Unterhaltung im Umbruch - Facetten gegenwärtiger Fernsehkultur am Beispiel der Doku-Soap Big Brother


Hausarbeit, 2001
22 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Aufgabenstellung

2. Big Brother
2.1 Geschichte des Reality-TV
2.2 Was ist Big Brother
2.2.1 Allgemeine Erklärung
2.2.2 Vom Reality-TV zur Reality-Soap (Big Brother)
2.2.3 Allgemeine Regeln
2.2.4 Dramaturgie
2.2.5 Setaufbau
2.3 Aktuelle Situation
2.4 Analyse
2.4.1 Personenkonstellation
2.4.2 Kommunikationsverhalten
2.4.3 Geschlechterrollen
2.4.4 Theorien des Erfolgs
2.5 Ausblick

3. Zusammenfassung

4. Literaturliste

1. Einleitung und Aufgabenstellung

Ziel dieser Arbeit ist es, in Anlehnung an mein Referat vom 08.02.01 mit dem Thema „Unterhaltung im Umbruch – Facetten gegenwärtiger Fernsehkultur am Beispiel der Doku-Soap Big Brother“ noch einmal ausführlicher zu untersuchen und darzulegen, was „Big Brother“ ist bzw. was es ausmacht, welche Regeln ihm zugrunde liegen und worin sein Erfolg begründet ist.

Dabei stehen die Überlegungen im Mittelpunkt, wie ein Sendeformat wie die „Doku-Soap Big Brother“ einen solchen Kult-Status bei Zuschauern und Teilnehmern gleichermaßen erlangen konnte, wie es bisher der Fall war. Inwieweit entscheidet der Zuschauer selbst, was er sehen möchte, inwieweit wird sein Fernsehverhalten von den Medien „diktiert“?

Was bewegt Menschen dazu, für maximal 106 Tage ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt an dem Leben in einem Wohncontainer teilzunehmen? Und was bewegt andere Menschen dazu, sich dieses Leben anzuschauen bzw. es (ggf. regelmäßig) mitzuverfolgen?

Wie authentisch ist das Dargestellte tatsächlich? Und wenn es nicht authentisch ist: Wie können Menschen sich 106 Tage am Stück verstellen?

Neben den allgemeinen Untersuchungen sollen diese Fragen nachfolgend genauer betrachtet werden, um den Ansatz einer Erklärung für das Phänomen „Big Brother“ zu finden.

2. Big Brother

2.1 Geschichte des Reality-TV

Zunächst einmal mag es unter dem Aspekt der Entwicklungsgeschichte des Reality-TV interessant sein, sich einen Überblick über dessen zeitlichen Verlauf zu verschaffen. Deshalb seien nachfolgend in chronologischer Reihenfolge die bekanntesten Reality-TV-Serien aufgeführt[1]:

1948, USA, TV für Voyeure: „Candid Camera". TV-Pionier Allen Funt lässt versteckte Kameras auf die Opfer von Scherzsituationen richten. Das Original läuft 42 Jahre lang.

1956, USA: „Queen for a Day". Fünf Frauen erzählen ihre Schicksale. Wer den meisten Applaus erntet, gewinnt eine kitschige Krone. Moderator Jack Bailey ist der Hans Meiser der Fifties.

1973, USA: „An American Family". Dokumentarfilmer Craig Gilbert schießt 300 Stunden Material aus dem Leben der Familie Loud. Sohn Lance feiert sein Coming-out. Zehn Millionen Menschen gucken zu.

1990, Frankreich: „Fort Boyard". Prominente treten zur Schatzsuche in einem verlassenen Inselfort an. Das Konzept wird in 13 Länder exportiert, Günther Jauch blamiert sich dabei für Deutschland. Am 6. August hat ProSieben das Sendeformat für sich wiederentdeckt.

1992, USA: “The Real World". Urahn aller Voyeur-Shows. Sieben Kids teilen sich ein Apartment in New York. Kein Sex, viele Tränen, kein Geld. Einige schaffen es zeitweilig zum Video-Jockey bei MTV.

1999, Niederlande: „Big Brother". Start der weltweit ersten Staffel in Holland. Trotz hitziger öffentlicher Diskussionen wird die Container-Show zum Quotenhit. Der Privatkanal RTL 2 sichert sich die Lizenz für eine deutsche Version. Die „Big Brother-Manie“ beginnt.

1999, Japan: „Susunu Denpa" ("Tu's nicht, Electric Boy!"). Eine leicht sadistisch angelegte Voyeur-Show: Der TV-Komiker Nasubi muss in einem kargen Apartment lediglich mit seinen Gewinnen aus tausenden von Preisausschreiben überleben. Ohne sein Wissen filmen ihn zwei Kameras. Nackt und halb verrückt wird er 15 Monate später entlassen. Inzwischen ist Nasubi in Japan ein Star mit einer Folgesendung in Korea.

2000, USA: „Making the Band". Acht Boys für nur fünf zu besetzende „Stellen“ in der Boyband „O-Town“. Lou Pearlman, Erfinder von N’Sync und Backstreet Boys, ist der Coach der acht.

2000, England: „Rough Science". Fünf Wissenschaftler werden auf einer Insel ausgesetzt und müssen aus Vorhandenem diverse Geräte improvisieren, um damit Aufgaben zu erfüllen. Die Quoten zeigen: Selbst hartgesottene Reality-TV-Fans machen nicht alles mit.

Mai 2000, USA: „Voyeursdorm.com". Sechs junge Frauen teilen sich ein Haus in Tampa/Florida und werden dabei von 55 Kameras beobachtet. Die Softporno-Site hat eine Million Hits täglich. Der Betreiber verklagt den amerikanischen „BB“-Sender CBS wegen Ideendiebstahls.

2001, Deutschland, Endemol: „Girls Camp“. 10 junge Frauen verbringen 8 Wochen auf der Kanareninsel „El Hierro“ und sollen von einem „Boy of the week“, den sie zuvor per Video ausgewählt haben, zu einer romantischen Luxus-Reise verführt werden. Für diejenige, die „schwach“ wird, ist das Spiel vorbei.

2001, Deutschland, Endemol: „Frisör“. Eine bunte Mischung unterschiedlichster Frisöre schneidet 5 x die Woche in einem Frisörsalon in der Kölner City seinen Kunden die Haare. Es wird geklatscht, getratscht, diskutiert und die Kunden erzählen skurrile Geschichten.

2001, Deutschland, Endemol: „Big Diet". Zehn Kandidaten hungern 100 Tage um die Wette. Jede Woche scheidet derjenige aus, der am wenigsten abgenommen hat. Dem Sieger werden die verlorenen Pfunde in Gold aufgewogen. Endemol will dafür 35 Millionen Mark von Sat.1.

2.2 Was ist Big Brother

2.2.1 Allgemeine Erklärung

„Big Brother“, was ist das eigentlich? Big Brother ist eine sog. Reality- oder auch Doku-Soap, eine in Serie gezeigte „Seifenoper“. Sie zielt auf Unterhaltung ab, indem sie – grob zusammengefasst – Menschen „live“ beim Verrichten alltäglicher Tätigkeiten dokumentiert. Das Zielpublikum liegt im Schnitt bei einem Alter von ca. 18 – 39 Jahren (rd. 1,7 Mio.). Die Kandidaten, die für eine Staffel ausgewählt werden, liegen ebenfalls bei einem Durchschnittsalter von 18 – 39 Jahren.

Die männlichen wie weiblichen Zuschauer halten sich bei einem etwaigen 50:50-Verhältnis die Waage. Sie haben zum größten Teil weiterführende Schulen (1,04 Mio.) oder die Hauptschule (0,9 Mio.) besucht. Ihr monatliches Einkommen liegt, lt. einer von TV Movie herausgearbeiteten Studie, zwischen DM 2.000,00 und max. DM 3.500,00 netto.[2]

Die Zuschauer können mit den Big Brother-Bewohnern über einen Chat in Kontakt treten. Dazu muss der jeweilige Interessent jedoch in einer Vorauswahl acht Spielrunden bestehen, indem er z. B. einen Bewohner am Lachen erkennt, Videoausschnitte zuordnet oder ganz allgemeine Fragen zu Big Brother beantworten kann. Jede Spielrunde läuft über zwei Tage (Wochenenden ausgenommen). Die 99 größten Kenner erhalten per e-Mail ein Kennwort, mit dem sie sich in den Chat einloggen können.[3]

Ein Tagesmitschnitt aus dem Container wird täglich - außer Samstags - auf RTL 2 gezeigt. Der Muttersender RTL sendet ergänzend dazu an jedem Samstag für ca. 2 Stunden das wöchentliche „Best of“ aus dem Container-Leben. Zusätzlich gibt es Sonntags bis Freitags, ebenfalls auf RTL 2, jeweils um ca. 1.00 h nachts, das „Big Brother Quiz“. Die Zuschauer sind gefragt, beim Sender anzurufen, um Fragen zu aktuellen Ereignissen aus dem Big Brother-Haus zu beantworten.

Im März 2000 lief Big Brother erstmalig in Deutschland an.

War die erste Staffel noch 100 Tage lang, so wurden die zweite und die dritte bereits auf 106 Tage ausgedehnt. Die derzeit dritte Staffel läuft noch bis zum 12. Mai 2001.

[...]


[1] vgl. Prokop, Dieter: „Medienmacht und Massenwirkung. Ein geschichtlicher Überblick“, Freiburg im Breisgau, Rombach Verlag, 1995

[2] vgl. TV Movie 9/2000, S. 39

[3] vgl. TV Movie 26/2000, S. 270

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Unterhaltung im Umbruch - Facetten gegenwärtiger Fernsehkultur am Beispiel der Doku-Soap Big Brother
Hochschule
Universität der Künste Berlin  (Fachbereich 2)
Veranstaltung
Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V1193
ISBN (eBook)
9783638107471
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterhaltung, Umbruch, Facetten, Fernsehkultur, Beispiel, Doku-Soap, Brother, Gesellschafts-, Wirtschaftskommunikation
Arbeit zitieren
Tanja Stojanovic (Autor), 2001, Unterhaltung im Umbruch - Facetten gegenwärtiger Fernsehkultur am Beispiel der Doku-Soap Big Brother, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1193

Kommentare

  • Gast am 23.11.2006

    Fehler.

    Genaugenommen ist Big Brother keine Doku-Soap, sondern eine Reality Show. Und man sollte es genau nehmen!
    lg Vivien

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