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Der partizipative Bürgerhaushalt in Porto Alegre

Eine Herausforderung für die liberale Demokratie?

Title: Der partizipative Bürgerhaushalt in Porto Alegre

Term Paper , 2001 , 42 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Diplom Sozialwissenschaftler Marco Müller (Author)

Politics - Region: Middle and South America
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Den Autor dieses Aufsatzes hat die Vorstellung von direkter Demokratie schon immer fasziniert. Mit direkter Demokratie ist damit ein Bild verknüpft, bei dem man Bürger über ihre gemeinsamen Angelegenheiten in einer aufgeschlossenen Art debattieren und entscheiden sieht. Natürlich spielt dabei ein Menschenbild eine Rolle, daß impliziert, das sich unterschiedliche Auffassungen und Interessen letztlich in Einklang bringen lassen, wenn man die richtigen Rahmenbedingungen schafft und die Akteure guten Willens sind.
In der Literatur gibt es unterschiedliche Einschätzungen von direkter Demokratie. Aber es gibt wohl auch einen gewissen common sense. So findet man beispielsweise weitverbreitete Argumente für und wider die direkte Demokratie, wenn man ein Handbuch der Demokratietheorie aufschlägt. (...) Die Vorteile direktdemokratischer Verfahren, die Waschkuhn nennt, sind eher mechanistischer Natur. Als einen solchen führt er beispielsweise die ´Erhöhung der Responsivität im politischen Prozeß´ (S. 509). an. Daher treffen sie nicht das, was für den Autor das Faszinosum des Themas ausmacht. Die Nachteile wiederum entbehren zugestandenermaßen nicht eines empirischen Gehalts. Doch ändert dies nichts an der Überzeugung des Autors. Da es dafür bisher aber keine handfesten Erfahrungen gab, konnte man sie höchstens als Vision deklarieren. Nun scheint es aber im Süden Brasiliens ein Modell der Bürgerbeteiligung zu geben, das oben genannten Einwänden dem ersten Anschein nach widerspricht. Denn dort entscheiden die Bürger in allen offenstehenden Versammlungen seit gut zehn Jahren selbst darüber, wie das Investitionsbudget der Stadt verwendet werden soll. In diesem Aufsatz soll daher nach einer Darstellung des Modells die den Zitaten zugrunde liegenden skeptischen Variante der Demokratietheorie im Vergleich mit einer dem Autor näher liegenden optimistischeren Variante in diesem konkreten Fallbeispiel einer Überprüfung unterzogen werden. Dazu müssen die beiden Theorieschulen erst einmal kurz expliziert werden, um die nötigen Hypothesen aufstellen zu können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Theoretischer Hintergrund

1.1 Die skeptische Variante der Demokratietheorie

1.2 Die optimistische Position

1.3. Zusammenfassung

2. Der Hintergrund des Bürgerhaushaltes

2.1 Die politische Kultur Brasiliens

2.2 Die Stellung der Gemeinde im brasilianischen Staatsaufbau

2.3 Porto Alegre

2.3 Die Arbeiterpartei

3. Darstellung des Prozesses des Bürgerhaushaltes

4. Analyse

4.1. Zu 1. Welche Bürger nehmen Teil?

4.2 Zu 2. Zeigen sich Lerneffekte?

4.3 Zu 3. Wird der Prozeß von Eliten dominiert?

4.4 Zu 4. Sind die Ergebnisse angemessen?

4.5 Zu 5. Dienen die Entscheidungen dem Gemeinwohl?

4.6 Zu 6. Welche Stellung verbleibt dem Stadtrat?

4.7 Zu 7. Wird die OP als Gegenmacht instrumentalisiert?

4.8 Zu 8. Welche Wirkung hat die OP auf die Stadtgesellschaft?

5. Schlußbetrachtung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht das Modell des partizipativen Bürgerhaushalts in Porto Alegre, Brasilien, um zu prüfen, ob dieses direkte Demokratieverfahren eine valide Alternative zu repräsentativen Systemen darstellt. Im Fokus steht die Forschungsfrage, inwieweit die dortige Praxis die skeptischen Einwände klassischer Demokratietheorien entkräften kann und welche erzieherischen sowie integrativen Wirkungen die Beteiligung der Bürger auf die Stadtgesellschaft hat.

  • Gegenüberstellung von skeptischen (altliberalen) und optimistischen (partizipatorischen) Demokratietheorien.
  • Analyse der sozioökonomischen und politischen Rahmenbedingungen in Brasilien und Porto Alegre.
  • Detaillierte Darstellung der Mechanismen und des Ablaufs des partizipativen Haushalts (Orcamento Participativo).
  • Empirische Untersuchung der Partizipationsmuster, Lerneffekte und der Einflussnahme der Bürger auf die Budgetentscheidungen.
  • Evaluation des Verhältnisses zwischen direktdemokratischen Elementen und traditionellen Repräsentationsstrukturen.

Auszug aus dem Buch

4.5 Wird der Prozeß von Eliten dominiert oder können sich alle Bürger gleichermaßen einbringen?

„Etwa fünfhundert Menschen drängen sich an diesem Winterabend der südlichen Hemisphäre auf den Bänken der Kirche des hl. Franz von Assisi, ethnisch so bunt gemischt wie die brasilianische Nationalmannschaft. Vor der Empore, auf der die Vertreter des Stadtrats sitzen und wo auch Bürgermeister Raul Pont Platz nehmen wird, stehen zwei Kandidaten der gegeneinander kandidierenden Listen, das Mikro in der Hand, und versuchen, in der auf drei Minuten begrenzten Redezeit das Publikum für ihr Programm zu gewinnen. (...) Die Atmosphäre im Raum ist konzentriert und entspannt zugleich. Spruchbänder wurden entrollt. Die eine Hälfte des Publikums unterstützt mit lauter Stimme ihre Favoriten, während sich die andere Hälfte mit Buhrufen zurückhält (...) Die Auszählung ergibt, daß beide Listen etwa gleich stark sind: 218 zu 215 Stimmen. Folglich erhalten sie beide je einen Posten im besagten Rat sowie je einen Stellvertreterposten.“ (Cassen 1998)

Wie diese stimmungsvolle Beschreibung zeigt, haben Vereine und auch Parteien vor Ort großen Einfluß. Unter Vereinen sind zu verstehen: „... neighborhood and street associations, soccer clubs, cooperations, mothers clubs, cultural groups, and so on.“ (de Sousa Santos 1998, S. 4)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Theoretischer Hintergrund: Es werden die gegensätzlichen Positionen von Böckenförde (skeptisch) und Barber (optimistisch) gegenübergestellt, um Hypothesen über die Bedingungen direkter Demokratie abzuleiten.

2. Der Hintergrund des Bürgerhaushaltes: Dieses Kapitel beleuchtet die schwierigen sozioökonomischen Ausgangsbedingungen Brasiliens sowie die Rolle der Stadtverwaltung und der Arbeiterpartei (PT) in Porto Alegre.

3. Darstellung des Prozesses des Bürgerhaushaltes: Hier wird der konkrete Ablauf der verschiedenen Runden der Bürgerversammlungen, die Rolle der Beiräte und die Gewichtungskriterien der Mittelverteilung erläutert.

4. Analyse: Das Kernkapitel prüft anhand der in Kapitel 1 aufgestellten Thesen die empirische Realität des Bürgerhaushalts hinsichtlich Teilnehmerstruktur, Lerneffekten, Machtverhältnissen und Integrationswirkung.

5. Schlußbetrachtung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass das Modell weder rein skeptisch noch rein optimistisch zu bewerten ist, sondern durch eine geschickte Kombination aus Partizipation und institutioneller Steuerung überzeugt.

Schlüsselwörter

Bürgerhaushalt, Porto Alegre, Partizipative Demokratie, Direkte Demokratie, Brasilien, Arbeiterpartei, Politische Partizipation, Kommunalpolitik, Budgetierung, Demokratietheorie, Zivilgesellschaft, Sozialstruktur, Umverteilung, Interessenvertretung, Repräsentationsstruktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Praxisbeispiel des „partizipativen Bürgerhaushalts“ in Porto Alegre als ein Modell, das versucht, direkte Bürgerbeteiligung bei der Verteilung öffentlicher Gelder mit repräsentativen Strukturen zu verknüpfen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen die demokratietheoretische Debatte zwischen skeptischen und partizipatorischen Positionen, die sozioökonomische Lage Brasiliens sowie die Auswirkungen der Bürgerbeteiligung auf die politische Kultur.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu ergründen, ob das Modell aus Porto Alegre die skeptischen Einwände gegen direkte Demokratie – etwa die Überforderung der Bürger oder die Dominanz von Eliten – entkräften kann.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor führt eine theoretische Gegenüberstellung rivalisierender Demokratiemodelle durch und gleicht diese mit empirischen Daten und Berichten zur Praxis des Bürgerhaushalts in Porto Alegre ab.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert den Prozess der Haushaltsaufstellung, die Zusammensetzung der Teilnehmer, die Lerneffekte bei den Bürgern sowie das Spannungsfeld zwischen dem Stadtrat und den Organisationen des Bürgerhaushalts.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Bürgerhaushalt, Porto Alegre, Partizipation, direkte Demokratie, Gemeinwohl, soziale Ungleichheit und politische Willensbildung.

Inwiefern hat die soziale Ungleichheit in Brasilien das Modell des Bürgerhaushalts geprägt?

Die extreme soziale Schieflage und die Notwendigkeit einer gerechten Umverteilung waren die treibenden Faktoren für die Implementierung des Modells, um den traditionellen klientelistischen Strukturen entgegenzuwirken.

Wie gehen die Verantwortlichen mit dem Problem der Eliten-Dominanz um?

Das Modell nutzt spezifische Restriktionen für Wahlen, eine rotierende Amtszeit für Repräsentanten sowie transparente mathematische Formeln für die Mittelverteilung, um die Bildung einer festen Funktionärselite zu verhindern.

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Details

Title
Der partizipative Bürgerhaushalt in Porto Alegre
Subtitle
Eine Herausforderung für die liberale Demokratie?
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Course
Seminar: „Kommunalpolitik und –verwaltung im internationalen Vergleich / Teil 2“
Grade
2,0
Author
Diplom Sozialwissenschaftler Marco Müller (Author)
Publication Year
2001
Pages
42
Catalog Number
V119461
ISBN (eBook)
9783640229024
ISBN (Book)
9783640230662
Language
German
Tags
Bürgerhaushalt Porto Alegre Seminar Vergleich Teil Bürgerbeteiligung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom Sozialwissenschaftler Marco Müller (Author), 2001, Der partizipative Bürgerhaushalt in Porto Alegre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119461
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