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Libysche Detention Centres. Eine theoretische Einbettung zwischen Goffman und Agamben

Title: Libysche Detention Centres. Eine theoretische Einbettung zwischen Goffman und Agamben

Term Paper , 2021 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Heiko Speck (Author)

Politics - Region: Africa
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In der Arbeit soll der Schwerpunkt der Betrachtung auf die sogenannten „Detention Centres“ (Haftanstalten) in Libyen gelegt werden. Libyen ist deshalb von besonderer Bedeutung, da nach dem Sturz des langjährigen libyschen Diktators Muhammar al-Gaddafi im Jahr 2011 selbst als zerfallender Staat (sogenannter „failed state“) anzusehen ist.

Darüber hinaus erschweren die chaotischen nationalen Zustände die geordnete und gerechte Bewältigung der Flüchtlingsströme. Libyen gilt als Durchgangsstaat für viele afrikanische Geflüchtete auf dem Weg über die Mittelmeerroute nach Europa. Geflüchtete, die bei der Überquerung des Mittelmeeres aufgegriffen werden, werden unter Zwang in libysche Haftzentren („Detention Centres“) zurückgeführt und müssen dort während der Inhaftierung schwerste Menschenrechtsverletzungen erleiden.

Diese Arbeit soll dazu dienen, die Hintergründe und die aktuelle Situation in den libyschen Lagern näher zu beleuchtet. Anschließend wird anhand einer theoretischen Betrachtung der Versuch unternommen, die Lagersituation in Libyen anhand zweier theoretischer Perspektiven einzuordnen. Im Genaueren sollen die Perspektiven von Goffmans „totale Institution“ (Kapitel 4) und Agambens „permanenten Ausnahmezustand“ (in Kapitel 5) betrachtet und in den Kontext zu den libyschen Detention Centers gestellt werden, um folgende Forschungsfrage beantworten zu können: „Inwiefern sind libysche Detention Centres Agambens permanenten Ausnahmezustand und / oder Goffmans totaler Institution zuzuordnen?“

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Libyen im Fokus der Betrachtung

2.1 Hintergrund der politischen Situation

2.2 Flüchtlingskrise in Libyen

2.3 Libysche Detention Centres

3. Theoretische Perspektiven

3.1 Erving Goffman‘s „Totale Institution“

3.2 Giorgio Agambens „Permanenter Ausnahmezustand“

4. Theoriediskussion

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Situation von Geflüchteten in libyschen Detention Centres und analysiert diese mithilfe zweier theoretischer Perspektiven, um die Forschungsfrage zu beantworten: „Inwiefern sind libysche Detention Centres Agambens permanenten Ausnahmezustand und / oder Goffmans totaler Institution zuzuordnen?“

  • Politische Lage und humanitäre Krise in Libyen
  • Die Situation von Geflüchteten auf der zentralen Mittelmeerroute
  • Theoretische Einordnung durch Erving Goffmans Konzept der „Totalen Institution“
  • Theoretische Einordnung durch Giorgio Agambens Konzept des „Permanenten Ausnahmezustands“
  • Kritische Diskussion der theoretischen Anwendbarkeit auf die libysche Realität

Auszug aus dem Buch

3.2 Giorgio Agambens „Permanenter Ausnahmezustand“

Die zweite theoretische Perspektive, die im Feld der Lagerforschung immer wieder Beachtung fand, ist die Theorie des „permanenten Ausnahmezustands“ des italienischen Philosophen Giorgio Agamben. Agamben definiert dabei Lager als einen Raum, „[…] der sich öffnet, wenn der Ausnahmezustand zur Regel zu werden beginnt“ (Agamben 2021: 177) und definiert unter der Begrifflichkeit des Lagers auch Flüchtlingslager (vgl. ebd.: 179). Agamben befasst sich in seiner Reihe Homo sacer insbesondere in den beiden Werken Die souveräne Macht und das nackte Leben (2002) und Ausnahmezustand (2004) mit den politischen und rechtlichen Konsequenzen des Ausnahmezustands.

„Der Ausnahmezustand definiert einen Zustand des Gesetzes, in dem die Norm zwar gilt, aber nicht angewandt wird (weil sie keine Kraft hat) und auf der anderen Seite Handlungen, die nicht den Stellenwert von Gesetzen haben, deren ›Kraft‹ gewinnen.“ (Agamben 2020: 49)

Der Ausnahmezustand ist dabei geprägt von einer „[…] Schwelle der Unbestimmtheit zwischen Demokratie und Absolutismus“ (ebd.: 9), wie er an mehreren historischen Beispielen festhält (Poltische Zustände während der französischen Revolution, in Zeiten der Weimarer Republik und anschließend während der NS-Zeit sowie im antiken Rom) und dabei unter ständigem Rückbezug zu Carl Schmitts Begriff der Souveränität das Paradigma des Regierens in einem Ausnahmezustand beschreibt. Der Ausnahmezustand wird – mittels Ausrufung eines Notzustands – als legitimes Mittel zur Aufhebung geltender Gesetze gebraucht, bei dem der Souverän über geltende Normen im Ausnahmezustand entscheidet und damit faktisch gesehen geltendes Recht und Normen bricht, da sie nicht angewendet wird (vgl. Schmitt 2015: 13 / Agamben 2020: 47 ff.). Agamben betrachtet den Ausnahmestand als „Zone der Anomie, in der Gewalt herrscht, ohne jeden rechtlichen Deckmantel“ (Agamben 2020: 71) und bereitet damit fruchtbaren Nährboden für Bürgerkrieg und revolutionäres vorgehen, welches keinerlei Bezug zum bestehenden Recht mehr erkennt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die globalen Fluchtursachen, die zunehmende Bedeutung der Mittelmeerroute und formuliert die Forschungsfrage zur theoretischen Einordnung libyscher Detention Centres.

2. Libyen im Fokus der Betrachtung: Dieses Kapitel skizziert die komplexe politische Situation Libyens nach 2011 sowie die prekäre Lage und die menschenrechtliche Situation von Geflüchteten in den dortigen Detention Centres.

3. Theoretische Perspektiven: Hier werden die Konzepte der „Totalen Institution“ nach Erving Goffman und des „Permanenten Ausnahmezustands“ nach Giorgio Agamben detailliert theoretisch hergeleitet.

4. Theoriediskussion: Die gewonnenen theoretischen Erkenntnisse werden kritisch auf die Bedingungen in den libyschen Detention Centres angewandt, um deren passendste Einordnung zu bestimmen.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Agambens Konzept des permanenten Ausnahmezustands die Realität in den libyschen Lagern präziser abbildet als das Modell der totalen Institution.

Schlüsselwörter

Libyen, Detention Centres, Flüchtlinge, Migration, Erving Goffman, Totale Institution, Giorgio Agamben, Ausnahmezustand, Homo sacer, Menschenrechte, Mittelmeerroute, Politische Instabilität, Rechtslosigkeit, Menschenrechtsverletzungen, DCIM

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die menschenrechtliche und politische Situation von Geflüchteten in libyschen Internierungslagern und nutzt soziologische sowie philosophische Theorien, um diese Zustände wissenschaftlich zu kategorisieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind der libysche Bürgerkrieg und dessen Folgen für Migrationsströme, die Rolle der EU in der libyschen Grenzpolitik sowie die theoretische Lagerforschung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Haftbedingungen in libyschen Detention Centres durch einen Vergleich der Konzepte „Totale Institution“ und „Permanenter Ausnahmezustand“ theoretisch fundiert einzuordnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Anwendung politikwissenschaftlicher und soziologischer Theorien auf eine aktuelle Fallstudie (Libyen).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der libyschen politischen Lage und Flüchtlingssituation, die Darstellung der Theorien von Goffman und Agamben sowie eine kritische Theoriediskussion hinsichtlich der Anwendbarkeit auf das Fallbeispiel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Libyen, Detention Centres, Agamben, Goffman, Ausnahmezustand, Totale Institution, Menschenrechte und Migration geprägt.

Warum eignet sich das Modell der „Totalen Institution“ laut Autor weniger zur Beschreibung der libyschen Lager?

Das Modell erfordert eine formale Systematik, Bürokratie und geregelte Abläufe, die in den libyschen Lagern aufgrund der politischen Zersplitterung und Willkür faktisch fehlen.

Warum wird Agambens „Permanenter Ausnahmezustand“ als passendere Einordnung gesehen?

Da in den libyschen Lagern ein rechtloser Raum existiert, in dem zwischen Faktum und Recht nicht mehr unterschieden werden kann, spiegelt Agambens Konzept die tatsächliche Willkür und den Schutzstatus der dort inhaftierten Menschen besser wider.

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Details

Title
Libysche Detention Centres. Eine theoretische Einbettung zwischen Goffman und Agamben
College
University of Frankfurt (Main)
Course
Politik der Lager
Grade
1,0
Author
Heiko Speck (Author)
Publication Year
2021
Pages
25
Catalog Number
V1194172
ISBN (PDF)
9783346636850
ISBN (Book)
9783346636867
Language
German
Tags
Flüchtlingslager Libyen Detention Camps Detention Centres Goffman Agamben Lagerpolitik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Heiko Speck (Author), 2021, Libysche Detention Centres. Eine theoretische Einbettung zwischen Goffman und Agamben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1194172
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