Förderung und Diagnose der Rechtschreibkompetenz. Entwicklungsbericht (2. Klasse Deutsch)


Unterrichtsentwurf, 2019

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Individuelle Voraussetzungen

3. Vorhandene Kompetenzen
3.1 Auswertung HSP
3.2 Was kann das Kind schon?
3.1 Wo entdecke ich Förderbedarf?

4. Zone der nächsten Entwicklung
4.1 Beispiele für Fördermaßnahmen

5. Förderansätze bzw. Förderplan
5.1 Welche Kompetenzen muss ich fördern?
5.2 Förderplan
5.3 Förderstunden

6. Evaluation
6.1 War meine Förderung erfolgreich?
6.2 Welche Erfahrungen habe ich gemacht?
6.3 Wie hat das Kind die Förderung empfunden?

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im folgenden Kapitel wird zunächst die Schule, die Klasse und das ausgewählte Kind beschrieben.

Das Integrierte Semesterpraktikum wird an der Grundschule xy. Die Grundschule umfasst aktuell ca. 80 Schülerinnen und Schüler, welche in vier Klassen von sieben Lehrkräften unterrichtet werden. Zum Einzugsgebiet gehören die xy. Geleitet wird die Schule seit 2009 von dem xy ( zuletzt geprüft am 5.1.2019)

Die Klasse 2 der Grundschule xy setzt sich derzeit aus insgesamt 14 SchülerInnen, im Alter von 7 bis 8 Jahren zusammen. Davon 5 Mädchen und 9 Jungen.

Die SchülerInnen kommen alle aus einem häuslich stabilen Umfeld. Die Klasse zeigt ein sehr gutes Klassenklima und einen guten Zusammenhalt. Der Großteil der Klasse verfügt über ein gutes Allgemeinwissen. Die Arbeitsmoral lässt sich als engagiert und die Lernsituation als ruhig und angenehm beschreiben. Die SchülerInnen sind durchweg alle sehr freundlich, aufgeschlossen und kommunikativ. Die Klasse arbeitet deshalb auf einem hohen Niveau für Zweitklässer und kommt stets zügig voran.

Auf Grund von Beobachtungen während der Hospitationsstunden fiel mir anfangs ein Schüler besonders auf. Az gehört zu den schwächeren Schülern der Klasse. Er ist das einzige Kind mit Migrationshintergrund. Im Fach Deutsch braucht er deshalb noch mehr Unterstützung als andere Kinder. Vor allem das Lesen und Erfassen von Aufgabenstellungen stellt für Az eine Hürde dar. Ich vermutete, dass er bei einer Testung zu den schwächsten Kindern gehören würde und mein Kind zur Förderung werden würde.

Zusammen mit meiner Kommilitonin entschieden wir uns für die Hamburger Schreibprobe als standardisiertes Testverfahren. Dies hat den Vorteil einen genauen Vergleich mit gleichaltrigen herzustellen und die einzelnen Schülerinnen und Schüler der Klasse möglichst objektiv einzuschätzen. Die HSP1+ eignet sich zur Testung der Rechtschreibung in der Mitte des zweiten Schuljahres. Durchgeführt wurde die Schreibprobe am 12.11.2018, alle Schülerinnen und Schüler der Klasse 2 nahmen teil.

Die Testung ergab, dass E und A zu den schwächsten Kindern der Klasse gehören. Beide Kinder hatten 6 richtige Wörter von 15. Somit einen Prozentsatz von 40% richtiger Wörter. Az gehörte mit 10 richtigen Wörtern und einem Prozentsatz 2 von 67% zum Mittelfeld der Klasse. Deshalb entschieden wir uns dafür E und A zu fördern. Das Testergebnis hat mich sehr überrascht. E ist mir bis dato nicht aufgefallen. Seine Rechtschreibung bei der Hausaufgabe ist immer fehlerfrei. Dies liegt darin begründet, dass sein Elternhaus stets die Hausaufgaben mit ihm zusammen durchgeht und Fehler korrigiert. Auch im Schulalltag fiel mir die Rechtschreibung von E nicht negativ auf. E ist sehr aufgeschlossen und fragt bei Unsicherheiten in der Schreibung stets bei Sitznachbarn oder Lehrkräften nach, sodass auch seine Aufschriebe in Ordnung sind. Beim geübten Diktat liegt E im Mittelfeld der Klasse.

2. Individuelle Voraussetzungen

E ist aktuell 8,2 Jahre alt und besucht die xy seit September 2017. E lebt in zusammen mit seinen Eltern. Er hat einen jüngeren Bruder. Sein familiäres Umfeld lässt sich als stabil und zuverlässig beschreiben.

In der Klassengemeinschaft fällt E dadurch auf, dass er gerne an Unterrichtsgesprächen teilnimmt, er ist an vielen Themen interessiert und zeigt Freude am Unterricht. Es fällt ihm dabei nicht immer leicht sich an die Klassenregeln zu halten, sich zu melden, abzuwarten und erst zu sprechen, wenn er aufgerufen wird. Häufig vergisst er die Gesprächsregeln und ruft seine Antwort heraus. Inhaltlich kann sich E gut mitteilen. Er spricht mit stark ausgeprägtem Dialekt. Auffällig ist außerdem, dass sich E sehr oft mit Sitznachbarn unterhält und diese dadurch stark ablenkt. Deshalb hat E aktuell keinen direkten Nebensitzer, sondern sitzt allein an einem Tisch. In der Pause findet E immer Anschluss. Durch seine offene und kommunikative Art stellt E schnell Kontakt zu anderen Mitschülerinnen und Mitschülern her.

Beim selbständigen Arbeiten lässt er sich schnell ablenken. Er muss immer wieder motiviert und aufgefordert werden weiter zu arbeiten. Deshalb benötigt er auch mehr Zeit als andere Kinder. Neue Lerninhalte versteht er nicht auf Anhieb. Er benötigt häufig noch zusätzliche Hilfestellungen. Sobald er neue Inhalte verstanden hat, kann er sich diese merken und korrekt anwenden. Er besitzt Kritikfähigkeit, nimmt diese an und versucht daraufhin etwas zu ändern. Beim Bearbeiten der Aufgaben achtet E auf ein sehr sauberes Schriftbild. Sobald es seinen Ansprüchen nicht genügt radiert er das gesamte Wort weg und schreibt es nochmal neu. Auch mit seinem Arbeitsmaterial geht E sorgsam und ordentlich um.

3. Vorhandene Kompetenzen

3.1 Auswertung HSP

Grundlage der Diagnose bildet die Schreibprobe aus der HSP 1+. Mit der HSP wird die individuelle Rechtschreibleistung einer Schülerin oder eines Schülers durch folgende Werte bestimmt:

1. Die Anzahl der richtigen Buchstaben bzw. Buchstabenkombinationen, sogenannte Graphemtreffer. Sie dient der differenzierten Einschätzung des erreichten Niveaus des Rechtschreibkönnens. E erreicht in der Auswertung einen PR - Wert von 32%. Das bedeutet, dass 68% der gleichaltrigen Kinder in Deutschland einen besseren Wert erreicht haben.
2. Werte für den Grad der Beherrschung der grundlegenden Rechtschreibstrategien. Dies teilt sich auf in Alphabetische Strategie und Orthografische bzw. Morphematische Strategie. E erreicht bei der Alphabetischen Strategie einen PR- wert von 72%, dass heißt lediglich 32% haben einen besseren Wert als er. Bei der Ortografischen/ Morphematischen Strategie liegt der PR- Wert bei 30% aus der Vergleichsgruppe sind somit 70% besser als E.

Allgemein zeigt sich anhand Emils T Wert lediglich eine Abweichung zwischen 5 bis 6. Die Standartabweichung liegt bei einem Wert von 10. Daran lässt sich ablesen, dass E bei einem Deutschlandweiten Vergleich, insgesamt einen Wert im Normbereich erreicht hat und das als vergleichsweise Klassenschwächster. Dies deckt sich auch mit meiner Einschätzung, dass die Klasse insgesamt sehr Leistungsstark ist. (Peter May 2002, S. 1,2)

3.2 Was kann das Kind schon?

Alle 15 Wörter wurden so verschriftet, dass sie graphematisch richtig gelesen werden können. Orthografisch richtig sind die Wörter: „Baum“, „Löwe“, „Telefon“, „Hund“, „da“ und „die“. In der HSP zeigt sich, dass E die Alphabetische Rechtschreibstrategie gut beherrscht. Die Alphabetische Strategie macht sich den Lautbezug der Schrift zunutze. Ist diese Einsicht gelungen so haben die Kinder verstanden, dass zwischen Laut- und Schriftsprache ein Zusammenhang besteht. Sie kennen, die für da4s

Deutsche geltende Graphem- Phonem - Korrespondenzen und können nun unbekannte Wörter schreiben und lesen. (Budde et al. 2012, S. 56). E befindet sich momentan auf der orthografischen Stufe. Bei der orthografischen Strategie lässt sich zunehmend die Verwendung von orthografischen Mustern und Gesetzmäßigkeiten beobachten. Deutlich wird dies beim Umlaut "ö" in dem Wort „Löwe“. Er beachtet außerdem die Groß- und Kleinschreibung und verwendet diese größtenteils korrekt. (Budde et al. 2012, S. 56)

3.1 Wo entdecke ich Förderbedarf?

E benötigt Hilfe beim orthografisch korrekten Verschriften. Die Mehrzahl der Wörter verschriftet E so wie er die Wörter hört und nicht regelgeleitet. Dies wird deutlich bei den Wörtern: „Spigel“, „Farad“, „fligt“, „schrek“, „for“, „wek“, „Meuse“, „Hamer“. Anhand der Fehlerart wird erkennbar, dass die Regelverschriftung von Doppelkonsonanz (Silbenschnitt), Vokaldehnung (<ie> als Regel) sowie das Silbeninitiale h nicht verinnerlicht sind. Dies sind Fehlerquellen im Bereich des silbischen Prinzips. Die Auslautverhärtung und Umlaute zählen zum morphematischen Prinzip.

4. Zone der nächsten Entwicklung

E lässt sich gut in dem Modell von Valtin (1993) einordnen. Er verwendet teilweise orthografische Muster, gelegentlich auch falsche Generalisierungen und teilweise verschriftet er noch so wie er spricht. Dies ist die 5. Stufe im Model. Diese lautet „Verwendung orthographischer bzw. sprachstruktureller Elemente“. Es müssen Übungen zum Aufbau des Regelspeichers, sowie zum Aufbau von Rechtschreibstrategien stattfinden. Ziel ist es E erkennen zu lassen, dass neben den lauttreuen Verschriftungen auch orthografische Regelmäßigkeiten unsere Schrift bestimmen.

4.1 Beispiele für Fördermaßnahmen

E sollte mit folgenden Rechtschreibstrategien vertraut gemacht werden:

- Verlängern und Ableiten vom Stamm

Beim morphematischen Prinzip oder auch Stammprinzip wird die Schreibung von sogenannten Explizitformen, also Formen, bei denen eine Lautung unterscheidbar wird, auf alle Formen des Wortstammes übertragen, auch wenn sie phonologisch davon abweicht. Auf der Lautebene sind teilweise große Unterschiede erkennbar, die auf Schriftebene verringert werden. Dies erfolgt vor allem bei mehrsilbigen Formen des Wortes Bsp.: Hund - Hunde, bei Umlautungen Bsp.: Maus - Mäuse. Ebenso bleiben Mitlautverdopplungen erhalten. (Jeuk und Schäfer 2017, S. 33-34)

Regel für E: Man schreibt ein Wort mit ä oder äu, wenn es ein verwandtes Wort mit a oder au gibt. Beispiel die Äpfel - der Apfel, träumen - der Traum.

Bei einigen Konsonanten gibt es Paare von stimmhaften und stimmlosen Lauten. In der deutschen Sprache findet man dies vor allem bei /d/ - /t/, /b/ - /p/, /g/ - /k/ und /z/ - /s/. Der Begriff Auslautverhärtung bezeichnet die Problematik, dass in der Standardlautung nur am Silbenanfang der stimmhafte Laut gesprochen wird. Am Silbenende wird der stimmlose Laut gesprochen. Die Auslautverhärtung wird auf der Schriftebene nicht berücksichtigt. Die Schreibung dieser Explizitform wird auf die ganze Wortfamilie übertragen. Durch verlängern kann die Explizitform erkennt werden: Genitivform Bsp.: das Kind - des Kindes, Pluralform Bsp.: Rad - Räder, Infinitivform Bsp.: sag- sagen (Jeuk und Schäfer 2017, S. 34)

Regel für E: Schreibt man am Wortende b oder p, d oder t, g oder k? verlängern mit „alle“ hilft beim Schreiben. Beispiel: der Berg - alle Berge, die Hand - alle Hände.

- Silbenprobe

Kurze Vokale werden immer ohne Markierung verschriftet. Zwischen zwei kurzen Vokalen stehen immer mindestens zwei Konsonantengrapheme Bsp.: ren - nen, Son - ne). Das Doppelkonsonantengraphem bleibt in der einsilbigen Form erhalten Bsp.: komm. Ausnahmen gibt es bei <k>, dies wird nicht verdoppelt, sondern <ck> verschriftet ebenso wird <z> nicht verdoppelt, sondern <tz> verschriftet. (Jeuk und Schäfer 2017, S. 32)

Mögliche Regelformulierung für E: Überprüfe mit dem Silbenklatschen ob das Wort mit einem doppelten Mitlaut geschrieben wird. Beispiel: hof- fen, kom-men.

Der Langvokal /i/ wird fast immer /ie/ verschriftet. Die Ausnahmen begrenzen sich auf einige wenige Wörter. (Jeuk und Schäfer 2017)

Mögliche Regelformulierung für E: Hörst du ein langes i, schreibst du meistens ie: wie, spielen, das Tier.

5. Förderansätze bzw. Förderplan

5.1 Welche Kompetenzen muss ich fördern?

Fehleranalyse aus Emils HSP - Testung:

- „Meuse“: Morphologisches Prinzip: gleiches schreibt man gleich, Umlautschreibung.
- ie - Wörter „Spiegel, fligt, Flige“: phonographisches Prinzip, Lautprinzip, Phoneme können nach bestimmten Regeln Graphemen zugeordnet werden: langes i wird als ie verschriftet.
- „Hamer“: silbisches Prinzip, geschlossene Silbe = kurzer Vokal (Vokalgraphem folgt mindestens ein Konsonantengraphem) oder Silbengelenksmarkierung, visuelle Markierung des Silbengelenks zweisilbiger Wörter
- „Schrek“: Schreiben des Silbengelenks (ck) als Gemination (Konsonantenverdopplung) von /k/.
- „Farad“: silbisches Prinzip, h Schreibung im Wortinneren

Aufgrund dieser Fehlertypen sollen die folgenden Bereiche gefördert werden:

- Auslautverhärtung d/t oder k/g
- Wörter mit „ck“
- Umlaute
- Wörter mit „ie“
- Kurze/ lange Selbstlaute

5.2 Förderplan

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

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Details

Titel
Förderung und Diagnose der Rechtschreibkompetenz. Entwicklungsbericht (2. Klasse Deutsch)
Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V1196246
ISBN (Buch)
9783346650429
Sprache
Deutsch
Schlagworte
förderung, diagnose, rechtschreibkompetenz, entwicklungsbericht, klasse, deutsch
Arbeit zitieren
Maria Wratschko (Autor:in), 2019, Förderung und Diagnose der Rechtschreibkompetenz. Entwicklungsbericht (2. Klasse Deutsch), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1196246

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