Europa ist durch eine vergleichsweise hohe Städtedichte gekennzeichnet. Durch Verbesserungen der Kommunikations- und Transportmöglichkeiten wird die Erreichbarkeit der Städte und somit auch ihre Konkurrenz untereinander zunehmend erhöht. Kleine und mittelgroße Städte (Small and Medium Sized Towns, „SMESTOs“), die sich in Reichweite größerer Zentren (zum Beispiel Metropolregionen) befinden, haben besonders unter dieser Konkurrenz zu leiden . Im folgenden Text soll dargestellt werden, welche Strategien in den ESPON Projekten (European Spatial Planning Observation Network) der Europäischen Union zur Entwicklung von SMESTOs vorgeschlagen werden. Dabei soll auch auf die verwendeten Methoden zur Definition von ländlichen Räumen und SMESTOs eingegangen werden sowie anhand einiger Beispiele zur Anschaulichkeit der Erläuterungen beigetragen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Problemstellung
3. Methodologie: Struktur und Funktionalität
4. Methodologie: Definition einer SMESTO
a. SMESTO-Typen
b. Vorschlag einer einheitlichen Definition
5. Betrachtungsebenen
a. Beispiel: Griechenland
b. Beispiel: Alpentäler
6. Exkurs: Deutschland
7. Handlungsempfehlungen
a. Spezialisierung
b. Netzwerke
c. Weitere Ansätze
d. Beispiel: Herdecke
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle kleiner und mittelgroßer Städte (SMESTOs) in den ländlichen Räumen Europas. Ziel ist es, Strategien aufzuzeigen, wie diese Städte trotz des globalen Strukturwandels und der Konkurrenz durch Metropolregionen gestärkt und in ihrer wirtschaftlichen sowie funktionalen Bedeutung erhalten werden können.
- Analyse der Definition und Klassifizierung von ländlichen Räumen und SMESTOs.
- Untersuchung funktionaler Stadt-Land-Beziehungen und deren Auswirkungen.
- Diskussion von Entwicklungspotenzialen durch Spezialisierung und Netzwerkbildung.
- Evaluierung von Fördermöglichkeiten und regionalen Best-Practice-Beispielen.
Auszug aus dem Buch
a) SMESTO-Typen
Der erste Typ ergibt sich aus der Lage innerhalb oder am Rande eines großen Agglomerationsraumes (vgl. Abb. 3). Dabei überschneiden sich die Funktionsräume der dominierenden Metropole mit denen der SMESTOs. Infolgedessen haben die betroffenen SMESTOs meist nur eine geringe funktionale Autonomie, da sie als „Vorposten“ der Metropole und damit als Ressourcenpool für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Metropole fungieren.
Die Erreichbarkeit einer Metropole ist in der Tat einer der wichtigsten Faktoren bei der Bestimmung der Entwicklungspotentiale einer SMESTO. Als anschauliches Beispiel kann hier die Region Berlin-Brandenburg genannt werden, in der elf regionale Wachstumszentren entstehen sollen, alle mit guter Bahnanbindung an die Metropole. Dort sollen Arbeitsplätze geschaffen sowie durch Stadterneuerungsprogramme die Lebensqualität verbessert werden. Die regionalen Hauptwachstumszentren sollen alle um bereits bestehende Bahnhöfe entstehen und die Möglichkeit eines 50%igen Wachstums haben. Zum Schutze der Natur und um Erholungsfunktionen zu stützen, wurden die umliegenden kleineren Städte ebenfalls mit einer Wachstumsgrenze belegt. Sie dürfen in Zukunft nur noch 25%, über 200 Dörfer der Umgebung sogar nur um 10% an Einwohnern dazu gewinnen. Eine solche Beschränkung der Wachstumsmöglichkeiten deutet bereits auf die funktionale Unterordnung der Zentren gegenüber der Metropole Berlin hin. Es sollen keine komplett eigenständigen Metropolkerne entstehen, sondern vor allem Entlastungsfunktionen gegenüber Berlin wahrgenommen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Konkurrenz zwischen europäischen Städten durch verbesserte Verkehrsverbindungen und führt das Konzept der "SMESTOs" sowie deren Herausforderungen im Rahmen der ESPON-Projekte ein.
2. Problemstellung: Dieses Kapitel beschreibt den Übergang zu einem post-industriellen Wirtschaftssystem und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Abwärtstrend vieler Mittelstädte bei gleichzeitiger Zunahme des tertiären Sektors.
3. Methodologie: Struktur und Funktionalität: Es wird die Unterscheidung zwischen strukturellen (physikalisch stabilen) und funktionalen (nutzungsbasierten) Eigenschaften zur Definition von urbanen und ländlichen Räumen erläutert.
4. Methodologie: Definition einer SMESTO: Hier werden verschiedene Ansätze zur Quantifizierung von kleinen und mittelgroßen Städten vorgestellt und die Heterogenität innerhalb europäischer Mitgliedsstaaten verdeutlicht.
5. Betrachtungsebenen: Das Kapitel problematisiert, wie statistische Ergebnisse maßgeblich von der gewählten Grenzziehung und Skalierung der räumlichen Betrachtung abhängen.
6. Exkurs: Deutschland: Es wird das deutsche Leitbild der dezentralen Konzentration und territorialen Kohäsion analysiert, das darauf abzielt, regionale Disparitäten zu verringern.
7. Handlungsempfehlungen: Hier werden Strategien wie Spezialisierung, interkommunale Netzwerke und die Wiederbelebung von Innenstädten als Lösungsansätze zur Stärkung von SMESTOs vorgeschlagen.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung zusammen und betont, dass die Förderung von SMESTOs sowohl ökonomisch als auch ökologisch nachhaltig ist.
Schlüsselwörter
SMESTO, ländlicher Raum, Stadt-Land-Beziehung, Metropolregion, Regionalentwicklung, ESPON, Polyzentralität, Strukturwandel, Standortpolitik, Infrastruktur, Spezialisierung, Netzwerke, Daseinsvorsorge, Nachhaltigkeit, Europäische Raumentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Situation kleiner und mittelgroßer Städte (SMESTOs) in europäischen ländlichen Räumen, die durch den globalen Strukturwandel unter Druck geraten sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von SMESTOs, die Dynamik von Stadt-Land-Beziehungen, Herausforderungen durch metropolitane Konkurrenz und Möglichkeiten zur Förderung regionaler Potenziale.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erarbeitung von Strategien, um die Wettbewerbsfähigkeit von SMESTOs zu erhalten und eine polyzentrale europäische Raumentwicklung zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von ESPON-Berichten, die Auswertung von Typologien basierend auf Bevölkerungsdichte und Landnutzung sowie die Untersuchung von Fallstudien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden methodische Definitionen, die Bedeutung der Betrachtungsebene (Skaleneffekte), der deutsche Ansatz der Raumplanung sowie konkrete Handlungsempfehlungen wie Spezialisierung und Netzwerke diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind SMESTO, Regionalentwicklung, Stadt-Land-Beziehungen, Polyzentralität und Standortpolitik.
Warum ist die Definition von SMESTOs europaweit so schwierig?
Die Definition variiert stark zwischen den Mitgliedsstaaten, da sie häufig von nationalen Städtesystemen, administrativen Funktionen oder historischen Kontexten abhängt.
Welche Rolle spielt die Stadt Herdecke in der Untersuchung?
Herdecke dient als Best-Practice-Beispiel dafür, wie sich eine kleine Stadt am Rande einer Agglomeration durch Spezialisierung auf Bildungs- und Wohnfunktionen erfolgreich entwickeln kann.
Wie können Netzwerke zur Stärkung von SMESTOs beitragen?
Netzwerke ermöglichen den Austausch von Ressourcen, senken Transaktionskosten und reduzieren die wirtschaftliche Verwundbarkeit einzelner Städte gegenüber Marktschwankungen.
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- Dipl.-Geogr. Lueder Thienken (Author), 2006, Strategien für die ländlichen Räume Europas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119610