Lernprozesse aus dem Blickwinkel der Lernpsychologie

Theorie und Anwendungshinweise


Seminararbeit, 2008

22 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Lernen

3. Psychologische Schulen
3.1 Behaviorismus
3.2. Kognitive Lernpsychologie

4. Paradigmen
4.1. Lernen durch Kontiguität (behavioristisch)
4.1.1. Beispiel: Klassische Konditionierung: Pawlow’scher Hund
4.1.2. Beispiel: Watson
4.1.3. Unterrichtsbezug
4.2. Lernen durch Verstärkung (behavioristisch)
4.2.1. Beispiel: Instrumentelle Konditionierung: Thorndikes Problemkäfig
4.2.2. Beispiel: Operante Konditionierung: Skinnerbox
4.2.3. Unterrichtsbezug
4.3. Lernen durch Beobachtung (sozial-kognitiv)
4.3.1. Beispiel: Banduras Bobo-Doll-Studie
4.3.2. Unterrichtsbezug

5. Zusammenfassung

6. Literatur

1. Einleitung

Das erste Kapitel dieser Arbeit widmet sich der theoretischen Diskussion des Lern-Begriffes in der Psychologie. Der zweite Teil steht unter der Überschrift „Psychologische Schulen“ und behandelt die zwei einflussreichsten Schulen, den Behaviorismus und die kognitive Lernpsychologie. Im dritten und letzten Teil, werden die drei wichtigsten Paradigmen behandelt (Lernen durch Kontiguität, Lernen durch Verstärkung und Lernen durch Beobachtung) und auch exemplarisch anhand wichtiger Vertreter und deren Experimenten dargestellt. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt vor allem auch darin, die vorgebrachten Theorien für den/die Lehrende/n nutzbar zu machen. Daher wird bei jedem Paradigma auf Implikationen und Anwendungen für den Unterricht eingegangen.

2. Definition von Lernen

Es gibt viele Versuche, den Begriff „Lernen“ im psychologischen Sinne zu definieren (vgl. Edelmann 1996, S. 4f; Illichmann 1996, S. 67; Lefrançois 2006, S. 6f; Schermer 1998, S. 10f; Zimbardo 1995, S. 63). Es ist auffällig, dass all diese Definitionen – mögen sie noch so verschieden sein – einige Elemente gemeinsam haben. Auf diese Aspekte wird im Folgenden eingegangen.

Von Lernen wird gesprochen, wenn ein früherer Zustand verändert worden ist. Anders als im Alltagsverständnis, muss sich Lernen nicht auf eine Verbesserung beziehen, sondern kann auch Verschlechterungen beinhalten. So kann es passieren, dass ein Autofahrer durch einen Unfall lernt sich vor dem Autofahren zu ängstigen und in der Folge zu einem gewissen Grad seine routinierte Fahrweise verlieren (Schermer 1998, S. 11).

Ohne Veränderung gibt es kein Lernen, aber nicht jede Veränderung ist ein Lernprozess. Damit eine Veränderung als Lernen bezeichnet werden kann, muss sie (1) auf Erfahrung und/oder Übung des Organismus zurückgehen und (2) für längere Zeit verfügbar (stabil) sein. Reifung, Medikamenteneinfluss oder Ermüdung sind demgemäß also keine Lernprozesse (IIM 2005; Schermer 1998, S. 11).

Lernprozesse können nicht direkt beobachtet werden. Daher kann man sie nur aus den Veränderungen des (beobachtbaren) Verhaltens erschließen. (Zimbardo 1995, S. 265)

3. Psychologische Schulen

Als Geburtsstunde der Psychologie als Wissenschaft wird von vielen die Gründung des ersten wissenschaftlichen Psychologielabors in Leipzig angesehen, die Wilhelm Wundt im Jahre 1879 veranlasste. Das Forschungsinteresse Wundts und seiner Nachfolger bezog sich zum großen Teil auf geistige Konzepte wie Bewusstsein, Empfindung, Gefühl, Vorstellung und Wahrnehmung. Sie versuchten zu deren Untersuchung die objektiven Methoden der Wissenschaft zu verwenden (Lefrançois 2006, S. 20). Im frühen 20. Jahrhundert wurden – besonders in den USA – immer mehr Stimmen laut, die die Untersuchung von solchen geistigen Konzepten ablehnten (Lefrançois 2006, S. 20). Mit dem Artikel „Psychology as the behaviorist views it“ legte John Watson im Jahre 1913 das Fundament für die aufkommende Strömung des Behaviorismus (Zimbardo 1995, S. 277).

3.1 Behaviorismus

Das aus den Vereinigten Staaten stammende behavioristische Modell dominierte die amerikanische Psychologie etwa von den 20er bis zu den 60er Jahren. Im deutschsprachigen Raum hatte der Behaviorismus erst nach dem 2. Weltkrieg eine einflussreiche Rolle und wurde schließlich in den 60er und 70er Jahren das dominierende Forschungsparadigma, bis er schließlich in der kognitiven Wende von dem Paradigma der kognitiven Lernpsychologie abgelöst wurde (Maderthaner & Leder 2006, S. 38f).

Die Vertreter des frühen Behaviorismus lehnten subjektive und schwierige Themen wie Geist und Denken ab und konzentrierten sich stattdessen auf objektivere Aspekte des Verhaltens, wie Stimuli, Reaktionen und Belohnungen (Lefrançois 2006, S. 20).

Die Befürworter des Behaviorismus waren der Meinung, dass ausschließlich beobachtbares Verhalten Gegenstand einer wissenschaftlichen Psychologie sein könne. Die Existenz von Bewusstsein leugneten sie zwar nicht, doch da dieses nur über die Selbstbeobachtung zugänglich ist, könne es nicht Thema einer objektiven Wissenschaft sein. Eine derart extreme Position ließ sich nicht über lange Zeit halten. In heutigen behavioristischen Positionen wird der Verhaltensbegriff so ausgedehnt, dass auch Aspekte des Erlebens enthalten sind (Schermer 1998, S. 18).

Der klassische Behaviorismus nimmt an, dass das Verhalten gänzlich durch Umweltbedingungen, Reize von außen und dadurch eingeleitete Lernprozesse determiniert ist und kaum von Vererbung bestimmt wird. Menschen sind demzufolge von Natur aus weder gut noch böse, sondern reagieren schlicht auf Umweltgegebenheiten (Maderthaner & Leder 2006, S. 38). Auch wenn dieser „radikale Behaviorismus“ nur mehr wenige Vertreter hat, haben seine theoretischen und methodischen Prinzipien doch einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, der immer noch spürbar ist (Vitouch, Benetka & Korunka 2002, S. 27).

3.2. Kognitive Lernpsychologie

In den 60er Jahren kam es zur sogenannten kognitiven Wende, in der die kognitive Sichtweise jene Rolle übernahm, die vorher der Behaviorismus innehatte. Dem kognitiven Modell zufolge stellen Kognitionen (lat. cogito = ich denke, ich erkenne) den primären Gegenstand der Psychologie dar (Maderthaner & Leder 2006, S. 39). Der Organismus gilt dabei als System, das Informationen aufnimmt, bewertet und mit bestehenden Informationseinheiten in Beziehung setzt. Verhaltensänderung darf nicht mit dem Lernprozess gleichgesetzt werden, da sie nur eine Folge davon ist (Schermer 1998, S. 19). Der „reduktionistische“ Ansatz des frühen Behaviorismus wurde vehement abgelehnt (Lefrançois 2006, S. 178). Menschen würden nicht auf die objektiv beschreibbare materielle Welt reagieren, sondern darauf, wie sie sich ihnen in ihrer subjektiven Sichtweise darstellt (Vitouch, Benetka & Korunka 2002, S. 28). Kognitive Lerntheorien betonen also die Bedeutung von Wahrnehmungen, Bewertungen und Gedanken des Organismus für den Lernprozess. Diese bestimmen mit, welche Reize bzw. Konsequenzen wahrgenommen werden. Verschiedene Personen nehmen die gleiche Wirklichkeit verschieden wahr (Schermer 1998, S. 21‐22):

EinePerson, die nach einer Bushaltestelle sucht, wird in einer Stadt nur nach dem Halteschild Ausschau halten, während sie Gasthausschilder, die dem hungrigen Stadtbummler sofort ins Auge fallen, gänzlich übersieht.

Kognitive Lerntheorien bieten Erklärungsmöglichkeiten für Phänomene, die von rein behavioristischen Theorien nicht erfasst werden konnten (Herkner 2001, S. 66).

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Lernprozesse aus dem Blickwinkel der Lernpsychologie
Untertitel
Theorie und Anwendungshinweise
Hochschule
Universität Wien
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V119566
ISBN (eBook)
9783640229321
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernprozesse, Blickwinkel, Lernpsychologie, Theorie, Lerntipps
Arbeit zitieren
Christoph Burger (Autor), 2008, Lernprozesse aus dem Blickwinkel der Lernpsychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119566

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