Die Anforderungen an Sportmanager in Sportvereinen der heutigen Sportlandschaft werden immer komplexer und die wirtschaftliche Bedeutung immer größer (vgl. WEBER 1995; NICHELMANN 1999, 287; MEYER/AHLERT 2000). WEBER ermittelte im Jahr 1995, dass der Anteil des Sports am Bruttosozialprodukt bei 1,4 Prozent (15 Mrd. €) liegen und die sportbezogenen Ausgaben privater Haushalte 16 Mrd. € betragen würden. Damit liegt die wirtschaftliche Bedeutung des Sports nach WEBER in Bereichen der Landwirtschaft bzw. der Körperpflege- oder Tabakwarenindustrie. MEYER/AHLERT prognostizieren für das Jahr 2010 einen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion von Gütern und Dienstleistungen von 1,4 auf 2,5 Prozent. Dieser Trend wird mit der Fußballweltmeisterschaft im Jahre 2006 und mit weiteren Investitionen in Ostdeutschland in Verbindung gebracht. Jedoch wird er sich vermutlich nicht mit dieser Dynamik über das Jahr 2010 hinaus weiterentwickeln. Des weiteren hängt diese Entwicklung mit der Kommerzialisierung und Professionalisierung des Sports zusammen. Kommerzialisierung meint, dass etwas zu einer Ware, die auf Märkten mit dem Ziel Profit zu erwirtschaften, angeboten wird (vgl. HEINEMANN, 1995). Kommerzialisierung ist somit Voraussetzung der Professionalisierung, d.h. der Arbeitsteilung. Fast täglich sind diesem Thema Artikel der Tagespresse zu entnehmen. Eine zunehmende Professionalisierung breitensportlicher Vereine wird unter den Wissenschaftlern jedoch kontrovers diskutiert. Während einige Wissenschaftler eine weitere Professionalisierung positiv bewerten, betrachten sie Andere als eine Gefahr für die Vereine die Gemeinnützigkeit, und somit Steuerprivilegien, zu verlieren (vgl. HEINEMANN 1990; SCHAIBLE 1990). Dementsprechend müsse man einen solchen Verlust vermeiden und sich wieder auf traditionelle Mitarbeitsformen konzentrieren und den kommerziellen Sportanbietern die Verberuflichung überlassen (vgl. WAGNER 1988, 171 f.). Was sind jedoch Indikatoren für solch einen Prozess der Professionalisierung im Sportmanagement, in dem eine eigene Profession bislang lediglich in Ansätzen existiert?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Relevanz des Projektes
3. Zu den Bergriffen „Sportmanager“ und „Euro-Manager“
4. Forschungsstand
5. Methodischer Zugang
6. Das schwedische Sportmodell
7. Tätigkeitsforschung
8. Interkulturelle Notwendigkeit für Manager in Schweden
9. Vereinssituation in Deutschland
10. Angebote einer universitären Sportmanagementausbildung in Deutschland und in Schweden
11. Erstellung des Befragungsinstrumentes
12. Profildaten der befragten Personen und Organisationen
12.1 Positionsbezeichnungen
12.2 Beschäftigungsverhältnisse
12.3 Geschlecht und Alter
12.4 Anzahl der Vereinsmitglieder
12.5 Rolle des Hochleistungssports im Vergleich zum Breiten- und Freizeitsport
12.6 Anzahl der ehrenamtlichen bzw. hauptamtlichen Mitarbeiter
12.7 Bezahlte Führungskräfte
12.8 Beruf vor der bezahlten Vereinstätigkeit bzw. neben der ehrenamtlichen Tätigkeit
12.9 Bildungsabschluss
13. Tätigkeiten
13.1 Vergleich zum selbstverwaltendem Sport in Deutschland
13.2 Formalisierungsgrad
13.3 Vergleich zum selbstverwaltendem Sport in Deutschland
14. Qualifikationen
14.1 Vergleich zum selbstverwaltendem Sport in Deutschland
14.2 Weiterbildungsbedarf
14.3 Geforderte Qualifikationen für die Sportmanager der Zukunft
15. Rekrutierung
15.1 Vergleich zum selbstverwaltendem Sport in Deutschland
15.2 Sportbezug
15.3 Vergleich zum selbstverwaltendem Sport in Deutschland
16. Zum Professionalisierungsgrad des selbstverwaltendem Sport
16.1 Argumente, die für das Einstellen neuer Hauptamtlicher sprechen
16.2 Vergleich zum selbstverwaltendem Sport in Deutschland
16.3 Argumente, die gegen das Einstellen neuer Hauptamtlicher sprechen
16.4 Vergleich zum selbstverwaltendem Sport in Deutschland
17. Ziele, Organisationsformen und Rahmenbedingungen
17.1 Vergleich zum selbstverwaltendem Sport in Deutschland
18. Hauptamtliche und Führungsaufgaben
19. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Berufsfeld schwedischer Sportvereinsmanager durch eine quantitative Analyse, um Tätigkeiten, Qualifikationen und Rekrutierungswege zu erfassen. Durch einen Vergleich mit dem selbstverwaltenden Sport in Deutschland wird die Frage nach der Möglichkeit einer einheitlichen europäischen Sportmanagementausbildung ("Euro-Manager") erörtert.
- Strukturanalyse des schwedischen Sportmodells
- Vergleich der Aufgabenfelder und Qualifikationsprofile
- Professionalisierungsgrad schwedischer Sportvereine
- Harmonisierung der universitären Ausbildung in Europa
- Rekrutierungsmechanismen im Sportmanagement
Auszug aus dem Buch
8 Interkulturelle Notwendigkeit für Manager in Schweden
Für die Befähigung länderübergreifend als „Euro-Manager“ arbeiten zu können ist es von besonderer Bedeutung nicht nur die spezifischen Qualifikationsanforderungen des Berufsfeldes, sondern auch die interkulturellen Rahmenbedingungen und Entwicklungen des jeweiligen Landes zu kennen. Im folgenden Absatz soll der Frage nachgegangen werden, welche Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede zwischen Deutschland und Schweden hinsichtlich der Rahmenbedingungen bestehen. Vorab sei darauf hingewiesen, dass die Gemeinsamkeiten beider Länder deutlich überwiegen:
Offenkundig herrschen klimatische Unterschiede. Während in Deutschland ein gemäßigtes Klima vorherrscht, bestimmen Eis und Schnee von Oktober bis April das Landschaftsbild Schwedens. Eine Konsequenz daraus ist beispielsweise, dass die Fußballsaison nur in den Frühlings- und Sommermonaten (April bis September) und nicht wie in Deutschland, abgesehen von einer kurzen Winterpause, ganzjährig ausgetragen werden kann.
Ein zweiter wichtiger Unterschied liegt in der Bevölkerungsdichte. Während Deutschland stark besiedelt ist, verteilen sich 8,9 Millionen Schweden auf eine Landesfläche von 450.000 km². Davon leben 85% im südlichen Teil des Landes. Daraus resultiert ein starkes demographisches Ungleichgewicht innerhalb Schwedens und könnte auch die große Anzahl an kleinen Vereinen begründen. Nur etwa 500 der 22.000 Sportvereine haben mehr als 1.000 Mitglieder. Ferner verfügt der schwedische Sport über eine breite Basis.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der wachsenden Komplexität und wirtschaftlichen Bedeutung des Sportmanagements sowie der Relevanz einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Berufsfeld.
2. Relevanz des Projektes: Erörterung der Notwendigkeit einer transparenten und vergleichbaren Sportmanagementausbildung vor dem Hintergrund europäischer Harmonisierungsbestrebungen.
3. Zu den Bergriffen „Sportmanager“ und „Euro-Manager“: Definition der in der Studie verwendeten Begrifflichkeiten zur Abgrenzung des Forschungsgegenstandes.
4. Forschungsstand: Überblick über bisherige Studien zur Berufsfeldforschung im Sportmanagement mit Fokus auf Deutschland und internationalen Bezügen.
5. Methodischer Zugang: Erläuterung des Forschungsdesigns, der Datenerhebung mittels Online-Fragebogen und der Zielgruppenwahl schwedischer Sportvereine.
6. Das schwedische Sportmodell: Beschreibung der Organisationsstruktur, der demokratischen Prinzipien und der Finanzierung des schwedischen Sportsystems.
7. Tätigkeitsforschung: Analyse der Aufgabenfelder schwedischer Sportmanager im Vergleich zu den klassischen Managementfunktionen und MINTZBERG-Rollen.
8. Interkulturelle Notwendigkeit für Manager in Schweden: Untersuchung der länderspezifischen Rahmenbedingungen, die für ein länderübergreifendes Managementverständnis essenziell sind.
9. Vereinssituation in Deutschland: Darstellung der widersprüchlichen Rahmenbedingungen und der Professionalisierungstendenzen im deutschen Sportverein.
10. Angebote einer universitären Sportmanagementausbildung in Deutschland und in Schweden: Vergleichende Analyse der Curricula zur Identifikation inhaltlicher Schwerpunkte und Unterschiede.
Schlüsselwörter
Sportmanagement, Schweden, Deutschland, Sportvereine, Berufsfeldforschung, Professionalisierung, Qualifikation, Tätigkeitsanalyse, Sportökonomie, Bologna-Erklärung, Vereinsmanagement, Ausbildung, Sportmodell, Managementrollen, Interkulturalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Berufsfeld von Sportmanagern in schwedischen Vereinen, deren Aufgaben, Qualifikationen und Rekrutierungswege.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Professionalisierung des Vereinsmanagements, die Anforderungen an Sportmanager sowie der Vergleich zwischen der schwedischen und deutschen Sportsituation.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ermitteln, ob die Voraussetzungen für eine gemeinsame universitäre Ausbildung zum "Euro-Manager" gegeben sind, der in beiden Ländern agieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quantitative empirische Untersuchung mittels eines Online-Fragebogens bei schwedischen Sportvereinen durchgeführt, ergänzt durch eine Literaturanalyse und Curricula-Vergleiche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Darstellung der empirischen Ergebnisse zu den Profildaten der Manager, deren Tätigkeiten, geforderten Qualifikationen sowie eine vergleichende Betrachtung mit deutschen Sportorganisationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Sportmanagement, Berufsfeldforschung, Professionalisierung, Sportökonomie und europäische Harmonisierung.
Was unterscheidet das schwedische Sportmodell von der deutschen Situation?
Schweden zeichnet sich durch eine sehr hohe Anzahl kleinerer Vereine und eine starke Basisorientierung aus, während der Leistungssport oft in getrennten Sparten organisiert ist.
Warum wird das Thema der "Doppelqualifikation" hervorgehoben?
Die Analyse zeigt, dass Sportmanager sowohl betriebswirtschaftliches Wissen als auch spezifische Kenntnisse der Sportorganisation und -wissenschaft benötigen, um den Anforderungen gerecht zu werden.
Welche Rolle spielt das Ehrenamt in Schweden laut der Studie?
Das Ehrenamt bleibt das Rückgrat des schwedischen Sports, wobei jedoch aufgrund steigender Professionalisierungsbedarfe die Einbindung hauptamtlicher Kräfte zunehmend diskutiert wird.
Gibt es eine Empfehlung für die Ausbildung zukünftiger Manager?
Die Studie empfiehlt eine Kombination aus allgemeiner wirtschaftswissenschaftlicher Ausbildung und spezifischen sportmanagementorientierten Inhalten, idealerweise unter Berücksichtigung europäischer Standards.
- Quote paper
- Diplom Sportwissenschaftler Michael Hambloch (Author), 2005, Sportmanager in schwedischen Vereinen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119353