Funktionen des Weiblichen in the Tempest


Hausarbeit, 2006

12 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Funktionen des Weiblichen in the Tempest
2.1 Weibliche Figuren außerhalb der Dramatis Personae
2.2 Die Frage nach dem Geschlecht Ariels
2.3 Zentralfigur Miranda - Ein Opfer der Männerwelt?

3 Zusammenfassung

4 Bibliographie

1 Einleitung

Wir schreiben das Jahr 2006. Seit Shakespeare seine Werke im Globe Theatre aufführen ließ, um die Menschen jener Zeit zu unterhalten, hat sich in unserer Gesellschaft so manches getan. Soziale Schranken, wie sie zu Beginn des 17. Jahrhunderts herrschten, sind in vielerlei Hinsicht aufgebrochen worden. Dabei wurde bis ins letzte Jahrhundert hinein eine Gruppe im großen Rahmen vernachlässigt, was die Anerkennung von gleichen Rechten, Sicherheit und die Chancengleichheit anbetrifft: Die Frauen. Ihre endgültige Emanzipation ist noch heute im Prozess befindlich, haben sich doch viele Auffassungen und Grundgedanken seitens der Männerwelt gegenüber ihnen über Jahrhunderte erhalten können. Auch Shakespeare bediente sein Publikum mit allerlei Klischees und schuf in seinen Werken Frauentypen wie -charaktere, die Aussage einer patriarchalischen Welt waren. Selbst wenn das Rätsel von Shakespeares Identität wohl nie gänzlich gelöst werden kann, so kann man auf den Texten seiner Werke basierend die Frauenrollen als Spiegel der Frauen jener Zeit betrachten. Am Beispiel von the Tempest soll im Folgenden untersucht werden, welche Positionen eine Frau zum damaligen Zeitpunkt einnehmen konnte und inwiefern sich diese Einordnung in die Gesellschaft auch auf heutige Frauenrollen übertragen lässt. In der Literaturwissenschaft gibt es dazu recht divergente Ansätze, welche ebenso Berücksichtigung finden sollen. Die Beobachtungen sollen sich interpretatorisch jedoch nicht auf eine Wertung der Frauenrolle konzentrieren, sondern den besonderen Charakter, den die Frauen in diesem Stück einnehmen, herausarbeiten. In anderen Worten sollen die Funktionen des Weiblichen in the Tempest untersucht werden. Die Frage nach der Weiblichkeit der männlichen Charaktere stellt sich insofern nicht, da sie nicht im Fokus der Betrachtungen liegen sollen. Einzige Ausnahme bildet Ariel, der einen Grenzfall darstellt. In diesem Sinne konzentriert sich die Arbeit auf die Frauen des Stücks und eben erwähnten Geist.

2 Funktionen des Weiblichen in the Tempest

2.1 Weibliche Figuren außerhalb der Dramatis Personae

Am Anfang des Stückes steht der Namen gebende Sturm, in den die Flotten von Neapel und Mailand geraten. Sie befinden sich auf der Heimreise von einer 'Kurierfahrt', die wohl aus heiratspolitischen Zwecken erfolgt ist. Alonso bedauert den Verlust seiner Tochter[1]. Die Reise fand also primär wegen der Heirat Claribels mit dem Thronerben von Tunis statt, die von seinem Bruder Sebastian als Verlust Europas an Afrika dargestellt wird[2]. Auch wenn sich der genaue Hintergrund für diese Vermählung nicht aus dem Text erschließen lässt, so kann man von einem größeren Ereignis sprechen, das der eigentlichen Handlung vorangeht und sie zugleich möglich macht. Im Mittelpunkt steht hierbei eine Frau, die gänzlich in der patriarchalischen Ordnung jener Zeit aufgeht, da sie ihren Gatten sicher nicht zuvor kennen und lieben lernen konnte - allein die Entfernung spricht dagegen. Festzuhalten gilt jedoch auch, dass am Anfang der Geschichte eine Hochzeit steht, was sich im späteren Verlauf der Geschichte wiederholen wird und sie in Afrika statt findet - auch Sycorax kommt aus Afrika, was den negativen Beigeschmack verstärken mag. Jedenfalls liefert die Ablieferung der Braut die Gelegenheit für Prosperos Rache, und ist somit der Auslöser für die dargestellte Handlung.

Eine weitere Frauenrolle, deren Charakter nicht näher klar wird, da sie als Dramatis Persona fehlt, ist die Rolle der Frau Prosperos und Mutter der eigentlichen weiblichen Hauptfigur, Miranda. Auch sie wird nur kurz erwähnt, kann aber nicht als bedeutungslos abgetan werden. Ihre Vorbildfunktion wirkt sich auf Miranda aus, obwohl sie sich nicht an sie erinnern kann. Denn Prospero sieht in ihr ebenso eine tugendhafte Person[3]. Erstaunlich ist jedoch, dass Miranda keinerlei Anstalten macht, weiter nach ihrer Mutter zu fragen. Ihr Schicksal bleibt also ungewiss, wodurch viel Raum für Vermutungen entstehen könnte der jedoch nicht weiter hinterfragt wird. Die Mutterrolle dagegen übernahm sozusagen Prospero, der jedoch kein vollwertiger Ersatz sein kann, so sehr er sich auch bemühen mag. So klagt Miranda einmal darüber, dass sie keine anderen Frauen kennt und deshalb auch nicht weiß, wie sich eine Frau in die Welt außerhalb der Insel einzufügen hat[4].

Eine weitere Mutterrolle, die keinen Auftritt im Stück hat und auch in zeitlicher Entfernung zum Kind steht, ist die der Sycorax. Ihre Ausgeburt, Caliban, beruft sich auf sie, als er sein Anrecht auf die Insel geltend machen will.[5] Im Gegenteil zu Prospero sieht er seine Mutter als gute Hexe, was sich nur später durch das Gespräch zwischen Ariel und Prospero relativieren lässt.[6] Jener lässt kein gutes Haar an Sycorax und stellt sich und seine Magie als strahlenden Gegenpol dar. Prospero hingegen macht sein eigenes Bild vom guten Magus zunichte, als er seine magischen Fähigkeiten niederlegt und vergangene Taten anspricht. Die Ähnlichkeit zur bösen Hexe Medea aus Ovids Metamorphosen ist hier nicht von der Hand zu weisen.[7] Über die verschiedenen Herleitungen des Namens soll hier nicht diskutiert werden,[8] aber es besteht zum Beispiel ein konnotativer Unterschied zwischen einem kranken Raben und einem Wachsenden - wenn man Prosperos Name entgegenstellt. Eine klare Polarität scheint also bereits im Namen zu anzudeuten. Da Caliban jedoch die einzige Stimme Sycoraxs ist, bleibt diese Frauenrolle eher negativ konnotiert, jedoch erscheint sie auch als etwas Bedrohliches aus der Vergangenheit. Berggren fasst dies so zusammen: "The matriarchal figure in The Tempest is Sycorax, whose demonic powers and appetites bedevil Prospero in the shape of Caliban, who cannot be reformed."[9] Auch ihre Herkunft - Nordafrika, was auch von den Gestrandeten zunächst als schlimmer Ort bezeichnet wird[10] - lässt nichts Gutes ahnen. Immerhin ist sie präsenter als Mirandas Mutter, was ihren Schatten über die Geschichte nicht mindert.[11]

[...]


[1] II.i. 104ff..

[2] II.i. 121ff..

[3] Vergleiche hierzu I.ii. 27 mit I.ii. 56, auch wenn es laut Shakespeare, William, The Tempest, ed. Stephen Orgel, (Oxford, 1987), S. 16, scherzhaft gemeint sein mag.

[4] III.i, 48ff..

[5] I.iii. 331.

[6] Unter Sycorax war Ariel der niedere Diener und musste Qualen erdulden. Vgl. I.ii. 256ff..

[7] Vgl. Richard S. Ide, "'Macbeth' and 'The Tempest': The Dark Side of Prospero's Magic", in: Praise Disjoined: Changing Patterns of Salvation in 17th-Century English Literature, ed. William P. Shaw, (New York, 1991), S. 115f..

[8] Mögliche Deutungen bietet Katherine C. King, "Go to Hell Sycorax", in: English Language Notes, 27, IV (1990), S. 1-3.

[9] Paula S. Berggren, "The Woman's Part: Female Sexuality as Power in Shakespeare's Plays", in: The Woman's Part, eds. Carolyn Ruth Swift Lenz, Gayle Greene and Carol Thomas Neely, Chicago, 1980, S. 30f..

[10] Vgl. z.B. II.i. 121ff..

[11] Vgl. Nora Johnson, "Body and Spirit, Stage and Sexuality in 'The Tempest'", in: English Language History, 64 (1997), S. 690.

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Details

Titel
Funktionen des Weiblichen in the Tempest
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Anglistik)
Veranstaltung
Proseminar in Literaturwissenschaft: "Shakespeares Romances - Märchendramen"
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
12
Katalognummer
V119477
ISBN (eBook)
9783640229123
ISBN (Buch)
9783640230723
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktionen, Weiblichen, Tempest, Proseminar, Literaturwissenschaft, Shakespeares, Romances, Märchendramen
Arbeit zitieren
Marius Dimter (Autor), 2006, Funktionen des Weiblichen in the Tempest, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119477

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