Nach über 50 Jahren Fernsehgeschichte in Deutschland, wenn man von den ersten Entwicklungen während der NS-Zeit einmal absieht, kann man auf eine Epoche zurückblicken, die stets durch Veränderungen gekennzeichnet war. Während die erreichbare Fernsehqualität durch technologische Neuerungen ständig zunahm, erhielt der Qualitätsbegriff darüber hinaus durch Erhöhung der Mannigfaltigkeit und des daraus resultierenden Wettbewerbs der Programmveranstalter untereinander eine neue Dimension, wodurch der Zuschauer nun aus einer breiten Palette an Angeboten wählen kann. Aus dieser Situation ergeben sich jetzt für die einzelnen Veranstalter mehrere Problemfelder. Zum einen erfordert der direkte Konkurrenzdruck eine stetig aufwändigere Produktion, um mit dem aktuell vorherrschenden Qualitätsniveau Schritt halten zu können. Den daraus resultierenden steigenden Kosten steht eine anhaltende Schrumpfung auf dem TV-Werbemarkt entgegen, allein während des ersten Halbjahres 2002 musste ein Minus von 7,2 Prozent verzeichnet werden. [ProducerWorld 2002]
Selbst für öffentlich-rechtliche Sender, die nur einen vergleichsweise geringen Teil ihrer Mittel aus Werbeeinnahmen bestreiten, haben sich die Zeiten geändert. Auch sie sind auf wirtschaftlichere Ressourcennutzung angewiesen, um ihre kostenintensiven Programme, die sich zum Teil aus dem Versorgungsauftrag ergeben, aufrechterhalten zu können, außerdem sehen sie sich seit jüngster Zeit mit einem anwachsenden Rechtfertigungsdruck hinsichtlich ihrer Existenzberechtigung und darüber hinaus mit einem stark umkämpften Zuschauermarkt konfrontiert.
Um den Herausforderungen der heutigen Zeit begegnen zu können, hat sich nach über 20 Jahren schrittweiser Digitalisierung des Produktionsumfeldes bereits ein grundsätzlicher Trend in Richtung IT-basierter TV-Produktion etabliert, die durch Speicherung des Contents in rechnerbasierten Systemen auszeichnet und sich das Programmmaterial dadurch dem Menschen einer physischen Handhabung entzieht. Einige Medien-Unternehmer betrachten diese Entwicklung noch immer mit Skepsis - ist doch die Umstellung sowohl der Produktionsanlagen als auch der Arbeitsabläufe mit erheblichen Risiken verbunden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Aufgabenstellung
1.1. Vorbemerkung
1.2. Situation
1.3. Zielsetzung
1.4. Aufbau der Arbeit
2. Die Fernsehproduktion
2.1. Unternehmenssicht
2.2. Produktsicht
2.3. Metadaten
3. Fernsehproduktionsprozess und Datenfluss
3.1. Allgemein
3.2. Systemanalyse
3.3. Datenanalyse
3.4. Planung
3.4.1. vorbereitende Produktionsplanung
3.4.2. Disposition
3.4.3. Produktionsauftrag
3.5. Beschaffung
3.5.1. Aufnahme
3.5.2. Ausmustern
3.5.3. Einspielen
3.6. Bearbeitung
3.6.1. Bildbearbeitung
3.6.2. Tonbearbeitung
3.6.3. Endbearbeitung
3.7. Kontrolle
3.7.1. Redaktionelle Abnahme
3.7.2. Technische Abnahme und Konsolidierung
3.8. Publikation
3.8.1. Zuweisung zur Sendung
3.8.2. Zuweisung zum Archiv
3.8.3. Sendeprotokollierung
3.8.4. Archivierung
3.9. Zusammenfassung
4. Standards zum Thema Metadaten
4.1. Stand der Entwicklungen
4.2. MXF
5. Entwicklung des Metadatenmodells
5.1. Modellierungsansatz
5.2. Durchführung
5.3. Aufbau des Datenmodells
6. Anwendungsszenarien einer WFMS – Applikation
6.1. Workflow und Geschäftsprozess
6.2. Aufbau des WFMS
6.3. Use Cases
7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines ganzheitlichen Metadaten-Modells für den Fernsehproduktionsbereich, das den inner- und zwischenbetrieblichen Austausch sowie die Verwaltung audiovisueller Medien in IT-basierten Systemen optimiert. Es wird untersucht, wie Metadaten als Schlüssel zu effizienteren Workflows dienen und eine einheitliche Grundlage für die Beschreibung von Programminhalten schaffen können.
- Analyse des Fernsehproduktionsprozesses zur Identifikation notwendiger Metadaten-Attribute.
- Untersuchung bestehender Standardisierungsansätze im Metadaten-Bereich (z.B. MXF, Dublin Core).
- Entwicklung eines konsistenten Metadaten-Modells (IRT-Modell) unter Einbeziehung von IPR- und Asset-Management-Anforderungen.
- Verifizierung des Modells durch die Implementierung eines Workflow-Management-Systems (WFMS) als Anwendungsszenario.
Auszug aus dem Buch
1.1. Vorbemerkung
Nach über 50 Jahren Fernsehgeschichte in Deutschland, wenn man von den ersten Entwicklungen während der NS-Zeit einmal absieht, kann man auf eine Epoche zurückblicken, die stets durch Veränderungen gekennzeichnet war. Während die erreichbare Fernsehqualität durch technologische Neuerungen ständig zunahm, erhielt der Qualitätsbegriff darüber hinaus durch Erhöhung der Mannigfaltigkeit und des daraus resultierenden Wettbewerbs der Programmveranstalter untereinander eine neue Dimension, wodurch der Zuschauer nun aus einer breiten Palette an Angeboten wählen kann. Aus dieser Situation ergeben sich jetzt für die einzelnen Veranstalter mehrere Problemfelder. Zum einen erfordert der direkte Konkurrenzdruck eine stetig aufwändigere Produktion, um mit dem aktuell vorherrschenden Qualitätsniveau Schritt halten zu können. Den daraus resultierenden steigenden Kosten steht eine anhaltende Schrumpfung auf dem TV-Werbemarkt entgegen, allein während des ersten Halbjahres 2002 musste ein Minus von 7,2 Prozent verzeichnet werden.
Selbst für öffentlich-rechtliche Sender, die nur einen vergleichsweise geringen Teil ihrer Mittel aus Werbeeinnahmen bestreiten, haben sich die Zeiten geändert. Auch sie sind auf wirtschaftlichere Ressourcennutzung angewiesen, um ihre kostenintensiven Programme, die sich zum Teil aus dem Versorgungsauftrag ergeben, aufrechterhalten zu können, außerdem sehen sie sich seit jüngster Zeit mit einem anwachsenden Rechtfertigungsdruck hinsichtlich ihrer Existenzberechtigung und darüber hinaus mit einem stark umkämpften Zuschauermarkt konfrontiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Aufgabenstellung: Diese Einleitung skizziert die ökonomischen und technologischen Herausforderungen des aktuellen Fernsehmarktes und definiert die Notwendigkeit für ein IT-gestütztes Metadaten-Modell.
2. Die Fernsehproduktion: Dieses Kapitel erläutert die Unternehmens- und Produktsicht auf die Fernsehproduktion und führt den grundlegenden Begriff der Metadaten ein.
3. Fernsehproduktionsprozess und Datenfluss: Hier wird der Produktionsprozess analysiert, um die spezifischen Anforderungen an den Datenfluss und die Informationslogistik innerhalb eines TV-Senders zu ermitteln.
4. Standards zum Thema Metadaten: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über bestehende Standardisierungsgremien und Formate wie MXF, die als Basis für den Metadatenaustausch dienen.
5. Entwicklung des Metadatenmodells: Dieses Kapitel beschreibt die methodische Vorgehensweise bei der Erstellung des IRT-Modells und die logische Struktur des entwickelten Datenmodells.
6. Anwendungsszenarien einer WFMS – Applikation: Hier wird die praktische Anwendbarkeit des Modells durch die Simulation in einer Workflow-Management-System-Applikation demonstriert.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Der abschließende Teil fasst die erzielten Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftigen Anforderungen an die Interoperabilität im TV-Produktionsumfeld.
Schlüsselwörter
Metadaten, Fernsehproduktion, Workflow Management System, IRT-Modell, Content Management, Prozessorientierung, Standardisierung, MXF, Audiovisuelle Medien, Datenmodellierung, Informationsobjekt, IPR-Management, Workflow, Datenaustausch, Digitalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung einer ganzheitlichen Sichtweise auf Metadaten in der Fernsehproduktion, um den Übergang zu IT-basierten Produktionsumgebungen effizient zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft betriebswirtschaftliche Unternehmenssicht, technologische Prozessanalyse, Standardisierung und die Modellierung von Metadatenstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines Metadaten-Modells (IRT-Modell), das einen transparenten und einheitlichen Datenaustausch innerhalb und zwischen Fernsehanstalten ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer prozessbasierten Datenanalyse und nutzt Methoden der Modellierung, wie z.B. das Entity-Relationship-Modell (ER-Modell) und Workflow-Referenzmodelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Prozess der Fernsehproduktion, untersucht bestehende Standards und leitet daraus die Struktur des entwickelten IRT-Metadatenmodells ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Metadaten, Fernsehproduktion, Workflow Management System (WFMS), Content Management und Standardisierung.
Was unterscheidet das entwickelte IRT-Modell von anderen Ansätzen?
Im Gegensatz zu isolierten Standards wie DMS1 integriert das IRT-Modell nicht nur technische Attribute, sondern auch betriebswirtschaftliche Aspekte wie Verträge, Rechte und Kontributionen von Personen und Organisationen.
Wie wurde die praktische Umsetzung überprüft?
Die Umsetzung erfolgte durch die Implementierung einer rudimentären WFMS-Applikation in PHP/MySQL, an der durch konkrete Anwendungsfälle (Use Cases) die Funktionsfähigkeit des Datenmodells demonstriert wurde.
- Arbeit zitieren
- Thomas Metzger (Autor:in), 2003, Metadaten im Fernsehproduktionskanal und deren Austausch sowie Einbindung in Applikationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11959