Darstellung von Migranten in den Medien


Hausarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Ansätze der Medienwirkungsforschung

3 Die Wirklichkeit der Medien

4 Migranten in den Medien
4.1 Bisherige Studien
4.2 Berichterstattung über Migrant/-innen in den Medien

5 Resümee: Die Darstellung und deren Folgen

Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

Das Thema Migranten und Migration ist immer wieder Teil unserer täglichen Berichterstattung. Der Prozess der Globalisierung und der damit verbundene Anstieg von Migration hat diese zu einem globalen Thema gemacht. Medien beeinflussen den Öffnungsprozess der einzelnen Länder stark durch ihre Informationspolitik und können damit aktiv unser Einfluss auf unseren Meinungsbildungsprozess nehmen. Medien können nicht unabhängig von der Gesellschaft betrachtet werden. Sie greifen Normalitätsvorstellungen aus der Gesellschaft auf. Medien erfinden keine Wirklichkeit, sondern vermitteln gesellschaftliche Konstruktionen. Deshalb können Medien auch als Bild der öffentlichen Meinung gesehen werden. Sie treten als Transportmittel zur Verbreitung bestimmter Deutungen und Bilder auf. Dadurch stellt sich die Frage ob sie ein adäquates, ein kritisches oder ein dramatisiertes und skandalisiertes Bild der Einwanderungsrealität übertragen (Yildiz, 2006, S. 37ff.). Spiegeln sie also die Realität wieder, wie es die Reflektionsthese aussagt oder geben sie ein verzerrtes Bild der Realität wieder, wie es die Kontrollhypothese darstellt. Niklas Luhmann fasst dies treffend in folgenden Zitat zusammen:

„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“ (Luhmann, 1996, S. 9)

In dieser Arbeit wir dargestellt, wie Medien über Migranten berichten und welche Auswirkungen sie damit auf unser Meinungsbild haben. Hierzu soll zunächst ein Überblick über die polarisierenden Ansätze von Medien und deren Wirkung auf unsere Meinung dargestellt werde. Danach wird die heutzutage am häufigsten vertretene Meinung zur Medienwirkung vorgestellt. Hieran anschließend soll ein allgemeiner Überblick gegeben werden, wie Medien sich mit der Wirklichkeit auseinander setzen. Im dem sich anschließenden Hauptteil der Arbeit soll sich mit dem Thema befasst werden wie Medien in Deutschland über das Thema Migration berichten. Ob sie Wirklichkeit verzerren oder ob sie neutral über dieses Thema berichten. Hierzu werden einige Studie zu diesem Thema ausgewertet und deren Ergebnisse beschrieben. Abschließend werden die möglichen Gefahren und Risiken dieser Darstellung angesprochen.

2 Ansätze der Medienwirkungsforschung

Macht und Einflussmöglichkeiten der modernen Medien beschäftigen schon lange Wissenschaft, Forschung und werden immer wieder in der Öffentlichkeit diskutiert. Dabei sind die Theorien hierzu sehr unterschiedlich. Sie unterscheiden sich im Gegenstand der Fragestellung und den unterschiedlichen psychologischen Konzeptionen der Rezipienten sowie soziologischen Vorstellungen von Gesellschaft. Die Einschätzung des Wirkungspotentials von Medien reicht hierbei von der „Allmacht“ bis hin zur „Ohnmacht“ der Medien (Bonfadelli, 2001b, S.25).

Es gibt immer wieder Studien, die starke Effekte der Medien dokumentieren, indem sie beispielsweise zeigen, dass durch kritische Berichterstattung über bestimmte Produkte der Rezipient (Konsument) mit einer spürbaren Konsumreduktionen bei eben diesem Produktes reagiert. Andererseits gibt es auch immer wieder Beispiele für eine schwache Wirkung von Meiden. Hier können Beispiele der Wahlforschung zeigen, dass trotz einer sehr umfangreichen Berichterstattung zu Wahlthemen die Informiertheit der Rezipienten über diese Themen sehr gering ist und damit durch die Berichterstattung nur wenig Wirkung erzeugt wurde ( Bonfadelli, 2001a, S. 339ff.).

Theorien der „Medien-Allmacht“ gehen davon aus, dass Medien eine unvermittelte monokausale Wirkung auf den Rezipienten besitzen. Medien generieren damit durch eine geschickte Auswahl und massenhaft verbreitete Botschaften Stimuli. Diese werden vom Rezipienten aufgenommen, verarbeitet, gespeichert und führen zu den von den Medien geplanten Reaktionen (Response). Diesen Annahmen liegt ein Menschenbild zu Grunde, welches davon ausgeht, dass Menschen von gleichen und fixen Trieben gesteuert werden, über die sie keine bewusste Kontrolle erlangen können und somit auf Stimuli unbewusst und gleich reagieren. Zudem wird der Mensch als isoliertes Individuum gesehen. Primärgruppenbeziehungen u.ä. spielen nur eine untergeordnete Rolle. Der Mensch wird demnach von außen gelenkt. Ein klassisches Beispiel für diese Theorien bildet das „Stimulus-Response-Modell“ (Bonfadelli, 2001b, S. 27f.).

Theorien der „Medien-Ohnmacht“ gehen davon aus, dass sich Menschen hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsstruktur und ihres sozialen Umfelds stark unterscheiden. Jeder Mensch besitzt unterschiedliche wirkungsmodifizierende intervenierende Variablen, die ihm als Filter dienen. Menschen nehmen Realität somit unterschiedlich wahr. Die Auswahl (Selektion) der Inhalte dient dabei jedoch lediglich dazu, schon bestehende Meinungen zu bestätigen und zu festigen. Medieninhalte, die entgegengesetzte Informationen und Meinungen verbreiten und damit zu kognitiven Dissonanzen führen, werden verdrängt, beziehungsweise nicht aufgenommen. Ein Beispiel für diesen Ansatz ist das „Stimulus-Organismus-Modell“. Jedoch macht die hier zu Grunde liegende Annahme, dass Bestärkung keine Wirkung ist, diese Theorien schwer haltbar (Kunczik & Zipfel, 2005, S. 289ff.).

Diese extremen Perspektiven gelten heutzutage als überholt. Jedoch spiegeln sie das weite Spektrum der Medienwirkungsforschung wieder. Neuere Forschung geht von einem aktiven Umgang der Rezipienten mit den Medien aus. Neben dem bisherigen Schwerpunkt der Einstellungswandels treten nun auch Medienwirkungen wie Wissenserwerb und Themenpräferenzen in den Mittelpunkt der Betrachtungen (Kunczik & Zipfel, 2005, S. 292).Tendenziell lässt sich sagen, dass diese Modelle von einer starken Medienmacht ausgehen, jedoch auch andere Faktoren mitberücksichtigen. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern unter welchen Umständen sie wirken. Die Medien beeinflussen nicht was Menschen denken, sondern worüber (Strohmeier, 2004, S. 181).

Medien vermitteln nicht auf neutrale Weise Botschaften, sondern konstruieren Realität durch bestimmte Bilder. Das Publikum entwickelt wiederum seine eigene Vorstellung von der sozialen Wirklichkeit, indem es mit den Medien und seinem sozialen Umfeld interagiert. Hierauf reagieren wiederum die Medien, indem sie ihre Bilder anpassen. Somit ergeben sich Modelle, die von wechselseitigen Beziehungen zwischen Medien und Rezipienten ausgehen (Kunczik & Zipfel, 2005, S. 293).

Medienwirkung wird als Prozess gesehen. Dieser Prozess wird als dynamisch-transaktionale Integration zwischen der aussagenzentrierten und der rezipientenzentrierten Orientierung gesehen. Medieneffekte kommen immer nur interaktiv zu Stande. Sie wirken nur dann, wenn deren Inhaltsaufälligkeit, Konsonanz und Kumulation mit den motivationalen und selektiven Aspekten der Rezipienten übereinstimmen (Bonfadelli, 2001b, S. 351). Beispiele für aktuelle Modelle der Medienwirkungsforschung sind der „Uses-and-Gratifications-Ansatz“, die Theorie der „Schweigespirale“ und die „Agenda-Setting-Theorie“.

Nachdem nun ein Überblick über die Medienwirkungsforschung gegeben wurde, soll im folgenden Kapitel dargestellt werden, wie Medien mit der Realität interagieren.

3 Die Wirklichkeit der Medien

Die technischen Entwicklungen der letzten Jahre im Bereich digitaler Informationsverbreitung vor allem durch das Internet stellen Medien und Mediennutzer vor große Herausforderungen, bieten aber zugleich auch neue Möglichkeiten der Kommunikation. Geht man in die Zeit vor der Existenz der Massenmedien, so war dort die“ Mund zu Mund-Weitergabe“ die einzige Möglichkeit, selbst gesammelte Erfahrungen und Ereignisse zu verbreiten. Dies ermöglichte einen großen Spielraum von subjektiver Auslegung der Geschehnisse. Mit der Einführung der Zeitung wurde dieser subjektive Raum scheinbar durch die nun objektive, allgemeine Berichterstattung entschärft. Außer den Zeitungen haben sich im Laufe der Zeit immer neuen Medien etabliert, die diesen Prozess weiter voran getrieben haben (Merten, 1998, S. 141ff.).

Eine der wichtigsten Eigenschaften der Medien ist die Multiplikatorfunktion. Sie ermöglicht es, dass Informationen von allen für alle verbreitet werden können. Die Geschwindigkeit der Informationsentwicklung nimmt stetig zu. Medien können Wirklichkeit konstruieren, indem sie viele Informationen verständlich und für alle erreichbar machen, die der Einzelne nicht von sich aus erfahren und damit auch nicht selbst überprüfen kann. Medien dienen als Lieferanten für Wirklichkeitsentwürfe[1] und gewinnen damit Einfluss auf unsere Meinungsbildung (Schulze, 1990, S. 7-15).

Durch die Zunahme der Möglichkeiten zur Informationsgewinnung steigt die Ausdifferenzierung von Wirklichkeitsentwürfen. Je mehr Informationen vorhanden und erreichbar sind und je weniger die Informationen damit überprüfbar sind, desto schwieriger ist die Auswahl und umso einfacher ist der Einsatz von fiktionalen Elementen. Es ist möglich, dass sich aufgrund dieser Fiktionen Meinungen bilden, die ohne diese nicht möglich gewesen wären. Diese gebildeten Meinungen tragen wiederum zur Komplexität bei, indem sie die schon vorhandenen Meinungen ergänzen (Merten, 1998, S. 158f.).

Durch die immer häufigere Nutzung von Medien vergrößert sich auch deren Einfluss, da wir viel mehr Informationen über die Medien erhalten. Persönliche Erfahrungen treten in den Hintergrund, da wir über die Medien mehr und differenzierte Erfahrungen vermittelt bekommen als dies direkt und persönlich jemals möglich gewesen wäre. Medien entfalten die Kommunikation, und Kommunikation konstituiert Wirklichkeit. Immer mehr ist somit nur das wirksam und wirklich, was in den Massenmedien konstruiert wird (Merten, 1998, S. 158f.).

Studien zeigen jedoch, dass 99 % des Geschehens auf dieser Erde die Presse nicht zur Kenntnis nimmt. Hinzu kommt, dass 99% der Nachrichten, die der Presse doch bekannt werden nie vor die Augen der Rezipienten kommt, da sie als zu unbedeutend oder fragmentarisch erscheinen. Hieraus ist ersichtlich, dass Nachrichten und Berichterstattungen niemals vollständig und umfassend sein können. Es ist also eine Auswahl und Reduktion nötig. Medien treffen eine Vorauswahl an Informationen, die wir zur Verfügung gestellt bekommen. Sie verbreiten somit immer nur einen kleinen Teil der Realität. Somit stellt sich immer mehr die Frage, auf welcher Grundlage diese Auswahl erfolgt. Das Problem besteht hierbei darin, dass die Wahrnehmung von jedem durch subjektive Erfahrungen, organisatorische Zwänge, Bezugsgruppen o.ä. geprägt ist. Zudem soll bei der Berichterstattung den Bedürfnissen des Publikums Rechnung getragen werden. Es zeigt sich ein Hang zur Vereinfachung hinzu Themen mit denen sich das Publikum identifizieren kann. Außerdem treten sensationellen Meldungen schnell in den Vordergrund. Die Funktion der Meinungsbildung geht durch die Vorauswahl und die oben genannten Wirklichkeitsentwürfe immer mehr auf die Medien über. (Schulz, 1990, S. 7ff).

[...]


[1] Wirklichkeitsentwürfe geben bestimmte Meinungen und Einstellungen zu Themen vor.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Darstellung von Migranten in den Medien
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Einführung in die Migrationssoziologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V119324
ISBN (eBook)
9783640228669
ISBN (Buch)
9783640230426
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Migranten, Medien, Einführung, Migrationssoziologie
Arbeit zitieren
Johannes Tiegel (Autor), 2008, Darstellung von Migranten in den Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119324

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