Freiheit und Knechtschaft - Die dystopische Utopia des Thomas Morus

Eine Kritik am besten Staat


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2008
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Utopie. Eine Einleitung

Thomas Morus

Einleitung zur Utopia

Die Utopie als Dystopie
Die Dystopie
Die Utopie

Der Staat Utopia. Seine Vor- und Nachteile in einzelnen Punkten
I. Geographie, Stadt und Land
II. Die Stadt
III. Die Hierarchie
IV. Arbeit
V. Soziales und Infrastruktur
VI. Leben
VII. Wirtschaft
VIII. Wissenschaft und Philosophie
IX. Vergnügungen
X. Physiognomie
XI. Sklaven
XII. Kranke und Tod
XIII. Ehe
XIV. Gesetz
XV. Ehrungen
XVI. Außenpolitik
XVII. Krieg
XVIII. Religion
XIX. Ende

Eine Utopie?

Das Ende

Literatur

Utopie. Eine Einleitung.

Eine Utopie ist eine Wunschvorstellung, die zwar denkbar, aber aus verschiedenen Gründen nicht realisierbar ist, weshalb sie heutzutage oft auch negativ als Wunschtraum abgetan wird. Oft stellen diese Utopien mit ihrer Idealvorstellung eine gleichzeitige Kritik an einer bestehenden Ordnung da. Der Name Utopie kommt von dem Roman 'Utopia' von Thomas Morus, der hier noch behandelt werden will. Utopien stellen meist bessere Gesellschaftsordnungen da, seltener gibt es auch religiöse oder technisch-wissenschaftliche Utopien.[1]

Heutzutage werden Utopien hauptsächlich nur noch von Philosophen wie Ernst Bloch aufgestellt, derweil die Utopie als ihr ins Negative umgekehrte Gegenstück, der Dystopie, großen Einfluss in populärer Literatur und Medien hatte.

Thomas Morus' Utopia gilt als Namensgeber und einer der ersten Vertreter der Utopie (nach Platon und Cicero). Sie beschwört einen kommunistisch-sozialistischen Staat mit Toleranz, aber auch jeder Menge Unfreiheit und Überwachung. Dieses möchte ich hier behandeln und aufzeigen, dass die Utopia im heutigen Sinne keine Utopie mehr ist, sondern vielmehr eine Dystopie. Weiterhin möchte ich hier überhaupt die Ideen der Utopier vorstellen.

Thomas Morus

Thomas Morus wurde 1478 in London geboren und starb dort auch, 57 Jahre später, hingerichtet von Heinrich VIII. Zuvor war er enger Vertrauter und Ratgeber des Königs und u.a. bekannter Gegner von Martin Luther, später auch Lordkanzler. Er galt als neutraler Diplomat, tüchtiger Administrator, Anhänger des Vatikans und toleranter Humanist und wurde von seinen Freunden geliebt und in den höchsten Tönen gelobt.[2][3] Seit wenigen Jahren ist er der Heilige der Politiker.[4]

Einleitung zur Utopia

Die Utopia erschien das erste Mal 1516 in Löwen, verfasst in lateinischer Sprache. Erasmus von Rotterdam war derjenige, der auf ihre Veröffentlichung drängte. Die erste deutsche Übersetzung gab es 1524. In dem Buch berichtet der Seefahrer Raphael Hythlodäus (*Possenreisser') dem Thomas Morus von der Insel Utopia, welche jenseits des Ozeans liegen soll. Hythlodäus stellt hier den begeisterten Anhänger des utopischen Staates da, welcher die bestehenden Verhältnisse in der Alten Welt kritisiert, während Morus dem eher skeptisch gegenüber steht. So verzichtet der Autor Morus auf eine Wertung seiner Vorstellungen und lässt dem Leser und Kritiker alle Spielräume. Da aber Hythlodäus natürlich den Großteil des Werkes ausmacht, gilt meine Kritik hier ihm und dem Staat Utopia, und nicht dem Morus des Buches Utopia.[5]

Interessant ist sicher auch, dass sich vor allem Marx und Engels stellenweise gerne auf die Utopia berufen haben.[6]

Die Utopie als Dystopie

Warum nun nenne ich die Utopia eine Dystopie, eine negative Utopie? Nun, so manche Dinge an dem neuen Staats mögen wünschenswert sein, dagegen sind viele andere um so mehr zu verurteilen. Ich möchte hier mit zweiteren beginnen, bevor ich erstere erwähne. Zunächst in Kurzform, dann nochmal ausführlich. Die Aufgliederung folgt dabei meinem eigenen Gutdünken, da die Kapitelüberschriften bei Morus selber sehr willkürlich gewählt sind.

Die Dystopie

- Schwer patriarchalisch. Der Mann herrscht.
- Stark hierarchisch. Der Senat[7] herrscht über Bürgermeister und Familienvorsteher.[8]
- Gleichschaltend. In Aussehen wie in Denken.
- Die Gesamtheit bedeutet mehr als das Individuum.[9]
- Einsatz der Sklaverei
- Tieferstellung von Frauen
- Überwachung aller Bewegungen und Taten, freie Bewegung ist verboten.
- Starker Zwang in allem mit zu machen. Keine individuelle Einteilung.
- Krankes Kriegswesen, das andere Völker als Kanonenfutter nutzt und sie ausrotten will sowie die Familien der Krieger mit an die Front schickt, damit diese besser und bis zum bitteren Ende kämpfen.

- Unklare Aussagen zum Geldwesen: Waren scheinen nichts zu kosten, anderes dagegen schon, derweil Gold verpönt ist.
- Sex vor der Ehe verboten.
- Ausnutzung des Systems durch Einzelne wäre möglich.
- Einerseits Kritik einführen, dass alle arbeiten sollen, und dann gibt es doch so gut wie nicht arbeitende Priester und Bürgermeister, die verehrt werden.
- Müßiggang und freie Erholung verboten, nur nach Vorgaben.
- Einmischung in die Natur durch unsinnige Tätigkeiten wie dem Versetzen ganzer Wälder.

Die Utopie

- Toleranz in vielen Belangen, v.a. der Religion
- Offen für jeden.
- Sozialistisch. Niemand muss leiden, allen gebührt das gleiche.
- Abschaffung von Privateigentum an Boden oder Arbeitsmitteln.[10]
- Wissenschaft und Literatur werden gefördert.
- Jeder muss arbeiten, dafür aber jeder weniger.
- Vor Eheentschluss dürfen sich die Partner nackt sehen.[11]
- Abschaffung von Reichtum und der Veherrlichung von Reichtum.
- Ausführliche Pflege von Kranken und Geleitung von Sterbenden.[12]
- Kaum feste Gesetze, keine Todesstrafe.
- Durch die Gleichheit kaum Verbrechen vorhanden.

Der Staat Utopia. Seine Vor- und Nachteile in einzelnen Punkten.

I. Geographie, Stadt und Land.

Es gibt 54 Städte, die alle gleich sind. In der Stadt Amaurotum kommt der Senat zusammen. Um jede Stadt gibt es 12 Meilen Ackerland mit Bauernhöfen. Auf diesen arbeiten pro Jahr 20 Leute mitsamt den zum Bauernhof gehörenden Sklaven. Regelmäßig werden Menschen aus Stadt und Bauernhof getauscht, damit alle mal arbeiten. Hierbei bleiben aber einige Erfahrene auf dem Hof um die Neulinge einzuweisen. Der Bauer befasst sich mit Ackerbau, Viehzucht, dem fällen von Holz sowie dem Handel mit der Stadt. Es wird industrielle Hühnerzucht in Legebatterien betrieben, Pferde allein für den Reitsport gezüchtet, da als Arbeitstiere nur Ochsen verwendet werden. Aus Getreide wird nur Brot, aber kein Bier gewonnen, als Getränke kennt man Wein und süßes Wasser. Der Hausrat des Hofes wird aus der Stadt importiert.[13]

II. Die Stadt

Hier sind alle gleich, auch optisch. Die Städte besitzen starke natürliche und künstliche Befestigungen als Verteidigungsmittel vor Angreifern. Innerhalb der Stadtmauern in den vier gleichen Stadtvierteln jedoch ist alles frei. Selbst die Häuser, die jeweils eigene Gärten haben, sind stets unverschlossen, da es keinen Diebstahl gibt. Auch werden kaum neue Häuser gebaut, da die bestehenden alle 10 Jahre per Los neu verteilt werden.

Letzteres finde ich etwas seltsam.

[...]


[1] vgl. Artikel Utopie. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. Juli 2008, 13:47 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Utopie&oldid=48567898 (Abgerufen: 21. Juli 2008, 11:39 UTC)

[2] vgl. Artikel Thomas Morus. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 21. Juli 2008, 08:19 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Thomas_Morus&oldid=48630813 (Abgerufen: 21. Juli 2008, 11:40 UTC)

[3] vgl. Erasmus von Rotterdam: Erasmus von Rotterdam grüßt den hochedlen Ritter Ulrich von Hutten (1519). In: Morus, Thomas: Utopia. 1982, 7. Auflage. Reclam Verlag, Leipzig. S. 133ff.

[4] vgl. http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/motu_proprio/documents/hf_jp-ii_motu-proprio_20001031_thomas-more_ge.html (Abgerufen: 21. Julia 2008)

[5] vgl. Teller, Jürgen: Nachwort. In: Morus, Thomas: Utopia. 1982, 7. Auflage. Reclam Verlag, Leipzig. S. 143ff.

[6] Was wohl erklären mag, wie in ihrer Lehre solche Ungerechtigkeiten und Fehler des Lehrgebäudes entstanden, wie der Zentralisierung und Gleichschaltung.

[7] Der Senat wird von Morus übrigens nicht richtig erklärt.

[8] Dieser und der folgende Punkt (Gleichschaltung) haben Ähnlichkeit mit dem Denken im Marxismus.

[9] Hiermit steht die Utopia aber ganz im Sinne von Gustav Landauer. Einige andere Punkte dagegen dürften auch ihn gestört haben.

[10] Wieder ganz im Sinne von Landauer.

[11] Hier bin ich mir nicht so sicher, ob das wirklich anstrebenswert ist.

[12] Was die Euthansie angeht, hier bin ich mir einer Zuteilung wieder nicht sicher. Da sie nur stattfindet wenn sie freiwillig und gewünscht ist, würde ich sie eher zum positiven zählen.

[13] Nun, das klingt noch vernünftig. Städte die gleich sind, sind zwar nicht schön, aber verhindern zumindest Neid und Migrationen. Damit aber auch das individuelle und freiheitliche. Die Legebatterien dagegen möchte ich nicht gut heißen.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Freiheit und Knechtschaft - Die dystopische Utopia des Thomas Morus
Untertitel
Eine Kritik am besten Staat
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V119401
ISBN (eBook)
9783640239962
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hinweis/Anm. d. Red.: Dieser Text enthält relativ viele Zitate aus Wikipedia. Dies haben wir im vergleichsweise niedrigen Verkaufspreis bereits berücksichtigt.
Schlagworte
Freiheit, Knechtschaft, Utopia, Thomas, Morus, Kritik, Dystopie, Sklaverei, Vergleich
Arbeit zitieren
Andre Schuchardt (Autor), 2008, Freiheit und Knechtschaft - Die dystopische Utopia des Thomas Morus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119401

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