Versunken im Alltagsgeschehen meiner Arbeit in einer stationären Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, bemerke ich in einigen Situationen Gefühle, die bei mir ein Unbehagen auslösen, die beim genaueren Hinsehen mit ethischen Aspekten meiner Arbeit zusammenhängen. Auf zwei dieser Aspekte möchte ich in diesem Essay näher eingehen, da sie in meiner Praxis zentrale Themen sind: Vertrauen und Vulnerabilität.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vulnerabilität
3. Vertrauen
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht ethische Dilemmata in der stationären Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, insbesondere im Kontext von Vulnerabilität und dem Aufbau von Vertrauensbeziehungen.
- Ethik und Moral im sozialpädagogischen Alltag
- Die vulnerable Lebenssituation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge
- Machtverhältnisse zwischen Professionellen und Klienten
- Herausforderungen beim Vertrauensaufbau im Schichtdienst-System
- Notwendigkeit professioneller Wertediskurse in sozialen Einrichtungen
Auszug aus dem Buch
Vulnerabilität
Auf der Internetseite des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge steht, dass Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im Asylverfahren als minderjährig gelten. Wenn sie zudem ohne die Begleitung eines für sie verantwortlichen Erwachsenen nach Deutschland einreisen oder dort allein zurückgelassen werden, werden sie als Unbegleitete Minderjährige bezeichnet (https://www.bamf.de/DE/Themen/AsylFluechtlingsschutz/UnbegleiteteMinderjaehrige/unbegleiteteminderjaehrige-node.html). Da sie ohne die Begleitung eines Erwachsenen sich nun in einer ihnen fremden Umgebung befinden, zählen die unbegleiteten Kinder und Jugendlichen zu einer besonders vulnerablen und schutzbedürftigen Gruppe.
Die Kinder und Jugendlichen befinden sich, wenn sie bei uns in der WG einziehen, in einer abhängigen Position und sind stark auf die Hilfe und Unterstützung der Betreuer*innen angewiesen, da sie kaum über Kenntnisse über die deutsche Sprache und ihre neue Umgebung verfügen. Auch finanziell und rechtlich sind sie aufgrund ihres Aufenthaltsstatus eingeschränkt und abhängig. Der Zugang zu Ressourcen ist limitiert und sie benötigen aufgrund der kulturell fremden Umgebung viel Begleitung im Alltag, auch bei alltäglichen Tätigkeiten, wie z.B. beim Einkaufen. Aber auch durch Erlebnisse in den Herkunftsländern und Fluchterfahrungen wird die Vulnerabilität der Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Kindern und Jugendlichen verstärkt (vgl. Jurt/Roulin, 2016: 274).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Gefühlen als moralischer Kompass in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und führt in die zentralen Problemfelder Vertrauen und Vulnerabilität ein.
2. Vulnerabilität: Dieses Kapitel definiert die Vulnerabilität der Zielgruppe und analysiert das Machtgefälle zwischen Betreuenden und Jugendlichen sowie die ethischen Anforderungen an eine professionelle Haltung.
3. Vertrauen: Hier werden die strukturellen Hindernisse beim Beziehungsaufbau im Kontext des Bezugsbetreuersystems und der Dienstzeiten kritisch diskutiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, plädiert für die Anerkennung der Jugendlichen als handlungsfähige Subjekte und fordert die Etablierung eines professionellen Wertediskurses in der Einrichtung.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Ethik, Moral, Vulnerabilität, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Vertrauen, Machtgefälle, Bezugsbetreuung, professionelles Handeln, moralische Dilemmata, Empowerment, Wertediskurs, Hilfsbedürftigkeit, professionelle Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay?
Der Essay befasst sich mit ethischen Fragestellungen und moralischen Herausforderungen in der täglichen Arbeit von Sozialpädagogen in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich primär auf die Vulnerabilität der jungen Geflüchteten sowie auf die komplexen Anforderungen beim Aufbau von Vertrauensbeziehungen unter institutionellen Rahmenbedingungen.
Was ist das Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Reflexion des eigenen professionellen Handelns sowie die theoretische Fundierung und Auseinandersetzung mit ethischen Spannungsfeldern in der Praxis der Sozialen Arbeit.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Autorin nutzt eine reflektierende Analyse der Praxis, gestützt durch fachwissenschaftliche Literatur, um ethische Probleme und Dilemmata zu identifizieren und zu kontextualisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Verletzlichkeit der Jugendlichen, das Machtgefälle zwischen Helfern und Hilfeempfängern sowie die Schwierigkeiten durch Schichtdienst und Informationsweitergabe im Team detailliert analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Vulnerabilität, ethische Dilemmata, Vertrauen, Machtverhältnis, professionelle Reflexion und der gesellschaftliche Auftrag der Sozialen Arbeit.
Wie wirkt sich die institutionelle Struktur auf das Vertrauensverhältnis aus?
Die Arbeit verdeutlicht, dass insbesondere unregelmäßige Dienstzeiten und der Schichtdienst den Aufbau einer konstanten, vertrauensvollen Beziehung zu den Jugendlichen erschweren können.
Welche Lösungsvorschläge werden für die ethischen Dilemmata genannt?
Die Autorin schlägt die Etablierung eines professionellen, reflexiven Wertediskurses im Team vor, um moralische Dilemmata als notwendige Spannungen zu begreifen und gemeinsam zu bearbeiten.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Essay über Ethik und Moral in der Praxis der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1194710