Das Buch "Rückkehr nach Reims" des Soziologen Didier Eribon erschien bereits 2009 in Frankreich und bietet Erklärungsansätze für das Erstarken rechtspopulistischer Parteien. Didier Eribon verknüpft darin autobiografische Erzählungen mit einer Sozialanalyse der französischen Gesellschaft und reflektiert die politischen Entwicklungen in Frankreich. Seine Erzählungen folgen dabei zwei Schwerpunkten, die untrennbar mit seinem Leben verknüpft sind: Die Loslösung aus dem, von Homophobie geprägten, familiären Milieu einer armen Arbeiterfamilie hin zu einer Karriere als Intellektueller und Akademiker, sowie das Abwenden seiner Familie von der traditionellen kommunistischen Arbeiterpartei hin zur politischen rechten Front National. Eribons frühe Erfahrungen von sozioökonomischer Ungleichheit im Arbeitermilieu prägten und beeinflussten seine Identitätsentwicklung, was in dieser Arbeit näher betrachtet werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kerninhalt des Textes
3. Feedback zum Text
4. Erfahrungen sozialer Ungleichheit auf verschiedenen Ebenen
5. Bezüge zum Text
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem soziologischen Werk "Rückkehr nach Reims" von Didier Eribon auseinander, um die Verknüpfung von autobiografischen Erfahrungen mit gesellschaftlichen Macht- und Ungleichheitsstrukturen zu analysieren.
- Die Entstehung und Transformation von Klassenidentitäten in der Arbeiterfamilie.
- Die soziologische Analyse des Erstarkens rechtspopulistischer Tendenzen.
- Die Rolle institutioneller Faktoren, insbesondere des Schulsystems, bei der Reproduktion sozialer Ungleichheit.
- Die theoretische Einordnung mittels des "Doing Class"-Ansatzes.
- Die Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf die praktische Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.
Auszug aus dem Buch
4. Erfahrungen sozialer Ungleichheit auf verschiedenen Ebenen
Der Text aus Eribons Buch „Rückkehr nach Reims“ zeigt mehrere Ebenen sozialer Ungleichheit in Bezug auf die Klassenzugehörigkeit. Auf der subjektiven Ebene gibt Eribon detaillierte Einblicke in sein innerpsychisches Erleben und schildert, wie sehr diese Erlebnisse zu seiner individuellen Identitätsentwicklung beigetragen haben. Er beschreibt, wie sein Aufwachsen in einer Familie, die der Arbeiterklasse angehört, für ihn bis ins Erwachsenenalter mit Scham besetzt ist. Er vermeidet es aus Schamgefühl, seine Geburtsurkunde zu zeigen, auf der die Berufe seiner Eltern vermerkt sind und geht Begegnungen mit seiner Familie aus dem Weg, wenn er glaubt Kollegen oder Bekannte treffen zu können (vgl. Eribon, 2016: 65). Eribon investiert sein ganzes Verlangen darin, anders zu sein, bzw. das gesellschaftliche Gegenteil von dem zu werden, was seine Eltern repräsentieren (vgl. Eribon, 2016: 50). Für diese „klassenbedingte Opposition“ (ebd.) formt er seine ganze Identität, geistig, physisch und kulturell um. Er verzichtet auf handwerkliches Arbeiten und widmet sich durch Lesen intellektueller Werke ausschließlich geistigen Interessen (ebd.). Auch beim Sport enthält er sich, da eine schmächtige, schmale Statur seinen Vorstellungen der äußeren Erscheinung eines Intellektuellen entspricht (vgl. Eribon, 2016: 158). Seine Entscheidung eine intellektuelle, bürgerliche Identität anzunehmen, verändert sein Habitus und seine Persönlichkeit von Grund auf, was ihn von seinem familiären Milieu mehr und mehr entfernt (vgl. Eribon, 2016: 159).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Didier Eribons Werk "Rückkehr nach Reims" ein, skizziert dessen Schwerpunkte und benennt das Ziel der Arbeit, die Identitätsentwicklung des Autors im Kontext sozioökonomischer Ungleichheit zu betrachten.
2. Kerninhalt des Textes: Dieses Kapitel fasst die zentralen Thesen Eribons zusammen, insbesondere die Auswirkungen von Klassenzugehörigkeit auf das Leben sowie die Verschiebung des politischen Wählerverhaltens hin zum Front National.
3. Feedback zum Text: Der Verfasser reflektiert die Lektüre und lobt die gelungene Verbindung von persönlichen biografischen Erzählungen mit soziologischen Analysen.
4. Erfahrungen sozialer Ungleichheit auf verschiedenen Ebenen: Hier werden die subjektive Identitätsentwicklung Eribons und die Auswirkungen sozialer Ungleichheiten auf seine Familienmitglieder sowie die Rolle von Institutionen wie Schule und Fabrik detailliert analysiert.
5. Bezüge zum Text: Unter Rückgriff auf Karl August Chassés "Doing Class"-Theorie wird die soziale Konstruktion von Klassenidentität erläutert und auf die eigene berufliche Praxis in der Arbeit mit Geflüchteten übertragen.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die Bedeutung von Institutionen für die soziale Gerechtigkeit und regt zukünftige Untersuchungen zur Rolle des Schulsystems bei der Verstärkung oder Milderung von Ungleichheit an.
Schlüsselwörter
Didier Eribon, Rückkehr nach Reims, Soziale Ungleichheit, Arbeiterklasse, Rechtspopulismus, Klassenidentität, Doing Class, Soziale Reproduktion, Bildungssystem, Identitätsentwicklung, Sozialanalyse, Prekariat, Diskriminierung, Migrationspädagogik, Machtverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Reflexion des Buches "Rückkehr nach Reims" von Didier Eribon, wobei die Zusammenhänge zwischen Herkunftsmilieu, Identitätsbildung und gesellschaftlicher Ungleichheit im Fokus stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die soziologische Klassenanalyse, die Entstehung rechtspopulistischer Einstellungen in der Arbeiterklasse sowie die machtvolle Rolle von Institutionen im Bildungssystem.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Eribons autobiografische Erfahrungen mit soziologischen Theorien zu verknüpfen, um die Mechanismen sozialer Ungleichheit besser zu verstehen und diese auf die soziale Arbeit anzuwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Literaturanalyse, bei der soziologische Fachliteratur (Eribon, Chassé) verknüpft und auf die eigene professionelle Praxis reflektiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Kerninhalt des Buches, die Erfahrungen sozialer Ungleichheit, theoretische Bezüge zum "Doing Class"-Konzept und die praktische Anwendung bei der Arbeit mit jungen Geflüchteten dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie soziale Ungleichheit, Klassenidentität, Doing Class, Bildungsbenachteiligung und gesellschaftliche Machtstrukturen charakterisiert.
Wie überträgt der Autor die Theorie auf seine Arbeit mit Flüchtlingen?
Der Autor erkennt Parallelen zwischen den Barrieren, die Eribon im Schulsystem beschreibt, und den Hürden, auf die junge Geflüchtete im Bildungssystem stoßen, etwa durch Sprachbarrieren oder ungleiche Praktikumsvoraussetzungen.
Warum wird der Begriff "Doing Class" für die Analyse verwendet?
Der Begriff hilft zu verdeutlichen, dass Klassenunterschiede keine festen natürlichen Eigenschaften sind, sondern in alltäglichen Praktiken und durch das Handeln von Institutionen ständig neu produziert werden.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2019, "Rückkehr nach Reims" von Didier Eribon. Ein Reading Response Paper, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1194616