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Neue Erkenntnisse in der Forschung zur Frage: Was ist eigentlich ein Kreuzzug?

Title: Neue Erkenntnisse in der Forschung zur Frage: Was ist eigentlich ein Kreuzzug?

Seminar Paper , 2003 , 18 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Markus Friedrich (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Die Kreuzzüge waren und sind immer noch ein viel diskutiertes Thema. Vor
allem in der heutigen Gesellschaft, die von Konflikten und Kriegen zwischen
Menschen unterschiedlicher religiöser Überzeugung geprägt ist, scheint die Bezeichnung
Kreuzzug vor dem Hintergrund eines Glaubenskrieges nicht unangebracht
zu sein. Religiöser Fanatismus führt auf der ganzen Welt, angefangen von
Nordirland über Israel bis zum Irak, immer wieder aufs Neue zu Spannungen und
blutigen Auseinandersetzungen. Wie vor 900 Jahren bei der Befreiung Jerusalems,
legitimiert auch heute noch der Glaube die Unterdrückung der vermeintlich
Ungläubigen. Es stellt sich nun die Frage, wie damals schon Glaube und Gewalt
miteinander verbunden werden konnten und wie demzufolge ein Kreuzzug
definiert ist. Die vorliegende Arbeit wird sich damit beschäftigen, wobei auf den
Verlauf der Kreuzzüge nicht näher eingegangen wird.
Was versteht man unter dem Begriff Kreuzzug und hat eventuell ein Bedeutungswandel
stattgefunden? Um diese Fragen zu klären, werden zunächst die vier
wichtigsten Quellen zum Kreuzzugsaufruf Urbans II. 1095 in Clermont eingehend
betrachtet. Was verstehen Fulcher von Chartres, Robert von Reims, Balderich von
Dol und Guibert von Nogent unter Kreuzzug, bzw. wie äußert sich der Papst dazu
in ihren Schriften? Im Anschluss wird Hans Eberhard Mayers Definition der
Kreuzzüge dargestellt, die den Darstellungen in den Quellen sehr ähnelt. Ernst-
Dieter Hehls Kritik an Mayers Definition bildet den folgenden Abschnitt und
zuletzt werden neue Erkenntnisse bezüglich des Kreuzzuggedankens näher beleuchtet
werden.
Neben den vier lateinischen Quellen zum Kreuzzugsaufruf stützt sich diese Arbeit
im Wesentlichen auf Hans Eberhard Mayers „Geschichte der Kreuzzüge“ und
Ernst-Dieter Hehls Aufsatz „Was ist eigentlich ein Kreuzzug?“. Darüber hinaus
werden weitere wichtige Monographien und Aufsätze verwendet, die im Literaturverzeichnis
aufgeführt sind.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist eigentlich ein Kreuzzug?

2.1 Darstellung des Kreuzzuggedankens in den Quellen

2.1.1 Fulcher von Chartres Überlieferung

2.1.2 Robert von Reims Darstellung

2.1.3 Balderich von Dols Schilderung

2.1.4 Guibert von Nogents Überlieferung

2.2 Definition der Kreuzzüge nach Hans Eberhard Mayer

2.3 Ernst-Dieter Hehls Kritik an Mayers Definition

2.4 Neue Erkenntnisse zur Kreuzzugsfrage

3. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Begriff „Kreuzzug“ durch eine vergleichende Analyse der vier wichtigsten Quellen zum Aufruf Urbans II. im Jahr 1095. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen mittelalterlichen Vorstellungen und modernen Definitionen, insbesondere der von Hans Eberhard Mayer, kritisch zu hinterfragen und die Entwicklung des Kreuzzuggedankens zu verstehen.

  • Vergleich der zeitgenössischen Kreuzzugsbeschreibungen (Fulcher, Robert, Balderich, Guibert).
  • Kritische Analyse von Hans Eberhard Mayers Definition der Kreuzzüge.
  • Diskussion über die Rolle Jerusalems und die Intention der Pilgerfahrt versus Kriegszug.
  • Untersuchung des Wandels der kirchlichen Rechtfertigung von Gewalt im 12. Jahrhundert.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Fulcher von Chartres Überlieferung

Der vielleicht glaubwürdigste Verfasser der Kreuzzugsrede ist Fulcher von Chartres, der selbst am ersten Kreuzzug teilnahm und bis zu seinem Tod 1127 Kanoniker der Grabeskirche in Jerusalem war.6 Aufgrund seiner Nähe zum Königshaus und der langjährigen Verbundenheit zum Heiligen Land, wird er von der Forschung für eine zuverlässige Quelle gehalten. In seiner „Historia Hierosolymitana“ schildert er den Beginn und Verlauf des ersten Kreuzzuges, sowie die ersten 28 Jahre des Bestehens des Königreichs Jerusalem.7 Für uns ist jedoch nur die Stelle der Kreuzzugsrede von Clermont von Bedeutung, das dritte Kapitel des ersten Buches.8

Darin überliefert Fulcher die Aufforderung des Papstes an die Versammelten, selbst tätig zu werden und ihren Brüdern im Orient Hilfe zu bringen: „Necesse est enim, quatinus confratribus vestris in Orientali plaga conversantibus, auxilio vestro iam saepe acclamato indigiis, accelerato itinere succuratis.“9 Den Grund für die Notwendigkeit der Hilfeleistung äußert Urban II. im folgenden Satz. Die Türken sind schon bis zum Mittelmeer vorgedrungen und haben viele Christen getötet, gefangen genommen, Kirchen zerstört und das Reich Gottes verwüstet. Mit den Worten „Quos quidem si sic aliquandiu in quiete siveritis, multo latius fideles Dei supergredientur“10 macht der Papst deutlich, dass die Expansion der Türken nicht schweigend hingenommen werden darf. Im Anschluss stellt er klar, dass nicht er, sondern der Herr die Versammelten auffordert, unabhängig von ihren Besitzverhältnissen, dieses nichtsnutzige Geschlecht zur rechten Zeit zu vertreiben, und zwar „de regionibus nostrorum“.11 Damit sind die Länder Kleinasiens gemeint, die schon seit langer Zeit von Christen bewohnt sind und jetzt von den Türken unterdrückt werden.12 Der Papst sieht sie als Eigentum der Christen, die die Vertreibung der Türken rechtfertigen. Hierauf kommt Urban II. auf die Belohnung zu sprechen. Alle, die am Kreuzzug teilnehmen und dabei ihr Leben verlieren, erhalten die „remissio peccatorum“,13 also die Vergebung der Sünden. Hagenmeyer bemerkt dazu, dass diese Aussicht allein für viele Leute ausschlaggebend war, am Kreuzzug teilzunehmen.14 Am Ende seiner Rede fordert der Papst seine Zeitgenossen auf in den Kampf gegen die Ungläubigen zu ziehen. Sein Appell richtet sich an diejenigen, die bisher untereinander Krieg geführt haben. Den Wandel des Kriegszweckes offenbart Urban II. deutlich in folgenden Worten: „Nunc fiant Christi milites, qui dudum existerunt raptores“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Kreuzzugsthemas ein und stellt die Quellenbasis sowie die methodische Vorgehensweise zur Klärung des Begriffs „Kreuzzug“ vor.

2. Was ist eigentlich ein Kreuzzug?: Dieses Kapitel analysiert die vier primären Quellen des Kreuzzugsaufrufs von 1095 und stellt die Definition von Hans Eberhard Mayer sowie deren Kritik durch Ernst-Dieter Hehl gegenüber.

2.1 Darstellung des Kreuzzuggedankens in den Quellen: Hier werden die Überlieferungen von Fulcher von Chartres, Robert von Reims, Balderich von Dol und Guibert von Nogent hinsichtlich ihrer Darstellungsweise des Papstaufrufs detailliert untersucht.

2.1.1 Fulcher von Chartres Überlieferung: Dieses Unterkapitel fokussiert auf die Darstellung von Fulcher von Chartres, der als besonders glaubwürdiger Augenzeuge eingestuft wird und den Kern der päpstlichen Aufforderung zur Hilfeleistung überliefert.

2.1.2 Robert von Reims Darstellung: Diese Analyse widmet sich Roberts detaillierter Schilderung der Gräueltaten der Türken und seiner biblischen Rhetorik zur Mobilisierung der Gläubigen.

2.1.3 Balderich von Dols Schilderung: Hier wird untersucht, wie Balderich von Dol die Gemeinschaft im Glauben beschwört und den Kriegszug gegen die „Besetzer“ des Heiligen Landes legitimiert.

2.1.4 Guibert von Nogents Überlieferung: Dieses Kapitel analysiert Guiberts Darstellung, in der Christus als Fahnenträger der Kreuzfahrer erscheint und die moralische Rechtfertigung für den Kampf betont wird.

2.2 Definition der Kreuzzüge nach Hans Eberhard Mayer: Hier wird die moderne wissenschaftliche Definition von Mayer vorgestellt, die einen Kreuzzug durch päpstliche Ausschreibung, Gelübde, Ablaß und ein festes geographisches Ziel charakterisiert.

2.3 Ernst-Dieter Hehls Kritik an Mayers Definition: Dieser Abschnitt beleuchtet Hehls Kritik an der zu engen Fixierung auf Jerusalem und betont den „Interpretationsrahmen“, der den Kreuzzug von anderen Kriegen abgrenzte.

2.4 Neue Erkenntnisse zur Kreuzzugsfrage: Zusammenfassend wird hier dargelegt, wie sich der Kreuzzugsbegriff von einem spezifischen Krieg um Jerusalem zu einer allgemeinen Metapher für ideologisch motivierte Konflikte wandelte.

3. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Diskrepanzen zwischen mittelalterlichen und modernen Sichtweisen und verweist auf die Komplexität der wahren Motive der Kreuzfahrer.

Schlüsselwörter

Kreuzzug, Papst Urban II., Konzil von Clermont, Fulcher von Chartres, Pilgerfahrt, Sündenvergebung, Heiliges Land, Jerusalem, Hans Eberhard Mayer, Ernst-Dieter Hehl, Milites Christi, Deus vult, Kriegszweck, Mittelalterliche Geschichte, Religiöse Motivation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Herleitung und Definition des Begriffs „Kreuzzug“. Dabei wird untersucht, wie sich das Verständnis von einem kirchlich legitimierten Kriegszug im 11. Jahrhundert zu einem weiter gefassten Begriff gewandelt hat.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind der ursprüngliche Aufruf von Papst Urban II. im Jahr 1095, die verschiedenen zeitgenössischen Quellenüberlieferungen, die moderne wissenschaftliche Definition nach Hans Eberhard Mayer und die Kritik an dieser durch Ernst-Dieter Hehl.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Das Ziel ist die Klärung der Frage, was „eigentlich“ ein Kreuzzug ist und ob sich der Begriff durch einen Bedeutungswandel im Laufe der Zeit verändert hat, insbesondere im Kontext von Jerusalems Rolle und der päpstlichen Rechtfertigung.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse der vier wichtigsten lateinischen Berichte zum Konzil von Clermont sowie einen komparativen Ansatz, der diese Primärquellen mit moderner Forschungsliteratur abgleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Berichte von Fulcher von Chartres, Robert von Reims, Balderich von Dol und Guibert von Nogent detailliert analysiert, gefolgt von der theoretischen Auseinandersetzung mit der Kreuzzugsdefinition nach Mayer und der Kritik von Hehl.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Kreuzzug, Urban II., Pilgerfahrt, Sündenvergebung, Jerusalem, milites Christi und die historische Forschung zu den Kreuzzügen.

Warum gilt Fulcher von Chartres als besonders glaubwürdig?

Fulcher von Chartres nahm laut Überlieferung selbst am ersten Kreuzzug teil, war vor Ort und hatte durch seine Stellung als Kanoniker der Grabeskirche in Jerusalem eine enge Bindung zu den Ereignissen, was seine Darstellung in der Forschung als zuverlässiger erscheinen lässt als die späterer Chronisten.

Wie unterscheidet sich die Pilgerfahrt vom Kreuzzug laut der Arbeit?

Die Pilgerfahrt zielte traditionell auf den persönlichen Rückzug aus der Welt zur Rettung der eigenen Seele ab, während der Kreuzzug durch den Papst als bewaffnete, „gottgefällige“ Handlung für den Nächsten und die Kirche in der Welt definiert wurde.

Wie veränderte sich die Bedeutung des Kreuzzugsbegriffs laut dem Autor?

Der Begriff löste sich mit der Zeit von der konkreten geografischen Bindung an Jerusalem und wurde zu einer Metapher für ideologisch motivierte oder kirchlich legitimierte Konflikte, auch außerhalb des Heiligen Landes.

Excerpt out of 18 pages  - scroll top

Details

Title
Neue Erkenntnisse in der Forschung zur Frage: Was ist eigentlich ein Kreuzzug?
College
LMU Munich  (Historisches Seminar)
Course
Das Rittertum
Grade
2,7
Author
Markus Friedrich (Author)
Publication Year
2003
Pages
18
Catalog Number
V119265
ISBN (eBook)
9783640226078
Language
German
Tags
Neue Erkenntnisse Forschung Frage Kreuzzug Rittertum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Friedrich (Author), 2003, Neue Erkenntnisse in der Forschung zur Frage: Was ist eigentlich ein Kreuzzug?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119265
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