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Unendliche Plötzlichkeit

Zeit und Zeitlichkeit in Gert Ledigs Roman Vergeltung

Title: Unendliche Plötzlichkeit

Term Paper , 2006 , 15 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Ronny Franz Buth (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Betrachtet man die Rezeptionsgeschichte des von Gert Ledig verfassten Romans Vergeltung , ein für mehrere Jahrzehnte vergessenes Werk der frühen Nachkriegsjahre, das erst 1999 durch die veröffentlichten Vorlesungen W.G. Sebalds literarische Würdigung fand, so zeigt sich, dass, heute wie damals, hauptsächlich der Inhalt kontroverse Diskussionen in der Literatur-wissenschaft und in den Feuilletons auslöste, dabei aber weniger die formale Gestaltung und Erzählweise des Werkes Beachtung fanden. Diese Hausarbeit hat nicht den Anspruch eine umfassende narrative Analyse des Werkes darzubieten, sondern konzentriert sich vielmehr auf das konzeptionelle Geschick des Autors und versucht mit stukturalistischen Mitteln die Kunstgriffe dieser schwindelerregenden, den Leser in ständiger Hetzte und Atemlosigkeit haltenden, Erzählung zu entschleiern. Somit gleich zum analytischen Hauptthema, das in einem Roman über einen infernalischen Bombenangriff auf eine Stadt, neben der radikalen Darstellung von Zerstörung, Unmenschlichkeit und Tod, einen zentralen Gesichtpunkt einnimmt und einnehmen muss – es handelt sich hierbei um die Zeit, die sich in den verschiedensten Ausformungen der Narration wieder findet. Nicht nur, dass das der Inhalt des Buches auf einen Zeitraum von 69 Minuten beschränkt wird, in dem sich nahezu Augenblick für Augenblick nacherleben lässt, der Text schafft es ebenfalls die Gefühle der betroffenen Menschen herauszustellen, wobei sich deren psychologische Zeitwahrnehmungen teilweise erheblich von der existierenden Realzeit entfernt. Und so stellt der Roman nicht selten die Frage nach dem Wesen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und begibt sich unausgesprochen auf das Terrain philosophischer und naturwissenschaftlicher Betrachtungen, die im kleinen Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht berücksichtigt werden können. In den folgenden Punkten soll vorwiegend Ledigs literarischer Stil, eine Rhetorik unendlicher Plötzlichkeit, an Beispielen dargestellt und in seiner Wirkungsweise verdeutlicht werden.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Zeitdarstellung und Zeiterleben permanenter Augenblicklichkeit

2.1 Die narrative Dauer - Erzählzeit im Verhältnis zur erzählten Zeit

2.2 Ordnung und Chronologie – die enge Verwebung von Zeit, Raum & Handlung

2.3 Sprachliche Ausformungen – Verben, Adjektive, Adverbien

2.4 Syntaktische Strukturen

2.5 Kurzlebige Gegenwart (Handlung) contra langatmige Vergangenheit (Biographien)

2.6 Uhren, Zeitlosigkeit & temporäre Unorientiertheit

3. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Gestaltung von Zeit und Zeitlichkeit in Gert Ledigs Roman "Vergeltung". Ziel ist es, die spezifischen narrativen Stilmittel zu entschlüsseln, mit denen der Autor eine Atmosphäre permanenter Unruhe und atemloser Plötzlichkeit erzeugt, um das infernalische Geschehen eines Bombenangriffs für den Leser unmittelbar erfahrbar zu machen.

  • Analyse der narrativen Dauer und zeitlicher Relationen im Roman.
  • Untersuchung der Verwebung von Raum, Zeit und parataktischer Syntax.
  • Rolle der Sprachwahl und rhetorischer Mittel für die Vermittlung von Geschwindigkeit.
  • Psychologische Zeitwahrnehmung und die Bedeutung von Uhren und Zeitlosigkeit.
  • Funktion der eingebetteten biographischen Rückblicke zur Kontrastierung der Gegenwart.

Auszug aus dem Buch

2.3 Sprachliche Ausformungen – Verben, Adjektive, Adverbien

Der Inhalt des Romans wird, abgesehen von den Kurzbiographien zu Beginn eines jeden Kapitels, von einem auktorialen Erzähler berichtet, der mit nüchternem und objektivem Blick das Szenario im Präteritum beschreibt. Auffällig und in der Wirkung paradox anmutend ist die ausgedünnte Sprache, die, auch ohne die Verwendung von ausschmückenden Adjektiven, das „Präzisionsinstrument“ der Erzählung ist und auch ohne jeglichen „Pathos“ auskommt. Wie bereits dargelegt, spielt die Wortwahl eine immense Rolle, um in der Handlung die hektischen Grundstimmung zu erzeugen. In den folgenden Zeilen sollen die einzelnen Satzglieder auf diesen Effekt untersucht werden, um das durchdachte Arrangement des Autors nachzuvollziehen.

Allein die Verben, grundsätzlich hauptverantwortlich für die inhaltliche Aussage, bilden in dem parataktischen Satzgemenge des gesamten Buches die wesentlichen Zeitsignale. Nahezu alle Prädikate befassen sich mit rasanter Bewegung und starker Aktivität, wobei der Eindruck von Schnelllebigkeit entsteht. Sehr häufig wiederkehrende Verben werden sowohl in der Beschreibung von Tätigkeiten als auch von Ereignissen benutz. Dazu gehören beispielsweise: hetzten, rennen, werfen, keuchen, zerspringen, stürzen, krachen, surren, huschen, blitzen, rasen, zerren, zischen, zerreißen, ächzen, schütteln und pfeifen. Kombiniert werden diese dynamischen Wörter oft in Situationsbeschreibungen mit Nomen unbewegter bzw. starrer Objekte, zum Beispiel Holz, Metall, Erde, aber auch totem Fleisch. Nicht zuletzt durch diesen Gegensatz werden die enormen Krafteinwirkungen der Handlung verdeutlicht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Rezeptionsgeschichte des Romans ein und definiert das analytische Hauptthema: die Untersuchung von Ledigs Rhetorik der "unendlichen Plötzlichkeit".

2. Zeitdarstellung und Zeiterleben permanenter Augenblicklichkeit: Dieses Kapitel analysiert, wie der Autor durch narrative Kunstfertigkeit und Rhythmisierung einen Zustand permanenter Unruhe und Zerstückelung im Text verankert.

2.1 Die narrative Dauer - Erzählzeit im Verhältnis zur erzählten Zeit: Es wird untersucht, wie der Roman durch die Dehnung des Handlungszeitraums von 69 Minuten auf 180 Seiten einen "mikroskopischen Blick in die Zeit" ermöglicht.

2.2 Ordnung und Chronologie – die enge Verwebung von Zeit, Raum & Handlung: Dieses Kapitel betrachtet die fragmentarische Struktur des Romans, in der sich 93 Szenen über Querverweise und das Meta-Ereignis des Bombenangriffs vernetzen.

2.3 Sprachliche Ausformungen – Verben, Adjektive, Adverbien: Die Analyse zeigt, wie eine gezielte Wortwahl, insbesondere der Einsatz dynamischer Verben und Temporaladverbien, die hektische Grundstimmung des Werkes erzeugt.

2.4 Syntaktische Strukturen: Hier wird das parataktische Satzgefüge als Mittel beschrieben, das jeden Satz wie einen Bombeneinschlag wirken lässt und den Erzählfluss ununterbrochen vorantreibt.

2.5 Kurzlebige Gegenwart (Handlung) contra langatmige Vergangenheit (Biographien): Das Kapitel arbeitet heraus, wie die biographischen Rückblicke einen Ruhepunkt bilden und die ansonsten auf die Gegenwart fokussierte Erzählung um eine Tiefendimension erweitern.

2.6 Uhren, Zeitlosigkeit & temporäre Unorientiertheit: Die Untersuchung befasst sich mit der Symbolik von Uhren und der Diskrepanz zwischen physikalischer Realzeit und subjektiver Zeitwahrnehmung der Figuren.

3. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, dass die zeitlichen Verweise das zentrale Erfolgsrezept für die energische und realistische Wirkung des Romans darstellen.

Schlüsselwörter

Gert Ledig, Vergeltung, Zeitdarstellung, Erzählzeit, Parataktik, Literaturanalyse, Bombenangriff, Augenblicklichkeit, narrative Struktur, Zeitwahrnehmung, Sprachstil, Kriegsliteratur, Zeitlichkeit, Romananalyse, Fragmentarisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die spezifische narrative Konstruktion von Zeit und Zeitlichkeit im Roman "Vergeltung" von Gert Ledig.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit befasst sich mit der Gestaltung von Handlungsgeschwindigkeit, der Verwebung von Raum und Zeit, syntaktischen Besonderheiten und der psychologischen Zeitwahrnehmung der Romanfiguren.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es, die literarischen "Kunstgriffe" zu entschlüsseln, die Ledig nutzt, um die Atmosphäre der ständigen Hetze und Atemlosigkeit bei einer Stadtbombardierung zu erzeugen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet strukturalistische Analysemethoden, um die narrativen Stilmittel des Romans in Bezug auf seine Zeitdarstellung zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert narrative Dauer, chronologische Anordnung, Wortwahl (Verben/Adverbien), Syntax, die Funktion biographischer Rückblicke sowie die Symbolik von Uhren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem: Gert Ledig, Vergeltung, Zeitdarstellung, Parataktik, Augenblicklichkeit, narrative Struktur und Zeitwahrnehmung.

Warum wird die Sprache im Roman als "ausgedünnt" bezeichnet?

Die Analyse zeigt, dass der Autor auf ausschmückende Adjektive verzichtet und durch eine nüchterne, parataktische Sprache ein "Präzisionsinstrument" zur Darstellung des Grauen schafft.

Welche Rolle spielen die Uhren in Ledigs Erzählung?

Uhren fungieren im Text weniger als Zeitmesser, sondern als Symbole für das Überleben und die Hoffnung, wobei ihre Ziffernblätter oft in Konkurrenz zur verzerrten psychologischen Zeitwahrnehmung der Protagonisten treten.

Wie unterscheidet sich die Zeitwahrnehmung der Figuren von der Erzählzeit?

Die Erzählung wirkt wie ein Zeitlupenprotokoll, während die Figuren aufgrund der Schreckenserfahrung ein extremes Zeitgefühl entwickeln, bei dem Minuten wie Stunden erscheinen oder die Zeit völlig stillzustehen scheint.

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Details

Title
Unendliche Plötzlichkeit
Subtitle
Zeit und Zeitlichkeit in Gert Ledigs Roman Vergeltung
College
Free University of Berlin
Course
Berichte aus der Abwurfzone – Ausländische Zeugen des Bombenkrieges
Grade
2,0
Author
Ronny Franz Buth (Author)
Publication Year
2006
Pages
15
Catalog Number
V119447
ISBN (eBook)
9783640228959
Language
German
Tags
Unendliche Plötzlichkeit Berichte Abwurfzone Ausländische Zeugen Bombenkrieges Ledig Sebald
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ronny Franz Buth (Author), 2006, Unendliche Plötzlichkeit , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119447
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