Ein Einblick in das Welt- und Gottesbild des Manichäismus


Seminararbeit, 2006
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

Der Manichäismus – die bessere Religion?

I Das Leben und Wirken Manis
a) Aus Sicht seiner christlichen Gegner
b) Nach den arabischen Schriften

II Die Verbreitung des Manichäismus

III Ein Einblick in das Gottesbild des Manichäismus
a) Die Gnosis
b) Der manichäische Dualismus
c) Die manichäische Schöpfungsgeschichte

IV Die Theodizeefrage im Manichäismus

V Die Lebensweise der Manichäer

Der Manichäismus – christlich oder nicht?

Literaturliste

Der Manichäismus – die bessere Religion?

Mit dem Beginn seiner Lehrtätigkeit Mitte des dritten Jahrhunderts konnte Mani eine große Anzahl an Menschen für seine Religion gewinnen. Doch was war so besonders an dieser Glaubensrichtung, dass sich sogar Augustinus zeitweise zu ihr hingezogen fühlte? Es mag zum einen daran gelegen haben, dass der Manichäismus eine sehr wandelbare Religion war. Er konnte sich hervorragend an die örtlichen Gegebenheiten und Bedürfnisse der Menschen anpassen. Beispielsweise wurde im Westen des Römischen Reichs die Person des Dritten Gesandten nach und nach mit der Person Jesu vereinigt, während im Fernen Osten Jesus als „Sonne-Mond-Gott“ bezeichnet wurde.1 Wichtiger ist jedoch, dass diese Religion eine Antwort auf die damals wie heute aktuelle Frage nach dem Leid in der Welt lieferte. Die Theodizeeproblematik, auf die das Christentum noch heute zufriedenstellende Antworten sucht, findet im Manichäismus eine Lösung, die damals für viele Menschen überzeugender als die des Christentums war. Um diesen Lösungsversuch verstehen zu können muss man aber erst einen genaueren Blick auf das Welt- und Gottesbild des Manichäismus werfen. In dieser Arbeit deswegen mit einem Überblick über das Wirken des Religionsgründers, sowie deren Ausbreitung begonnen. Anschließend wird das Gottesbild beschrieben, wobei aber ein Schwerpunkt auf den manichäischen Dualismus und die Schöpfungsgeschichte gelegt wird. Nach einem Antwortversuch auf die Theodizeefrage wird das tägliche Leben eines Anhängers Manis beschrieben.

I Das Leben und Wirken Manis

a) Aus Sicht der christlichen Gegner

Zur Darstellung von Manis Leben können zwei verschiedene Arten von Quellen herangezogen werden. Zum einen sind dies Schriften seiner christlichen Gegner, durch die Mani als Betrüger und Vermittler fremder Lehren entlarvt werden sollte. Dafür wurden seine historischen Daten weitestgehend umgeschrieben.

Als wahrer Urheber des Manichäismus galt bei seinen Gegnern ein Gelehrter namens Skythianos, der eine Lehre verkündete, die er sich durch das Studium der Werke des Pythagoras angeeignet hatte.2 Bei einer Reise nach Ägypten, die er unternahm um die dortigen Mysterien kennenzulernen, machte er Bekanntschaft mit Terebinthos, der dann auch sein Jünger wurde. Therebinthos fasste noch in Ägypten die Gedanken seines Lehrers in vier Büchern mit den Titeln Geheimnisse, Evangelien, Kapitel und Schätze zusammen. Anschließend zogen sie weiter nach Jerusalem, wo sie erfolglos versuchten die dortigen Rabbiner von ihrer Lehre zu überzeugen. Nach Skythianos’ Tod in Palästina soll sein Schüler weiter nach Babylon gezogen sein. Aber auch dort konnte er seine Lehre nicht zur Geltung bringen und versuchte deshalb seine Gegner mit Magie zu besiegen. Dabei erzürnte er aber die Götter, die ihn dann zu Tode stürzten. Nach seinem Tod gab die Witwe, bei der er gelebt hatte, seine Schriften ihrem Sklaven Corbicius, der diese studierte und durch eigene Ausschmückungen ergänzte. Corbicius gab die Werke dann als seine eigenen aus und nannte sich von nun an Mani.

Diese Quellen sind vermutlich eine vollständige Erfindung mit dem einzigen Zweck, der Glaubwürdigkeit des Manichäismus zu schaden. Denn durch sie wird die Person Manis zu einem Sklaven herabgesetzt, der noch dazu ein „Dieb“ fremder Ideen ist.

b) Nach den arabischen Schriften

Bedeutend glaubwürdiger als die beinahe märchenhaften christlichen Quellen erscheinen die Schriften aus dem arabischen Raum, die sich mit Mani befassen. Aus ihnen geht hervor, dass Mani im Jahr 216 im babylonischen Marindu geboren wurde.3 Seine Eltern waren wohl beide iranischer Abstammung und möglicherweise auch mit dem parthischen Königshaus der Arsaciden verwandt.4 Bei einem Tempelbesuch hörte Patak, sein Vater, eine geheimnisvolle Stimme: „O Patak, iss kein Fleisch, trink keinen Wein und halt dich von den Weibern fern.“5 Daraufhin schloss sich der Vater einer elkesaistischen Gemeinde an, da diese der von der Stimme geforderten Lebensweise am besten entsprach.6 Schon in frühester Kindheit soll Mani den Schriften nach mit göttlichen Wesen verkehrt sein. Eine Vision seiner Mutter beschreibt dies so: „In der Zeit des zartesten Kindesalters ihres Sohnes soll sie die Vision gehabt haben, Reimann spricht davon, dass Patak sich einer Sekte mit baptistischer Richtung angeschlossen hatte, die dann später für den Keim der Mandäer gehalten wird. Vgl. hierzu Reimann, Manichäismus, 1980, 99. Aufgrund des späteren Erscheinens und der damit verbundenen längeren Forschungszeit halte ich jedoch Böhlings Deutung für wahrscheinlicher. als ob jemand ihren Sohn hoch in die Luft hinauf getragen hätte und dort eine gewisse Zeit geblieben sei.“7

Mit 13 Jahren begegnete Mani schließlich dem Engel El Tawan, der zu ihm sprach: „Verlasse deine Glaubensgemeinde! Du gehörst nicht zu ihren Bekennern. Deine Aufgabe ist Sittenreinheit und Unterdrückung der Lüste. Es ist aber [...] für dich noch nicht an der Zeit, dass du auftrittst.“8 Erst mit 25 Jahren erschien der Engel Mani erneut und forderte ihn nun auf öffentlich zu handeln.9 Mani sah sich dabei selbst als Boten des Lichtgottes, als Nachfolger der biblischen Patriarchen Noah, Seth, Enoch, Sem, sowie Buddha und Zarathustra. Er betrachtet sich zudem als Fortsetzer des Wirkens des Apostel Paulus. Im Jahre 240 erhielt Mani, kurz vor der Thronbesteigung Schahpurs I eine zweite Aufforderung durch El Tawan. So trat er zwei Jahre später, nach der Rückkehr von einem Indienaufenthalt, zum ersten Mal bei der Krönung des neuen Königs öffentlich auf. Anfangs gehörte Mani noch zum Gefolge Schahpurs und konnte seine Lehre ungehindert im persischen Reich verbreiten. Aber schon damals stieß er auf Widerstand. Obwohl ihm der König Empfehlungsschreiben mit auf den Weg gegeben hatte, wurde ihm oft nicht erlaubt offen zu sprechen. „Nach Manis Worten gab es sowohl in Indien als auch in Persien viele Gewalthaber, die das Land ertrug; aber den Apostel des Lichts ertrugen die Länder nicht, denn‚die Welt liebt die Finsternis und hasset das Licht, weil ihre Werke böse sind’.“10

Zu einem Zerwürfnis mit Schahpur kam es, weil dieser die Religionen in seinem Reich zu einer Staatsreligion zusammenfassen wollte. Zuerst hatte er auf Mani vertraut, diese Aufgabe zu erfüllen, bis er die unterschiedlichen Vorstellungen von ihm und dem Religionsgründer realisierte. Schahpur wollte ein, auf die madzdaistische Religion abgestimmtes, auf Unterordnung unfreier Untergebener beruhendes System, während Mani mehr auf das Christentum und die Menschheit als Bruderschaft ausgerichtet war. Mani war ein Synkretist, der alles Gute aus allen Lehren vereinigen zu können glaubte.11 Dabei geriet er jedoch in Konflikt mit der damaligen Ordnung. Nach dem Zerwürfnis verbrachte er, syrischen Autoren zufolge, den größten Teil seines Lebens in Indien, Kaschmir, Turkestan, Tibet und China. Währenddessen zog er sich einmal für ein Jahr in eine Höhle zurück und verfasste ein illustriertes Buch, die Kephalaia. Weitere Werke waren die Schahpurakan, eine Darstellung seiner Lehre auf Persisch, das Lebendige Evangelium, der Schatz des Lebens, das Buch der Mysterien, die Schrift von den Giganten und das Corpus der Briefe.12

Im Jahre 276 kehrte Mani nach Babylon zurück. Der Nachfolger des inzwischen verstorbenen Schahpur I, Bahram I, verurteilte ihn daraufhin und ließ ihn festnehmen. Im Gefängnis starb Mani, nach Überzeugung Klimas, nach 26 Tagen Haft am 23. März 276. Nach seinem Tod begannen in Persien die ersten Verfolgungen der Manichäer, in deren Verlauf 12000 Menschen hingerichtet worden sein sollen.

II Die Verbreitung des Manichäismus

Die Geschichte des Manichäismus war seit dem Tod des Begründers von Verfolgung und Vernichtung der Lehre gekennzeichnet. Doch konnte dies die Ausbreitung der Religion zunächst nicht verhindern. Mani selbst war dabei schon ein erfolgreicher Missionar. Bei einer Indienreise überzeugte er sogar einige Herrscher von seiner Lehre, während seine Sendboten erfolgreich bis nach Ägypten vordrangen.13 So entstand im Nordosten des Sassanidenreiches eine geschlossene Fläche an manichäischen Gemeinden, wobei sich hauptsächlich die führenden sozialen Schichten zu dem neuen Glauben hingezogen fühlten. Dieses erste Zentrum diente zugleich auch als Ausgangspunkt für die weitere Mission in Zentral- und Ostasien. Denn mit dem Einsetzen der Verfolgungen durch die Sassaniden nach dem Tod ihres Gründers verlagerte sich der Schwerpunkt der Gemeinde nach Babylonien einerseits und weiter nach Osten, in sogdisches Gebiet andererseits. Nachdem das Reich Mitte des siebten Jahrhunderts von den Arabern erobert wurde, bedeutete dies ein zeitweiliges Nachlassen der Verfolgungen, um dann aber unter den Abbasiden um so heftiger wieder aufgenommen zu werden. Dennoch konnte sich die „Kirche des Licht“ bis ins zehnte Jahrhundert in Bagdad halten.

Im Jahr 692 erreichte die Mission China, wo die Religion 694 durch das Auftreten eines Geistlichen am kaiserlichen Hof offiziell bekannt gemacht wurde.14 Den Höhepunkt erreichte sie aber durch die Bekehrung des türkisch-uigurischen Steppenherrschers Bögü Kahn, der den Manichäismus in seinem Reich zur Staatsreligion ernannte. Durch den Schutz des Uigurenreichs konnten die Gläubigen in China, wie auch in den islamischen Ländern, mit Schonung und Toleranz rechnen, da niemand es sich mit den Uiguren verscherzen wollte. Diese Ruheperiode währte aber nur kurz. Im Jahre 840 zerstörten die Kirgisen das Reich. Ein Teil der manichäischen Uiguren floh daraufhin nach Tansu, wo sich der Glaube noch bis ins elfte Jahrhundert halten konnte, aber nur noch eine untergeordnete Rolle spielte. „Es ist anzunehmen, dass eine manichäische Gemeinde [...] auch an anderen Orten der Seidenstraße nach dem Zusammenbruch des Steppenreichs weiterbestand.“15

[...]


1 Vgl. Böhling, Der Manichäismus, 1994, 279.

2 Vgl. für diesen Abschnitt Reimann, Manichäismus, 1980, 97f.

3 Vgl. Reimann, Manichäismus, 1980, 98.

4 Vgl. Polotsky, Manichäismus, 1977, 104.

5 Reimann, Manichäismus, 1980, 99.

6 Vgl. Böhling, Der Manichäismus, 1994, 267.

7 Reimann, Manichäismus, 1980, 99.

8 Reimann, Manichäismus, 1980, 99.

9 Vgl. für den Rest des Abschnittes, sofern nicht anders vermerkt, Reimann, Manichäismus, 1980, 100-105.

10 Reimann, Manichäismus, 1980, 105.

11 Vgl. Böhling, Der Manichäismus, 1994, 269.

12 Vgl. Polotsky, Manichäismus, 1977, 106.

13 Vgl. für diesen Absatz, Klimkeit, Hymnen, 1989, 19ff.

14 Vgl. für diesen Absatz, Klimkeit, Hymnen, 1989, 25ff.

15 Klimkeit, Hymnen, 1989, 31.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ein Einblick in das Welt- und Gottesbild des Manichäismus
Hochschule
Universität Regensburg  (Katholisch-theologische Fakultät, Lehrstuhl für Fundamentaltheologie)
Veranstaltung
Fels des Atheismus oder Frömmigkeit der Theologie? Die Theodizeefrage
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V119387
ISBN (eBook)
9783640234110
ISBN (Buch)
9783640234424
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einblick, Welt-, Gottesbild, Manichäismus, Fels, Atheismus, Frömmigkeit, Theologie, Theodizeefrage
Arbeit zitieren
Wolfgang Gaßner (Autor), 2006, Ein Einblick in das Welt- und Gottesbild des Manichäismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119387

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