In der Seminararbeit "Rassismus in Kinderbüchern" im Rahmen des Seminars "Klassiker der Kinderbuchliteratur" (Deutsch) werden zwei Kinderbücher analysiert, deren Darstellung dunkelhäutiger Personen hinterfragt wird. Hierfür wurden die Kinderbuchklassiker "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" von Michael Ende und "Tim im Kongo" von Hergé exemplarisch ausgewählt. Zu Beginn der Arbeit geht es um den geschichtlichen Hintergrund und die Definition von Rassismus. Im Hauptteil werden die ausgesuchten Werke auf die Sprache, die Illustrationen und den Inhalt untersucht. Anschließend folgt eine Diskussion über den Umgang mit den analysierten Aspekten aus heutiger Sicht.
Inhaltsverzeichnis des Buches
- 1. Der „Doll-Test"
- 2. Allgemeine Informationen über Rassismus
- 2.1 Definition
- 2.2 Geschichtlicher Hintergrund
- 3. Buchanalyse
- 3.1 Begründung der Buchauswahl und Erläuterung des Vorgehens
- 3.2 „Tim im Kongo"
- 3.2.1 Inhalt und erste Rassismusvorwürfe
- 3.2.2 (Anti-) Rassismus in „Tim und Struppi"
- 3.2.2.1 Formulierungen
- 3.2.2.2 Inhaltliche Aspekte
- 3.2.2.3 Illustrationen
- 3.2.2.4 Der Protagonist Tim
- 3.2.2.5 Bezüge zum Autor
- 3.3 „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer"
- 3.3.1 Inhalt
- 3.3.2 (Anti-) Rassismus in „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer"
- 3.3.2.1 Formulierungen
- 3.3.2.2 Illustrationen
- 3.3.2.3 Der Protagonist Jim Knopf
- 3.3.2.4 Toleranz
- 3.3.2.5 Ambivalenzen
- 4. Diskussion
- 4.1 Begriffsänderungen
- 4.2 Pro und Contra von Begriffsänderungen
- 4.3 Umsetzung
- 5. Fazit
- Literaturverzeichnis
- Aus rechtlichen Gründen wurden alle Abbildungen entfernt. (Anm. d. Red.)
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit widmet sich der kritischen Untersuchung diskriminierender und rassistischer Aspekte in populären Kinderbüchern, insbesondere „Tim im Kongo“ und „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, aus einer gegenwärtigen Perspektive. Das Hauptziel ist es, Bewusstsein für die frühkindliche Entwicklung von Vorurteilen zu schaffen und die Herausforderungen sowie Möglichkeiten im Umgang mit historisch problematischen Inhalten in der Kinderliteratur zu diskutieren.
- Analyse der Darstellung von Rassismus in Kinderbüchern.
- Betrachtung des „Doll-Tests“ als Beleg für frühe Vorurteilsbildung.
- Detaillierte Untersuchung von Sprache, Illustrationen und Inhalt in „Tim im Kongo“.
- Analyse der Charakterisierung und Begrifflichkeiten in „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“.
- Diskussion über Pro und Contra von Begriffsänderungen und Zensur in der Kinderliteratur.
- Vorschläge zur pädagogischen Aufarbeitung und Sensibilisierung von Kindern.
Auszug aus dem Buch
3.2.2 (Anti-) Rassismus in „Tim und Struppi“
Zunächst sollte die Sprache kritisch beurteilt werden. In dem Comic kommt es zu großen Unterschieden zwischen der Sprache der Weißen und der dunkelhäutigen Einheimischen. Tim und sogar sein Hund Struppi sprechen in der deutschen Übersetzung ausschließlich grammatikalisch korrektes Deutsch. Im Gegensatz dazu verwenden die Einheimischen gebrochenes Deutsch, das fast wie Kleinkindersprache klingt: „Du sehen großen Dingsbums Dampfer, Schneeball? Da Tim und Struppi drauf...“. Andererseits muss aber berücksichtigt werden, dass die unterschiedliche Ausdrucksweise auf die Herkunft der einzelnen Person zurückgeführt werden kann. Tim spricht in seiner Muttersprache mit den Einheimischen. Diese kommunizieren jedoch in einer für sie fremden Sprache. Das kann auch der Grund sein, warum sie diese nicht fehlerfrei beherrschen. Vielmehr kann es anerkennend gewertet werden, dass sie versuchen sich an Tims Sprache anzupassen. Somit scheinen sie wissbegierig und interessiert zu sein. Dennoch kann die unterschiedliche Ausdruckweise beim Lesen den Anschein erwecken, dass dunkelhäutige Personen weniger gebildet seien. Die Sprache könnte somit zum Teil als rassistisch beurteilt werden; dies ist aber eine subjektive Ansicht des Lesers. Besonders auffällig ist bei der Sprache die häufige Wortwahl „Massa“ als unterwürfige Anrede eines Weißen anzumerken. Dies ist eine „von den schwarzen Sklaven Nordamerikas verwendete Bezeichnung für: Herr“ 13, die damals verwendet wurde. Die scheinbar vorhandenen Bildungsunterschiede werden aber auch bei anderen Aspekten sichtbar. Zum Beispiel unterrichtet ein weißer Pater die Einheimischen in der Schule. Da er krank ist, übernimmt Tim die Schulstunde. Es wird somit davon ausgegangen, dass Tim ohne Probleme die Schüler lehren kann. Außerdem gibt er Rechenunterricht auf dem Niveau einer ersten Klasse. Die Schüler allerdings scheinen älter. Zudem wissen sie nicht, was zwei plus zwei ist (siehe Abbildung 1). Aus rechtlichen Gründen wurde die Abb. entfernt. (Anm. d. Red.) Abbildung 2 Ein weiteres Anzeichen für die angebliche Überlegenheit der Weißen sind die technischen Unterschiede. Als es zu einem Zusammenstoß zwischen Tims Auto und dem Zug der Einheimischen kommt, verursacht dieser nur einen Schaden bei dem Zug. Dies zeigt die technischen Rückstände der Afrikaner, da unter normalen Bedingungen das Auto einen viel größeren Schaden erlitten hätte (siehe Abbildung 2).
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1. Der „Doll-Test": Dieses Kapitel erläutert den „Doll-Test“ von Clark und Clark, der aufzeigt, wie früh Kinder Vorurteile gegenüber Hautfarben entwickeln und diskriminierende Verhaltensmuster internalisieren.
Kapitel 2. Allgemeine Informationen über Rassismus: Hier werden Definitionen und der geschichtliche Hintergrund des Rassismus beleuchtet, von der Kolonialisierung bis zu seiner Entwicklung im 20. Jahrhundert.
Kapitel 3. Buchanalyse: In diesem Hauptteil werden die Kinderbücher „Tim im Kongo“ und „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ detailliert auf rassistische und diskriminierende Aspekte in Sprache, Illustrationen und der Darstellung der Charaktere analysiert.
Kapitel 4. Diskussion: Das Kapitel diskutiert die ethische Frage nach Begriffsänderungen in alten Kinderbüchern, wägt die Meinungsfreiheit gegen die Notwendigkeit der Sensibilisierung ab und beleuchtet verschiedene Umsetzungsstrategien.
Kapitel 5. Fazit: Die Schlussfolgerung fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen, betont die frühe Entstehung von Rassismus und schlägt Fußnoten oder Vorworte als mögliche Lösungen für den pädagogischen Umgang mit problematischen Kinderbüchern vor.
Schlüsselwörter
Rassismus, Kinderliteratur, Diskriminierung, „Doll-Test“, Tim im Kongo, Jim Knopf, Hergé, Michael Ende, Stereotypen, Begriffsänderungen, Sprache, Illustrationen, Vorurteile, Pädagogik, Multikulturalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Vorhandensein und die Auswirkungen rassistischer und diskriminierender Elemente in klassischen Kinderbüchern und erörtert, wie diese heute angemessen behandelt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind Rassismus in der Kinderliteratur, die frühe Entstehung von Vorurteilen, detaillierte Buchanalysen von „Tim im Kongo“ und „Jim Knopf“, sowie die Diskussion um Begriffsänderungen und deren Umsetzung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, auf diskriminierende Aspekte in Kinderbüchern aufmerksam zu machen, deren Ursprung und Auswirkungen zu analysieren und mögliche Wege aufzuzeigen, wie Kinder für diese Thematik sensibilisiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine qualitative Inhaltsanalyse spezifischer Kinderbücher, ergänzt durch eine Literaturrecherche und die Diskussion von wissenschaftlichen Studien zum Thema Rassismus und Vorurteilsbildung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil der Arbeit (Kapitel 3) befasst sich mit der detaillierten Analyse der Kinderbücher „Tim im Kongo“ und „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, wobei spezifische Formulierungen, Illustrationen und inhaltliche Aspekte im Hinblick auf Rassismus und Diskriminierung untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Rassismus, Kinderliteratur, Diskriminierung, „Doll-Test“, Tim im Kongo, Jim Knopf, Stereotypen und Begriffsänderungen.
Welche spezifischen Kritikpunkte werden an „Tim im Kongo“ geäußert?
Kritikpunkte an „Tim im Kongo“ umfassen die unterschiedliche Sprachdarstellung zwischen Weißen und Einheimischen, die stereotype und undifferenzierte Illustration dunkelhäutiger Charaktere sowie die Darstellung der Überlegenheit des weißen Protagonisten Tim.
Wie wird der Protagonist Jim Knopf im gleichnamigen Buch dargestellt und welche Ambivalenzen bestehen?
Jim Knopf wird trotz stereotypischer äußerlicher Merkmale als mutiger und zielstrebiger Held dargestellt, was für die Entstehungszeit ungewöhnlich war. Die Arbeit beleuchtet jedoch auch die Ambivalenz des Buches, insbesondere in der Verwendung des „N-Wortes“ und Vergleichen der Hautfarbe mit Schmutz, trotz einer insgesamt toleranten Botschaft.
Warum ist die Frage nach Begriffsänderungen in Kinderbüchern so kontrovers?
Die Debatte um Begriffsänderungen ist kontrovers, da sie die Meinungsfreiheit des Autors und den Schutz des Originalwerks gegen die Notwendigkeit abwägt, diskriminierende Inhalte aus heutiger Sicht zu korrigieren, um Kinder nicht mit problematischen Begriffen zu konfrontieren.
Welche Lösungen werden für den pädagogischen Umgang mit diskriminierenden Inhalten vorgeschlagen?
Für einen pädagogisch sinnvollen Umgang werden Lösungen wie die Ergänzung von Büchern mit Fußnoten und erklärenden Texten oder Vorworten vorgeschlagen, um Begrifflichkeiten und Zusammenhänge einzuordnen und die Sensibilität von Kindern zu stärken, ohne Inhalte zu verletzen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Rassismus in Kinderbüchern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1195953