„Schatz, kannst du die Kinder morgen in die Schule bringen? Ich habe einen
Frisörtermin!“ „Auf keinen Fall, ich habe morgen ein Meeting, und das ist ja wohl
wichtiger als deine Haare. Außerdem hast du eh den ganzen Tag nichts zu tun.“
Dies ist nur ein Beispiel wie Interaktion zwischen Mann und Frau stattfinden kann.
Doch warum sprechen die beiden Geschlechter in dieser oder ähnlicher Art und
Weise miteinander?
Erving Goffman, einer der populärsten Soziologen und besonders bekannt für
seine Rahmenanalyse, die Theatermetapher oder die Spielanalogie, beschäftigte
sich zum Ende seines Lebens besonders mit dem Gebiet der Interaktion. Da sich
dieser Bereich als Untersuchungsgegenstand bisher als eigenständig zeigte,
versuchte Goffman die Interaktion mit der Gesamtgesellschaft zu verbinden und
stellte die Interaktionsordnung als eine „Wirklichkeit eigener Art“1 dar. Er platzierte
Männer und Frauen durch die Interaktion.
Das Ziel dieser Arbeit ist es zu veranschaulichen wie Goffman Interaktion und
Geschlecht verbindet. Dazu soll zu Beginn eine Übersicht über Goffmans
Interaktionsordnung gegeben werden, im Anschluss wird das Bild der
Geschlechter nach Goffmans Auffassung vorgestellt und den Abschluss soll die
Gegenüberstellung und Verbindung der beiden Themenbereiche bilden.
[...]
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Die Interaktionsordnung
2.Das Geschlechtarrangement bei Goffman
2.1. Ausübung der Sozialisation
2.2. Geschlechterrollenstereotypen
2.3. Biologische Unterschiede und ihre Bedeutung
3. Der Vergleich mit traditioneller Rollenverteilung
4. Schluss
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verknüpfung von Geschlecht und Interaktion basierend auf den Theorien von Erving Goffman, um aufzuzeigen, wie gesellschaftlich konstruierte Geschlechterrollen innerhalb alltäglicher Interaktionssituationen stabilisiert und performt werden.
- Die theoretische Einordnung von Goffmans Interaktionsordnung
- Die Analyse des Geschlechterarrangements und der Sozialisation
- Die kritische Auseinandersetzung mit biologischen vs. soziologischen Geschlechterbegriffen
- Der Vergleich von Goffmans Ansatz mit traditionellen Rollenmodellen
- Die Untersuchung von Mechanismen der Entfremdung von der Rolle
Auszug aus dem Buch
1. Die Interaktionsordnung
Zu Beginn der Interaktionsanalyse entsteht das Problem, dass die Untersuchung direkter Kommunikation in alltäglichen Zusammenhängen meist nur von kurzer Dauer, mit begrenzter räumlicher Ausdehnung und beschränkten Ereignissen stattfinden kann. Dabei gibt es „eine enge Verknüpfung zwischen den rituellen Eigenschaften der Personen und den Eigenheiten des Territoriums.“ Dennoch kann man den Untersuchungsgegenstand bestimmen: Ereignisse, die im Verlauf und durch das Zusammensein von Leuten entstehen. Die Grundelemente dieses Verhaltens, sind Blicke, Gesten, Haltungen und sprachliche Äußerungen, die Leute ständig, ob gewünscht oder nicht, in die Interaktion-Situation bringen.
Goffman sagt, dass „der eigentliche Gegenstand der Interaktion nicht das Individuum und seine Psychologie ist, sondern eher die syntaktischen Beziehungen zwischen den Handlungen gleichzeitig anwesenden Personen.“ Es gibt natürliche Interaktionseinheiten, die von der kleinsten Einheit, einem flüchtigen Mienenspiel, bis hin zu wochenlangen Konferenzen, (Interaktionsmonstren) führen können.
Die Beschreibung beginnt aus der Perspektive des Handelnden, um somit die Strukturen, die in einer Interaktion zwischen Personen entstehen und eigene Einheiten mit natürlichen Begrenzungen bilden, zu beschreiben.
We look within an act for the involvement it seems to express, we look to the involvement for the regulations by which it is bound. And we look to these regulations as a sign of what is owed to the gathering and its social occasion as realities in their own right.
Es entstehen kleine Räume der Interaktion, in denen die Personen durch körperliche Präsenz mit Anderen handeln. Diese bilden den Kern der alltäglichen Lebenswelt mit sozialen Situationen, in denen zwei oder mehr Personen mit Aufmerksamkeit, Anteilnahme und der Koordination ihrer Handlungen beteiligt sind. Sie bilden die formalen Bausteine im Alltag, in denen mit Anderen verkehrt wird. Dadurch unterwerfen wir uns bestimmten Verhaltensregeln, die im öffentlichen und im privaten Raum gelten.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Interaktion zwischen den Geschlechtern ein und erläutert die Zielsetzung, Goffmans Theorie der Interaktionsordnung mit dem Konzept des sozialen Geschlechts zu verknüpfen.
1. Die Interaktionsordnung: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen der Interaktionsanalyse und beschreibt Interaktionen als situative Ereignisse, die durch körperliche Präsenz und syntaktische Handlungsbeziehungen bestimmt sind.
2.Das Geschlechtarrangement bei Goffman: Hier wird dargelegt, dass Geschlecht nach Goffman keine biologische Konstante ist, sondern eine soziologische Kategorie, die auf gesellschaftlich geprägten Identifikationsetiketten beruht.
2.1. Ausübung der Sozialisation: Dieses Unterkapitel thematisiert die soziale Rollenaufteilung und wie durch Machtstrukturen und Erwartungen die Stabilität von Benachteiligung im gesellschaftlichen Kontext gesichert wird.
2.2. Geschlechterrollenstereotypen: Der Fokus liegt hier auf der teils biologisch determinierten Arbeitsteilung und der Herausbildung geschlechtsbezogener Identitäten durch Sozialisation.
2.3. Biologische Unterschiede und ihre Bedeutung: Es wird erörtert, inwieweit körperliche Unterschiede in sozialen Interaktionen instrumentalisiert werden, um Rollenverteilungen zwischen den Geschlechtern zu legitimieren.
3. Der Vergleich mit traditioneller Rollenverteilung: Das Kapitel kontrastiert Goffmans Ansatz mit klassischen, biologisch begründeten Rollenbildern und analysiert, warum trotz individueller Handlungsspielräume eine hohe soziale Konformität besteht.
4. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass eine Veränderung der Interaktion der Geschlechter untrennbar mit einer Veränderung der gesellschaftlichen Kategorien von Mann und Frau verbunden ist.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Interaktionsordnung, Erving Goffman, Geschlechterrolle, Sozialisation, soziale Identität, Rollenidentität, Stereotype, Geschlechterarrangement, Interaktionsanalyse, Selbstbild, gesellschaftliche Strukturen, Konformität, Rollendistanz, Interaktionsrituale, soziale Kategorien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Analyse der Verbindung von Geschlecht und Interaktion unter Rückgriff auf die Theorien von Erving Goffman.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Interaktionsordnung, die soziologische Konstruktion des Geschlechts, Sozialisationsprozesse sowie die Mechanismen der Rollenkonformität im gesellschaftlichen Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Goffmans Interaktionskonzepte genutzt werden können, um die Verknüpfung von Geschlecht und Interaktion zu verstehen und zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die Goffmans Kernkonzepte der Interaktionstheorie auf das Thema Geschlecht anwendet und durch Fachliteratur untermauert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Interaktionsordnung, die Analyse des Geschlechterarrangements bei Goffman sowie einen Vergleich mit traditionellen Rollenverteilungsmodellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Interaktionsordnung, Geschlechterrolle, Sozialisation, Identität und gesellschaftliche Strukturen charakterisiert.
Was ist mit der „Wirklichkeit eigener Art“ in der Interaktionsordnung gemeint?
Goffman beschreibt damit, dass Interaktion als Untersuchungsgegenstand eigenständig ist und eine soziale Realität bildet, die über das einzelne Individuum hinausgeht.
Warum spielt der Begriff der „Entfremdung von der Rolle“ für Frauen eine zentrale Rolle?
Er beschreibt die Diskrepanz zwischen dem Selbstbild einer Person und den gesellschaftlich auferlegten Rollenerwartungen, die oft zu innerem Konflikt und Konformitätsdruck führt.
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- Mandy Stein (Author), 2007, Erving Goffmans Verknüpfung von Geschlecht und Interaktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119288