In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich die Funktion und Darstellungsform der
Triebregulierung und unterdrückten Sexualität in dem Drama „Der Hofmeister oder die
Vorteile der Privaterziehung“ von Jakob Michael Reinhold Lenz untersuchen.
Zum besseren Verständnis des Untersuchungsschwerpunktes der Triebregulierung gehe ich
im zweiten Abschnitt einleitend auf das Drama ein. Dazu wird die Entstehungsgeschichte
beleuchtet, in knapper Form der Inhalt des Dramas wiedergegeben und eine kurze formale
Analyse des Werkes erfolgen. Der Hauptteil beginnt mit der Darstellung von Lenzens
Konkupiszenztheorie, um eine Verständnisbasis für die Gründe der dargestellten Sexualität im
Drama und die Selbstkastration des Hofmeisters zu schaffen. Anschließend betrachte ich die
Theorie in ihrer praktischen Anwendung in Lenzens Schrift über die Soldatenehen. Im vierten
Abschnitt wird auf den Umgang unterschiedlicher Personen des Dramas mit der Sexualität
eingegangen. Bei der Untersuchung des Hofmeisters Läuffer möchte ich das Verbot der
Sexualität in seiner Hofmeistertätigkeit und den Onanieverdacht genauer beleuchten. Im
fünften Punkt wird abschließend die Entmannung des Hofmeisters als erfolgloser
Einschränkungsversuch seiner Triebkräfte diskutiert. Mit einem kurzen zusammenfassenden
Fazit endet die Hausarbeit.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung“
2.1 Entstehungsgeschichte
2.2 Inhalt
2.3 Formale Analyse
3. Konkupiszenztheorie Lenzens
3.1 Praktische Umsetzung der Konkupiszenztheorie: Lenzens Schrift zu den Soldatenehen
4. Sexualität im Hofmeister
4.1 Diätik des Wenzeslaus
4.2 Gustchens Flucht in die Lektüre
4.3 Tierischer Trieb bei Pätus
4.4 Übermächtige Triebe Läuffers
4.4.1 Verbot der Sexualität in der Hofmeistertätigkeit
4.4.2 Onanie: körperlicher und seelischer Verfall des Hofmeisters
5. Selbstkastration des Hofmeisters als Einschränkungsversuch seiner Triebkräfte
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion und Darstellungsform der Triebregulierung sowie der unterdrückten Sexualität im Drama „Der Hofmeister oder die Vorteile der Privaterziehung“ von Jakob Michael Reinhold Lenz unter Einbeziehung seiner Konkupiszenztheorie.
- Analyse der theoretischen Grundlagen der Konkupiszenztheorie Lenzens.
- Untersuchung des Umgangs unterschiedlicher Figuren mit Sexualität.
- Betrachtung des Verbots der Sexualität und der Folgen (Onanie) bei der Figur Läuffer.
- Diskussion der Selbstkastration als erfolgloser Versuch der Triebunterdrückung.
Auszug aus dem Buch
4.4.2 Onanie: körperlicher und seelischer Verfall des Hofmeisters
Ein weit verbreitetes Problem, das durch das Verbot der Sexualität in der Hofmeistertätigkeit entsteht, ist das der Onanie. Im 18. Jahrhundert findet eine breite Debatte über Onanie in der Theologie, Medizin und Pädagogik statt. Onanie gilt in allen Disziplinen als eine sehr gefährliche Krankheit, die nach dem Urteil der zeitgenössischen Autoritäten schwer behandelbar ist und eine erschreckend schlechte Prognose aufweist. Ihr Endstadium ist Auszehrung, epileptische Anfälle, Debilität und der Tod.
Auch bei Läuffer lassen sich typische Symptome der Onanie erkennen, die seine Lebenskraft und Geistesfähigkeit vermindern. Die wichtigsten Symptome möchte ich im Folgenden anhand einiger Textstellen aufzeigen.
Schon im Hause des Majors stellt Gustchen fest, dass Läuffer an Appetitlosigkeit und einem melancholischen Wesen leidet: „Die Augen stehen Ihnen ja immer voll Wasser: ich habe gemerkt, Sie essen nichts“, Läuffer: „Ich bin satt überhörig“. Aber auch nach der Flucht zu Wenzeslaus bleiben die Symptome nicht aus. Der Dorfschullehrer stellt fest, dass Läuffer seinen Geist nicht wach halten: „Läuffer fällt wieder in Gedanken“, „Nun ja, man hat bisweilen Abwesenheiten des Geistes; besonders die jungen Herren weiß und rot“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung zur Triebregulierung bei J.M.R. Lenz ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2. „Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung“: Dieses Kapitel liefert den historischen Kontext, eine Inhaltsangabe sowie eine erste formale Einordnung des Dramas.
3. Konkupiszenztheorie Lenzens: Es wird Lenzens theoretische Grundlage erläutert, die menschliches Begehren und das Spannungsverhältnis zwischen Trieb und Moral erklärt.
4. Sexualität im Hofmeister: Hier wird der Umgang verschiedener Protagonisten wie Wenzeslaus, Gustchen, Pätus und Läuffer mit Sexualität detailliert analysiert.
5. Selbstkastration des Hofmeisters als Einschränkungsversuch seiner Triebkräfte: Die Arbeit diskutiert die Selbstentmannung Läuffers als drastische, jedoch in der Praxis gescheiterte Maßnahme gegen seine Triebhaftigkeit.
6. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die Erkenntnis festgehalten, dass eine effektive Triebregulierung innerhalb der dargestellten Welt des Dramas nicht gelingt.
Schlüsselwörter
Triebregulierung, Konkupiszenztheorie, J.M.R. Lenz, Der Hofmeister, Sexualität, Selbstkastration, Onanie, Sturm und Drang, Läuffer, Wenzeslaus, Triebverzicht, Aufklärung, Dramentheorie, Literaturanalyse, Triebbefriedigung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit analysiert die Funktion und Darstellung von unterdrückter Sexualität und Triebkontrolle in Lenz' Drama "Der Hofmeister".
Welche zentralen Themen werden behandelt?
Zentrale Themen sind Lenzens Konkupiszenztheorie, der Umgang der verschiedenen Figuren mit ihren Trieben sowie die medizinische und moralische Debatte um Onanie im 18. Jahrhundert.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Lenz die Triebregulierung im Drama darstellt und warum die Protagonisten, insbesondere der Hofmeister Läuffer, an ihren Versuchen der Triebkontrolle scheitern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textanalytische Untersuchung durchgeführt, die auf dem Vergleich des Dramas mit Lenzens theoretischen Schriften sowie zeitgenössischen Diskursen basiert.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Konkupiszenztheorie, die Analyse spezifischer Charakterkonstellationen im Umgang mit Sexualität und die Diskussion der Selbstkastration.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Triebregulierung, Konkupiszenztheorie, Onanie, Selbstkastration und Sturm und Drang.
Warum spielt die Onanie-Debatte für die Figur Läuffer eine so große Rolle?
Im 18. Jahrhundert wurde Onanie als schwerwiegende Krankheit angesehen, die zum körperlichen und geistigen Verfall führt, was die Verzweiflung und das Handeln Läuffers im Drama begründet.
Wie unterscheidet der Autor zwischen den Figuren Pätus und Läuffer?
Während Pätus seine Triebe rücksichtslos und tierisch auslebt, versucht Läuffer, diese durch Abstinenz und schließlich durch Selbstkastration gewaltsam zu unterdrücken, was bei beiden zu negativen Konsequenzen führt.
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- Bachelor of Education Lisa Kittler (Author), 2007, Triebkontrolle und unterdrückte Sexualität im Drama - „Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung“ von J.M.R. Lenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119490