Prädestination und Verantwortung


Studienarbeit, 2008

25 Seiten, Note: 1-


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Grundsätzliches
1.1. Eine Definition des Begriffs Prädestination
1.2. Der Begriff im Griechischen
1.3. Verschiedene Auffassungen
1.3.1. Augustinus (354-430)
1.3.2. Luther (1483-1546)
1.3.3. Calvin (1509-1564)
1.3.4. Arminius (1560-1609)
1.3.5. Karl Barth (1886-1968)
1.3.6. Die katholische Auffassung
1.4. Fazit

2. Biblischer Befund
2.1. Souveränität Gottes
2.1.1. Allwissenheit Gottes
2.1.2. Vorherwissen Gottes
2.1.3. Gott ist allmächtig
2.1.4. Gott erhält die Welt
2.2 Menschliche Verantwortung:
2.2.1. Verantwortung des Menschen
2.2.2. Der (freie) Wille des Menschen
2.3. Zusammenspiel von Souveränität Gottes und Verantwortung des Menschen

3. Umgang in der Praxis
3.1 Was machen mit der Erkenntnis?
3.2. Erwählung und Berufung
3.3. Evangelisation
3.4. Nicht jammern, sondern vertrauen
3.5. Dankbarkeit

4. Fazit der Arbeit

Bibliographie

Vorwort

Jeder Bibelleser wird unweigerlich irgendwann auf die Frage stoßen, ob die Allmacht und Souveränität Gottes die menschliche Verantwortung ausschließt. Denn es handelt sich hier um zwei scheinbar gegensätzliche Aussagen, die beide in der Bibel wieder zu finden sind. Diese Problematik verleitet leicht dazu entweder von der einen oder der anderen Seite vom Pferd zu fallen. Das heißt, es besteht die Gefahr, dass wir die Betonung ausschließlich bei der menschlichen Verantwortung lassen, oder dass wir die Souveränität Gottes zu sehr betonen und dabei den Missionsauftrag völlig missachten.

Wie bei allen theologischen Problematiken dieser Art müssen wir den richtigen Mittelweg im Umgang mit diesem Thema finden. Solch eine Antinomie taucht in der Theologie immer wieder auf. Es ist wichtig, dass wir lernen damit umzugehen. Der Mensch muss sich seines begrenzten Verstandes bewusst werden. Paulus macht dies in Röm 9,20 sehr deutlich, in dem er sagt: „Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so?“.

Die Versuchung für uns Menschen besteht darin, dass wir die eine Wahrheit durch die Art, wie die andere betont wird, beschneiden und verstümmeln, so dass sie in unser Bild passt und zu unseren scheinbar logischen Schlussfolgerungen. Die Schlussfolgerung ist, dass wir die Antinomie so annehmen müssen, wie sie ist und versuchen sie in unser Leben aufzunehmen. Das zu erreichen, ist die Aufgabe der Ethik. Darum ist es so wichtig sich mit dieser Thematik zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Vor allem im Bereich der Evangelisation entstehen so immer wieder verquere Denkarten, die nicht dem Wort Gottes entsprechen und zu einem ungesunden Umgang führen. Wie etwa, etwas karikiert ausgedrückt dazu, dass wir die Hände in den Schoß legen und Gott machen lassen, oder dass wir nachts nicht mehr ruhig schlafen können, weil so viele Menschen noch ungerettet sind, für die wir die Verantwortung tragen.

Es gilt zu verstehen, dass der Mensch nicht für Gottes Bereich zuständig ist, sondern nur für die Bereiche, in die Gott ihn eingesetzt hat,[1] in denen er aber auch die volle Verantwortung trägt.

Es soll nun zum einen Ziel dieser Arbeit sein, den Zusammenhang zwischen der Souveränität Gottes und der Verantwortung des Menschen herauszustellen. Zum anderen soll aufgezeigt werden, wie wir mit dieser scheinbaren sich widersprechenden Wirklichkeit umgehen.

Es ist hingegen nicht Ziel eine bestimmte Auffassung der Prädestinationslehre zu beweisen oder zu verteidigen. Das Thema kann hier auch nicht im vollen Umfang beleuchtet werden. Es geht darum unseren Blick für die Größe Gottes zu weiten und zu staunen.

Wichtig ist, dass wir die Grenzen des Wort Gottes beachten. Calvin sagt, dass der Heilige Geist uns zur Kammer des Königs führt, in der alle Schätze der Erkenntnis und der Weisheit verborgen liegen.[2] Und als solche sollten wir Gottes Wort auch behandeln, egal um welche Thematik es sich handelt.

1. Grundsätzliches

1.1. Eine Definition des Begriffs Prädestination

Prädestination (lat. praedestino[3] - Vorherbestimmung) bezeichnet die Gnadenwahl, die Vorherbestimmung des Menschen zur ewigen Seligkeit oder Verdammnis durch Gott; als systematische Lehre von der Prädestination in der christlichen Theologie, aufbauend auf den paulinischen Schriften des Neuen Testaments (Röm 8, 28–30, Eph 1, 3–14), durch Augustinus in der Auseinandersetzung mit dem Pelagianismus[4] begründet. Das theologische Problem liegt dabei in der Fragestellung, inwieweit die Prädestination als »Ratschluss Gottes« von Ewigkeit her feststeht und ob bzw. inwieweit der Mensch Kraft seines (freien) Willens den Glauben wählen und durch sein Handeln an seinem Heil mitwirken kann.[5]

Die einfache Prädestination heißt, dass Gott im Vorhinein die erwählt, die zu ihm kommen werden und das ewige Heil erhalten.

Doppelte Prädestination bedeutet, dass Gott im Vorhinein die erwählt, die zum Himmel oder zur Hölle bestimmt sind.

1.2. Der Begriff im Griechischen

Der bedeutendste Begriff für Vorherbestimmung ist im NT das Wort proo`ri,zw. Es wird nur dann verwendet, wenn Gott das Subjekt ist. So will es den Gedanken ausdrücken, dass eine Situation und eine Person im Voraus (pro-) füreinander bestimmt sind.

Es gibt im NT noch viele weitere Begriffen, die in ähnlicher Weise gebraucht werden und die Führung Gottes ausdrücken.[6] Die neutestamentliche Wortgruppe wird vorwiegend im Sinne der traditionellen Definition von Prädestination gebraucht, dabei handelt es sich um Gottes Absicht im Blick auf die Umstände und Schicksale der Menschen. Die weiteren Aspekte seines kosmischen Planes sind unter der allgemeinen Überschrift Vorsehung zusammengefasst. So muss man nun, um das Wesen der Prädestination zu erkennen, dies in den Gesamtplan Gottes einordnen.[7] (zum AT[8] )

1.3. Verschiedene Auffassungen

1.3.1. Augustinus (354-430)

Augustinus war der Erste, der eine systematische Lehre der Prädestination entwickelte. Er sah sich gezwungen, den Gedanken der unverdienten und willkürlichen Gnade Gottes zu verteidigen, dies führte ihn dazu, die Lehre der Prädestination zu entwickeln. In seinem Werk „Ad Simplicianum“ beschreibt er seine Gedanken über Röm 5,12 und Kapitel 9.

In seiner Schrift hält er fest, dass Gott zu allererst existiert und dass der entsprechend seines Planes erwählt. Des Weiteren erklärt er, dass Gott so viele Menschen für sein Reich bestimmt, wie Engel vom Glauben abfielen.

1.3.2. Luther (1483-1546)

Luther, der ein Mönch des Augustinerordens war, baute auf seine Lehre auf und entwickelte diese, mehr als tausend Jahre später, weiter. In seinem berühmtesten Werk "Vom unfreien Willen" schreibt er:

„Denn wenn wir glauben, dass es wahr ist, dass Gott alles vorher weiss und im vorhinein bestimmt... und dass nichts ohne seinen Willen geschieht; dann ist die logische Konsequenz, daß es weder für einen Menschen oder einen Engel noch für irgendeine andere Kreatur einen freien Willen geben kann.“

Die Lehre von der Erwählung war bei den Reformatoren untrennbar mit der Rechtfertigung allein aus Glauben und anderen zentralen Aussagen verbunden. Als Luther erkannte, dass die Prädestination die Voraussetzung für die Bedingungslosigkeit der Rechtfertigung ist, gewann diese für ihn eine große Bedeutung.[9]

1.3.3. Calvin (1509-1564)

Calvin, ein franz. Reformator. Seine Lehre gewann durch die Anerkennung seiner Lehre auf der Synode von Dortrecht (1618/1619) in den Niederlanden viel Einfluss. Dort wurde sie zur offiziellen Lehre der Reformierten.

Mit Prädestination meint er den ewigen Ratschluss Gottes, durch den Gott in sich selbst beschließt was mit einem Menschen für immer geschehen soll. Denn in den Geschöpfen Gottes ist nichts, was sie veranlassen könnte ihre Wahl für Jesus Christus zu treffen.[10] Nach Calvin sind nicht alle Menschen zu gleichen Voraussetzungen geschaffen worden, einige sind vorherbestimmt zum ewigen Leben, andere aber zur ewigen Verdammnis.[11] Die Erwählung ist dabei völlig unabhängig vom vorausgesehenen Glauben oder von den guten Werken des Menschen. Sie ist bedingungslos und beruht ausschließlich auf dem souveränen Wohlgefallen Gottes, der auch derjenige ist, der den Glauben schenkt. Die calvinistische Auffassung meint schlussfolgernd auch, dass der Mensch sich dagegen praktisch nicht wehren kann, denn Gott wird auf den Geist des Menschen so viel Einfluss ausüben, dass er willig wird.[12]

1.3.4. Arminius (1560-1609 )

Ein holländischer Calvinist. Er begründet den Arminianismus, eine formulierte Glaubenslehre, wonach der freie Wille des Menschen existieren kann, ohne die Macht Gottes einzuschränken oder im Widerspruch zur Bibel zu stehen. Die Lehre wurde allmählich zu einer Alternative zum strengeren Glauben an die Prädestination. Im Arminianismus gibt es keine Prädestination und die Menschen sind frei, sich für das Evangelium zu entscheiden oder nicht.[13][14] Nach Arminius hat Gott schon vorher gesehen, wer sich für ihn entscheiden wird und hat danach die Menschen zum Heil erwählt. Dabei betont er auch den Gnadenakt und weißt darauf, dass die Erwählung nur aufgrund von Jesus Christus möglich ist. Arminius geht davon aus, dass Gott in seiner Gnade jedem Menschen die Fähigkeit gegeben hat, Christus anzunehmen.[15]

1.3.5. Karl Barth (1886-1968)

Karl Barth war ein Schweizer evangelisch-reformierter[16] Theologe, er vertratt eine Allerwählungslehre, dabei sind in Christus alle Menschen erwählt. Nach seiner Auffassung ist Erwählung in erster Linie die Jesu Christi, zweitens die Erwählung der Gemeinde und als drittes die Erwählung des einzelnen.

[...]


[1] Dr. Thomas Schirrmacher, Ethik, Bd 1, Das Gesetz der Liebe. Hrsg von Dr. Thomas Schirrmacher und Dr. Hans-Georg Wünch. 2. Auflage (Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft, 2001. Hamburg: Reformatorischer Verlag Beese, 2001). S. 133

[2] http://www.gottes-kinder.de/dng/doku.php/calvin-von_der_ewigen_erwaehlung. 26.03.08, 17:11 Uhr

[3] J.I. Packer , Das große Bibellexikon, Bd. 3. Hrsg. von Helmut Burkhardt, Fritz Grünzweig, Fritz Laubach, Gerhard Maier. (Wuppertal: R. Brockhaus Verlag und Gießen: Brunnen Verlag, 1989), S. 1217-1219

[4] Pelagianismus der, die von dem aus Britannien oder Irland stammenden Laienmönch Pelagius begründete und besonders gegen Augustinus vertretene theologische Auffassung, nach der es eine Erbsünde nicht gibt und der Mensch kraft der Gnade Gottes eine natürliche Fähigkeit (einen freien Willen) zum Bösen wie zum Guten besitzt und durch eigene Bemühungen das Heil erlangen kann, wenn er durch die Gnade unterstützt wird. Aus: http://lexikon.meyers.de/meyers/Pr%C3%A4destination. 11.03.08, 19:00 Uhr

[5] http://lexikon.meyers.de/meyers/Pr%C3%A4destination. 11.03.08, 19:00 Uhr

[6] Packer, Das große Bibellexikon, Bd. 3, S. 1217

[7] Packer, Das große Bibellexikon, Bd. 3, S. 1218

[8] Das Alte Testament kennt keine Begriffe, um den Gedanken der Prädestination abstrakt und allgemein darzulegen. Es sagt aber oft, dass Gott bestimmte Dinge beabsichtigt, anordnet oder beschließt.

[9] Rüdiger Wisser, Unterrichtsmaterial, Soteriologie. (esra:seminar, 2008), S.19-20

[10] Wisser, Unterrichtsmaterial, Soteriologie, S. 18

[11] http://was-christen-glauben.info/deutsch/g_pred.html#bib#bib. 11.03.08, 19:00 Uhr

[12] Wisser, Unterrichtsmaterial, Soteriologie, S. 18-19

[13] http://de.wikipedia.org/wiki/Jacobus_Arminius. 11.03.08, 19:00 Uhr

[14] http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761572824/Arminianismus.html. 11.03.08, 19:00 Uhr

[15] Wisser, Unterrichtsmaterial, Soteriologie, S. 17-18

[16] http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Barth, 19.03.08, 22:05 Uhr.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Prädestination und Verantwortung
Note
1-
Autor
Jahr
2008
Seiten
25
Katalognummer
V119557
ISBN (eBook)
9783640226399
ISBN (Buch)
9783640227686
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prädestination, Verantwortung
Arbeit zitieren
Cornelia Schönfeld (Autor), 2008, Prädestination und Verantwortung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119557

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