Wagen in der Antike


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Das Inhaltsverzeichnis

1. Die Einleitung

2. Zur Verbreitung des Wagens im Mittelmeergebiet

3. Zur Konstruktion und zum Gespann römischer Wagen

4. Verwendungsarten des Wagens und gängige Fahrzeugtypen im Römischen Reich

5. Fazit

6. Das Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Forschungsliteratur
6.3 Internet-Links
6.4 Abbildungen

Abbildung auf Titelblatt:

Römischer Reisewagen. Grabrelief aus Virunum, dem heutigen Maria Saal bei Klagenfurt.

Abrufbar unter: http://www-sci.uni-klu.ac.at/archeo/alltag/9transport.htm (Datum: 2.4.2002)

1. Die Einleitung

Der von Tieren gezogene Wagen war in der Antike ein nützliches Gebrauchsmittel des Menschen. Er ermöglichte, Entfernungen über Land verhältnismäßig schnell zu überbrücken. Darüber hinaus erlaubten Wagen den Landtransport von Gütern und Materialien in einem Umfang, der mit anderen Mitteln zur damaligen Zeit nicht zu realisieren war.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Bedeutung, die der Wagen als Verkehrsmittel in der römischen Antike besaß, herauszustellen und zu verdeutlichen. Zu diesem Zwecke werden die vielfältigen Verwendungsarten und Einsatzgebiete des Wagens vorgestellt sowie die gebräuchlichsten Fahrzeugtypen eingehend beschrieben.

Vorab gibt Kapitel 2 einen kurzen Abriß zur Verbreitung des Wagens im Mittelmeerraum. Hierbei erhält der wissenschaftliche Streit über den Ursprung des Wagens besondere Beachtung. Die in der Forschung herrschenden gegensätzlichen Positionen werden an dieser Stelle einführend dargestellt. Auf eine tiefergehende und detailliertere Bearbeitung und Bewertung des Problems wird jedoch bewußt verzichtet, da diese Thematik genügend Stoff für eine eigene wissenschaftliche Arbeit bereithalten würde.

Der dritte Abschnitt erläutert die Konstruktion von antiken Wagen am Beispiel römischer Fahrzeuge. Die Arbeit konzentriert sich im folgenden ausschließlich auf die Wagen des Alten Roms, zum einen aus Gründen der thematischen Beschränkung, zum anderen wegen der Tatsache, dass der heutigen Forschung eine Vielzahl von auswertbaren Informationen und Zeugnissen über römische Fahrzeuge vorliegen. Darüber hinaus wird in diesem Kapitel auf die Schirrung und die Zusammensetzung des Gespanns eingegangen. Hierbei treten in der Wissenschaft unterschiedliche Auffassungen über die Technik und den Kenntnisstand der Römer auf, die an dieser Stelle gegenübergestellt und abschließend bewertet werden sollen.

Der vierte Abschnitt bildet den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit. An dieser Stelle werden die Arten der Wagennutzung sowie die gebräuchlichsten Fahrzeugtypen des Römischen Reiches vorgestellt. Es sollen die Eigenheiten und die speziellen Verwendungsgebiete der verschiedenen Wagentypen herausgearbeitet werden.

Abschließend folgt das Literaturverzeichnis, unterteilt in Quellen, Forschungsliteratur und Internet-Links.

Unter den eingesehenen wissenschaftlichen Werken ist besonders auf die Arbeit Die Reiter Roms (1990) von M. Junkelmann zu verweisen, der einen ausführlichen Überblick über die verschiedenen Arten der Wagennutzung sowie die unterschiedlichen Fahrzeugtypen im Römischen Reich bietet. Darüber hinaus geht Junkelmann auf die Schwachpunkte von Fahrzeug und Gespann ein und setzt sich kritisch mit herrschenden Ansichten in der Forschung auseinander.

Einen detaillierten Überblick über die Entstehung und die Verbreitung des Wagens liefert der Aufsatz Wheeled vehicles von V.G. Childe, nachzulesen in A History Of Technology. Bd. 1 (1954), herausgegeben von C. Singer, E.J. Holmyard und A.R. Hall sowie das Buch Reisen in der Alten Welt (1974) von L. Casson, das zudem noch viele Informationen zum griechischen und römischen Fahrzeugverkehr bereithält.

Des weiteren zu nennen ist der zweite Band der Studies in Ancient Technology (1993) von R.J. Forbes, der den Straßenverkehr und Landtransport im antiken Mittelmeergebiet behandelt. Forbes gibt in seiner Arbeit Informationen sowohl zu griechischen als auch zu römischen Fahrzeugtypen, geht auf ihre verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten ein und setzt sich mit den Schwachpunkten und Nachteilen der Wagenfahrt in der Antike auseinander.

Auch der ausführliche lexikonartige Beitrag zum Stichwort ‚Wagen‘, den das Buch Alltag im Alten Rom (1995) von K.-W. Weeber bereithält, erwies sich bei der Erstellung der vorliegenden Arbeit als ausgesprochen hilfreich. Neben der Vorstellung der gängigsten römischen Fahrzeugtypen geht dieser Artikel auf die Bedeutung des Wagens im alltäglichen Leben ein und benennt Vor- und Nachteile des Straßenverkehrs im Römischen Reich.

2. Zur Verbreitung des Wagens im Mittelmeergebiet

Die Entstehung des Wagens war eng mit der Erfindung des Rades verknüpft[1]. Der früheste Beleg für den Gebrauch von Rädern stammt aus der Region um Euphrat und Tigris, datiert auf die Zeit kurz vor 3000 v. Chr.[2]. Die Verwendung des Rades revolutionierte den Transport und den Verkehr zu Land. Auf den bislang zur Beförderung von Lasten genutzten Holzschlitten mit untergelegten Walzen oder Rollen konnte man nur bei entsprechenden örtlichen Gegebenheiten und zu bestimmten Jahreszeiten zurückgreifen. Versehen mit Rädern war das so entstandene Vehikel das ganze Jahr hindurch einsetzbar und war zudem nicht an spezielle räumliche Beschaffenheiten gebunden[3].

Die Entstehung des Wagens ist in der Forschung umstritten. Hier stehen sich zwei scheinbar unvereinbare Ansichten gegenüber: Die eine Position sieht als Ausgangspunkt die Rollen und Walzen, die dem Schlitten untergelegt wurden. Die Erkenntnis, dass durch diese Hilfsmittel der Schlitten bewegt wurde und eine Last transportiert werden konnte, hätte den Menschen auf den Gedanken gebracht, permanent Rollen unter dem Schlitten zu befestigen. In einem weiteren Schritt wären die Rollen dann aus praktischen Gründen auf Scheiben reduziert worden. So sei der Wagen entstanden[4].

Die andere Position ist von Eduard Hahn im Zusammenhang mit seiner Theorie von der Entstehung der Pflugkultur entwickelt worden. Hahn bestreitet die Entwicklung des Wagens aus dem Rollschlitten, vielmehr vertritt er die Meinung, dass ein handliches Modell als Vorbild diente. Zwei auf eine Spindel gesteckte Wirtel - runde, in der Mitte durchbohrte Scheiben - sollen laut Hahn den Anlaß zur Erfindung des Fahrzeugs gegeben haben. Als sich anhand dieses Gerätes herausstellte, dass man über eine oder zwei Achsen dieser Art eine Fläche anbringen konnte, die dann von den Rädern bewegt wurde, war der Wagen erfunden[5]. Der konkurrierenden Sichtweise setzt Hahn entgegen, dass der Wagen ursprünglich ein heiliges Gerät gewesen sei, das einzig für den Transport von Götterstatuen und Reliquien benutzt worden wäre. Es sei nicht nachvollziehbar, wenn ein aus praktischen Zwecken entwickeltes, aus den Erfahrungen der Lastenbewältigung heraus entstandenes Gerät zum Fahrzeug der Götter geworden wäre. Nur der umgekehrte Weg vom heiligen Wagen zum Gerät des profanen Gebrauchs erscheint Hahn möglich[6].

Keine der beiden Theorien kann eindeutige Beweise für ihre Richtigkeit bzw. für die Unwahrheit der Gegenposition vorweisen. In der eingesehenen Literatur wird dennoch - sofern diese Thematik aufgegriffen wird - Position bezogen und der erstgenannte Standpunkt favorisiert. So stellt Childe in seiner Arbeit die ersten Fahrzeuge als eine Weiterentwicklung des Rollschlittens dar und schreibt ihnen die Funktion eines Transportmittels zu[7]. Mötefindt bevorzugt ebenfalls diese Position, des weiteren lehnt er Hahns Theorie ab und widerspricht dessen Argumentation. Er führt archäologische Forschungsergebnisse an, die besagen, dass Kultwagen erst auftraten, als Streitwagen und Transportfahrzeuge bereits lange Zeit in Gebrauch waren[8]. „Für den Archäologen ist es zu offensichtlich, dass die Kultwägelchen all das, was sie an Ähnlichkeiten mit den Wagen besitzen, vom Wagen her übernommen haben.“[9].

Die frühesten Beispiele für Wagen stammen von den Sumerern, einem Volk in Nordmesopotamien, und wurden auf die Zeit um 3000 v. Chr. datiert. Hierbei handelte es sich um einfache, kleine Wagen aus Holz, die einen schweren Wagenkasten besaßen und von vier massiven Rädern getragen wurden. Die Kästen waren nur etwa 50 cm breit, die Räder hatten einen Durchmesser von 50 cm bis zu einem Meter. Die Sumerer nutzten das schwerfällige Fahrzeug als Transport- und Beförderungsmittel. Gezogen wurde der Wagen von Onagern, wilden Eseln. Darstellungen der Zeit zeigen sie zumeist zu viert angeschirrt[10]. Neben Onagern waren auch Ochsen bereits zu dieser Zeit als Zugtiere gebräuchlich und wurden zumeist paarweise zur Bewegung schwerer Lasten eingesetzt[11]. Die Nachbarvölker adoptierten rasch die sumerische Konstruktion und übernahmen die Techniken des Wagenbaus[12].

Der zweirädrige Karren scheint ein wenig später als der vierrädrige Wagen eingeführt worden zu sein. Auch dieser war zuerst noch ein verhältnismäßig schweres Fahrzeug mit massiven Rädern, das von Wildeseln gezogen wurde[13]. Das zweirädrige Gefährt diente in Mesopotamien unter anderem als Streitwagen, der bei kriegerischen Auseinandersetzungen eingesetzt wurde. Zahlreiche Abbildungen auf Monumenten zeigen zwei Personen, den Lenker und einen Soldaten, als Besatzung des wuchtigen und schwierig zu manövrierenden Fahrzeugs[14].

Bis zum Ende des dritten Jahrtausends scheinen im Vorderen Orient und in Europa nur Ochsen und Onager als Zugtiere genutzt worden zu sein. Erst ab der Jahrtausendwende wurde das Pferd in diesen Gebieten als Zugtier eingeführt[15]. Die Überführung des Wildpferdes zum Haus- und Nutztier begann scheinbar bereits im Verlauf des vierten Jahrtausends v. Chr., als erstes Domestikationszentrum gilt in der heutigen Forschung der eurasische Steppenraum[16]. Ab etwa 2000 v. Chr. setzte sich im Vorderen Orient und im Mittelmeerraum die Nutzung der Zugkräfte des Pferdes durch. Als Zugtiere für Streitwagen wurden in der Folgezeit nahezu ausschließlich Pferde benutzt, sie brachten aufgrund ihrer Schnelligkeit eine neue Qualität in die Führung kriegerischer Auseinandersetzungen[17].

Etwa zeitgleich mit der Einführung des Pferdes als Zugtier ging im Vorderen Orient die Entwicklung der Technik einher, Holz durch Einwirkung von Wasser und Hitze zu biegen[18]. So ließen sich ab Beginn des zweiten Jahrtausends die massiven Scheibenräder durch leichtere Speichenräder ersetzen - üblicherweise waren es vier, manchmal sechs Speichen, die auf einem Kranz von Felgen angebracht waren. Den schweren Wagenkasten löste ein leichter Wagenkorb aus Weidengeflecht ab, dessen Rahmen aus gebogenem Holz bestand. Die neue Technik breitete sich nach ihrer Herausbildung im Vorderen Orient innerhalb weniger Jahrhunderte westwärts nach Griechenland, Kreta und Nordeuropa sowie ostwärts nach Indien und China aus[19].

Besonders vorteilhaft wirkte sich die Neuerung im militärischen Bereich aus. Es wurde nun ein Streitwagen benutzt, der ein ausgesprochen geringes Gewicht besaß und daher schnell und einfach zu steuern war[20]. Das Fahrzeug war so leicht, dass Diomedes, einer der homerischen Helden, beim Versuch einen feindlichen Streitwagen zu stehlen, überlegt, ob er ihn fortziehen oder einfach auf die Schulter nehmen und forttragen sollte[21].

Der leichte Streitwagen war ab dem 16. Jahrhundert v. Chr. auch im mykenischen Griechenland populär und gebräuchlich. Auf dem zweirädrigen Gefährt befanden sich in der Regel der Lenker und ein Soldat, ausgerüstet mit Pfeil und Bogen oder Wurfspeeren. Die Räder besaßen vier bis acht Speichen, sie rotierten an starren Achsen. Vor das Fahrzeug wurden zwei, manchmal auch bis zu vier Pferde gespannt[22]. War der Streitwagen in der archaischen Epoche noch „a significant part of the fighting-arm of the Greeks“[23], so verlor er in der klassischen Periode stark an Bedeutung. Der Gebrauch von Fahrzeugen in kriegerischen Auseinandersetzungen war nun unüblich geworden, vielmehr wurde jetzt auf Reiterheere zurückgegriffen[24].

Als Transport- und Beförderungsmittel fand der Wagen in Griechenland nur selten Verwendung. „Carriages existed but were unpopular.“[25]. Gründe für die Nichtberücksichtigung und Ablehnung waren das mangelhafte Verkehrswegenetz und die schlecht ausgebauten Straßen im zerklüfteten und politisch uneinigen Griechenland[26]. So beschreibt Pausanias im zweiten Jahrhundert v. Chr. die meisten Straßen als sehr eng[27] und „unpassierbar für Wagen“[28]. Nur wenige Wege waren geeignet für den Fahrzeugverkehr, häufig Straßen, die zu den heiligen Stätten oder von Steinbrüchen zu Hafenanlagen an der Küste führten[29].

[...]


[1] vgl.: Childe, V.G.: Wheeled vehicles. In: Singer, C./Holmyard, E.J./Hall, A.R. (Hrsg.): A History Of
Technology. Bd. 1. Oxford 1954. S. 716. (künftig zitiert: Childe)

[2] vgl.: ebd., S. 716.

[3] vgl.: ebd., S. 716.

[4] vgl.: Mötefindt, H.: Die Entstehung des Wagens und des Wagenrades. In: Mannus 10/1919. S. 32.
(künftig zitiert: Mötefindt)

[5] vgl.: ebd., S. 34.

[6] vgl.: Ebert, M. (Hrsg.): Reallexikon der Vorgeschichte. Bd. 14. Berlin 1929. S. 232.

[7] vgl.: Childe, S. 716 f.

[8] vgl.: Mötefindt, S. 36.

[9] aus: ebd., S. 36.

[10] vgl.: Casson, L.: Reisen in der Alten Welt. München 1974. S. 15. (künftig zitiert: Casson)

[11] vgl.: Childe, S. 719 f.

[12] vgl.: ebd., S. 716 f.

[13] vgl.: Casson, S. 15.

[14] vgl.: Childe, S. 724 f.

[15] vgl.: ebd., S. 721.

[16] vgl.: ebd., S. 721.

[17] vgl.: ebd., S. 721 f.

[18] vgl.: Casson, S. 15.

[19] vgl.: ebd., S. 16.

[20] vgl.: Casson, S. 15 f.

[21] vgl.: Hom. Il. X, 504-505.

[22] vgl.: Jope, E.M.: Vehicles and harness. In: Singer, C. u.a. (Hrsg.): A History Of Technology. Bd. 2.
Oxford 1956. S. 541 f. (künftig zitiert: Jope)

[23] aus: ebd., S. 537.

[24] vgl.: ebd., S. 537.

[25] vgl.: Forbes, R.J.: Studies in Ancient Technology. Bd. 2. Leiden/New York/Köln 1993. S. 136.
(künftig zitiert: Forbes)

[26] vgl.: Goodchild, R.G./Forbes, R.J.: Roads and land travel. In: Singer, C. u.a. (Hrsg.): A History Of
Technology. Bd. 2. Oxford 1956. S. 498. (künftig zitiert: Goodchild/Forbes)

[27] vgl.: Paus. II, 11, 3.

[28] aus: Paus. II, 38, 4.

[29] vgl.: ebd., S. 498 f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Wagen in der Antike
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Seminar für Alte Geschichte)
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V11956
ISBN (eBook)
9783638179843
Dateigröße
797 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike, Wagen, Römisches Reich, Rom, Rom, Griechenland, Sumerer, Handel
Arbeit zitieren
Karsten Kramer (Autor:in), 2002, Wagen in der Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11956

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