Zum Selbstverständnis von Sportjournalisten

Außenseiter, Aufsteiger, Star?


Magisterarbeit, 2008
118 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1 Einordnung und Kontext
1.2 Vorgehensweise

2. KOMMUNIKATOR- UNDJOURNALISMUSFORSCHUNG
2.1 TheoretischeAnsätze
2.2Journalismuskonzepte
2.2.1 Die journalistische Berufsforschung in Deutschland
2.2.2 Die Gatekeeperforschung
2.2.3 Die Redaktionsforschung
2.2.4 Die Systemtheorie
2.3 Blick in die Zukunft: „Next Generation“

3. SPORT UND GESELLSCHAFT
3.1 Definition des Sportbegriffs
3.2 Aktives Sporttreiben
3.2.1 Sport als Freizeitbeschäftigung
3.2.2 Sport im Verein
3.3 Passiver Sportkonsum
3.3.1 Zuschauer vor Ort
3.3.2 Zuschauer in Massenmedien

4. SPORT UND MEDIEN
4.1 Mediensport als Phänomen
4.2 Ein Dreieck als Interessengemeinschaft
4.3 Sport in der Medienrealität
4.4 Wirkungen des Mediensports
4.4.1 Wirkung auf die Rezipienten
4.4.2 Wirkung auf das Sportsystem

5. SPORTKOMMUNIKATORFORSCHUNG
5.1 Stand der Forschung
5.1.1 Die 1970erjahre: „Außenseiter der Redaktion“
5.1.2 Die 1980erjahre: „Aufbruch der Außenseiter“
5.1.3 Die 1990erjahre: „Aufstieg der Außenseiter“
5.1.4 Das neuejahrtausend: Neues Selbstbewusstsein?
5.2 Sportjournalismus in der Diskussion
5.2.1 Vorwurf: Sportjournalisten fehlt kritische Distanz
5.2.2 Vorwurf: Sportjournalisten sind Fans
5.2.3 Vorwurf: Sportberichterstattung ist „1:0-Berichterstattung“
5.2.4 Vorwurf: Sportjournalismus ist Infotainment
5.2.5 Sportpresseverband und Gegenbewegung: VDS und Sportnetzwerk

6. FAZIT UND AUSBLICK

7. ANHANG

Literaturverzeichnis

Interview mit Erich Laaser

Interview mit Marcus Pfeil

Interview mit Markus Lotter

Interview mit Michael Horeni

Interview mit Marcel Reif

Abstract

Er muss zu Fußballspielen keinen Eintritt zahlen. Er ist ganz nah dran an den Sport-Stars, kann Autogramme besorgen. Und schreiben kann ja eh jeder. Der Sportjournalist, ein Traumberuf? Der Sportjournalist, ein Traumberuf! Doch öffentliche Wahrnehmung ist nicht gleich subjektives Empfinden. Wie sieht sich der Sportjournalist nun selbst? Ist aus dem einst belächelten Außen­seiter im neuenjahrtausend der Star der Medienbranche geworden? Der Versuch einer Antwort.

Auszug aus der Abendzeitung München

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Medientheorien der Medien- und Publizistikwissenschaft im Vergleich

Abb. 2: Theoretische Konzepte derjournalismusforschung nach Löffelholz

Abb. 3: Zwiebelmodell von Weischenberg

Abb. 4: Verankerung des Sporttreibens in der Gesellschaft

Abb. 5: Motive fürs Sporttreiben

Abb. 6: Nutzung der Sportangebote in den einzelnen Medien

Abb. 7: Wichtige Sportrechte im deutschen TV-Markt

Abb. 8: Trikotsponsoring — Top Ten der Fußball-Bundesliga

Abb. 9: Vergleich Funktion/Aufgabe von Sportkommunikatoren 1995/2004

Abb. 10:Entwicklung des Selbstverständnisses von Sportjournalisten

1. EINLEITUNG

1.1 Einordnung und Kontext

Dieser am 3. August begonnene Prozess gegen Jürgen Emig, den ehemaligen Sportchef des Hes­sischen Rundfunks, ist nicht nur ein Prozess gegen ihn selbst, gegen Bestechlichkeit, Anstiftung zur Bestechung, Betrug und Untreue. Das wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht Frankfurt am Main vor. In diesem Prozess, der noch immer andauert, geht es auch um das Selbstverständnis des Sportjournalisten insgesamt. „Der Fall Emig wirft auch ein Schlaglicht auf den Zustand des Sportjournalismus in Deutschland“, schreibt der Spiegel (Gerlach/Denk 2008). Diesem Sportjournalismus wird häufig eine gefährliche Nähe zu den Protagonisten unterstellt. „Wenn etwa der ZDF-Reporter Rolf Töpperwien den Sportbetrieb als ,große Familie' bezeich­net, deutet dies nicht darauf hin, dass übermäßig viel Ehrgeiz besteht, den Familienfrieden durch kritische Fragen zu gefährden. Noch immer gibt es Journalisten, die Nebenjobs im Sportbusiness nachgehen, auch wenn einzelne ARD-Sender wie der Westdeutsche Rundfunk WDR ihre diesbe­züglichen Regeln seit dem Fall Emig verschärft haben“ (Ebd.). Und wenn sie diesen Nebenjob ausüben, als Moderator bei der Vorstellung eines neuen Produkts oder als Moderator einer Team-Präsentation, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Sportjournalist eben jene Verans­taltung kritisiert. Er würde keinen Auftrag jenes Veranstalters mehr bekommen und finanzielle Einbüßen hinnehmen müssen.

Ein zweites Beispiel: Der Journalist Dieter Hennig immerhin aus der Redaktionsleitung des Sportinformationsdienstes (sid) wurde im Alter von 64 Jahren fünf Tage vor der Eröffnungszer­emonie der Olympischen Spiele 2008 in Peking und einen Monat vor seinem Ruhestand vom Dienst befreit. Hennig sollte über die Olympischen Spiele in Peking berichten. „Seine Meldungen waren zuletzt auffällig chinafreundlich“, schreibt die Zeit in ihrem Online-Auftritt (Lässig 2008) und brachte dies damit in Zusammenhang mit der Tatsache, dass Hennig als einer von fünfjour­nalisten auserwählt worden war, ein Stückchen weit die Olympische Fackel tragen zu dürfen. sid- Geschäftsführer Michael Cremer begründete die Entscheidung als „notwendigen Schritt, um unsere Glaubwürdigkeit zu bewahren“ (Ebd.).

Der Sportjournalismus hat im Vergleich zu den traditionellen Ressorts der Medienbranche eine rasante Entwicklung hinter sich. Der Sportjournalismus scheint daher nicht so tief und fest ver­wurzelt wie ein Ressort Politik oder ein Ressort Wirtschaft. Noch immer sind die Voraussetzun­gen für die Sportjournalisten in einem Medienhaus ganz unterschiedlich, während sich die ande­rer, klassischer Ressorts doch eher ähneln. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) mit ihren fünf Herausgebern ordnet den Sport der Wirtschaft zu. Sport ist dort nicht eigenständig organi­siert. „Es ist auch schwer vorstellbar, dass jemand aus dem Sport einmal Herausgeber wird. Diese Position wird eher in der Wirtschaft weitervererbt. Der Sport ist quasi kooptiert, hat strukturell einfach eine geringere Bedeutung“, sagt FAZ-Redakteur Michael Horeni im Experten-Interview (S. 109). Eine FAZ behandelt den Sport auch ausschließlich auf den Sport-Seiten, das Wirt­schaftsressort beschäftigt sich mit dem Sport trotz seines Daseins in der Interessengemeinschaft von Wirtschaft und Medien nicht; anders ist dies bei vielen anderen Tageszeitungen. Ist die FAZ einer sehr konservativen Gattung zuzuordnen, so hat das Sportressort bei der Abendzeitung München eine herausragende Stellung eingenommen. Was Horeni weniger für möglich hält, ist bei dem Münchner Boulevardblatt wahr geworden. Der Ressortleiter Sport, Gunnar Jans, wurde zum 1. November 2007 zum stellvertretenden Chefredakteur befördert, übt beide Ämter in Per­sonalunion aus. Jans verantwortet auch Teile der Online-Redaktion des Hauses — wobei die Sportredakteure intern als „Pioniere“ bezeichnet werden. Sie arbeiten nicht mehr nur als Print­journalisten, sondern schreiben Weblogs und produzieren auch Internet-TV-Beiträge1. Der Sport als Verkaufsargument gilt insbesondere für Boulevardzeitungen, weshalb sich die Abendzeitung beispielsweise dazu entschloss, zum Halbfinale der Fußball-EM 2008 zwischen Deutschland und der Türkei Teile ihrer Ausgabe in beiden Sprachen zu drucken (siehe S. 111). Eine Tatsache, die noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wäre. In den 1970ern galt der Sportjournalist nämlich noch als „Außenseiter der Redaktion“ (Vgl. Weischenberg 1976). Dieses Selbstverständ­nis hat sich von Dekade zu Dekade verbessert. In jedemjahrzehnt gab es dazu eine herausragen­de wissenschaftliche Arbeit, nach denen auch die Kapitel benannt sind. Die 1980er Jahre sind überschrieben mit dem „Aufbruch der Außenseiter“ (Vgl. Fischer 1987), die 1990er Jahre mit dem „Aufstieg der Außenseiter“ (Vgl. Görner 1995).

Bei stetig steigendem Selbstbewusstsein der Sportjournalisten stellt sich im neuenjahrtausend die Frage, wie sich die Sportjournaille selbst sieht. Führt man die Kurve des steigenden Selbstbe­wusstseins fort, gelangt man zum Star der Medienbranche: Außenseiter, Aufsteiger, Star? Wissen­schaftliche Studien als Basis dazu fehlen bislang. Lediglich Ehl und Fey haben die Arbeit von Görner aufgenommen und aufgrund dieser repräsentativen Studie neunjahre später Sportjourna­listen befragt (Vgl. Ehl/Fey 2004). Sie haben festgestellt, wie sich Sportjournalisten heutzutage sehen, wie sie mit ihrer Arbeit umgehen, welche Beweggründe sie zum Journalismus geführt ha­ben und welchen Auftrag sie gegenüber den Rezipienten haben.

Die Publikumsinformation als ein Schwerpunkt der Saarbrücker Informationswissenschaft be­schäftigt sich unter anderem mit dem Stellenwert und Auftrag von Medien. Das Thema der Ar­beit ist deshalb aus informationswissenschaftlicher Perspektive insofern interessant, da hier die Arbeit der Medienschaffenden durchleuchtet wird. Im Blickpunkt steht mit den Sportjournalisten eine besondere Gattung unter den Journalisten, weil sie eine ganz eigene Entwicklung mitge­macht haben und damit in den Medien als auch unter den Rezipienten einen etwas anderen Stel­lenwert einnehmen. Welchen Auftrag sich die Sportjournalisten auferlegt haben, zeigen die ver­schiedenen Arbeiten zu ihrem Selbstverständnis.

1.2 Vorgehensweise

Diese Arbeit behandelt eben diese Entwicklung des Selbstverständnisses von Sportjournalisten. Zum Einstieg in das Thema befasst sich Kapitel 2 mit der Kommunikator- und Journalismusfor­schung im Allgemeinen. Dargestellt werden die journalistische Berufsforschung in Deutschland, Gatekeeper- und Redaktionsforschung sowie die Systemtheorie. Zum Abschluss des Kapitels folgt ein Blick in die Zukunft, ein Blick in die „Next Generation“ der Kommunikator- und Jour­nalismusforschung.

Als Übergang zum Sportjournalismus folgt im ersten Schritt zuerst das Kapitel 3 mit dem Titel „Sport und Gesellschaft“. In „Sport und Gesellschaft“ wird die Bedeutung des Sports für die Gesellschaft dargestellt, der Sport als Lebenselixier für Menschen, der seit Jahrtausenden seine Faszination auf den Menschen auswirkt. Der Begriff „Sport“ wird definiert, es wird unterschie­den zwischen aktivem und passivem Sport und darin jeweils differenziert zwischen Sport als Freizeitbeschäftigung (meist alleine) und Sport im Verein (organisiert) sowie dem Zuschauer vor Ort (im Stadion) und dem Zuschauer in Massenmedien (vor dem Fernseher).

Im nächsten Schritt, in Kapitel 4 „Sport und Medien“, werden die beiden vorangegangenen Kapi­tel zusammengeführt. Aus „Sport und Medien“ wird der Mediensport als Phänomen. Das Kapitel enthält, um die Bedeutung von Sport und Medien zu untermauern, die Wirkungen auf die Rezi­pienten und auf das Sportsystem als solches. Dargestellt wird außerdem der Sport in der Medien­realität sowie das Dreieck zwischen Sport, Medien und Wirtschaft als Interessengemeinschaft, wer weshalb von welcher Komponente profitiert — und dass Gefahr besteht, wenn eine Ecke herausbricht aus dem Dreieck.

Damit zum letzten Schritt: Die Sportkommunikatorforschung als Hauptteil der Arbeit wird in Kapitel 5 ausgeführt. 5.1 beschreibt den Stand der Forschung und damit die bereits erwähnte Entwicklung vom Außenseiter zum Star. Außerdem beinhaltet das Kapitel zur Sportkommunika- torforschung in 5.2 eine kritische Beleuchtung des Sportjournalismus. Es behandelt die Fragen, ob dem Sportjournalisten kritische Distanz fehlt, ob sie Fans sind, ob Sportberichterstattung eine typische 1:0-Berichterstattung oder Infotainment ist. Erwähnt wird auch, dass es zum traditionel­len Sportpresseverband, dem Verband Deutscher Sportjournalisten, inzwischen eine Gegenbe­wegung, das Sportnetzwerk, gibt, die aktiv gegen eben jene Aspekte wirbt. Zum Selbstbewuss­tsein im neuen Jahrtausend hat der Autor dieser Arbeit Journalisten verschiedener Zeitungen befragt. Für eine empirische Studie, angelehnt an die herausragenden Arbeiten der jeweiligen De­kade, fehlten sowohl die notwendigen finanziellen Mittel als auch die nötige Zeit. Der Autor die­ser Arbeit begann sein zweijähriges Volontariat bei der Abendzeitung München zum 15. Januar 2008, schrieb diese Arbeit parallel dazu.

2. KOMMUNIKATOR- UND JOURNALISMUSFORSCHUNG

„Man kann nicht nicht kommunizieren“ (Paul Watzlawick, 1921 — 2007).

„Jede Rekonstruktion der Beschreibungen von Journalismus als Bereich der Gesellschaft und seiner Beziehungen zur Umwelt ist einer begrifflichen Vielfalt ausgesetzt, die erhebliche Unschär­fen offenbart. Welches die Grundbegriffe in dem Feld öffentlicher Kommunikation sind, ist voll­kommen unklar“ (Blöbaum 1994, S. 60). Es herrscht Uneinigkeit in der Wissenschaft über die Verwendung der Begriffe wie Publizistik-, Kommunikations- und Medienwissenschaft. Während Bonfadelli, Jarren und Siegert in ihrem Buch „Einführung in die Publizistikwissenschaft“ die drei Wissenschaften als ein Fach verstehen (vgl. Bonfadelli/Jarren/Siegert 2005), sah Gerhard Ma- letzke grundlegende Unterschiede. Faut seines Werkes „Kommunikationswissenschaft im Über­blick“ behandelt die Publizistikwissenschaft nur die öffentliche Kommunikation, die Kommuni­kationswissenschaft gehe noch einen Schritt weiter (vgl. Maletzke 1998). Faut Internet-Auftritt der Gesellschaft für Medienwissenschaft e.V. stehe die Medienwissenschaft über beiden, beschäf­tige sich mit der Publizistik- und der Kommunikationswissenschaft. Die GfM will ein Forum sein für Austausch und Diskussion2. Pürer hält es mit seinem Handbuch „Publizistik- und Kommuni­kationswissenschaft“ ähnlich wie Bonfadelli et al. (vgl. Pürer 2003). Neverla bringt noch den Be­griff der Journalistik ein, sieht sie als Teildisziplin der „Mutterwissenschaft“ Kommunikations­wissenschaft. „Befasst sich die Kommunikationswissenschaft mit allgemeinen Begriffen wie Kommunikation und Information, Medien und Öffentlichkeit, so ist der Kernbegriff derjourna- listik der Journalismus selbst“ (Neverla/Grittmann/Pater 2002, S. 25). Beide Begriffe seien aber sehr vermengt. Geht es nach Purer, so hat sich Journalistik als Zweig der Kommunikationswis­senschaft herausgebildet (vgl. Purer 2003, S. 172f).

Überhaupt herrscht fast schon ein Überschuss an Theorien im, am und um den Journalismus. Die Bandbreite der Angebote ist kaum mehr zu überschauen. Löffelholz hat die wichtigsten in einem Sammelband zusammengestellt, welcher schon in der zweiten Auflage erschienen ist (vgl. Löffelholz 2004). Altmeppen schreibt im Vorwort seines Lehrbuchs dazu als hinführenden Überblick: „Bis in die 1980er Jahre hinein verliefen die Frontlinien der Journalismustheorie zwi­schen einer ,Begabungsideologie‘ und dem Professionalisierungsansatz sowie zwischen normati­ven und empirisch-analytischen Perspektiven. Die Abkehr vom methodologischen Individualis­mus hin zu gesellschaftstheoretischen Zugriffen erfolgt zu Beginn der 1990er Jahre [...] Auch diese ,neue‘ Generation an Journalismustheorien kam nicht aus den Tiefen des Weltalls, sondern entwickelte frühere Modelle und Theorien weiter, indem sie die systemtheoretische Grundlegung von Rühl [...] mit der konstruktivistischen Erkenntnistheorie verband. Die zweite Generation der systemtheoretischen Journalismusforschung artikulierte sich gegen normative Zugriffe [...], ihr folgten später die Cultural Studies, die sich wiederum an der Systemtheorie abarbeiteten [.] Dazwischen positionieren sich seit einigen Jahren Arbeiten von Journalismusforschern, die [...] nach verbindenden Theorielinien suchen [...], mit weiter reichenden Folgen: Die Abgrenzungs­bemühungen sind mittlerweile einem Theorieintegrationsbedürfnis gewichen, das den Mains­tream derjournalismusforschung hierzulande kennzeichnet“ (Altmeppen 2007a, S. 7f).

Dieses Kapitel soll als Hinführung zum Thema journalismus- und Kommunikatorforschung die­nen, bevor sich diese auf die Spezi Sport spezialisiert. Dabei soll versucht werden, verschiedene theoretische Ansätze zu beschreiben. Es bleibt beim Versuch. Da es sich beim Journalismus um ein sehr heterogenes und uneinheitliches Berufsfeld handelt, wird auch eine Begriffsbestimmung nie vollständig sein können. Erschwerend für eine Definition von Journalismus kommt hinzu, dass „das System an den Rändern ,zerfranst‘“ (Scholl/Weischenberg 1998, S. 46). Im Alltagsge­brauch wird „Journalismus“ mit der Tätigkeit von Personen in Verbindung gebracht, die schlich­tweg „Journalisten“ genannt werden (vgl. Weischenberg 1992, S. 37). Die Aufgabe des Journalis­mus ist demnach, Themen öffentlich zu machen, die aktuelle und relevant für die Öffentlichkeit sind. Es werden „Themen für die Medienkommunikation zur Verfügung gestellt [...], die Neuig­keitswert und Faktizität besitzen, und zwar insofern, als sie an sozial verbindli­che Wirklichkeitsmodelle und ihre Referenzmechanismen gebunden sind“ (Wei­schenberg 1995, S. 97).

Demzufolge werden also Themen gesammelt, ausgewählt und bearbeitet, die sowohl neu sind als auch relevant. Relevanz bedeutet, dass sie zeitlich, sachlich und sozial in den Kontext passen. Diese Themen werden dann dem Publikum als Medienangebot präsentiert. Für die Zukunft er­wartet Weischenberg, dass die Identifikation vonjournalismus durch Technisierung, Kommerzia­lisierung und Segmentierung im Mediensystem und nicht zuletzt aufgrund immer weitreichende­rer Funktionszuweisungen noch problematischer wird (vgl. Weischenberg 1992, S. 41) und dass Probleme auftreten hinsichtlich einer Interdisziplinarität, die von einer solchen Systematik gefor­dert wird und auch aufgrund von Kompetenzgrenzen des einzelnen Forschers zu Informations­verlust führen kann (vgl. Weischenberg 1992, S. 66ff). Deshalb kann nur ein komplexer Journa­lismusbegriff dieser Situation gerecht werden.

Die Beschäftigung mit der Berufs- und Sozialgeschichte der Journalisten ordnet Requate drei Forschungszusammenhängen zu: „Erstens spricht einiges dafür, den Beruf des Journalisten den bürgerlichen Berufen zuzurechnen, deren Entwicklung in der Regel mit Hilfe von Professionali- sierungskonzepten untersucht wird. Zweitens berührt die Frage nach der inhaltlichen Entwick­lung des Berufs den Prozess des Strukturwandels der Öffentlichkeit, wie er insbesondere von Jürgen Habermas analysiert worden ist. Drittens schließlich hätte eine Berufs- und Sozialge­schichte derjournalisten wohl auch im Rahmen einer sich bislang nur sehr unscharf abzeichnen­den ,Kommunikationsgeschichte‘ ihren Platz“ (Requate 2005, S. 417).

Vor der näheren Betrachtung der Kommunikatorforschung ist eine Auseinandersetzung mit dem Begriff des „Kommunikators“ erforderlich. Beim Begriff „Kommunikator“ denkt man zunächst an eine einzelne Person, die etwas sagt, die eben kommuniziert. Dabei sind im Rahmen der Mas­senkommunikation zumeist jedoch mehrere Personen in die Auswahl, Gestaltung und Verbrei­tung von Aussagen eingebunden und das mit verteilten und spezifisch festgelegten Aufgaben und Funktionen3. Maletzke generierte darauf wohl seine Definition, wonach Kommunikation ein Zu­standekommen eines allgemeinen Konsenses ist (vgl. Maletzke 1998, S. 48). Demnach ist ein Kommunikator im Rahmen der Massenkommunikation „jede Person oder Personengruppe“, die an der Produktion von öffentlichen, für die Verbreitung durch ein Massenmedium bestimmten Aussagen professionell beteiligt ist, sei es schöpferisch-gestaltend oder selektiv-kontrollierend“ (Böckelmann 1993, S. 21). Pürer äußert sich ähnlich. „Es ist dies ein sehr weit gefasstes Ver­ständnis vom Kommunikator, das beispielsweise sich an die Öffentlichkeit wendende Politiker, Wirtschaftskapitäne und Gewerkschaftsfunktionäre ebenso einschließt wie predigende Priester, Public Relations-Referenten, Werbeagenten, Autoren, Journalisten, Online-Publizisten u.a.m.

Bezogen auf Prozesse der Massenkommunikation [...] stellt der Begriff Kommunikator eine Sammelbezeichnung für alle Personen dar, die — in welcher Form auch immer — an der Produkti­on und Publikation von Medieninhalten beteiligt sind“ (Pürer 2003, S. 108). Für Pürer ist Kom­munikatorforschung, bezogen auf die Massenmedien, weitgehend Journalismusforschung (vgl. Pürer 2003, S. 109).

Außerdem aber existieren klare Unschärfen, geht es um die Definition des Journalistenberufes, der in Deutschland — wie in vielen anderen Ländern auch — nicht rechtlich geschützt ist. Im Ge­gensatz zu den meisten qualifizierten Berufen gibt es für Journalisten keinen formal vorgeschrie­benen Ausbildungsweg. Faktisch darf sich also jeder Journalist nennen und als solcher tätig wer­den. Und das, obwohl gerade mit der Ausübung dieses Berufes eine so große Verantwortung verbunden ist. Die Presse soll den drei Staatsgewalten — Legislative, Exekutive und Judikative — kontrollierend und ausgleichend zur Seite stehen. Sie wird deshalb auch als „Vierte Gewalt“ be­zeichnet. „Journalismus in Deutschland ist ein freier Beruf: Jeder kann sich (nach Artikel 5 des Grundgesetzes) Journalist nennen und im Journalismus arbeiten, ohne zuvor eine bestimmte Ausbildung absolviert oder Examina abgelegt haben zu müssen [...] Vor allem durchjournalisten wird die in der Verfassung garantierte Kommunikations- und Pressefreiheit realisiert. Dabei geht es nicht nur darum, über die Welt zu informieren und die Mächtigen zu kritisieren und zu kont­rollieren, sondern auch darum, den Sprachlosen in dieser Gesellschaft eine Stimme zu verleihen. Deshalb mag erstaunen, wie wenig man sich eigentlich um Qualität und Qualitätssicherung der Medien kümmert — und insbesondere um die Frage, ob wir eigentliche die ,richtigen‘Journalisten haben: Gut ausgebildete, mutige, reflektierende Personen, die uns ins Bild setzen können, Orien­tierung geben, glaubwürdig sind und frei von Vorurteilen; und die uns Kein I für ein U vorma­chen — U wie Unterhaltung, I wie Information“ (Weischenberg/Malik/Scholl 2006a, S. 13). Wei- schenberg et al. sehen den Journalismus als Frühwarnsystem für die künftige Arbeitsgesellschaft mit einem großen Anteil von Selbstständigen und Outgesourcten (vgl. Weischen­berg/Malik/Scholl 2006a, S. 14).

Der Deutsche Journalistenverband, djv, als Gewerkschaft der Journalisten, hat in seinen Auf­nahmerichtlinien festgelegt, wer Mitglied werden darf. Nämlich derjenige, wer entsprechend den Kriterien des „Berufsbildes journalist“ hauptberuflich

- als Arbeitnehmer, Arbeitnehmerähnliche oder als Selbständige

- für Printmedien, Rundfunk, On- und Offline-Medien/Digitale Mehrwertdienste, Nach­richtenagenturen, in der Öffentlichkeitsarbeit und innerbetrieblichen Information oder im Bildjournalismus tätig und

- an der Erarbeitung bzw. Verbreitung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Medien mittels Wort, Bild, Ton oder Kombinationen dieser Darstellungsmittel be­teiligt ist, und zwar vornehmlich durch Recherchieren (Sammeln und Prüfen) sowie durch Auswählen und Bearbeiten der Informationsinhalte, durch deren eigenschöpferische me­dienspezifische Aufbereitung (Berichterstattung und Kommentierung), Gestaltung und Vermittlung oder durch disponierende Tätigkeiten im Bereich von Organisation, Technik und Personal.

Hauptberuflich tätig ist, wer mit seiner journalistischen Tätigkeit den überwiegenden Teil seines Lebensunterhaltes bestreitet, im Zweifelsfall auch, wer den überwiegenden Teil seiner Arbeitszeit journalistischerTätigkeitwidmet (vgl. Deutscher journalistenverband 2007).

Zurzeit arbeiten in Deutschland rund 48.000 hauptberufliche Journalisten. Der größte Teil von ihnen (35,4 Prozent) ist nach wie vor bei Zeitungen beschäftigt — mit rund 17.000 festen und freien Mitarbeitern. Im Pressesektor arbeiten außerdem gut 9.000 Zeitschriftenjournalisten (19,5 Prozent) und knapp 3.000 Redakteure von Anzeigenblättern (5,9 Prozent). Das größte Segment der elektronischen Medien bildet mit 8.000Journalisten der Hörfunk (16,5 Prozent), gefolgt vom Fernsehen mit gut 7.000 Mitarbeitern (14,9 Prozent). Dabei arbeitet ein knappes Drittel der Rundfunkjournalisten (31,4 Prozent) für Privatsender, während der überwiegende Teil von ihnen (68,6 Prozent) trotz der Ausweitung des privat-kommerziellen Rundfunkmarktes immer noch bei öffentlich-rechtlichen Sendern tätig ist. Und schließlich bieten Onlinemedien immerhin mehr als 2.000 hauptberuflichen journalistischen Mitarbeitern (4,8 Prozent) Platz, während Agenturen und Mediendienste als Zulieferbetriebe mit knapp 1.500 Mitarbeitern verhältnismäßig wenige Journa­listen (3,0 Prozent) beschäftigen (vgl. Weischenberg/Malik/Scholl 2006b, S. 349). Die Bevölke­rung allerdings hat von denjournalisten dabei keine sehr hohe Meinung. Meyn bemüht eine Um­frage des Instituts für Demoskopie in Allensbach. Demnach zählen nur 13 Prozent der Men­schen die Redakteure zu denjenigen, die sie am meisten schätzen. Viel mehr Ansehen genießen Ärzte (77 Prozent), Ingenieure (60 Prozent) oder Geistliche (47 Prozent). Meyn zitiert dabei Her­bert Riehl-Heyse von der Süddeutschen Zeitung: „Wenn ein deutscher Journalist einmal Sehn­sucht hat nach dem wirklich sicheren Beifalls seine Publikums, dann erklärt er am besten den Leuten, wie verkommen sein Berufsstand ist, wenigstens in weiten Teilen. Na ja, sagen dann die Leser und Zuschauer, wenigstens sieht er es selber ein“ (Meyn 2001, S. 246f).

„Jeder gute Journalist ist Reporter. Der Reporter ist kein Künstler, er ist kein Politiker, er ist kein Gelehrter“ (Egon Erwin Kisch, 1885 — 1984).

Es gibt, wie auch Purer schon festgestellt hat (vgl. Purer 2003, S. 109), unterschiedliche Möglich­keiten, das Forschungsfeld Kommunikator- und Journalismusforschung zu strukturieren. Nach­folgend sollen theoretische Ansätze diskutiert werden. Danach folgen ausgewählte Journalismus­konzepte. Im letzten Kapitel 2.3 folgt der Blick in die „Next Generation“.

2.1 TheoretischeAnsätze

Es gibt zahlreiche Ansätze und Versuche, Theorien zu Medien und Journalismus zu erstellen. Das Feld ist breit. Um einen Überblick zu vermitteln, seien nachfolgend einige herausgestellt. In einem 2002 veröffentlichten Werk hatte Bonfadelli Medien- und Publizistikwissenschaft noch getrennt gesehen. Geht es nach Bonfadelli, so ist die Frage nach theoretischen Perspektiven bzw. nach Medientheorien nicht leicht zu beantworten. Unklar sei demnach, wie „Medientheorie“ de­finiert wird. Er fugt Fachliteratur an, nach der er dann zwischen zwei verschiedenen Denktradi­tionen unterscheidet: die philosophisch-geisteswissenschaftliche Medienwissenschaft und die sozialwissenschaftlich orientierte Publizistikwissenschaft. Beide überlappen sich (vgl. Bonfadelli 2002, S. 40f). Die nachfolgende Abbildung gibt einen Überblick über die Einordnung der ver­schiedenen Theorien nach Bonfadelli.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bonfadelli 2002, S. 41.

Anknüpfend an seine Übersicht bemerkt Bonfadelli: „Medientheorien können [...] nur sehr grob und idealtypisch beschrieben und verortet werden. Im Unterschied zum medienwissenschaftli­chen Verständnis von Kommunikation und Medien stehen in der Publizistikwissenschaft aber mehr die soziologisch-gesellschaftlichen Perspektiven wie die kritisch-(neo)marxistischen Ansätze einerseits, andererseits die strukturfunktionalistisch-systemtheoretischen Ansätze und neuerdings die Konzepte zur Informations- bzw. Mediengesellschaft im Zentrum, während den vorab ästhe­tischen oder nur medientechnologischen Zugängen eine eher geringe theoretische wie praktische Relevanz zugesprochen wird.“

Bonfadelli ließ 2005 in einem weiteren Werk Publizistik-, Kommunikations- und Medienwissen­schaft als ein Fach zu (vgl. Bonfadelli/Jarren/Siegert 2005). In der Publizistik- und Kommunika­tionswissenschaft stellt demnach diejournalismusforschung eines der zentralen Forschungsfelder dar. Analysiert wird laut Wyss/Pühringer/Meier mit Bezug auf die Gesellschaft, was Journalis­mus für die Öffentlichkeit unter welchen Bedingungen leistet und welche Einflussfaktoren das journalistische Handeln bestimmen (vgl. Wyss/Pühringer/Meier 2005, S. 299). Demnach be­schäftigt sich diejournalismusforschung vorwiegend empirisch mit den Bedingungen der organi­satorischen Her- und Bereitstellung publizistischer Aussagen, also mit Strukturen, Prozessen und Leistungen bei der Entstehung von Medienangeboten. Wyss et al. berufen sich dabei auf Rühl, der schreibt: „Im deutschen Sprachraum beschränkt sie ihre Interessen weiterhin auf Probleme medialisierter öffentlicher Kommunikation (Publizistik)“ (Rühl 2007, S. 128f). Im deutschen Sprachraum widmete sich die Journalismusforschung ausschließlich den Eigenschaften herausra­gender journalistischer Persönlichkeiten einerseits und dem Wesen desjournalismus andererseits. Die Nestoren damals waren meist langjährige journalistische Praktiker. Wyss et al. nennt als be­kanntesten Vertreter des gelehrten „Praktizismus“ den Zeitungswissenschaftler Emil Dovifat. „Mit seinem idealistischen Journalismusbegriff verkürzte er die Leistungen des Journalismus auf das Handeln autonomer Individuen“ (Wyss/Pühringer/Meier 2005, S. 299). Erst in den 1960er Jahren wurde die amerikanischejournalismusforschung rezeptiert.

Diese Rezeption führte zu einer Umorientierung der Kommunikatorforschung im deutschspra­chigen Raum. Sie wandte sich in der Folge stärker den traditionellen Prinzipien der empirischen Sozialwissenschaft (siehe 2.3) zu. Das wiederum zog folgende Konsequenz nach sich: Es bildeten sich Forschungstraditionen heraus, die sich im Zugang zum Gegenstand unterscheiden. Dieser Zugang ist handlungstheoretisch oder strukturtheoretisch. Aus historischer Sicht dominiert der handlungstheoretische Zugang. Ausgangspunkt der Analyse ist dabei der Akteur, also Personen. Angewendet werden diese Analysen in der Berufsforschung sowie in der traditionellen Kommu­nikator- und Gatekeeper-Forschung. Neuere Forschungen, etwa die Redaktionsforschung, sind eher strukturorientiert. Sie beziehen auch Organisationen und Institutionen ein. Das Handeln im Rahmen von Medienorganisationen und gesellschaftlichen Institutionen wird dabei analysiert (vgl. Wyss/Pühringer/Meier 2005, S. 300). Gerade beide Seiten der Medaille zu erfassen, damit beschäftigt sich die moderne Journalismus- und Kommunikatorforschung. Sie versucht, Hand- lungs- und Strukturtheorien zu vereinen, also die Beziehung zwischen Akteur (Handeln) und System (Struktur) herzustellen. Und damit zu verschiedenen Konzepten imjournalismus.

2.2Journalismuskonzepte

Löffelholz hat acht theoretische Konzepte der Journalismusforschung ausgemacht. Die Konzep­te bezeichnen keinen in sich geschlossenen Ansatz, sondern subsumieren unterschiedliche theo­retische Ansätze, die sich in ihrem Entstehungskontext, ihrer Herangehensweise, ihrem jeweiligen Untersuchungsfokus, der Komplexität ihrer Theoriearchitektur und ihrem Ertrag für die empiri­sche Forschung ähneln.

Abb. 2: Theoretische Konzepte der Journalismusforschung nach Löffelholz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Auswahl. Aus: Löffelholz (2005), S. 37.

Die Tabelle soll als Übersicht zum Einstieg ins Thema dienen, um Namen und Theorien ein­zuordnen. Löffelholz stellt bei der Entwicklung theoretischer Konzepte der Journalismusforschung heraus, „dass die Herausbildung einer integrativen Supertheorie zur Beschreibung aktuel­ler Medienkommunikation unwahrscheinlich ist“ (Löffelholz 2005, S. 51). Die Beschreibung werde demnach weiter multiperspektivisch erfolgen. Deshalb seien in den folgenden Unterkapi­teln einige grundlegende Arbeiten und Theorien herausgestellt.

Bucher (2003) hat in seinem Kapitel „Journalistische Qualität und Theorien des Journalismus“ eben jene Theorien auf folgende Art und Weise unterteilt. Er verwendete die von Scholl und Weischenberg 1998 eingeführte Typologisierung derjournalismustheorien in

„Journalismus als Addition von Personen,

Journalismus als Addition von Berufsrollen und

Journalismus als Ergebnis von Kommunikationsprozessen“.

Demnach bestimmt er journalistische Qualität zum einen akteursorientiert, einmal rollenorientiert und zum anderen systemorientiert (vgl. Bucher 2003, S. 15ff). Diese Vorgehensweise soll nur ergänzend, als Konzept für sich stehen, Bucher beschreibt damit journalistische Qualitätskrite­rien. Zu für die vorliegende Arbeit interessanterenjournalismuskonzepten sollen Wissenschaftler wie Löffelholz (2005), Wyss et al. (2005) oder Pürer (2003) genannt werden, die folgende ver­schiedene vier Zugänge unterscheiden. Sie können jeweils einem handlungstheoretischen oder einem strukturtheoretischen Paradigma zugeordnet werden: Berufs-, Gatekeeper- und Redakti­onsforschung auf der einen sowie Systemtheorie auf der anderen Seite.

2.2.1 Die journalistische Berufsforschung in Deutschland

„Journalisten sind auch nur Menschen. Sehr sensible überdies, wie sich zeigt, wo sie selbst betrof­fen. Die Vorstellungen vom unbeteiligt über den Dingen schwebenden Chronisten oder fühllos von Greuel und Unfällen Berichtenden sind in der Regel so klischeehaft überzogen wie die Kari­katur des rasenden Reporters. Glücklicherweise. Mitgefühl für Schwache und Benachteiligte, en­gagiertes Eintreten z.B. gegen Fremdenhass sollte als Tugend des Berufsstandes geachtet wer­den“ (Grubitzsch 1993, S. 107). Gerade weil Journalisten nur Menschen sind, ist die journalisti­sche Berufsforschung so interessant. Die Herkunft, Rekrutierung, Ausbildung, Arbeitsbedingun­gen, Einstellungen und das Selbstverständnis von Journalisten — mit diesen Fragestellungen be­schäftigt sich die journalistische Berufsforschung. Seit den 1970er Jahren sind in Deutschland unterschiedlich breit angelegte Erhebungen bei Journalisten durchgeführt worden. Einen Ein­blick darin gibt Böckelmann mit seiner Dokumentation der Kommunikatorstudien (vgl. Böckel- mann 1993). Im Mittelpunkt standen Einzelpersonen und deren Biografie (vgl. Pürer 2003, S. 109). In der Folge wurden mehrere Versuche unternommen, die Wirklichkeit journalistischer Berufe empirisch zu fassen und daraus Merkmale für ein Berufsbild abzuleiten. Die Einführung des dualen Rundfunksystems 1984 sowie die deutsche Wiedervereinigung 1989 waren in Deutschland Anlass dazu, zu Beginn der 1990er Jahre zwei repräsentative Journalisten-Enqueten durchzuführen (vgl. Mahle 1993 und Scholl/Weischenberg 1998). Pürer erkennt beim Stand der Kommunikatorforschung in Deutschland eine „nicht zu übersehende Kontinuität“ hinsichtlich Studien „berufskundlicher Art“. Außerdem registriert er einen Wandel, die „Kommunikatorfor­schung als Teil der Medienwirkungsforschung“ zu begreifen oder aber systemtheoretische Ansät­ze zu wählen (vgl. Pürer 1997, S. 116) (zur Systemtheorie siehe 2.2.4).

2.2.2 Die Gatekeeperforschung

Die Gatekeeperforschung trat eine Zeit lang nicht nur als Ergänzung, sondern auch als Konkur­renz der Journalistenforschung auf (vgl. Böckelmann 1993, S. 22). Sie stellte ebenso den Journa­listen in den Mittelpunkt ihrer Forschungsbemühungen (vgl. Pürer 2003, S. 128). Ihren Ursprung hat die Gatekeeperforschung in der empirischen Journalismusforschung der USA der 1950er Jahre, die sich mit dem Entscheidungshandeln von Journalisten beschäftigt, und ist handlungs­theoretisch ausgerichtet (vgl. Wyss/Pühringer/Meier 2005, S. 302). Gegenstand war ursprünglich die Frage, welche Eigenschaften des einzelnen Journalisten die Nachrichtenauswahl beeinflussen. „Gatekeeper“ wird dabei übersetzt mit „Torhüter“, „Schleusenwärter“ oder auch „Pförtner“. Das Konzept des Gatekeepers wurde laut Wyss et al. von David M. White 1950 auf den Vorgang der Nachrichtenauswahl in einer Zeitungsreaktion angewandt. White machte dabei mehrere Stufen des Gatekeeper-Prozesses aus. An diesem Prozess sind mehrere verschiedene Rollenträger wie Reporter, Redakteur oder Herausgeber beteiligt. Er kam zum Schluss, dass der „letzte Gatekee­per“ dem Publikum subjektiv nur das anbiete, was er selbst für wahr und relevant hält. Warren Breed strich danach den Prozess der beruflichen Sozialisation heraus, demnach sich diejournalis- ten die Normen der Redaktion aneignen. Er identifizierte die „redaktionelle Linie“ einer Zei­tungsredaktion als wesentlichen Einflussfaktor auf das Handeln der Journalisten. Damit wurde das Augenmerk der Forschung stärker auf die institutionellen Bedingungen des Selektionsprozes­ses gerichtet. Der Journalist wurde zudem nicht mehr nur als Einzelperson, sondern als Träger von Rollen thematisiert (vgl. Wyss/Pühringer/Meier 2005, S. 302). Aus eigenen Erfahrungen des Autors4 spielen dabei grob zwei Aspekte eine Rolle: die Informationsauswahl und die Informati­onsbearbeitung. Nur ein geringer Teil aller über Agentur einlaufenden Informationen werden dabei ausgewählt. Welche Informationen dann wie bearbeitet werden, ist wiederum von mehre- ren Faktoren abhängig, wie soziale und auch persönliche Überlegungen, das Redaktionsstatut oder auch die Vorgaben und Wertvorstellungen der Redaktion oder des Verlags.

2.2.3 Die Redaktionsforschung

Die Redaktionsforschung wandelte sich erst nach und nach von einer individuumszentrierten Perspektive zu einer strukturorientierten. In den Vordergrund wurden dabei konsequent die strukturellen Zwänge der Redaktionsarbeit gerückt. Wie dies Walter Gieber (1956) getan hat. Laut Gieber handelt der Nachrichtenredakteur in seiner Entscheidung eher passiv, persönliche Einstellungen bewirken dabei wenig. Die Forschung interessierten nun auch technische und or- ganisationale Zwänge, die Orientierung der Journalisten an Kollegen und Vorgesetzten sowie das Nachrichtenmaterial von Agenturen als Einflussfaktoren (vgl. Wyss/Pühringer/Meier 2005, S. 302). Mit Hilfe der Nachrichtenwerttheorie wurden Begriffe wie Macht und Herrschaft, Bürokra­tie und Sozialisation thematisiert. Die amerikanische Redaktionsforschung zeigte in der Folge mittels strukturbezogener Gatekeeper-Studien, dass die Nachrichtenproduktion weitgehend stan­dardisiert und routiniert abläuft und im Rahmen einer „news factory“ erfolgt (vgl. Wyss/Pühringer/Meier 2005, S. 303). Den Wandel in den Forschungsperspektiven beschreibt auch Pürer: Er ergibt sich „nicht zuletzt dadurch, dass auch das Mediensystem permanent einem Wandel unterliegt“ (Pürer 2003, S. 138). Dazu zählen Themen wie Multimedia und Online­Kommunikatoren, aber auch die Thematiken Qualität im Journalismus, Ethik im Journalismus oder redaktionelles Marketing (vgl. Pürer 2003, S. 138).

2.2.4 Die Systemtheorie

„Wenn das Ziel der Definition darin besteht, Journalismus von Public Relations, Werbung, Kunst, Publizistik und Laien-Kommunikation unterscheiden zu kön­nen, ist eine systemtheoretische Vorgehensweise unerlässlich, auch wenn das Systemjournalismus unscharfe Ränder aufweist“ (Scholl 2005, S. 480).

In der Wissenschaft besteht, wie schon in 2.1 angekündigt, inzwischen Einigkeit darüber, dass dem Gegenstand nur ein komplexer Journalismusbegriff angemessen ist. Alleine der Fokus auf individuelle Aspekte von Produktionsbedingungen reicht deshalb nicht aus. Dass Entscheidun­gen auf Redaktionen und Organisationen der Medienbranche und die Einflussfaktoren eben dar­auf sehr komplex sind, hat die Systemtheorie herausgefordert. Als Pionier auf diesem Gebiet gilt Manfred Rühl. Er stützte sich 1969 bei seiner ersten Studie diesbezüglich auf die funktional­strukturelle Systemtheorie von Niklas Luhmann. Rühl entwarf die Theorie der Redaktion als or­ganisiertes soziales System. Er deutete den Journalismus in der Folge als „organisatorische Hers­tellung und Bereitstellung durchsetzungsfähiger thematisierter Mitteilungen zur öffentlichen Kommunikation“ (Wyss/Pühringer/Meier 2005, S. 303). Rühl hatte über Monate den Arbeitsab­lauf bei den „Nürnberger Nachrichten“ studiert und dann Kategorien der Systemtheorie von Luhmann für einen theoretischen Entwurf über redaktionelles Entscheidungshandeln verwendet. Rühl teilte das Entscheidungshandeln der Zeitungsredaktion analytisch in die drei Phasen Kollek­tion, Selektion und Kondensation von Informationen. In diesem redaktionellen Vorgang werden aus den verfügbaren, in jedem Fall lückenhaften Ausgangsinformationen Folgerungen gezogen. Die Ergebnisse, zusammengefasst in der täglichen Zeitung, werden von der Umwelt der Redakti­on, speziell dem Publikum, als soziale, politische, wirtschaftliche und kulturelle Orientierungsmit­tel akzeptiert (vgl. Weischenberg 1992, S. 59). Damit konnte sich Rühl entscheidend gegen die individualistische Tradition der deutschsprachigen Journalismusforschung durchsetzen. Die Theorie expandierte rasch. Weischenberg ergänzt: „Rühls Analyse warf ein neues Licht auf die Kommunikationsprozesse in den Redaktionen. Seither erst hat die Kommunikationswissenschaft in der Bundesrepublik eine empirische Kommunikatorforschung anzubieten, die für das Fach Journalistik brauchbar sein kann“ (Weischenberg 1992, S. 59f).

Wyss et al. (2005) nennen weitere Journalismusforscher, die der Systemtheorie zuzuordnen sind: Altmeppen und Blöbaum, die Organisations-, Arbeits- und Entscheidungsprogramme erarbeitet haben, an denen Journalisten ihr Handeln ausrichten. Böckelmann ist überzeugt vom Entwurf der Systemtheorie. Sie erscheine wie geschaffen, die ubiquitären, räumlich und personal nicht ab- und eingrenzbaren Prozesse der Massenkommunikation zu analysieren. Er zweifelt allerdings daran, „ob ausgerechnet die Redaktion und die Rundfunkanstalt als exemplarische Anwendungs­objekte des Instrumentariums von Niklas Luhmann im Bereich der Massenkommunikation ge­eignet sind“ (Böckelmann 1993, S. 22). Pürer wiederum lobt die zunehmende Bedeutung der Systemtheorie und zitiert Joachim Westerbarkey, der von einem „Siegeszug“ sprach (vgl. Pürer 2003, S. 164). „Die systemtheoretische Perspektive wird im Fach besonders gern dann einge­nommen, wenn nicht einzelne Akteure [...] oder das Ergebnis von deren Handlungen [...] im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses stehen sollen; vielmehr geht es der Systemtheorie grund­sätzlich um die Erklärung der Zusammenhänge zwischen Strukturen und Funktionen gesell­schaftliche ,Entitäten‘. Daher stehen die beteiligten Personen oder Individuen gerade nicht im Zentrum des Interesses [...] Für sie sind Journalismus, Massenmedien, Öffentlichkeit usw. sozia­le Beziehungsgefüge eigener Qualität, die aus strukturierten Handlungs- und Kommunikationszu­sammenhängen bestehen; diese lassen sich daher nicht durch die beteiligten Personen, deren Ein­sichten, Motive oder Handlungsabsichten erklären, sondern müssen als System rekonstruiert werden“ (Pürer 2003, S. 164). Das Interesse gilt also ausschließlich den sozialen Systemen.

Die Systemtheorie, die denjournalismus als funktionales Teilsystem der Gesellschaft ansieht, hat die deutschsprachige Journalismusforschung stark geprägt: „Die Trennung von Journalisten als Einzelpersonen vom Journalismus als System versprach eine Überwindung der Vorstellung eines Journalismus als Tätigkeit oder als Ansammlung von Berufsrollen aus der Frühzeit der Journa­lismusforschung“ (Wyss/Pühringer/Meier 2005, S. 304).

Weischenberg (1992) versuchte vor dem Hintergrund der konstruktivistischen Systemtheorie, die Dichotomie zwischen System und Subjekt zu überwinden. Er bemüht dazu eine Metapher. Man spricht vom so genannten „Zwiebelmodell“. Die Schalen sind dabei die Kontexte des Journalis­mus. Dazu schreibt Weischenberg: „Normen, Strukturen, Funktionen und Rollen bestimmen in einem Mediensystem, was Journalismus ist, der dann nach diesen Bedingungen und Regeln Wirk­lichkeitsentwürfe liefert“ (Weischenberg 1992, S. 67).

Abb. 3: Zwiebelmodell von Weischenberg

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Weischenberg 1992, S. 69.

Es sei an dieser Stelle auch auf die von Pürer als „neue systemtheoretische Journalismusfor­schung“ verwiesen. Er nennt dabei drei Entwicklungen: die Umstellung in der autopoietischen Systemtheorie von Handlungs- auf Kommunikationssysteme und deren Folge; die Verbindung des radikalen Konstruktivismus mit der Systemtheorie; sowie die theoretischen Erweiterungen und Fortführungen durch Anschlüsse neuer Fragestellungen an systemtheoretischen Konzeptio­nen (vgl. Pürer 2003, S. 169). Denn trotz des Geländegewinns durch die Weiterentwicklung der Systemtheorie zur funktional-strukturellen Theorie bleiben einige Fragen unberücksichtigt. Blö- baum nennt die Frage nach der Genese von Systemen, wie Systeme es fertigbringen können, den Prozess der internen Strukturierung aufzubauen und fortzuführen. „Diese Leerstelle zu füllen, hat sich die Theorie selbstreferentieller und autopoietischer Systeme zur Aufgabe gemacht“ (Blö- baum 1994, S. 74). Grundvorstellung der autopoietischen Systemtheorie ist, dass komplexe Sys­teme sich in ihrer Einheit, ihren Strukturen und Elementen kontinuierlich und in einem operativ geschlossenen Prozess mit Hilfe der Elemente reproduzieren, aus denen sie bestehen. Damit wird die Vorstellung aufgegeben, Systeme seien gegenüber ihrer Umwelt grundsätzlich offen. Vielmehr sind sie in ihrem Kernbereich als geschlossen anzusehen. „Die Leitdifferenz von System und Umwelt wird nicht aufgegeben, aber der Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz untergeordnet“ (Blöbaum 1994, S. 74). Als Folge dessen setzt Blöbaum den Kommunikationsakt zusammen aus Information, verstanden als eine Selektion aus einem Repertoire von Möglichkei­ten, Mitteilung, verstanden als Selektion eines Verhaltens, das Information überträgt, und Verste­hen, verstanden als Fähigkeit, den Sinn von Information zu erfassen (vgl. Blöbaum 1994, S. 75). Eine Änderung der Strukturen des Systems ist also nur durch Kommunikation möglich.

2.3 Blick in die Zukunft: „Next Generation“

Wyss et al. haben gezeigt, „dass im Rahmen der Journalismus- und Kommunikatorforschung die gesellschaftlichen Einflüsse auf die Medienorganisationen und deren Einflüsse auf den Journa­lismus immer noch eher unterschätzt als überschätzt werden. Daher sollte sich die Journalismus­forschung verstärkt mit den organisationsinternen und -externen Zwängen sowie den aktuellen, kontextuellen gesellschaftlichen Bedingungen beschäftigen“ (Wyss/Pühringer/Meier 2005, S. 324). Gesellschaftlich, das bedeutet auch soziologisch. Altmeppen stößt dabei mit einem Lehr­buch vor, welches schon mit dem Titel eine neue Richtung vorgibt: „Journalismustheorie — Next Generation“ (Altmeppen 2007a). Dabei kommen beim „Treffen der Generationen“ Journalis­musforscher zu Wort, die an bestehende Theoriefäden anknüpfen, sie verweben mit neuem oder wiederentdecktem Ideengut. Altmeppen sucht damit eine etwas andere Herangehensweise an Theorien des Journalismus. Die Beiträge gliedern sich in neun verschiedene Perspektiven: Han­deln, Rationalität, Akteurkonstellationen, Milieus und Lebensstile, Kapital-Feld-Habitus, Organi­sation, Interaktion, Netzwerke, Macht. Dabei sind Handeln, soziales Feld und Macht zentrale Kategorien jeder theoretischen Annäherung an den Journalismus. „Je genauer eine Theorie auf einen bestimmten Aspekt fokussiert, um so blinder ist sie für den ,Rest‘“ (Altmeppen 2007a, S. 14). Deshalb mixt er und stellt Beiträge zu jenen zentralen Kategorien dar und vor.

Esser macht in seinem Beitrag zum Handeln deutlich, dass die Erklärung gesellschaftlicher Vor­gänge immer drei Schritte erfordere: die Untersuchung der „Logik der Situation“, die Erklärung des Handelns angesichts dieser Umstände über eine „Logik der Selektion“ dieses Handelns, und die Ableitung der durch das Handeln erzeugten gesellschaftlichen Folgen über eine „Logik der Aggregation“ (Esser 2007, S. 27ff). Reinemann baut auf dieser Basis auf. Er entwickelt ein struk­turell-individualistisches Erklärungsmodell, das sein Potenzial auf drei aufeinander aufbauenden Ebenen entfaltet: der Rekonstruktion subjektiver Situationsdefinitionen, der Konstruktion der dazu notwendigen Brückenannehmen sowie der Bestimmung von Aggregationsregeln und der damit verbundenen Modellierung dynamischer Prozesse. Reinemann veranschaulicht dies am Beispiel der Boulevardisierung in der Berichterstattung (vgl. Reinemann 2007, S. 47ff).

Im Zentrum Hradils Beitrag steht das soziale Feld. Für Hradil ist die Perspektive der Milieu- und Lebensstilforschung in einer pluralisierten und sich wandelnden Gesellschaft unerlässlich gewor­den, weil Selbstdefinitionen, Zurechnungen und Verhaltensweisen der Menschen nicht mehr allein von verfügbaren Ressourcen, sondern auch von deren Verwendungsweise geprägt sind (vgl. Hradil 2007, S. 165ff). Raabes hält dazu ein Plädoyer für eine praxis- und kulturtheoretische Er­weiterung der Journalismusforschung. Nach Auffassung von Raabe bildet ein journalistisches Milieu nicht nur das soziale Umfeld journalistischer Handlungs- und Kommunikationspraxis, sondern auch das Medium, in dem sich diese Praxis ereignet, indem spezifische Sinnstrukturen im Denken, Wahrnehmen, Deuten und Handeln der Akteure aktualisiert werden und dabei struk­turierend, sinnstiftend und so handlungsanleitend auf die Praxis zurückwirken (vgl. Raabes 2007, S. 189ff).

In das journalistische Handeln ist immer auch Macht eingewebt. Macht ist ein Phänomen mit vielfältigen Dimensionen und vieldeutigen Perspektiven, wie Imbusch deutlich macht. Er breitet Dimensionen, Effekte und Ebenen des Machtbegriffs aus (vgl. Imbusch 2007, S. 395ff). Altmep­pen knüpft daran an. Er analysiert, ob Journalisten, journalistische Organisationen und Medien­organisationen Machthaber sind und worüber sie Macht ausüben können. Er systematisiert au­ßerdem die verschiedenen Machttechniken (wie Machtquellen, Machtmittel und Formen der Machtausübung) sowie die Machtausdehnungen und zeigt auf diese Weise die Vielfältigkeit von Macht imjournalismus auf (vgl. Altmeppen 2007b, S. 421ff).

Neben diesen drei zentralen Kategorien eint alle Beiträge Altmeppens die Suche nach der Naht­stelle zwischen akteursorientierten Ansätzen und gesellschaftstheoretischen Perspektiven. Alt­meppen arbeitet folgende generelle Tendenzen heraus: „Einerseits ist eine (Wieder-)Belebung der Perspektive der handelnden Akteure festzustellen. Mittlerweile gilt als weithin anerkannt, dass eine Journalismustheorie ohne die Journalisten nicht auskommt. Zweitens ist die Dualität von Struktur [...] Bestandteil vieler Ansätze. [...] Drittens ist eine allmähliche Aufwertung des Kul­turbegriffs in der Journalismusforschung zu beobachten. [...] Und schließlich ist festzustellen, dass immer mehr Autoren mit dem substanzialistischen Denken brechen und den Relationen zwischen den Subjekten bzw. Objekten der Analyse mehr Beachtung schenken. Für die Journa­lismustheorie gilt jedenfalls, [...], dass die Potenziale längst nicht erschöpfend ausgelotet sind. Zusätzliche Theoriescheinwerfer, so ist zu hoffen, bringen dazu bislang unbekannte Facetten des Gegenstands journalismus in der Forschung zum Vorschein“ (Altmeppen 2007, S. 19).

3. SPORT UND GESELLSCHAFT

„Der Sport, Lebenselixier für Millionen von Menschen und Leistungsphänomen in des Wortes vielfacher Bedeutung, ist als gesellschaftliche Kraft ein Hoff­nungsträger unserer Zeit“ (Deutscher Olympischer Sportbund, DOSB 2006, S.3)5.

Der Sport übt schon seit Tausenden von Jahren eine Faszination auf die Menschen aus. Das gilt nicht nur für aktive Sportler, sondern genauso auch für die Menschen, die den Sportlern dabei zusehen (vgl. Strauss 2002, S. 152). Diese Feststellung von Strauss trifft gerade auf die heutige Epoche zu, in der wir leben. Die Zahlen sprechen dabei für sich. Zum Ende der ersten Saison der Fußball-Bundesliga nach der Gründung im Jahre 1963 sahen 5.909.776 Zuschauer die 240 Spiele. Das macht einen Zuschauerschnitt von 24.624 pro Spiel (vgl. Bundesliga 2007). Zum En­de der abgelaufenen Saison 2007/2008 kamen 16,3 Millionen Zuschauer zu 306 Spielen. Das wiederum ergibt einen Schnitt von 53.267 Zuschauern pro Spiel (vgl. Deutsche Fußballliga 2008), was den höchsten Wert in der Geschichte der Liga darstellt. In dieser Zeit zwischen 1963 und 2008 wurde insgesamt mehr als 344.500.000 Mal ein Ticket für Spiele der Ersten Fußball­Bundesliga gelöst. Es ist nicht nur dem Fußball als Volkssport Nummer eins zu verdanken, dass sich der Sport im Laufe des 20.Jahrhunderts zu einem bedeutenden Phänomen und immer mehr zu einem festen Bestandteil unserer modernen Gesellschaft entwickelt hat. Es ist vielmehr der Wandel der Gesellschaft als solcher. War zu Beginn der 90erjahre des vergangenenjahrhunderts die Rede von einer „Versportung der Gesellschaft“, einem „Aufbruch in die Sportgesellschaft“ oder dem „Siegeszug des Sports“ (vgl. Lambrecht/Stamm 2002, S. 35), so sieht Bundespräsident Horst Köhler in Deutschland inzwischen gar eine Sportnation und den Sport als Spiegel der Ge-

sellschaft, der Werte wie Gesundheit, Fair Play, Disziplin, Teamgeist und Gewaltlosigkeit vermit­telt (vgl. DOSB 2006, S. 5). „Der Sport kann viel zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei­tragen“, schreibt Köhler (DOSB 2006, S. 6).

Staatssekretärin Zypries6 hat die Entwicklung des Sportmarkts zu einem Unterhaltungsmarkt beschrieben (Zypries 2002). Zugleich habe die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Sports zugenommen. Zypries: „Umfragen haben ergeben: Die Zahl der Menschen in Deutschland, die sich für Sport interessieren, ist von 73 Prozent in 1994 etwa auf 89 Prozent im Jahr 2000 gestiegen, auch die Zahl aktiver Sportler hat zugenommen: 1998 gaben 64 Prozent der Bevölkerung an, sich sportlich zu betätigen (vier Prozent mehr als 1994), die Mitglieder in Sport­vereinen sind zwischen 1950 und 1998 auf knapp 27 Millionen angestiegen. Das entspricht einem Wachstum von sage und schreibe 620 Prozent.“

Hahn7 versucht, den Sport und dessen Konsum in Deutschland, in einem Satz zusammenzufas­sen. Er scheitert aber und schreibt: „Sport lässt sich nicht in einen Satz fassen. Außer vielleicht in den Satz: Sport ist Vielfalt. Genügen 28 Millionen Menschen in 87.000 Sportvereinen? Die Zahl liefert einen Anhaltspunkt. Die Schar der Sportinteressierten ist noch größer. Die meisten von ihnen nehmen am Fernseher Anteil, wenn die Fußball-Nationalelf spielt, Michael Schumacher fährt, Jan Ullrich antritt, die Biathleten sich in der Loipe und am Schießstand messen oder die Skispringer in die Luft gehen“ (Hahn 2005). Laut Hahn (ebd.) haben Freizeitforscher herausge­funden, dass Sport der Deutschen liebste Beschäftigung ist — noch vor Fernsehen. Wer selbst kein Sportler ist, möchte wenigstens sportiv sein, sportlich aussehen, sich sportlich kleiden und eine sportlich gute Figur machen. Wie stark der Sport unser Denken durchdringt, lässt sich auch am Eindringen von sportlichen Ausdrücken in unseren Sprachgebrauch zeigen. Begriffe wie „Fairness“, „Doppelpass“, Time Out“, „Doping“ oder „Endspiel“ gehören längst zum Standard­vokabular des gehobenen Partygesprächs und markiger Sonntagsredner. Bundesratswahlen ent­wickeln sich regelmäßig zum „Kopf-an-Kopf-Rennen“ (vgl. Lamprecht/Stamm 2002, S. 40).

Der Sport hat schon lange bei vielen seinen festen Platz im Alltag. Wie die Gesellschaft, so unter­liegt auch der Sport einem konstanten Prozess des Wandels und der Veränderung. Der Wiener Sportsoziologe Otmar Weiß schreibt dazu: „[...] alles das, was es in der Gesellschaft gibt, gibt es auch im Sport. Sport ist ein Mikrokosmos der Gesellschaft“ (Weiß 1999, S. 13). Weiß bestätigt damit Bundespräsident Köhler. Der Sport spiegelt die allgemeinen gesellschaftlichen Wertefun­damente wider, ohne die der moderne Sport nicht hätte entstehen können und ohne die eine Gesellschaft nicht funktionieren kann. Der Sport trägt so zu deren Stabilität und Erhaltung bei. Weiß schreibt weiter, der Zusammenhang von Sport und Gesellschaft beruhe hauptsächlich auf „gemeinsamen Wertmustern und Verhaltens-Konfigurationen“ (Ebd.). Dazu passt die von Lamprecht/Stamm niedergeschriebene Feststellung: „So trifft die häufig geäußerte Einschätzung sicherlich zu, dass der moderne Sport gut zu einer individualisierten, auf Effizienz getrimmten Leistungsgesellschaft passt“ (Lamprecht/Stamm 2002: S. 21). Demnach erfülle der Sport tatsäch­lich für viele Mitglieder der Gesellschaft, also Menschen, eine gleichsam paradoxe Funktion. Lambrecht/Stamm schreiben: „Einerseits bietet er Spannung und Abwechslung zum als langwei­lig und anstrengend erlebten (Arbeits)alltag, andererseits sind im Sport die grundlegenden Leis­tungsprinzipien der Industriegesellschaft in reinerer Form verwirklicht als dies im Arbeitsleben der Fall ist“ (Ebd.). Wirken Sport und Gesellschaft also wechselseitig, so ist Sport folglich stark von der jeweiligen Kultur einer Gesellschaft abhängig, die je nach Kultur wieder ihre eigenen Werte besitzt. Zwischen der Institution Sport und den vielen verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereichen bestehen also komplexe Interaktionen hinsichtlich des Austauschs von Leistungen.

In diesem Zusammenhang hat der Hamburger Soziologe Klaus Heinemann fünf Typen wechsel­seitiger Beziehungen festgestellt: Transferbeziehungen, regulative Beziehungen, kooperative Be­ziehungen, ideologisch-wertorientierte Beziehungen sowie funktionale Beziehungen. Transferbe­ziehungen sind demnach materielle Leistungen in Form von Geld, beispielsweise Subventionen und Sponsoring, oder auch Zeit, beispielsweise die Arbeit ehrenamtlicher Helfer in Vereinen. Regulative Beziehungen dahingehend, dass gesetzliche Regelungen in den Sport eingreifen, oder auch dass der Sport erreichen kann, dass etwa formale Qualifikationen für Übungsleiter generell gültig sind. Kooperative Beziehungen zeigen sich in der Verfolgung gemeinsamer Interessen, etwa Gewerkschaften und Organisationen, die sich gemeinsam etwa für den Schulsport einset­zen. Ideologisch-wertorientierte Beziehungen entstehen dann, wenn sich der Sport ethischer Grundwerte von Kirche oder Staat bedient und umgekehrt Denkmuster des Sports Einzug in andere Lebensbereiche halten, beispielsweise der Fair-Play-Gedanke. Funktionale Beziehungen liegen dann vor, wenn ein Bereich Funktionen für einen anderen übernimmt und damit die Auf­gabe erhält, zur Problembewältigung eines anderen Systems beizutragen. Laut Heinemann steht der Sport also in direkten Austauschbeziehungen mit anderen Institutionen und Subsystemen wie Familie, Kirche, Staat, Wirtschaft (vgl. Heinemann 1998, S. 272f). Darauf geht auch der Sportbe­richt der Bundesregierung ein. Der gemeinsam betriebene Sport sei dabei zugleich ein geselliges, verbindendes Erlebnis jenseits anonymer Wohnviertel oder kultureller, sozialer und sprachlicher Unterschiede. Wie kaum eine andere Freizeitbeschäftigung sei Sport vor Ort in der Lage, Men­sehen unterschiedlichster Herkunft aber auch unterschiedlichsten Alters zusammenzuführen (vgl. Deutscher Bundestag 2006, S. 11).

Sportverständnis, Sportideologien und Arten Sport zu treiben, sind allerdings sehr differenziert. Die Rolle des Sports in der Gesellschaft ist demzufolge ebenso differenziert zu betrachten. Tref­fend formuliert Weiß: „Vielfach existieren Wertkonflikte zwischen den gesellschaftlichen Subsys­temen, die in der sportlichen Kultur dieser Subsysteme ihren Ausdruck finden“ (Weiß 1999, S. 53). Ein Beispiel hierfür sei der Gegensatz zwischen „alternativem Sport“ und moderner Gesell­schaft. So wie der moderne Sport ein Abbild der Industriegesellschaft ist, trägt der alternative Sport die Prinzipien der grünalternativen Bewegung in sich. Demnach sind Körper und Bewe­gung Teil eines neuen, ganzheitlichen Gesundheits- und Weltverständnisses. Helmut Digel8 schreibt über die Zukunft des Sports: Bereits heute prägt den Sport eine schon seit längerer Zeit wachsende Komplexi­tät. Die Tätigkeiten, die mit dem Begriff Sport gefasst werden, haben sich vermehrt.

[...] Auch die Funktionen, die der Sport für unsere Gesellschaft erfüllen soll, sind in einer kaum noch kontrollierbaren Weise angewachsen. Spitzensport, Breitensport, Schulsport, Betriebssport, Gesundheitssport, Sport als Arbeit, Sport in der Freizeit, Rehabilitation und Prävention, nationale Identifikation, Erziehung und Bildung — das Wortspiel, das uns das System des Sports eröffnet, scheint unermesslich zu sein.

Vieles spricht dafür, dass der Sport in seiner Komplexität noch weiter wachsen wird, dass er auch zukünftig an gesellschafts-politischer Bedeutung zunimmt, dass er noch intensiver auf die sozialen Problemlagen unserer Gesellschaft ausgerichtet wird und dass er gefordert wird seine Funktion offen zu legen, die er stellvertretend für das gesellschaftliche Gemeinwesen erbringen möchte“ (DOSB 2006, S. 34).

Digel schreibt außerdem, dass der heutige Stellenwert des Sports in der Öffentlichkeit niemand hätte vorausahnen können. „Wer hätte denn gedacht, dass der Sport ökonomisch eine größere Bedeutung hat als beispielsweise die gesamte pharmazeutische Industrie, dass er in unserem Brut­tosozialprodukt weit mehr erwirtschaftet als der Agrarsektor? Was sich ja auch in den Medien niederschlägt, wo der Sport in der Tagespresse mit seinem Seitenumfang an erster oder zweiter Stelle steht und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sechs bis acht Prozent des Gesamtprog­ramms ausmacht“ (Digel 2008, S.10). Blum brachte es so auf den Punkt: „Sport ist Teil der Ge­sellschaft. Sport und Gesellschaft sind voneinander nicht zu trennen, sie bedingen sich gegensei­tig. Sport ist gleichzeitig Teil und Produkt der Gesellschaft“ (Blum 1985, S. 113). Spätestens seit Juli 2006 ist eine weitere Diskussion wieder aktueller denn je: Nachdem die Welt dank einer ge­lungenen Fußball-Weltmeisterschaft ein positives Bild von Deutschland vernommen hat, wird über die Verankerung des Sports im Grundgesetz wieder verstärkt debattiert. Die Diskussionen, Kultur und Sport als Staatsziele aufzunehmen, laufen zwar schon seit 25 Jahren. Sie waren aber selten so intensiv. Wissenschaftlich bearbeitet worden ist dieses Feld nach Recherchen des Au­tors nicht. Dennoch soll an dieser Stelle die Diskussion aufgegriffen werden, um die Wichtigkeit des Sports in der Gesellschaft zu verdeutlichen.

Sportpolitiker und Staatsrechtler fordern dabei eine Ergänzung des Artikels 20 des Grundgeset­zes mit dem Artikel „Der Staat schützt und fördert die Kultur und den Sport“. „Bei der Integra­tion, der gesundheitlichen Prävention, der Bildung, im ehrenamtlichen Engagement und bei der Vermittlung von Werten wie Toleranz, Regeltreue und Respekt vor anderen festigt, der Sport die Grundlagen einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft. Deshalb ist die Aufnahme in das Grundgesetz ebenso logisch wie für die Zukunft des Sports notwendig“, lässt DOSB-Präsident Thomas Bach verlautbaren. Für die 7,5 Millionen Ehrenamtlichen und 27 Millionen Mitglieder des DOSB wäre die Aufnahme des Sports als Staatsziel im Grundgesetz ein konkreter Ausdruck der Anerkennung ihrer gesellschaftlichen Leistungen (vgl. Bach 2007). Laut Tagesspiegel argu­mentierten andere Experten, Kultur sei „Existenz und Lebensgrundlage der Gesellschaft, Sport ist Spiel und Unterhaltung“. Die Verfassung sei auch „kein Verdienstkreuz für verdiente Verbän­de“. Dagegen sagte Martin Nolte von der Universität Kiel, ein Staatsziel Kultur und Sport trage dem „europäischen Kulturverständnis“ Rechnung. Ulrich Karpen von der Universität Hamburg warnte vor zu hohen Erwartungen an eine Kulturklausel im Grundgesetz: „Die Realisierung er­folgt doch nur nach Kassenlage“ (vgl. Tagesspiegel 2007).

Mehrere Experten äußerten sich aber auch kritisch, warnen vor einer „Inflationierung von Staats­zielen“ und vor der Einengung der Gestaltungsfreiheit der Länder und Kommunen in den Berei­chen Kultur und Sport bei einer Festschreibung im Grundgesetz (vgl. Ebd.). Bundesinnenminis­ter Dr. Wolfgang Schäuble kommentierte die Bemühungen, den Sport als Staatsziel aufzuneh­men, ebenfalls kritisch: „Dass sich die Befürworter durch diese Verankerung einiges versprechen, kann ich nachvollziehen. Man darf davon nicht zu viel erwarten; es wird die konkreten Probleme nicht lösen.“9

Dieses Kapitel soll das Phänomen „Sport“ näher beschreiben, es zwischen aktivem Sporttreiben und passivem Sportkonsum teilen. Zudem soll an dieser Stelle auch das Vorhaben dargelegt wer­den, den Sport ins Grundgesetz aufzunehmen. Erst einmal aber wird der Sportbegriff diskutiert und definiert.

3.1 Definition des Sportbegriffs

„Sport“ wird abgeleitet vom Englischen und übersetzt mit „Zeitvertreib“ (ursprünglich) oder „Spiel“. Sport ist dabei die Kurzform von „disport“ („Vergnügen“) und stammt vom altfranzösi­schen „desport“ („sich vergnügen“). Sport wird beschrieben als „Sammelbezeichnung für die an spielerischer Selbstentfaltung sowie am Leistungsstreben ausgerichteten vielgestaltigen Formen körperlicher Betätigung, die sowohl der geistigen und körperlichen Beweglichkeit als auch dem allgemeinen Wohlbefinden dienen sollen“ (Brockhaus 2007, S. 433). Sport und Spiel gehören demnach von der Kindheit bis ins Alter zur Persönlichkeitsbildung und Gesunderhaltung. Ent­sprechende Aktivitäten des Erholungssports gelten heute als wichtiger Teil erfüllender Freizeitge­staltung und als unersetzliches rekreatives Lebenselement. Sport verkörpert darüber hinaus einen wesentlichen Bereich der individuellen wie der gesellschaftlichen Bildung. Er erfüllt Aufgaben des politischen Handelns (Sportpolitik), ist ein Wirtschaftsfaktor wie auch ein fester Bestandteil der Medienberichterstattung (Sportpublizistik), aber auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung in Sporthochschulen mit unterschiedlicher Ausprägung (Sportmedizin, Sportpsychologie, Sport­soziologie, Trainingslehre, Biomechanik). Sport ist damit sehr umfassend und nur schwierig ein­deutig zu definieren. Gerade der große Bedeutungsinhalt in der Umgangssprache erschwert eine treffende Definition. Die Folge ist, dass es zahlreiche Definitionen und Definitionsversuche gibt. Burk und Digel verstehen darunter einen vielschichtigen Bedeutungskontext „für die gesamte Bewegungs-, Spiel- und Körperkultur“ (Burk/Digel 2001, S. 16.). Es sei zu einer Ausweitung der Semantik des Sportbegriffs gekommen und man kann allenthalben beobachten, wie Orte mit dem Begriff „Sport“ besetzt und Tätigkeiten mit dem Begriff Sport näher gekennzeichnet werden.

Der DOSB (Ebd., o.A.) bemüht sich auf seiner Webseite zur Definition von Sport dem Sport­wissenschaftlichen Lexikon von Röthig/Prohl10 und schreibt: „Was im allgemeinen unter Sport verstanden wird, ist weniger eine Frage wissenschaftlicher Dimensionsanalysen, sondern wird weit mehr vom alltagstheoretischen Gebrauch sowie von den historisch gewachsenen und tra­dierten Einbindungen in soziale, ökonomische, politische und rechtliche Gegebenheiten be­stimmt. Darüber hinaus verändert, erweitert und differenziert das faktische Geschehen des Sport­treibens selbst das Begriffsverständnis von Sport.“

[...]


1 Vgl. URL: http://www.abendzeitung.de

2 Vgl. URL: http://www1.uni-hamburg.de/GfM/

3 Prof. Dr. Peter Winterhoff-Spurk, Inhaber der Professur für Medien- und Organisationspsychologie an der Univer­sität des Saarlands in Saarbrücken, im Rahmen seiner Vorlesung „Medienpsychologie“ am 06.11.2007.

4 Der Autor arbeitete von 1998 bis Ende 2007 für die Saarbrücker Zeitung, sowohl in der Zeitungsproduktion als auch als Schreiberling. Die Saarbrücker Zeitung gehört zur Holtzbrinck-Gruppe und zählt zu den größten Regional­zeitungen Deutschlands.

5 Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist am 20. Mai 2006 aus der Fusion des Deutschen Sportbundes (DSB) mit dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) für Deutschland hervorgegangen.

6 Brigitte Zypries hielt die damalige Rede im April 2002 in ihrer Funktion als Staatssekretärin des Bundesinnenminis­teriums, welches auch für Sport zuständig ist. Im Oktober 2002 wurde sie als Bundesministerin für Justiz in die Bun­desregierung berufen.

7 Jörg Hahn ist Leiter der Sportredaktionen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie der F.A.Z. Sonntagszeitung. Er referierte über Sport und Wirtschaft im Rahmen eines IHK-Wirtschaftsforums.

8 Helmut Digel, ein ausgewiesener Sportsoziologe, ist Direktor des Instituts für Sportwissenschaft an der Universität Tübingen und zugleich Vize-Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes.

9 Der Autor traf Dr. Wolfgang Schäuble, der als Bundesinnenminister auch für den Sport zuständig ist, im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit zu einem persönlichen Gespräch am 09.11.2007.

10 Röthig/Prohl (2003): Sportwissenschaftliches Lexikon, 6. Auflage. Schorndorf.

Ende der Leseprobe aus 118 Seiten

Details

Titel
Zum Selbstverständnis von Sportjournalisten
Untertitel
Außenseiter, Aufsteiger, Star?
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
118
Katalognummer
V119338
ISBN (eBook)
9783640232734
ISBN (Buch)
9783640232840
Dateigröße
2897 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstverständnis, Sportjournalisten
Arbeit zitieren
Thorsten Klein (Autor), 2008, Zum Selbstverständnis von Sportjournalisten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119338

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