur Wahrnehmung und Sensibilisierung von Mehrfachdiskriminierung herangezogen werden kann.

Eine diversitätsbewusste Perspektive zeichnet sich zum einen dadurch aus, dass sie den Blick dafür schärft, jeden Menschen als einzigartiges Individuum wahrzunehmen, das innerhalb ihres/seines individuellen Möglichkeitsraum fühlt, denkt und handelt. Dies ist insofern unverzichtbar, als dass insbesondere Menschen die migriert oder geflohen sind und ihre Nachkommen, aber natürlich auch andere, als Angehörige von Großgruppen wahrgenommen werden statt als Individuum. Diese sozial konstruierten Großgruppen sind mit Zuschreibungen versehen, die meist darauf abzielen das Bild eines „negativen Anderen“ zu erzeugen, dem sogenannten Othering- Prozess. Merkmale dieses Prozesses sind dabei die behauptete Homogenität und Unveränderbarkeit des konstruierten „Anderen“. Außerdem bleiben die Konstrukteur*innen stets unsichtbar und unmarkiert während sie Menschen als „anders“ markieren. Dennoch existiert das Allgemeinwissen, dass sie das positive Gegenteil der markierten Gruppe sind. Diversitätsbewusste Perspektiven setzen genau hier an indem sie fragen, wie sogenanntes Allgemeinwissen über sozial konstruierte Menschengruppen entstehen kann, welche Folgen das hat und welche Interessen und Strukturen möglicherweise damit verbunden sind. Es kommt also darauf an, das Unmarkierte in den Othering- Prozessen sichtbar zu machen, und gleichzeitig die behauptete Homogenität und Unveränderbarkeit der konstruierten Großgruppen zurückzuweisen. (vgl. Leiprecht, 2018, S. 210ff.)

Dieser Aspekt diversitätsbewusster Perspektiven ist ganz konkret zur Sensibilisierung für Mehrfachdiskriminierungen, da mit dem Zuordnen von Menschen in mit Zuschreibungen versehenen Großgruppen oftmals der Grundstein für Mehrfachdiskriminierung gelegt wird. So erfahren Menschen mit Mehrfachzugehörigkeit, wie beispielsweise die fiktive Christina, mehrfach eine gewaltsame Markierung durch Othering- Prozesse. Christina wird demnach nicht nur als Angehörige einer konstruierten muslimischen Großgruppe angesehen und entsprechend ungeachtet ihrer Individualität behandelt, sie erfährt zugleich auch auf der Differenzlinie „sexuelle Orientierung“ die Positionierung als markiertes Subjekt und wird somit einem Othering- Prozess unterzogen. Auch die Frage danach, wie sich dieses Othering, die verwehrte Anerkennung, auf die markierten Subjekte auswirkt, ist Teil der diversitätsbewussten Perspektive. (vgl. ebd.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Mehrfachdiskriminierung im Fokus der Seminarinhalte "Transnational Perspectives in Gender Studies"
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Veranstaltung
Transnational Perspectives in Gender Studies
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V1192293
ISBN (eBook)
9783346632760
ISBN (Buch)
9783346632777
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mehrfachdiskriminierung, Diskriminierung, Intersection, intersectional, Mehrfachzugehörigkeit, Islam, Feminismus, Gewalt, Gender, Differenzlinie, Intersektionalität
Arbeit zitieren
Hikaru Uhl (Autor:in), 2020, Mehrfachdiskriminierung im Fokus der Seminarinhalte "Transnational Perspectives in Gender Studies", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1192293

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