Die im Koran offenbarten Suren werden in Bezug auf die Auswanderung des Propheten von Mekka nach Medina in mekkanische und medinensische Suren(1) eingeteilt. Die Datierung der einzelnen Suren und die Klassifizierung Dieser nach den beiden Epochen beschäftigt seit Jahrhunderten Forscher und wißbegierige Menschen vom Orient, als auch vom Okzident, da die zeitliche Bestimmung für das
Verständnis der Textstücke von fundamentaler Bedeutung ist(2).
Obwohl diese Arbeit noch nicht vollständig abgeschlossen ist und, bedingt durch die Natur der Sache, auch niemals vollständig abgeschlossen werden kann, wurden bis zum heutigen Tage große
Fortschritte bei der Bewältigung dieser immensen Aufgabe getan. Heute besteht überwiegend Einigkeit über die Zugehörigkeit der 114 bestehenden Suren. Im Gegensatz dazu bereitet immer noch
die genaue chronologische Anordnung der heiligen Texte, insbesondere der Verse, nach der exakten Entstehungs- bzw. Offenbarungszeit, den Forschern große Probleme. Hier bestehen aus diesem Grund immer noch große Differenzen und Streitpunkte, welche für eine sehr lange Zeit noch zu großen Anstrengungen und Diskussionen führen werden.
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1 Diese Einteilung soll jedoch nur zeigen ob eine Sure vor oder nach der Hidschra verkündet wurde, und nicht den tatsächlichen
Ort der Offenbarung.
2 A. J. Weinsinck und J. H. Kramers (Hrsg. ), Handwörterbuch des Islam, 1941, S. 359
Inhaltsverzeichnis
1.EINLEITUNG
2. UNTERSCHEIDUNGSMERMALE DER MEDINENSISCHEN SUREN
2.1 INHALTLICHE MERKMALE
2.2 FORMALE UND SPRACHLICHE MERKMALE
3. STAND DER FORSCHUNG
3.1 THEODOR NÖLDEKE UND DIE MEDINENSISCHEN SUREN
3.2 ALTERNATIVE UNTERSUCHUNGEN
4. THEMATISCHE SCHWERPUNKTE DER MEDINENSISCHEN SUREN
4.1 KULTISCH- RELIGIÖSE THEMEN
4.2 POLITISCHE THEMEN
4.3 RECHTLICH- SOZIALE THEMEN
5. SCHLUßBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die charakteristischen Unterschiede und Merkmale der medinensischen Suren im Vergleich zu den mekkanischen Suren des Korans aufzuzeigen und deren Bedeutung für die islamische Lebensordnung zu erläutern.
- Chronologische und stilistische Einteilung der Suren im Koran
- Kultische und religiöse Neuregelungen in der medinensischen Periode
- Der Einfluss politischer Veränderungen auf die Offenbarungen
- Sozial- und rechtliche Normen als Fundament der islamischen Gesellschaft
- Vergleich der Beziehungen zu Juden und Christen
Auszug aus dem Buch
2.1 Inhaltliche Merkmale
Die Suren der medinensischen Periode unterscheiden sich stilistisch nur wenig von denen der dritten mekkanischen Periode, befassen sich aber überwiegend mit neuen Themen: Neben den Attacken gegen die Heiden kommt es nun mehr und mehr zu Angriffen auf Juden, später auch auf Christen. Gleichzeitig wird in der medinensischen Periode weiterhin wesentlich an der Vorstellung von der Identität der Lehre mit den früheren Offenbarungen des jüdischen und christlichen Glaubens festgehalten. Jedoch werden diese mit wachsender Kritik betrachtet und der Unterschied zu jenen hervorgehoben.
Des weiteren werden nun für die Muslime bedeutsame historische Ereignisse interpretiert oder behandelt (z. B. VIII, die Schlacht bei Badr; XXXIII, der Grabenkrieg; XLVIII, der Frieden von Hudaibiya usw.), und Gesetze, administrative Maßnahmen (z. B. Straf- und Zivilrecht ) sowie rituelle Vorschriften (z. B. Wallfahrt und Gebetsrichtung ) eingeführt.
Die Ursachen dafür liegen in der neuen Aufgabe und Tätigkeit des Propheten, neben seiner geistigen Führerschaft auch als weltlicher Herrscher zu fungieren. Diese neue Funktion des Propheten wurde durch das Fehlen einer einheitlichen Führung und Verwaltung des Gemeinwesens in Medina nach mekkanischer Art, auf Grund des mangelnden Zusammenhalt der Gruppen untereinander und des zum Teil bewaffneten Machtkampfes gegeneinander, begünstigt. Jener Zustand erleichterte es Mohammed, in Medina Fuß zu fassen, und die, seitens der medinensischen Bevölkerung lang ersehnte Besetzung des Führungsposten, zu realisieren. So wurde Mohammed, nach dem er zum Oberhaupt einer Gemeinde wurde, immer öfter in Fragen des Rechts um Rat gefragt.
Zusammenfassung der Kapitel
1.EINLEITUNG: Das Kapitel erläutert die Einteilung des Korans in mekkanische und medinensische Suren und die Bedeutung der chronologischen Bestimmung für das Textverständnis.
2. UNTERSCHEIDUNGSMERMALE DER MEDINENSISCHEN SUREN: Es werden die inhaltlichen, formalen und sprachlichen Merkmale dargelegt, die sich aus der neuen gesellschaftlichen Rolle des Propheten in Medina ergeben.
3. STAND DER FORSCHUNG: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene wissenschaftliche Ansätze zur Datierung und Chronologie des Korans, insbesondere das Werk von Theodor Nöldeke.
4. THEMATISCHE SCHWERPUNKTE DER MEDINENSISCHEN SUREN: Eine Analyse der inhaltlichen Schwerpunkte, unterteilt in religiöse Kultvorschriften, politische Themen sowie rechtlich-soziale Normen.
5. SCHLUßBEMERKUNG: Die Arbeit resümiert, dass die medinensischen Suren den Grundbaustein für die islamische Rechtsordnung und das gesellschaftliche Zusammenleben bilden.
Schlüsselwörter
Medinensische Suren, Koran, Mohammed, Offenbarung, Islamisches Recht, Chronologie, Theodor Nöldeke, Eherecht, Erbrecht, Almosensteuer, Hadith, Juden im Koran, Christen im Koran, Umma, Hidschra
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den medinensischen Suren des Korans und deren spezifischen Merkmalen, die sich aus der historischen und politischen Situation in Medina nach der Auswanderung des Propheten ergaben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der inhaltlichen und formalen Abgrenzung zu mekkanischen Suren, der Behandlung soziopolitischer Themen sowie der Etablierung rechtlicher Normen für die islamische Gemeinde.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen den historischen Ereignissen in Medina und den darin entstandenen Offenbarungen aufzuzeigen, die als Grundlage für das islamische Recht dienten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die insbesondere die Forschungsansätze von Islamwissenschaftlern wie Theodor Nöldeke und W. Montgomery Watt für die chronologische Einordnung der Suren reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert kultisch-religiöse Vorschriften wie die Gebetsrichtung (Kibla) oder Speisevorschriften, politische Haltungen zu Juden und Christen sowie soziale Regelungen wie das Eherecht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen medinensische Suren, Islamisches Recht, Offenbarung, Chronologie und das Wirken Mohammeds als Staatsführer.
Welche Bedeutung hat das Eherecht in den medinensischen Suren?
Das Eherecht bildet einen zentralen Bereich, der bindende Normen für eheliche Beziehungen und Scheidungen festlegte, was als sozialer Fortschritt für die damalige arabische Gesellschaft gewertet wird.
Wie verändert sich die Haltung zu den Schriftvölkern?
Während der Prophet zu Beginn Hoffnung in Juden und Christen setzte, entwickelte sich durch Konflikte eine kritischere Haltung, die schließlich in der rechtlichen Einordnung als steuerpflichtige Schriftvölker mündete.
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- Cevat Kara (Author), 1997, Die medinensischen Suren im Koran, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1194