Wortbildung in der Werbesprache: Wortbildungstypen in der Anzeigenwerbung der BILD-Zeitung (Ausgabe 126/22 am Freitag, 1. Juni 2012)


Hausarbeit, 2012

37 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen zu Wortbildungen in der Werbesprache
2.1 Was ist „Wortbildung“?
2.2 Funktion und Notwendigkeit von Wortbildung in der Werbesprache
2.3 Die Wortbildungstypen der Werbesprache - eine Auswahl
2.3.1 Kontamination/Wortmischung
2.3.2 Determinativkomposition
2.3.3 Konversion
2.3.4 Kurzwortbildung

3 Exemplarische Analyse der Werbeanzeigen in der „BILD-Zeitung“, Ausgabe 126/22 am Freitag, 1. Juni 2012
3.1 Korpus und Beschreibungsverfahren
3.2 Modellhafte Analysen
3.2.1 Anzeige 1: PENNY
3.2.2 Anzeige 2: Renault
3.2.3 Anzeige 3: The Beach Boys CD
3.2.4 Anzeige 4: Gerolsteiner
3.2.5 Anzeige 5: Media Markt
3.2.6 Anzeige 6: SKODA
3.2.7 Anzeige 7: T-Mobile
3.2.8 Anzeige 8: Thriller-Edition

4 Ergebnis

5 Anlagen

6 Quellen-und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Leser von Publikumszeitschriften verwenden im Allgemeinen nur circa 2 Sekunden darauf, eine Werbeanzeige zu betrachten. Daraus ergibt sich für Werbetexter der Zwang zu griffiger Kürze und optimaler Platzierung der zu übermittelnden Informationen.1 Um die Information optimal in eine Werbeanzeige zu verpacken, bedienen sich Werbetexter den Strategien und Regeln der Wortbildung, da durch unterschiedliche Wortbildungstypen unterschiedliche Ziele verfolgt und Funktionen erfüllt werden können. In der vorliegenden Arbeit sollen nun die verschiedenen Wortbildungstypen, die in der Anzeigenwerbung auftreten, ausfindig gemacht werden. Als übergreifende Fragestellung dabei dient die Frage, welcher der auftretenden Wortbildungstypen der im Korpus am häufigsten belegte ist und warum das der Fall ist. Da im Rahmen dieser Arbeit nicht alle Werbeanzeigen der deutschen Anzeigenwerbung untersucht werden können, wird sich die Untersuchung auf eine einzige Ausgabe und alle darin enthaltenen Werbeanzeigen einer Publikumszeitschrift beschränken. Die untersuchte Publikumszeitschrift ist die BILD-Zeitung, genauer die Ausgabe 126/22 vom 01.Juni 2012. . Diese als Trägermedium der zu untersuchenden Werbeanzeigen wurde aus zwei Gründen gewählt: zum einen enthält sie einige sehr auffällige Anzeigen, die sich für eine Untersuchung hinsichtlich der Wortbildungstypen bestens eignen und zum anderen ist die Anzahl der abgebildeten Anzeigen in einer Ausgabe der BILD so gering (nur 8 Anzeigen), dass im Rahmen dieser Arbeit alle Anzeigen untersucht werden können. Um herauszufinden welcher Wortbildungstyp der in den Werbeanzeigen der BILD- Ausgabe 126/22 am häufigsten vertretene ist und aus welchem Grund dieser so häufig gewählt wurde, wird wie folgt vorgegangen: In Kapitel 2 wird zuerst einmal „Wortbildung“ definiert und auf die Funktionen dieser in der Werbesprache eingegangen. Danach werden alle im Korpus vorkommenden Wortbildungstypen genauer beleuchtet, sodass ein gewisses Grundwissen für Kapitel 3, der Analyse der Werbeanzeigen geschaffen wird. Bei dieser Analyse wird jede Werbeanzeige für sich genommen und nach auffälligen Wortbildungskonstruktionen und deren Wortbildungstyp untersucht. Ist der Wortbildungstyp ausgemacht, so soll der mögliche Grund für die Wahl dieses Wortbildungstyps gefunden werden. Kapitel 4 beinhaltet schließlich die Auswertung der Untersuchung aus Kapitel 3 und die darauf basierende Beantwortung der oben gestellten Fragestellung.

Theoretische Grundlagen zu Wortbildungen in der Werbesprache

2.1 Was ist „Wortbildung“?

Die Arbeit mit Wortbildungstypen und Wortbildung im Allgemeinen fordert zunächst einmal die begriffliche Klärung von „Wortbildung“. „Wortbildung ist die Produktion von Wörtern (Wortstämmen) auf der Grundlage und mit Hilfe vorhandenen Sprachmaterials [.].“2 Dabei werden nach bestimmten Regeln aus vorhandenen Lexemen und Morphemen neue komplexe Sprachzeichen gebildet.3 Die Wortbildung ist abzugrenzen von der Wortschöpfung auf der einen Seite, denn diese besteht darin, dass „Wörter aus Lautkomplexen ,geschaffen‘ werden, die in der Sprache (noch) nicht als bedeutungstragende Elemente (Zeichen) vorhanden sind.“4 Auf der anderen Seite ist Wortbildung abzugrenzen von Flexion, der sogenannten Wortformenbildung. Diese „bezieht sich auf die Prozesse, welche die verschiedenen Formen desselben Lexems erklären. Es ist ein Oberbegriff für Deklination, Konjugation und Komparation. Ein Flexionsprozeß resultiert in einer neuen Form des gleichen Lexems. Flexionsprozesse [.] signalisieren grammatische Beziehungen wie z.B. Numerus, Tempus [und] Genus [.]. Sie beeinflussen [jedoch] nicht die lexematische Identität der Wörter.“5 Für die Wortbildung wichtig sind auch die sogenannten Wortbildungseinheiten. aus denen Wörter gebildet werden. Man unterscheidet hierbei zwischen Wortbildungsunspezifischen und Wortbildungsspezifischen Einheiten. Solche „Wortbildungsunspezifische[n] Einheiten, die auch außerhalb der Wortbildung eine Rolle spielen [sind Wörter, Phrasen und Buchstaben].“6 Wortbildungsspezifische Einheiten hingegen treten nur in der Wortbildung auf. Solche sind zum Beispiel Konfixe, Wortbildungsaffixe, unikale Einheiten und Fugenelemente.7

2.2 Funktion und Notwendigkeit von Wortbildung in der Werbesprache

Oft entscheidet ein einziger Blick, ob und wie eine Werbeanzeige wahrgenommen wird. Daher ergibt sich für den Werbeproduzenten „der Zwang zu Kreativität, also zu auffälliger Anzeigengestaltung.“8 Die sogenannte AIDA-Regel besagt folgende Aufgaben der Anzeigenwerbung: „Erregung von Aufmerksamkeit (attention), Interesse (interest), [den] Wunsch[.], den Gegenstand zu besitzen (desire) [und] Veranlassung zur Handlung (action). Spätestens auf der dritten Stufe ist Sprache notwendig.“9 An diesem Punkt kommt Wortbildung ins Spiel. Es besteht die kommunikative Notwendigkeit, alles was man entwirft, erfindet oder - auf neuen Tätigkeitsfeldern und in neuen Organisationsformen - plant, zu benennen.10 Werbeanzeigen sollen „Produktbotschaften“11 vermitteln und sich aufgrund des Konkurrenzdrucks von mit angebotenen Produkten abgrenzen. Dieses objektive Bezeichnungsbedürfnis12 ist die wichtigste Funktion von Wortbildung und Wortneubildung in der Werbesprache, jedoch nicht die einzige. Hinzu kommen „subjektive Ausdrucksnotwendigkeiten“13. Diese rühren daher, dass ein Ausdruck bestimmten Anforderungen nicht mehr genügt, seine beabsichtigte Wirkung verfehlt oder eine bestimmte Wertung enthält, die nicht mehr zeitgemäß ist.14 Neben den genannten Funktionen kommen noch die „sprachstrukturell bedingte Notwendigkeiten - teils lexikalischer, teils grammatischer Art“15 Auf Ebene der Syntax besteht das Bedürfnis nach „Einpassung lexikalischer Einheiten in verschiedene Kontexte und Konstruktionen. [Das ist immer] mit Umkategorisierung [, also einem Wechsel der Wortklasse] verbunden“16. Wortbildung hat also in der Werbesprache eine wichtige Funktion und ist unerlässlich für diese.

2.3 Die Wortbildungstypen der Werbesprache - eine Auswahl

2.3.1 Kontamination/Wortmischung

Begriffsbestimmung

Für Kontamination existieren mehrere, teilweise sich widersprechende Definitionen. Daher solle dieser Arbeit die beiden folgenden Definitionen von Kontamination bzw. Wortmischung zu Grunde gelegt werden. „[.] Kontamination (zu lat. contaminare,miteinander in Berührung bringen‘), auch Wortkreuzung, Wortverschmelzung [oder] Wortmischung [.] genannt, ist eine nicht besonders produktive Wortbildungsart, bei der in der Regel zwei Wörter miteinander verschachtelt werden [...].“17 Kemmerling versteht unter Wortmischung bzw. Kontamination „sowohl den Wortbildungsprozess als auch das konkrete Wortbildungsprodukt, das durch Zusammensetzung von in der Regel zwei Fragmenten jeweils eines Ausgangslexems bzw. aus einem Lexem und einem Fragment gebildet wird. Es gibt somit das Kriterium des Beteiligtseins von Fragmenten an der Wortbildung, die durch Wortkürzung [.] und/oder durch Überlappung von Lauten/Schriftzeichen, an der Kontaktstelle der Wortmischung entstehen [.].“18

Durchsichtige und undurchsichtige Kontaminate

Ist eine Wortmischung durchsichtig, so lassen sich ihre Konstituenten auf ihre Ausgangslexeme zurückführen. Solche durchsichtige Kontaminate bestehen i.d.R „aus der Vollform eines Basislexems und einem längeren Fragment eines Lexems [.]: Fixbutte (fix+Hagebutte') [...] [oder] aus zwei Fragmenten [...]: Frischips (frisch+Chips)“.19 Undurchsichtige Kontaminate hingegen bestehen meist aus zwei sehr stark gekürzten Fragmenten, deren Konstituenten nicht so ohne weiteres auf ihre Ausgangslexeme zurückzuführen sind. Sie sind für den Sprecher weder inhaltlich noch formal analysierbar. Beispiele für solche undurchsichtigen Kontaminate sind Milka (Milch+Kakao) oder Persil (Perborat+Silikat).

Formseite

Kontaminate bestehen i.d.R aus zwei Wörtern bzw. Basislexemen, die ihnen zu Grunde liegen.20 Nur sehr selten kommen Wortmischungen aus mehr als drei Konstituenten vor. Ein solches wäre zum Beispiel Milupa (Milch+und+pane)21 Miteinander vermischt bzw. „verschmolzen werden vor allem Substantive.“22 Adjektivische, z.B. akadämlich (akademisch+dämlich) und verbale, z.B. philofaselt (philosophieren+faseln) Kontaminate sind eher selten vorzufinden.23 Auch Wortmischungen von Substantiven und Eigennamen oder Substativen und Adjektiven sind nicht selten (s.o. Nescafé und Frischips). Die Kontaktstelle der Konstituenten, so belegt Kemmerling, „tritt häufig nach einer Vollform bzw. nach der (Anfangs-) Silbe des ersten Basislexems und vor der Vollform bzw. (Anfangs-/End-) Silbe des zweiten Basislexems auf24.

Typen

Es existieren zum einen sogenannte „Verkettete Wortmischungen“25 (Mammufant), „deren Einheiten keine gemeinsame Laut-bzw. Buchstabenfolgen haben und daher [.] [möglicherweise] nach Kriterien der Aussprechbarkeit ineinander geschoben werden“26. Zum anderen werden „Überlappende Wortmischungen“27 unterschieden, „deren Einheiten gemeinsame Laut-bzw. Buchstabenfolgen haben, in denen sie sich genau überschneiden: Lakritzelei (Lakritz+KritzeleiY“28 *

Funktion in der Werbesprache

Sind Kontaminate in der Alltagssprache eher selten und wenn, dann höchstens von Kindern, die noch im Stadium des Sprachlernens sind, gebraucht, so sind sie in der Werbesprache und Produktbezeichnung umso häufiger verwendet. Das hat den einfachen Grund, dass sie von der Alltagssprache abweichen und somit „gezielt die Aufmerksamkeit und das Interesse des Kunden“29 auf sich lenken. Auch können sie „komplexe Inhalte durch Lexemverkürzung- und zusammensetzung in äußerst komprimierter Form vermitteln [...].“30 Besonders undurchsichtige Kontaminate lenken die Aufmerksamkeit des Kunden auf sich, da ihre Bedeutung nicht sofort zu entschlüsseln ist und der Kunde sich daher länger mit diesem Produkt beschäftigen muss, um die Bezeichnung des Artikels entschlüsseln zu können. „Die Rekonstruierbarkeit der Wortbildungsbedeutung für den Rezipient ist somit nicht in jedem Fall beabsichtigt.“31

2.3.2 Determinativkomposition

Begriffsbestimmung

Die Determinativkomposition ist der Komposition zugehörig. Kompositionen werden aus zwei oder mehr selbstständigen Lexemen zusammengesetzt, „wobei man unter dem Terminus ,Lexem‘ einen Stamm plus alle flexivischen Suffixe, also das gesamte Paradigma und nicht nur eine Wortform, [.] versteht.“32 Die Besonderheit der Determinativkomposition gegenüber der Komposition ist die, dass zwischen den Konstituenten ein Über- und Unterordnungsverhältnis besteht. Die übergeordnete Konstituente, das Determinatum steht im Deutschen grundsätzlich rechts, was der Righthand Head Rule , dem Prinzip der Rechtsköpfigkeit entspricht, und ist dabei das Grundwort des Kompositums, das durch die untergeordnete Konstituente, das Determinans, welches folglich links steht, näher bestimmt wird: Apfeltorte = eine Torte aus Äpfeln. Flektiert wird ausschließlich das Determinatum wohingegen der Wortbildungsakzent fast ausschließlich auf dem Determinans liegt.33

Unterscheidung

Determinativkomposita werden unterschieden in endozentrische und exozentrische Determinativkomposita. Bei endozentrischen Determinativkomposita ist die Bedeutung im Grundwort enthalten (z.B. Hochhaus; ein Haus, welches hoch ist). Bei exozentrischen Determinativkomposita ist die Bedeutung nicht im Kompositum enthalten, sondern liegt außerhalb.34

Formseite

Determinativkomposita sind grundsätzlich binär strukturiert, d.h. sie können in jeweils zwei Einheiten geteilt werden: Apfel (1) torte (2). Das gilt auch für längere Komposita. In der Regel sind Komposita zusammengeschrieben und drücken so auch grafisch ihre Einheit aus. Jedoch vor allem in der Werbesprache tritt häufig eine Abweichung dieser Regel auf. So sind öfter getrennt geschriebene Komposita (Body Milk) oder auch Komposita, die mit Bindestrich geschrieben sind (Gourmet-Pfanne) zu beobachten.35 Auch die eigentlich „im Deutschen nicht übliche Binnengroßschreibung [wird mittlerweile] praktiziert: BahnCard, InterRail, [.]. Sie dient unter anderem der Hervorhebung einzelner Einheiten und der Sichtbarmachung von Neumotivierung.“36 Determinativkomposita bestehen aus mindestens zwei Konstituenten. Zweigliedrige Zusammensetzungen sind - auch in der Werbesprache - am häufigsten belegt. Sie können eine „übersichtliche und - wenn intendiert - prägnante Produktbotschaft vermitteln“37. Dreigliedrige Zusammensetzungen „werden meist zu einer stärker differenzierenden Beschreibung herangezogen, wodurch der Produktname sowohl an informativem als auch an emotionalem Aussagewert gewinnen kann. [...]: Sprüh­Fönlotion, [,..]“38

Kategorie der Konstituenten

Gemäß der Righthand Head Rule ist die kategoriebestimmende Konstituente immer das Determinatum. Am häufigsten treten Substantiv-Substantiv-Komposita und - vor allem in der Werbesprache - Komposita mit Eigennamen auf. Sie sind „zum Benennen von Hersteller- und Produktbezeichnungen unerlässlich [.] und [können] gleichzeitig durch Zusatzinformationen beispielsweise im Bezug auf Herkunft und Qualität [zum Beispiel durch den Namen des Firmengründers im Kompositum oder durch geografische Gegebenheiten im Produktnamen] des jeweiligen Produkts sowie durch Wirkungsverheißungen beschreibende Funktion übernehmen“39.Auch adjektivische und verbale Komposita treten häufiger auf. Dabei haben adjektivische Komposita in der Werbesprache eine charakterisierende und wertende Funktion, die ein Produkt „von der Ware der Konkurrenz abheben und Interesse und Aufmerksamkeit des Rezipienten hervorrufen.“40

Exkurs: Fuge und Fugenelement

„Unter dem Terminus ,Fuge‘ versteht man die formale Verbindung zwischen den Gliedern eines Determinativkompositums mit oder ohne Fugenelement“41.

Dabei werden drei Typen von Fugen unterschieden: „0-Fugen, die ohne Fugenmorphem miteinander verknüpft sind, paradigmatische Fugen, d.h. Laute bzw. Lautverbindungen, die dem Flexionsparadigma des Erstgliedes entsprechen und unparadigmatische Fugen, die nicht zum Flexionsparadigma des Erstgliedes gehören.“42 Fugenelemente sind „semantisch weitgehend leere[.] Segment[e] in der

Kompositions- oder Derivationsfuge“43 Das im Deutschen häufigste Fugenelement ist das Fugen- s-. Daneben kommen aber auch Fugenelemente wie -e-, -er-, -es-, -i- oder -o- vor. Die Funktionen von Fugenelementen sind von Wortbildungsprodukt zu Wortbildungsprodukt unterschiedlich. Zum einen helfen sie komplexere Einheiten zu strukturieren, zum anderen dienen sie auch der besseren Aussprache. Möglicherweise dienen sie aber auch der Euphonie oder dem schöneren Klang eines Wortes.44

Steigerungsbildung

Die Steigerungsbildung zählt zu den endozentrischen Determinativkomposita. Hierbei handelt es sich „um eine Kombination von Lexemen [...], bei der die erste Konstituente die zweite verstärkt. [...] [Sie hat ] eine steigernde Funktion im Bezug auf [das] Zweitglied[.].“45 Das ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu allen anderen Determinativkomposita. Ansonsten weist die Steigerungsbildung die gleichen Merkmale auf. Auch sie ist grundsätzlich binär strukturiert, kann aber trotzdem aus mehr als zwei Konstituenten bestehen und es kann eine Wortbildungsparaphrase gebildet werden. Dabei ist „Bedeutung von Steigerungsbildungen in etwa mit sehr + Grundwort paraphrasierbar“46 47 Die im Deutschen am häufigsten auftretenden Steigerungsbildungen sind zum Beispiel saukalt, stockfinster, kunterbunt, riesengroß und nigelnagelneu.

2.3.3 Konversion

Begriffsbestimmung

Die Konversion gehört neben der impliziten und der expliziten Derivation zum Wortbildungstyp der Derivation. Dabei wird „ein Wort (z.B. Gold, schön, schöner, [...]) oder ein Konfix (z.B. polit-, ident-) zu einem Derivat abgeleitet (z.B. goldig, schönen, [...T).““1 Bei der Konversion werden Wortbildungsprodukte, hier Konvertate genannt, durch einen Wortartwechsel gebildet, der „nicht durch morphologisch fassbare Einheiten bewirkt wird; nichts wird hinzugefügt, nichts weggenommen.“48

Unterscheidung

Man unterscheidet bei der Konversion zwischen morphologischer und syntaktischer Konversion. Von morphologischer Konversion spricht man dann, wenn der Wortartwechsel des Stammes ohne weitere Änderung der Form erfolgt. Als Basis eines solchen Konvertats fungieren nur Stämme, die kein Derivationsaffix besitzen.49 Ein Beispiel hierfür ist lauf- (Verbstamm) der Lauf (Substantiv). Von syntaktischer Konversion spricht man, wenn ein flektiertes Wort die Wortart wechselt. Zum Beispiel laufen (Verb) -> das Laufen (Substantiv).

Formseite

Durch Konversion können grundsätzlich verschiedenste Wortarten gebildet werden. Am häufigsten jedoch sind substantivische Konvertate. Diese können aus Verben (Infinitive oder Verbstämme), Adjektiven oder Phrasen konvertiert werden. Dabei spielt die Konversion aus Verbinfinitiven im Deutschen eine wichtige Rolle, denn jedes Verb kann auf diese Weise substantiviert werden.50 Auch adjektivische und verbale Konvertate sind im Deutschen von großer Häufigkeit. Dabei ist vor allem die adjektivische Konversion aus Partizip II-Formen von Bedeutung. Diese spielt auch in dieser Arbeit eine große Rolle, weshalb auch nur diese hier ausführlicher beleuchtet wird. Partizipien II sind Flexionsformen von Verben. Zumeist fungieren sie auch als solche. Jedoch können Partizip II-Formen von transformativen Verben durch Konversion zu Adjektiven konvertiert werden.51 Partizipien II von intransitiven Verben bzw. Präverbfügungen können nur per Konversion adjektiviert werden, wenn sie resultative Semantik (d.h. Passivbildung mit sein/haben) besitzen.52

Funktion in der Werbesprache

Die Konversion spielt in der Werbesprache keine sonderlich große Rolle. Sie wird eher selten verwendet und wenn, dann hauptsächlich um ein Wort in seinen Kontext einzupassen (Vgl. Kapitel 3.2.7).

2.3.4 Kurzwortbildung

Begriffsbestimmung

Bei der Kurzwortbildung wird „ein Wort oder eine Phrase zu einer Dublette [oder einem Initialwort] verkürzt (Auszubildender zu Azubi [,..])“53 Die Ausgangsformen von Wortkürzungen sind i.d.R usualisierte oder lexikalisierte einfache oder komplexe Lexeme.54 Dabei sind Wortkürzungen bzw. Kurzwörter immer „Varianten zu [ihren] weiterhin existierenden Langformen. [.] Das Kurzwort und seine Langform existieren parallel im Wortschatz.“55

Unterscheidung

Bei der Kurzwortbildung unterscheidet man drei Typen: unisegmental gekürzte, partiell gekürzte und multisegmental gekürzte Kurzwörter. Unisegmentale Kurzwörter bestehen nur aus einem Fragment der Vollform. „Aus dem Ausgangslexem wird dabei ohne Rücksicht auf dessen morphologische Struktur ein Teil entnommen und als neue sprachliche Grundeinheit verwendet.“56 Dabei wird nochmals unterschieden in Kurzwörter, die aus dem Anfang einer Langform bestehen (z.B. Abitur Abi), Kurzwörter, die aus dem Ende einer Langform bestehen (z.B. Violoncello Cello) und in Kurzwörter, die aus der Mitte einer Langform bestehen (z.B. Elisabeth Lisa) Die häufigste und produktivste dieser drei Formen ist die erste. Die zweite Form ist im Deutschen nur zweimal belegt (bei Cello und Omnibus Bus) und die dritte genannte Form kommt im Deutschen fast ausschließlich bei Eigennamen vor.57 Partiell gekürzte Kurzwörter bestehen meist aus einem fest etablierten Determinativkompositum, dessen linke Einheit auf den Anfangsbuchstaben bzw. die Anfangsbuchstaben der Untereinheiten gekürzt wird. Die rechte Einheit des Kompositums bleibt dabei meist vollständig erhalten (z.B. Orangensaft O-Saft; Ultraviolettstrahlen UV-

Strahlen).58 „Ein multisegmental gekürztes Kurzwort entsteht dadurch, dass seine Langform an mehreren ihrer Segmente diskontinuierlich gekürzt wird. So [kann zum Beispiel] die linke und die rechte Einheit eines Kompositums auf einen oder mehrere

[...]


1 Vgl. Krieg, Ulrike: Wortbildungsstrategien in der Werbung. Hamburg 2005. S. 75.

2 Fleischer, Wolfgang/Barz, Irmhild: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. Tübingen 2007. S.5.

3 Vgl. Kemmerling-Schöps, Silke: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. Eine Untersuchung substantivischer Neuprägungen in der Gebrauchsgüterwerbung. München 2002. S. 28.

4 Fleischer/Barz: Wortbildung. S. 5

5 Uni Bremen: Einführung in die Sprachwissenschaft. http://www.fb10.uni- bremen.de/khwagner/grundkurs1/kapitel6.aspx [Stand: 22.06.2012]

6 Donalies, Elke: Basiswissen deutsche Wortbildung. Tübingen und Basel 2011. S. 9-11.

7 Vgl. ebd. S. 9.

8 Donalies: Basiswissen. S. 73..

9 Römer, Ruth: Die Sprache der Anzeigenwerbung. Düsseldorf 1971. S. 27.

10 Vgl. Erben, Johannes: Einführung in die deutsche Wortbildungslehre. Berlin 2006. S. 22/23.

11 Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 30

12 Vgl. ebd. S. 30.

13 ebd. S. 31.

14 Vgl. ebd. S. 31.

15 Erben: Wortbildungslehre. S. 23.

16 Erben: Wortbildungslehre. S. 23.

17 Donalies, Elke: Wortbildung des Deutschen. Ein Überblick. Tübingen 2005. S. 89.

18 Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 115.

19 Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 116.

20 Vgl. Donalies: Wortbildung des Deutschen. S. 89.

21 Vgl. Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 122.

22 Donalies:Basiswissen. S. 70.

23 Vgl. ebd. S. 71.

24 Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 124.

25 ebd. S. 126.

26 Donalies:Basiswissen. S. 70.

27 Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 126.

28 Donalies:Basiswissen. S. 70.

29 ebd. S. 137.

30 ebd. S. 137.

31 ebd. S. 138.

32 Donalies: Basiswissen. S. 51.

33 Vgl. Donalies: Basiswissen. S. 38/39/41/43.

34 Vgl. ebd. S. 64.

35 Vgl. Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 52.

36 Donalies: Basiswissen. S. 44.

37 Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 60.

38 ebd. S. 60.

39 ebd. S. 62.

40 Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 65.

41 Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 70.

42 ebd. S. 70.

43 Uni Leipzig: Kleines Glossar Wortbildung http://www.uni-leipzig.de/~fsrger/materialien/Texte/glossar- wortbildung.pdf [Stand: 23.06.2012]

44 Vgl. Donalies: Basiswissen. S. 32/33.

45 Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 57/58.

46 Pittner, Robert J.: Wortbildung des Deutschen. AUF: http://www.ruhr-uni-bochum.de/germ- ling/gk/05.pdf [Stand: 12.07.2012].

47 Donalies: Wortbildung des Deutschen. S. 97.

48 Donalies: Basiswissen. S. 94.

49 Vgl. Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik. Band 1. Stuttgart/Weimar 2006. S. 297.

50 Vgl. Donalies: Basiswissen. S. 95.

51 Ballweg, Joachim (u.a.): Grammatik der Deutschen Sprache. Band 1. Berlin/New York 1997. S. 2211.

52 Vgl. Donalies: Basiswissen. S. 98.

53 Donalies: Basiswissen. S. 71.

54 Vgl. Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 140.

55 Donalies: Basiswissen. S. 106.

56 Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 143.

57 Vgl. Kemmerling: Produktive Wortbildungstypen in der Werbesprache. S. 146 UND Donalies: Basiswissen. S. 106/107.

58 Vgl. Donalies: Basiswissen. S. 108/109.

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Details

Titel
Wortbildung in der Werbesprache: Wortbildungstypen in der Anzeigenwerbung der BILD-Zeitung (Ausgabe 126/22 am Freitag, 1. Juni 2012)
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Proseminar Wortbildung
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
37
Katalognummer
V1195930
ISBN (Buch)
9783346640857
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wortbildung, werbesprache, wortbildungstypen, anzeigenwerbung, bild-zeitung, ausgabe, freitag, juni
Arbeit zitieren
Jennifer Karl (Autor:in), 2012, Wortbildung in der Werbesprache: Wortbildungstypen in der Anzeigenwerbung der BILD-Zeitung (Ausgabe 126/22 am Freitag, 1. Juni 2012), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1195930

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