Gerechtigkeit ist ein beständiger Begriff in unserem täglichen Leben und jedes Kind weiß was es bedeutet – oder etwa doch nicht? Bereits im Kindergarten haben meine Beobachtungen gezeigt, dass Kinder im Spiel die Wörter "ungerecht" oder "unfair" verwenden. Selbst politische Bewegungen entstehen, weil sich eine Gruppe von Menschen "ungerecht"
behandelt fühlt. Denken wir dabei an aktuelle Bewegungen wie "LGBTQIA+" oder "Black Lives Mattars". Auch in Parteiprogrammen ist Gerechtigkeit ein großes Thema. Der Begriff ist historisch vermutlich tiefer verankert und beeinflusst unseren Alltag möglicherweise stärker als angenommen. Auch wird ein Politiker das Wort Gerechtigkeit anders definieren als eine Jugendliche, die Hausarrest von ihren Eltern bekommt.
Daher stellen sich mir die Fragen: Was genau ist Gerechtigkeit und wie wurde dieser Begriff im Laufe der Zeit definiert? Diese Fragen sind Gegenstand dieser Hausarbeit und sollen im Folgenden bearbeitet werden.
Im Kapitel 2 wird zunächst erläutert, wie im Duden dieser Begriff dargestellt wird und anschließend in Kapitel 3 die
Frage bearbeitet, wie lange ein Bewusstsein für Gerechtigkeit bereits existiert mit Bezug auf die Bibel. In Kapitel 4 wird auf die Definitionen und Theorien von Gerechtigkeit eingegangen, die bekannte Philosophen im Laufe der Zeit entwickelt haben und dabei wird auch auf die Menschenbilder eingegangen. Dabei sind auch die Ähnlichkeiten und Unterschiede relevant, sowie unterschiedliche Blickwinkel. In Kapitel 5 wird darauf eingegangen, wie Gerechtigkeit heute dargelegt wird, sodass in Kapitel 6 abschließend benannt werden kann, wie sich Gerechtigkeit definieren lässt respektive begriffen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition Gerechtigkeit nach dem Duden
3 Auf der Suche nach dem Ursprung von Gerechtigkeit
4 Gerechtigkeitsverständnis im Wandel der Zeit
4.1 Platon in Bezug auf Gerechtigkeit und sein Menschenbild
4.2 Aristoteles Gerechtigkeitsverständnis und sein Menschenbild
4.3 John Rawls Verständnis von Gerechtigkeit und sein Menschenbild
4.4 M. C. Nussbaum Gerechtigkeitsverständnis und ihr Menschenbild
5. Gerechtigkeit heute
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Gerechtigkeit in seiner historischen Entwicklung, von biblischen Ursprüngen und antiken philosophischen Theorien bis hin zur aktuellen Debatte in der heutigen Gesellschaft. Das primäre Ziel ist es, ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie Gerechtigkeit definiert wird, welche Menschenbilder diesen Definitionen zugrunde liegen und warum bis heute kein allgemeinkonsensualer Begriff existiert.
- Historische Herleitung des Gerechtigkeitsbegriffs
- Gegenüberstellung der Gerechtigkeitstheorien von Platon, Aristoteles, John Rawls und M. C. Nussbaum
- Analyse des Zusammenhangs von Gerechtigkeit und Menschenbild
- Untersuchung aktueller Herausforderungen wie soziale Gerechtigkeit, Chancen-, Leistungs- und Generationsgerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
4.2 Aristoteles Gerechtigkeitsverständnis und sein Menschenbild
Aristoteles ist geboren 384 v. Chr. In Stageira geboren und darf nicht fehlen, wenn es um Gerechtigkeitsfragen geht. Er „hat als erster eine systematische Analyse des Gerechtigkeitsbegriffs unternommen und erstmals das >>ganze<< Begriffsfeld der Gerechtigkeit erschlossen und versucht, die unterschiedlichen Begriffe, Konzepte und Ideen miteinander in Beziehung zu setzen.“ Zudem sind seine Überlegungen für die Moderne immernoch von höchster Bedeutung (Gordon, 2007, S. 15). Im Folgenden wird auf die Hauptwerke „die Nikomachischen Ethik“ von Aristoteles eingegangen, insbesondere auf das III. und V. Buch der Nikomachischen Ethik, da er sich darin mit der Tugend der Gerechtigkeit befasst und Aspekte diskutiert, wie die Rechtmäßigkeit des freiwilligen Tausches oder die Verteilung öffentlicher Güter wie Ämter, Ansehen oder Macht (Haerle, 2018).
Die Definition von Gerechtigkeit nach Aristoteles lautet in seinem Werk der Nikomachischen Ethik folgendermaßen: „Näherin ist die Gerechtigkeit jede Tugend, Kraft deren der Gerechte nach freier Wahl gerecht handelt und bei der Austeilung, handele es sich um sein eigenes Verhältnis zu einem anderen oder um das Verhältnis weiterer Personen zueinander, nicht so verfährt, dass er von dem Begehrenswerten sich selbst mehr und den anderen weniger zukommen läßt und es beim Schädlichen umgekehrt macht, sondern so, dass er die proportionale Gleichheit wahrt, un dann in gleicher Weise nach einem anderen mit Rücksicht auf eine Dritten zuerteilt“ (Rolfes, 1995, S. 2-8)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Allgegenwärtigkeit des Begriffs Gerechtigkeit ein und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie das Ziel der Untersuchung.
2 Definition Gerechtigkeit nach dem Duden: Dieses Kapitel liefert eine sprachliche Einordnung des Begriffs anhand der Duden-Definition und verdeutlicht verschiedene Anwendungsbereiche.
3 Auf der Suche nach dem Ursprung von Gerechtigkeit: Der Fokus liegt hier auf der historischen Perspektive, beginnend bei den Sophisten bis hin zum biblischen Verständnis von Gerechtigkeit.
4 Gerechtigkeitsverständnis im Wandel der Zeit: Dieses Kapitel analysiert systematisch die Gerechtigkeitstheorien von Platon, Aristoteles, John Rawls und M. C. Nussbaum sowie deren spezifische Menschenbilder.
5. Gerechtigkeit heute: Hier wird die Relevanz der Gerechtigkeit in der modernen Gesellschaft und Politik beleuchtet, unter Einbeziehung des Grundgesetzes und aktueller Herausforderungen wie sozialer Gerechtigkeit.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die gewonnenen Erkenntnisse und konstatiert die fortwährende Herausforderung, eine abschließende Antwort auf die Gerechtigkeitsfrage zu finden.
Schlüsselwörter
Gerechtigkeit, Platon, Aristoteles, John Rawls, M. C. Nussbaum, Menschenbild, soziale Gerechtigkeit, Ethik, Philosophie, Gleichheit, Verteilungsgerechtigkeit, Tugend, Fähigkeitsansatz, Chancengleichheit, gesellschaftliche Ordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen Begriff der Gerechtigkeit, indem sie historische, religiöse und philosophische Perspektiven mit der heutigen gesellschaftlichen Realität verknüpft.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die antike griechische Philosophie, biblische Grundlagen, moderne Gerechtigkeitstheorien sowie aktuelle Dimensionen sozialer Ungerechtigkeit in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Denker Gerechtigkeit definierten und wie diese Definitionen das menschliche Zusammenleben bis heute prägen, auch wenn keine allgemeingültige Lösung existiert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die existierende Gerechtigkeitstheorien analysiert, vergleicht und mit aktuellen gesellschaftspolitischen Diskursen in Bezug setzt.
Welche Inhalte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Suche nach dem Ursprung der Gerechtigkeit und eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Theorien von Platon, Aristoteles, Rawls und Nussbaum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben der Gerechtigkeit an sich die Konzepte der antiken Philosophen, soziale Gerechtigkeit, sowie das Spannungsfeld zwischen Freiheit und individueller Verantwortung.
Wie unterscheidet sich Platons Gerechtigkeitsverständnis von dem von Aristoteles?
Während Platon Gerechtigkeit als Ausdruck einer harmonischen Ordnung innerhalb eines idealen Staates und der menschlichen Seele versteht, nähert sich Aristoteles dem Begriff systematischer und unterscheidet präzise zwischen allgemeiner und partikularer Gerechtigkeit.
Welche Kritik übt Martha C. Nussbaum an John Rawls?
Nussbaum kritisiert, dass Rawls' Konzept der "Gerechtigkeit als Fairness" zu abstrakt und formalistisch sei und verweist stattdessen auf ihren Befähigungsansatz, der stärker auf die tatsächliche Lebensrealität und menschliche Grundbedürfnisse fokussiert.
Wie wird das Thema Gerechtigkeit heute in Deutschland reflektiert?
Die Arbeit beleuchtet dies anhand der vier Dimensionen sozialer Gerechtigkeit: Chancen-, Leistungs-, Bedarfs- und Generationengerechtigkeit, insbesondere unter dem Aspekt aktueller gesellschaftlicher Diskurse.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Gerechtigkeitsfrage?
Die Autorin schließt sich der Haltung an, dass die Frage nach der vollkommenen Gerechtigkeit wohl nie endgültig beantwortet werden kann, plädiert aber für ein stetiges weltweites Bemühen um ein gerechteres Miteinander.
- Arbeit zitieren
- Aylin Kara Fernandez (Autor:in), 2020, Die Frage nach der Gerechtigkeit mit Blickwinkel auf die Bibel und antiken Philosophen in Gegenüberstellung zur heutigen Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1193838