Diese Arbeit befasst sich mit dem Störungsbild von Autismus-Spektrum-Störungen und dem Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit. Dem Leser soll ein umfassender Überblick über die Krankheit, die Historie, die Diagnostik und die Symptomatik gegeben werden. Anschließend wird das Konzept der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch erläutert. Neben den Begriffen „Alltag“ und „Lebenswelt“ werden die Dimensionen so wie die Strukturmaxime dieses Ansatzes dargelegt. Schließlich wird das Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit auf das Störungsbild von Autismus-Spektrum-Störungen angewandt. Es werden die Besonderheiten in der Wahrnehmung bezogen auf erlebte Zeit, erlebter Raum und soziale Bezüge der Betroffenen herausgearbeitet und Folgen für Organisationen, welche mit autistischen Menschen arbeiten, beleuchtet. Im Fazit wird die Leitfrage beantwortet und es werden Prämissen für eine vollständige Integration von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen aufgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Hinführung
2 Autismus - Spektrum - Störungen
2.1 Historie des Störungsbildes Autismus
2.2 Diagnostik von Autismus-Spektrum-Störungen
2.3 Symptomatik von Autismus-Spektrum-Störungen
3 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
3.1 Lebenswelt und Alltag
3.2 Dimensionen Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit
3.3 Strukturmaxime Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit
4 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit Menschen mit Autismus
4.1 Zeit, Raum und soziale Bezüge im Erleben von Menschen mit Autismus
4.2 Folgen für Organisationen für Menschen mit Autismus
4.2.1 Partizipation von Menschen mit Autismus
4.2.2 Dezentralisierung, Regionalisierung und Netzwerk für Menschen mit Autismus
4.2.3 Inklusion und Integration von Menschen mit Autismus
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Dimensionen und Strukturmaxime der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Hans Thiersch bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen Anwendung finden können und welche Konsequenzen sich daraus für Organisationen der Behindertenhilfe ergeben.
- Historische Entwicklung und klinisches Störungsbild von Autismus
- Grundlagen des lebensweltorientierten Ansatzes
- Analyse des Zeiterlebens, Raumerlebens und sozialer Bezüge bei Autismus
- Anforderungen an die Organisationskultur und Behindertenhilfe
- Strategien zur Förderung von Inklusion, Partizipation und Integration
Auszug aus dem Buch
4.1 Zeit, Raum und soziale Bezüge im Erleben von Menschen mit Autismus
Die Wahrnehmung von Menschen mit ASS kann bezogen auf die Komponenten Zeit, Raum und soziale Bezüge sehr stark von der Norm abweichen oder auch gar nicht vorhanden sein. Diese Tatsache beeinflusst maßgeblich die Lebenswelt von autistischen Menschen und muss von Sozialarbeiter*innen berücksichtig werden.
Die erlebte Zeit wird von Menschen mit ASS oft unproportional zur physikalischen Zeit wahrgenommen. Das liegt weniger daran, dass autistische Menschen die Uhr nicht lesen können, sondern eher, dass sie über keines oder ein schlecht ausgeprägtes Zeitgefühl verfügen. Sie können nicht einschätzen, wie viel Zeit vergangen ist, wie lange ein Vorgang anhält oder wie spät es ist. Diese Tatsache lässt Zeit für Menschen mit ASS abstrakt und bedrohlich erscheinen und sie passen ihr Verhalten dementsprechend an. Zur Unterstützung einer angenehm erlebten Zeit, kann es helfen diese mit einer Stoppuhr oder einer Timer zu visualisieren. Für bestimmte Aufgaben wie beispielsweise Essen oder das Erledigen von Hausaufgaben wird für jeden Tag ein bestimmter Zeitrahmen festgelegt und mittels einer Stoppuhr überprüft (vgl. Kabsch, 2017, S. 103).
Der erlebte Raum ist für autistische Menschen oft kleinteilig, begrenzt und von repetitiven Routinen gekennzeichnet. Wird in die Gleichförmigkeit des Alltags von außen eingegriffen oder werden Routinen anderweitig gestört, fühlen sich Menschen mit ASS oft bedroht. Ziel lebensweltorientierter Interventionen ist es, den erlebten Raum für die Betroffenen zu erweitern und zu öffnen, um diesen zu einem größeren Handlungsspielraum zu verhelfen (vgl. Kabsch, 2017, S. 104).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Hinführung: Es wird der Fokus auf das öffentliche Bild von Autismus im Vergleich zum aktuellen wissenschaftlichen Stand gelegt und die zentrale Leitfrage der Arbeit formuliert.
2 Autismus - Spektrum - Störungen: Das Kapitel bietet einen Überblick über die historische Entwicklung, die moderne diagnostische Klassifikation und die typische Symptomtrias von Autismus-Spektrum-Störungen.
3 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit: Hier werden die theoretischen Fundamente des Konzepts nach Thiersch, insbesondere die Begriffe Lebenswelt und Alltag sowie die zentralen Dimensionen und Strukturmaxime, erläutert.
4 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit Menschen mit Autismus: Der Hauptteil verknüpft die Theorie mit der Praxis, indem die spezifischen Wahrnehmungsbesonderheiten autistischer Menschen analysiert und Anforderungen an Organisationen und professionelles Handeln abgeleitet werden.
5 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass eine gelingende Integration durch Aufklärung, eine verstehende Haltung gegenüber autistischer Wahrnehmung und eine entsprechende organisatorische Gestaltung gefördert werden muss.
Schlüsselwörter
Autismus-Spektrum-Störung, Lebensweltorientierung, Soziale Arbeit, Hans Thiersch, Inklusion, Partizipation, Alltagsnähe, Behindertenhilfe, Zeitwahrnehmung, Raumwahrnehmung, Organisationsentwicklung, Sozialraum, Diagnostik, Symptomatik, Autistische Intelligenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Anwendung des sozialpädagogischen Konzepts der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch auf die Betreuung und Unterstützung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen das Verständnis des autistischen Störungsbildes, die Analyse der besonderen Wahrnehmung von Zeit und Raum durch autistische Menschen sowie die organisatorischen Rahmenbedingungen für eine gelingende Inklusion.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, inwiefern die Dimensionen und Strukturmaxime der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit auf Menschen mit Autismus angewendet werden können und welche Folgen dies für Organisationen der Behindertenhilfe hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse bestehender Fachliteratur und theoretischer Konzepte basiert, um daraus Schlussfolgerungen für die Praxis abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Dimensionen des lebensweltorientierten Ansatzes definiert. Anschließend erfolgt eine konkrete Übertragung auf die Lebenswelt von Menschen mit Autismus, wobei insbesondere die Bereiche Partizipation, Dezentralisierung und Inklusion beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Autismus-Spektrum-Störung, Lebensweltorientierung, Inklusion, Partizipation und Behindertenhilfe definieren.
Warum ist das Verständnis von "erlebter Zeit" bei Autismus so wichtig?
Da viele autistische Menschen ein eingeschränktes Zeitgefühl haben, kann physikalische Zeit für sie bedrohlich wirken. Das Verständnis darüber ermöglicht es Professionellen, durch Hilfsmittel wie Timer oder Visualisierungen Struktur und Sicherheit zu geben.
Welche Rolle spielt die Dezentralisierung in diesem Konzept?
Dezentralisierung dient dazu, starre Komplexeinrichtungen aufzubrechen und wohnortnahe Strukturen zu schaffen, die den autistischen Menschen mehr Sicherheit geben und ihnen erlauben, ihr soziales Umfeld besser zu erkunden.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Organisationen?
Die Autorin betont, dass Organisationen oft daran scheitern, Betroffene wirklich zu integrieren, anstatt sie nur in der Einrichtung zu inkludieren; sie fordert daher ein Umdenken in der Organisationskultur und Organisationsgestaltung.
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- Leonie Gottsche (Autor), 2021, Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1192754