In einem viel zitierten Aufsatz von 1979 bezeichnete Moxter die immateriellen Vermögensgegenstände als „ewige Sorgenkinder des Bilanzrechts“ . Zwar ermatteten zumindest im deutschen Sprachraum die Diskussionen um die immateriellen Vermögensgegenstände eine Zeit lang, heute besitzt dieses Zitat jedoch wieder eine große Aktualität. Bereits durch die im Zuge des Höhenflugs der sogenannten New Economy verstärkt wahrgenommene Lücke zwischen Bilanzwert und Kapitalmarktbewertung war gegen Ende des letzten Millenniums die Debatte um die Darstellung der intangibles sowohl in Deutschland als auch international neu entfacht. Als Lösungsansätze der im Spannungsfeld zwischen Verlässlichkeit und Relevanz stehenden Problematik wurden neben einer erweiterten bilanziellen Ansatzkonzeption verschiedene Modelle zur außerbilanziellen Berichterstattung diskutiert. Die außerbilanziellen Konzepte blieben jedoch auf die freiwillige Berichterstattung beschränkt und aktuelle Studien deuten darauf hin, dass sie sich in der Praxis bis heute nicht durchsetzten konnten.
Durch eine grundsätzliche Qualitätsdiskussion im Hinblick auf das Phänomen des earnings managements trat die Diskussion um die Behandlung der immateriellen Vermögensgegenstände zeitweise erneut in den Hintergrund. Dies wird sich ändern. Durch das im Entwurf befindliche BilMoG steht das Aktivierungsverbot immaterieller Vermögensgegenstände kurz davor, von einem Monument der deut-schen Rechnungslegung zu einem historischen Denkmal zu werden. Der Gesetzgeber hat dem Druck von Teilen der Fachwelt nachgegeben und will den § 248 Abs. 2 HGB in seiner bisherigen Fassung streichen. Dies zum Anlass nehmend ist das Ziel dieser Arbeit die meist abstrakt gehaltene Diskussion um das earnings management auf die selbst erstellten immateriellen Güter zu fokussieren. Zu diesem Zweck werden zunächst die de lege lata und de lege ferenda Regelungen des deutschen Handelsrechts vorgestellt und auf Möglichkeiten des earnings managements überprüft. Da um bewerten zu können verglichen werden muss, werden zudem die Regelungen der IFRS vorgestellt und ebenfalls im Hinblick auf die Möglichkeiten der Gewinnsteuerung beurteilt. Zudem werden in diesem Zusammenhang Studien vorgestellt, die die Bilanzierungspraxis von Entwicklungskosten deutscher IFRS-Anwender untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Grundlagen der Rechnungslegung
2.1 Zwecke der Rechnungslegung
2.1.1 Bisherige Zwecke des deutschen Handelsrechts
2.1.2 Zwecke des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes
2.1.3 Zwecke der IFRS-Rechnungslegung
2.2 Beeinflussung der Rechnungslegung durch das earnings management
2.2.1 Definition und Ziele des earnings managements
2.2.2 Methoden des earnings managements
2.2.3 Problematik des earnings managements
3 Bilanzierung selbst erstellter immaterieller Vermögensgegenstände im deutschem Handelsrecht
3.1 Grundlagen der Bilanzierung immaterieller Vermögensgegenstände
3.1.1 Begriff des Vermögensgegenstandes
3.1.2 Abgrenzung zwischen Anlage- und Umlaufvermögen
3.1.3 Begriff und Charakterisierung immaterieller Vermögensgegenstände
3.2 Bilanzierung selbst erstellter immaterieller Vermögensgegenstände de lege lata
3.2.1 Ansatzverbot selbst erstellter Vermögensgegenstände nach § 248 Abs. 2 HGB
3.2.2 Bilanzierung des Geschäfts- oder Firmenwertes nach § 255 Abs. 4 HGB
3.2.3 Würdigung der de lege lata Regelungen des deutschen Handelsrechtes
3.3 Bilanzierung selbst erstellter immaterieller Vermögensgegenstände de lege ferenda
3.3.1 Streichung des § 248 Abs. 2 HGB
3.3.2 Abweichende Definition des Begriffs des Vermögensgegenstandes
3.3.3 Trennung der Forschungs- und Entwicklungsphase
3.3.4 Bilanzierung von Entwicklungsaufwendungen
3.3.5 Bilanzierung des Geschäfts- oder Firmenwertes
3.3.6 Nutzung der IFRS als Auslegungsmaßstab für das HGB
3.3.7 Würdigung der de lege ferenda Regelungen des deutschen Handelsrechtes
4 Bilanzierung selbst erstellter immaterieller Vermögenswerte nach den International Financial Reporting Standards
4.1 Begriff des Vermögenswertes als allgemeines Ansatzkriterium
4.2 Abgrenzung materieller und immaterieller Vermögenswerte
4.3 Ergänzende Ansatzkriterien für selbst geschaffene immaterielle Güter
4.3.1 Trennung der Forschungs- und Entwicklungsphase
4.3.2 Ergänzende Ansatzkriterien während der Entwicklungsphase
4.4 Folgebewertung und Angabepflichten immaterieller Güter
4.5 Bilanzierung des Geschäfts- oder Firmenwertes
4.6 Bilanzierungspraxis von Entwicklungskosten in den Konzernabschlüssen deutscher Unternehmen
4.7 Würdigung der Regelungen der International Financial Reporting Standards
5 Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit der Bilanzierung selbst erstellter immaterieller Vermögensgegenstände im Rahmen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) und vergleicht diese kritisch mit den Regelungen nach den International Financial Reporting Standards (IFRS), wobei der Fokus insbesondere auf dem Einfluss dieser Bilanzierungsvorschriften auf das sogenannte Earnings Management liegt.
- Analyse der Zwecksetzung der Rechnungslegung im HGB und unter IFRS
- Untersuchung des Phänomens Earnings Management und dessen Instrumente
- Gegenüberstellung der aktuellen (de lege lata) und zukünftigen (de lege ferenda) HGB-Bilanzierung
- Empirische Einordnung der Bilanzierungspraxis von Entwicklungskosten deutscher Unternehmen
Auszug aus dem Buch
1 Problemstellung
In einem viel zitierten Aufsatz von 1979 bezeichnete Moxter die immateriellen Vermögensgegenstände als „ewige Sorgenkinder des Bilanzrechts“1. Zwar ermat teten zumindest im deutschen Sprachraum die Diskussionen um die immateriellen Vermögensgegenstände eine Zeit lang, heute besitzt dieses Zitat jedoch wieder eine große Aktualität. Bereits durch die im Zuge des Höhenflugs der sogenannten New Economy verstärkt wahrgenommene Lücke zwischen Bilanzwert und Kapi talmarktbewertung war gegen Ende des letzten Millenniums die Debatte um die Darstellung der intangibles sowohl in Deutschland als auch international neu ent facht.2 Als Lösungsansätze der im Spannungsfeld zwischen Verlässlichkeit und Relevanz stehenden Problematik wurden neben einer erweiterten bilanziellen An satzkonzeption verschiedene Modelle zur außerbilanziellen Berichterstattung dis kutiert.3 Die außerbilanziellen Konzepte blieben jedoch auf die freiwillige Be richterstattung beschränkt und aktuelle Studien deuten darauf hin, dass sie sich in der Praxis bis heute nicht durchsetzten konnten.4
Durch eine grundsätzliche Qualitätsdiskussion im Hinblick auf das Phänomen des earnings managements trat die Diskussion um die Behandlung der immateriellen Vermögensgegenstände zeitweise erneut in den Hintergrund.5 Dies wird sich än dern. Durch das im Entwurf befindliche BilMoG steht das Aktivierungsverbot immaterieller Vermögensgegenstände kurz davor, von einem Monument der deut schen Rechnungslegung zu einem historischen Denkmal zu werden.6 Der Gesetz geber hat dem Druck von Teilen der Fachwelt nachgegeben und will den § 248 Abs. 2 HGB in seiner bisherigen Fassung streichen. Dies zum Anlass neh mend ist das Ziel dieser Arbeit die meist abstrakt gehaltene Diskussion um das earnings management auf die selbst erstellten immateriellen Güter zu fokussieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Einleitung in die Thematik der immateriellen Vermögensgegenstände und Zielsetzung der Arbeit unter Berücksichtigung des BilMoG.
2 Grundlagen der Rechnungslegung: Erläuterung der Rechnungslegungszwecke und Analyse des Phänomens Earnings Management sowie dessen Methoden.
3 Bilanzierung selbst erstellter immaterieller Vermögensgegenstände im deutschem Handelsrecht: Untersuchung der geltenden und zukünftigen Bilanzierungsgrundsätze sowie der Behandlung immaterieller Güter im Handelsrecht.
4 Bilanzierung selbst erstellter immaterieller Vermögenswerte nach den International Financial Reporting Standards: Detaillierte Analyse der IFRS-Vorgaben und empirische Betrachtung der Bilanzierungspraxis deutscher Unternehmen.
5 Kritische Würdigung: Synthese der Ergebnisse und Bewertung der Vergleichbarkeit von HGB und IFRS im Kontext der immateriellen Werte.
Schlüsselwörter
BilMoG, Immaterielle Vermögensgegenstände, HGB, IFRS, Earnings Management, Bilanzpolitik, Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, Geschäfts- oder Firmenwert, Gläubigerschutz, Informationsfunktion, Aktivierungsverbot, Werthaltigkeitstest, Bilanzanalyse, Stetigkeitsgebot, Wirtschaftsgut.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bilanzierung von selbst erstellten immateriellen Vermögensgegenständen nach dem deutschen Handelsrecht unter Berücksichtigung der Modernisierung durch das BilMoG im Vergleich zu den internationalen IFRS-Regelungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Bilanzierung immaterieller Güter, die Auswirkungen von Rechnungslegungsnormen auf das Earnings Management und die kritische Analyse der Vergleichbarkeit von nationalen und internationalen Rechnungslegungsstandards.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die meist abstrakt geführte Diskussion über Earnings Management konkret auf die Bilanzierung selbst erstellter immaterieller Güter zu fokussieren und dabei den Einfluss geplanter Gesetzesänderungen zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Herleitung der Bilanzierungsgrundsätze sowie eine Auswertung empirischer Studien zur Bilanzierungspraxis bei Entwicklungskosten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die aktuelle und zukünftige Rechtslage (de lege lata/de lege ferenda) im deutschen HGB, erläutert die IFRS-Standards für immaterielle Werte und wertet empirische Daten zur Anwendung dieser Regeln in der deutschen Konzernpraxis aus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
BilMoG, Earnings Management, Immaterielle Vermögensgegenstände, HGB, IFRS und Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen.
Welche Rolle spielt das Earnings Management?
Das Earnings Management dient als zentraler Maßstab für die Gestaltungsmöglichkeiten bei der Bilanzierung, wobei untersucht wird, inwiefern Ermessensspielräume bei immateriellen Werten zur Ergebnissteuerung genutzt werden.
Was bedeutet der Titel „Sorgenkinder des Bilanzrechts“ in diesem Kontext?
Der Titel greift ein Zitat von Moxter auf und beschreibt die anhaltende Schwierigkeit, immaterielle Werte objektiv und verlässlich in die Bilanz zu integrieren, ohne den Spielraum für Manipulationen zu groß werden zu lassen.
Wie verändert das BilMoG die Behandlung von Forschung und Entwicklung?
Das BilMoG führt dazu, dass die Aktivierung selbst erstellter immaterieller Vermögensgegenstände erleichtert wird, was jedoch durch strenge Angabepflichten und Ausschüttungssperren flankiert werden soll, um die Informationsfunktion zu stärken.
- Quote paper
- Christian Kuhnke (Author), 2008, Immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119608