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Gender variance im sibirischen Schamanismus

"Sie oder Er?"

Titre: Gender variance im sibirischen Schamanismus

Exposé (Elaboration) , 2020 , 18 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Lukas Palutzki (Auteur)

Histoire - Asie
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Résumé Extrait Résumé des informations

Während sich in einem binären Gender-Rollen-System vorwiegend auf das biologische Geschlecht als Unterscheidungsmerkmal gestützt wird, stand bei den indigenen Völkern Nordamerikas und Sibiriens das gesellschaftliche Geschlecht im Vordergrund. In diesen Systemen multipler Geschlechter, die drei oder vier Gender aufwiesen, wurde das soziale Geschlecht definiert über die Rolle beziehungsweise das Aufgabenfeld, welches eine Person einnahm. Eine Konstruktion von mehr als nur zwei sozialen Geschlechtern und die Möglichkeit des Geschlechterrollenwechsels wird in der ethnologischen Literatur als gender variance bezeichnet.

Aus diesem Grund lohnt es sich, sich in Anbetracht der Einordnung der eigenen Identität innerhalb einer „Welt“ mit einem rein binären Gender-Rollen-System mit einer davon ab-weichenden Sichtweise zu beschäftigen. In der Arbeit wird das Beispiel der sibirischen Völker im Nordosten Asiens, das Phänomen des „Weibmanns“ bei Čukčen, Itel’menen und Korjaken und der Diskurs europäischer Gelehrter hierüber am Ende des 18. Jahrhunderts sowie zu Beginn des 20. Jahrhunderts diskutiert werden.

Die Ethnologie forderte gerade zu Beginn des 20. Jahrhunderts von ihren Wissenschaftlern, sich ganz auf die fremde Kultur einzulassen. Die Frage ist jedoch, ob europäische Wissenschaftler, Reisende oder Abenteurer dazu überhaupt in der Lage waren, sich angesichts eines drei- oder gar viergliedrigen Gender-Systems aus ihren eigenen Denkmustern zu lösen. Falls ihnen dies gelang: Wie weit war ihnen dies möglich? Aus welchem Grund war es einigen nur teilweise möglich? Oder konnten sich manche ansonsten unvoreingenommene Forscher gar nicht auf solche sozialen Phänomene einlassen? Ist ein Unterschied zu früheren Expeditionen in der europäischen Rezeption erkennbar? Lässt sich das Erlebte und Wahrgenommene der europäischen Akteure mit dem Konstrukt der gender variance beschreiben?

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungstradition Berdache und Two-Spirit

3 Steller und Merck über den Schamanismus bei Itel’menen und Čukčen

4 Iochel’son und Bogoraz über den Schamanismus bei Korjaken und Čukčen

5 Die europäischen Rezeptionen von den bei Merck, Steller, Iochel'son und Bogoraz geschilderten Phänomenen

6 Schlussbetrachtungen

7 Quellenverzeichnis

8 Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Geschlechterrollenwechsels im sibirischen Schamanismus und hinterfragt, inwiefern europäische Forscher des 18. und beginnenden 20. Jahrhunderts in der Lage waren, dieses soziale Phänomen vorurteilsfrei und losgelöst von ihrer eigenen binären Geschlechterordnung zu erfassen.

  • Differenzierung zwischen biologischem Geschlecht (sex) und sozialem Geschlecht (gender).
  • Analyse historischer Berichte von Steller, Merck, Iochel'son und Bogoraz.
  • Kritische Auseinandersetzung mit den Begriffen Berdache, Two-Spirit und gender variance.
  • Bewertung des Einflusses des Kulturrelativismus auf ethnographische Feldforschungen.
  • Untersuchung der Komplementarität indigener Gesellschaftssysteme in Sibirien.

Auszug aus dem Buch

3 Steller und Merck über den Schamanismus bei Itel’menen und Čukčen

Als Teilnehmer der Zweiten Kamčatka-Expedition (1733–1743) betrieb Georg Wilhelm Steller direkte Feldforschung unter der indigenen Bevölkerung der Kamčatka-Halbinsel, den Itel’menen, mit denen er sich explizit und unmittelbar befasste. Seine Ergebnisse präsentierte er in einer empirischen Fallstudie über dieses Volk, welche Teil seiner posthum veröffentlichten Monographie „Beschreibung von dem Lande Kamtschatka“ (1774) wurde.

Aus Stellers Beschreibung der itel’menischen Heiratswerbung lässt sich schließen, dass es sich bei ihrer Gesellschaft vor der russischen Eroberung um eine matriarchalische Gesellschaft handelte. Während er dem praktischen Wissen dieser Völker im Hinblick auf die gelungene Anpassung an die dort besonders schwierigen Lebensverhältnisse Anerkennung zollt, beschreibt er die religiösen Rituale und darin zum Ausdruck kommenden Glaubensvorstellungen abschätzig als „Gaukelpossen“, ihre „Hexerei“ charakterisiert er als „species divinationis simplicissimas“. Er rechnet dem Schamanismus keine große Bedeutung zu: „[E]in jeder so nur will, schamannet“.

Zu biologisch gleichgeschlechtlichen Beziehungen unter Knaben führt er folgendes aus: Zwar sei dies eine ungewöhnliche Sache, aber niemand, insbesondere nicht die Eltern, habe sie davon abgehalten. Als Konsequenz mussten jene Knaben, die „per anam einander schändeten […] sich in Frauenkleider einkleiden, unter den Weibern leben, ihre Verrichtung auf sich nehmen, und sich in allem als Weiber stellen“. Nach ihm wurde dieses Vorgehen bei den Itel’menen allgemein toleriert. Steller beschreibt auch, dass das hohe Maß an sexueller Promiskuität nicht nur homosexuelle, sondern auch heterosexuelle Sexualkontakte umfasste.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Problematik des Geschlechterrollenwechsels (gender variance) und Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Wahrnehmung durch europäische Beobachter.

2 Forschungstradition Berdache und Two-Spirit: Historischer Überblick über die Begriffsgenese und die Versuche, indigene Geschlechterkonstruktionen in westliche Kategorien einzuordnen.

3 Steller und Merck über den Schamanismus bei Itel’menen und Čukčen: Darstellung der Feldforschung des 18. Jahrhunderts, geprägt durch eine eurozentristische und teilweise abwertende Perspektive der Beobachter.

4 Iochel’son und Bogoraz über den Schamanismus bei Korjaken und Čukčen: Analyse der Expeditionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss kulturrelativistischer Ansätze von Franz Boas.

5 Die europäischen Rezeptionen von den bei Merck, Steller, Iochel'son und Bogoraz geschilderten Phänomenen: Kritische Reflexion darüber, wie die Forscher durch ihre eigene kulturelle Prägung die beobachteten Phänomene interpretierten.

6 Schlussbetrachtungen: Fazit über die Eignung des Konstrukts gender variance für indigene Gesellschaften und die Notwendigkeit einer quellenkritischen Herangehensweise.

Schlüsselwörter

Schamanismus, gender variance, Itel’menen, Čukčen, Berdache, Two-Spirit, Geschlechterrollenwechsel, Kulturrelativismus, Steller, Merck, Iochel'son, Bogoraz, Feldforschung, Ethnologie, soziale Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen des Geschlechterrollenwechsels im schamanischen Kontext indigener Völker in Sibirien und Nordostasien.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte von sozialem Geschlecht, die Geschichte der ethnologischen Wahrnehmung und der Vergleich zwischen indigenen Gesellschaftsstrukturen und westlichen binären Modellen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll geklärt werden, ob europäische Forscher in der Lage waren, abweichende Geschlechterkonstruktionen jenseits ihrer eigenen kulturellen Denkmuster objektiv zu beschreiben.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt die Analyse historischer Quellen und Reiseberichte (Sekundär- und Primärliteratur), um die Beschreibungen der Forscher kritisch zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Betrachtung der Berichte von Steller, Merck, Iochel'son und Bogoraz und deren unterschiedlicher wissenschaftlicher Einordnung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Gender variance, Two-Spirit, Schamanismus und der kulturrelativistische Ansatz nach Franz Boas.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Franz Boas?

Boas wird als Wegbereiter eines wertungsfreien Kulturrelativismus betrachtet, dessen methodische Vorgaben die Forscher Bogoraz und Iochel'son maßgeblich beeinflussten.

Was bedeutet der Begriff „Fraumann“ in diesem Kontext?

„Fraumann“ bezeichnet eine physisch männliche Person, die in der indigenen Gesellschaft die soziale Rolle und die Tätigkeiten einer Frau übernimmt.

Warum wird das Konstrukt „gender variance“ laut der Arbeit kritisch hinterfragt?

Weil das Konstrukt teilweise eine dichotome Trennung von sozialem Geschlecht und sexuellem Begehren voraussetzt, die so nicht auf alle indigenen Kulturen angewendet werden kann.

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Résumé des informations

Titre
Gender variance im sibirischen Schamanismus
Sous-titre
"Sie oder Er?"
Université
University of Bonn  (Geschichtswissenschaft. Abteilung für Osteuropäische Geschichte)
Cours
Sex and Drugs in 'Primitive Society'. Zur Bedeutung von Geschlechterrollen, sexueller Identität, Schamanismus und Rauschmitteln in indigenen Gesellschaften Sibiriens und Nordamerikas.
Note
1,0
Auteur
Lukas Palutzki (Auteur)
Année de publication
2020
Pages
18
N° de catalogue
V1193949
ISBN (PDF)
9783346635341
ISBN (Livre)
9783346635358
Langue
allemand
mots-clé
Geschlechter Sibirien Schamanismus Steller Merck Iochel'son Bogoraz sex gender Weibmann Geschlechtsrollenwechsel
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Lukas Palutzki (Auteur), 2020, Gender variance im sibirischen Schamanismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1193949
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Extrait de  18  pages
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