Antiochos III. und die Juden


Hausarbeit, 2007

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Die ptolemäische Herrschaft über Palästina

4. Die Juden unter der Herrschaft Antiochos’ III
4.1 Eroberung Palästinas – Der Fünfte Syrische Krieg
4.2 Der Fremdherrscher als Wohltäter?
4.2.1 Der Brief an Ptolemaios
4.2.2 Edikt
4.2.3 Brief an Zeuxis

5. Das Bild Antiochos’ III

6. Zusammenfassung

7. Bibliografie
7.1 Primärquellen
7.2 Sekundärquellen

1. Einleitung

„Der erste syrische König, der in der Geschichte der Juden eine Rolle spielt, ist Antiochos III.1“. So urteilte Heinz Conzelmann in seinem Buch Heiden –Juden – Christen: Auseinandersetzungen in der Literatur der hellenistisch-römischen Zeit im Jahr 1982. Als Beweis für die judenfreundliche Politik des Seleukidenherrschers führt er die Darstellungen dreier Dokumente aus den Jüdischen Altertümern von Flavius Josephus im 12. Buch an.

Es wird allerdings schnell klar, dass Flavius Josephus mit dieser projüdischen Darstellung von Antiochos III. allein dasteht. Weitere Darstellungen, wie zum Beispiel in den Makkabäerbü- chern, erwähnen keine besonders herauszustellende, positive Verhaltensweise Antiochos‘ III. gegenüber dem jüdischen Volk.

Was aber veranlasste Flavius Josephus, Antiochos III. zu einem – wie sich im Nachhinein herausstellen wird– projüdischen Wohltäter in seinen Schriften darzustellen?

Zu Beginn meiner Hausarbeit soll die Situation der Juden unter der vorerst ptolemäischen Herrschaft umrissen werden. Anschließend werde ich versuchen, die Unterschiede zu der dar- auf folgenden seleukidischen Herrschaft genauer zu erläutern. Hierbei sollen die drei Urkun- den von Antiochos III., welche in den Jüdischen Altertümern zu finden sind, und deren mög- liche Authentizität, untersucht werden. Abschließend soll die schon vorher aufgeworfene Fra- ge beantwortet werden – Was veranlasste Flavius Josephus dazu, entgegengesetzt der jüdi- schen Tradition, den Seleukidenscherrscher Antiochos III. als Wohltäter des jüdischen Volkes darzustellen?

Als Originalquellen sollen die drei Dokumente aus den Jüdischen Altertümern von Flavius Josephus, die zwei Makkabäerbücher und das Buch Daniels dienen. Die Quellen, auf die sich Flavius Josephus in seinen Darstellungen bezieht (Polybios) werden nicht nochmals einzeln aufgeführt.

2. Forschungsstand

Die Darstellungen Antiochos‘ III. und seiner Politik insbesondere nach der Besetzung Jerusa- lems ab 198 v.Chr. gegenüber den Juden sind sehr umfangreich. In vielen Werken werden die Urkunden, die Antiochos‘ III. projüdische Politik belegen sollen, zweifelsfrei als authentisch verwendet. Doch vor allem der Brief an Zeuxis ist – wie insbesondere die Dissertationsschrift von Jörg-Dieter Gauger zeigen wird – keineswegs zweifelsfrei als authentisch hinzunehmen.

Gauger bemängelt, dass die bestimmte apologetische Funktion der Urkunden von Flavius Josephus grundsätzlich nicht beachtet wird.2 So sieht er lediglich den Brief Antiochos‘ III. an Ptolemaios (4.2.1) in einen historischen Kontext einzuordnen.3

Zweifelt man die Authentizität der drei Urkunden Antiochos‘ III. grundsätzlich an, wird es problematisch, die Überblicksdarstellungen über den Seleukidenherrscher bezüglich seines Umgangs mit den Juden zu verwenden. Aus diesem Grund werden die Urkunden nicht im Zusammenhang mit ihrer Bedeutung für das jüdische Volk, sondern viel mehr auf die fragli- che Authentizität untersucht. Im Mittelpunkt soll jedoch die Frage stehen, warum Flavius Jo- sephus diese Urkunden verwendet und ob er sie ver-, bzw. gefälscht hat, um ihnen eine be- stimmte Funktion zuzuschreiben.

3. Die ptolemäische Herrschaft über Palästina

Martin Hengel beschreibt in seinen Büchern die seit 301 v.Chr. andauernde ptolemäische Herrschaft über Palästina positiv. Es sei bis zur Besetzung Koilesyriens durch Antiochos III. 219 v.Chr. eine Zeit relativ friedlicher Entwicklung gewesen. Durch die vorangegangene lan- ge Friedensperiode konnten sich die Landwirtschaft und das Gewerbe sehr gut entfalten und so war zum Ende dieser Herrschaft dieses Gebiet besonders landwirtschaftlich sehr weit ent- wickelt. Es stand in engen Handelsbeziehungen zu Ägypten, aus dem es vor allem Papyrus, Leinen, Glas und Luxusgüter bekam. In der Landwirtschaft gab es viele technischen Verbes- serungen und neue Pflanzen wurden angebaut. Das künstliche Bewässerungssystem wurde erheblich verbessert, es wurden das Schöpfrad, der Saatpflug und die Schraubenpresse als arbeitserleichternde Geräte in der Landwirtschaft erfunden. Ebenfalls weiterentwickelt und ausgebaut wurde das Verwaltungssystem.

Auch die Neubesiedlungen wurden, vor allem durch die ständige Erweiterung des Militärs, vorangetrieben. Zum Schutz vor den Seleukiden im Norden und gegen die Araber im Osten, bzw. Süden wurden starke Festungen gebaut. Des Weiteren stieg das Bevölkerungswachstum in den unfruchtbaren, schwer zu bewirtschaftenden Gebieten an, da durch die technischen Neuerungen die Abwanderung aus diesen Gebieten zurückging. Zeugnis für die Aktivität der Besiedlung sind die gräkoägyptischen Ortsnamen und die typisch frühellenistischen, rech- twinkligen Stadtanlagen. Die städtischen Verfassungen wurden hellenisiert und die Juden durften an „[…] nur für Hellenen offen stehenden Wettkämpfen […] 4 “ teilnehmen. Die strenge Trennung von Juden, Makedonen und Griechen wurde sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft etwas aufgeweicht.5

Im Jahr 210 v.Chr. brach jedoch in Jerusalem durch Hyrkan eine Familienfehde in der Tobia- denfamilie aus. Da Hyrkan unterlag, musste er Jerusalem verlassen und ließ sich in Araq-el Emir im Ostjordanland mit dem proptolemäischen Teil nieder. Der Vater Josephus und seine Brüder hingegen, der proseulekidische Teil, blieben in Jerusalem. Vor allem die finanziellen Schwierigkeiten der ptolemäischen Herrschaft und der politische Zerfall, aber auch die juden- feindliche Politik von des ptolemäischen Herrschers Ptolemaios IV. Philator veranlassten sie, die Seleukiden bei der Eroberung Jerusalems 198 v.Chr. tatkräftig zu unterstützen.6

4. Die Juden unter der Herrschaft Antiochos’ III.

4.1 Eroberung Palästinas – Der Fünfte Syrische Krieg

Nach dem Tod von Ptolemaios IV. Philator im Jahr 205 v.Chr. trat die Herrschaftsnachfolge im Ptolemäerreich der damals fünfjährige Ptolemaios V. Epiphanes an. Diese Schwäche in der Stabilität der Dynastie nutzte Antiochos III. für sich aus und begann den Fünften Syri- schen Krieg.

Schon im Jahr 204 v.Chr. unternahm Antiochos III. den Versuch, Syrien und Phönizien ein- zunehmen. Im Jahr 203 v.Chr. besetzte er erfolgreich die ptolemäischen Außenbesitzungen im südwestlichen Kleinasien. Daraufhin fiel er 202 v.Chr. in Koilesyrien ein. Dort konnte er – nach längerer Belagerung auch die mit Ägypten eng verbündete Stadt Gaza – die Gebiete leicht in Besitz nehmen.

Nachdem er die Provinz erobert hatte, wurde der südliche Teil jedoch bereits im Winter des Jahres 201/200 v.Chr. von dem ptolemäischen Heerführer Skopas zurückerobert. Besonders die proseuleukidischen Juden in Jerusalem bekamen die Rache von Skopas, der sie zuvor ge- waltsam unterworfen hatte, deutlich zu spüren.

Noch im selben Jahr wurde er jedoch von Antiochos III. vernichtend beim Phanheiligtum an den Jordanquellen geschlagen. So konnte er die Provinz 199/ 198 v.Chr. endgültig besetzen.7 Im Frühjahr 198 v.Chr. begann Antiochos III. mit der Belagerung aller Städte, die unter pto- lemäischer Herrschaft standen. Palästina wurde so mit Hilfe der Juden besetzt.8 Sie empfingen Antiochos III mit offenen Armen in Jerusalem, unterstützen sein Heer mit Elefanten und hal- fen ihm bei der Belagerung der Burg, in der sich noch eine Besatzung des ägyptischen Feld- herren Skopas befand:

Der König Antiochos entbietet dem Ptolemäos seinen Gruß. Sowie ich das Land der Juden betrat, haben sie mir sogleich ihre Treue erwiesen, mich glänzend aufgenommen, meine Soldaten und Elefanten mit Lebensmitteln versorgt und mir bei der Vertreibung der ägyptischen Besatzung aus der Burg geholfen.9

Damit war die ptolemäische Herrschaft, die seit 301 andauerte, beendet und der hundertjähri- ge Kampf um Phönizien und Palästina ging zu Ende. Die Bevölkerung soll mit dieser Lösung überwiegend zufrieden gewesen sein.10

Im Jahr 196 v.Chr. kam es zum Friedensschluss mit Ptolemaios V. Epiphanes, in dem er auf alle Gebiete verzichtet und die die Tochter Antiochos’ III. Kleopatra, heiratete.11

[...]


1 Vgl. : Conzelmann, Heinz: Heiden –Juden – Christen: Auseinandersetzungen in der Literatur der hellenistisch- römischen Zeit, Tübingen 1982, S. 16. Im Folgenden: Conzelmann: Heiden – Juden – Christen.

2 Vgl. : Gauger, Jörg-Dieter: Beiträge zur jüdischen Apologetik. Untersuchungen zur Authentizität von Urkunden bel Flavius Josephus und im I. Makkabäerbuch, Köln-Bonn 1977, S. 3-11, 24, 329. Im Folgenden: Gauger: Bei- träge zur jüdischen Apologetik.

3 Vgl. : Gauger: Beiträge zur jüdischen Apologetik, S. 23

4 Hengel, Martin: Juden, Griechen und Barbaren. Aspekte der Hellenisierung des Judentums in vorchristlicher Zeit, Stuttgart 1976, S.43. Auslassung: AJ. Im Folgenden: Hengel: Juden, Griechen und Barbaren.

5 Vgl. : Hengel, Martin: Judentum und Hellenismus. Studien zu ihrer Begegnung unter besonderer Berücksichti- gung Palästinas bis zur Mitte des 2. Jh.s v. Chr., Tübingen 1988, 3., durchgesehene Auflage, S. 11, 92. Im Fol- genden: Hengel: Judentum und Hellenismus sowie Hengel: Juden, Griechen und Barbaren, S. 41f.

6 Vgl. : Bringmann, Klaus: Geschichte der Juden im Altertum. Vom babylonischen Exil bis zur arabischen Ero- berung, Stuttgart 2005, S. 97 f. Im Folgenden: Bringmann: Geschichte der Juden im Altertum.

7 Jos. Ant. 12, 136.

8 Vgl. : Hengel: Juden, Griechen und Barbaren, S. 61-63, Gauger, Jörg-Dieter: „Antiochos III. und Artaxerxes: Der Fremdherrscher als Wohltäter“, in: Journal for the study of Judaism 38 (2007) 2, S.205. Im Folgenden: Gauger: „Antiochos III. und Artaxerxes“.

9 Jos. Ant. 12, 138.

10 Vgl. : Hengel: Juden, Griechen und Barbaren, S. 63.

11 Vgl. : Bringmann: Geschichte der Juden im Altertum, S. 97f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Antiochos III. und die Juden
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Der Tag von Eleusis
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V119442
ISBN (eBook)
9783640231492
ISBN (Buch)
9783640233762
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Antiochos, Juden, Eleusis
Arbeit zitieren
Annegret Jahn (Autor), 2007, Antiochos III. und die Juden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119442

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