Schlüsselkompetenzen eines Projektmanagers


Zwischenprüfungsarbeit, 2003

21 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Schlüsselkompetenz
2.2 Fachliche Kompetenzen
2.3 Soziale Kompetenzen

3 Welche soziale Kompetenzen gibt es?
3.1 Emotionale Intelligenz
3.2 Einfühlungsvermögen / Empathie
3.3 Selbstmanagement / Selbstdisziplin
3.4 Kundenorientierung
3.5 Verhandlungsgeschick
3.6 Konfliktfähigkeit
3.7 Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen
3.8 Präsentationstechnik / Selbstmarketing
3.9 Teamfähigkeit
3.10 Führungskompetenz

4 Trainingsmöglichkeiten von Soft Skills
4.1. Analyse der Defizite
4.2. Lernen und Trainieren
4.3. Anbieter

5 Zusammenfassung

6 Literatur- und Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Projektmanagement ist heute mehr als nur ein Modebegriff. „In zunehmenden Maße sehen Behörden und Unternehmen sich heute mit dem Problem konfrontiert, Aufgaben durchzuführen, die einen eindeutigen Projektcharakter haben. Es sind einmalig durchzuführende Vorhaben, die durch eine zeitliche Befristung, besondere Komplexität und eine vielschichtige Aufgabenstellung zu beschreiben sind.“1

Fast jedes Unternehmen führt Projekte durch und deren Anzahl wächst kontinuierlich. Der Projektmanager hat innerhalb eines Projektes eine Art Schlüsselposition. Er ist eher Generalist als Spezialist, und wird in Rollen, wie Kommunikator, Motivator, Moderator, Konfliktlöser, Seelsorger, Psychologe und Visionär verstärkt agieren. Um diese anspruchsvollen, zum Teil widersprüchlichen Rollenanforderungen in einer Person zu vereinen, ist es notwendig, sich dem jeweiligen Umfeld anzupassen. Der qualifizierte Projektmanager muß daher die fachlichen und sozialen Kompetenzen beherrschen ohne an Persönlichkeit zu verlieren. Auf die sozialen Kompetenzen wird in den folgenden Kapiteln anwendungsbezogen eingegangen. Die sozialen Kompetenzen wurden nach dem Schwerpunkt gegliedert, welche der sozialen Kompetenzen als wichtige oder nicht so wichtig Kompetenz erachtet werden.

Beispiel: Um als Projektmanager für einen Bauherrn tätig zu werden, ist die soziale Kompetenz Kundenorientierung von großer Wichtigkeit. Kundenorientierung ist eine Grundvoraussetzung und eine der wichtigsten sozialen Kompetenzen. Da zwischenmenschliche Dispute durch unterschiedliche Interessen, wie Konflikte mit dem Bauherrn, aber auch mit den Behörden oder den ausführenden Firmen in der Praxis, vorprogrammiert sind, agiert ein Projektmanager oft als Vermittler. Konfliktfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und Verhandlungsgeschick sind die darauf folgenden wichtigen sozialen Kompetenzen.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, eine allgemeine Definition der Begriffe Schlüsselkompetenzen und Schlüsselqualifikationen zu geben, weiterhin in die grundsätzlichen fachlichen und sozialen Kompetenzen einzuführen, und dann im Schwerpunkt alle sozialen Kompetenzen zu definieren und vertieft die Fähigkeiten nach der Wichtigkeit zu gliedern und dessen Trainingsmöglichkeiten zu erklären.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Schlüsselkompetenz

Schlüsselkompetenzen, kulturell, politisch und wirtschaftlich wichtige individuelle Kompetenzen und Fähigkeiten, deren Bestimmung als Schlüsselkompetenzen implizit und explizit von erfolgreichem Leben und von den Rollen geprägt werden, die dem Individuum in Gesellschaft und Wirtschaft, im sozialen Leben und in der Kultur zugedacht sind. Schlüsselkompetenzen können ein wertvolles Instrument der VPersonalentwicklung sein – zur Teamentwicklung, zum Training von Führungskräften, zur Lösung schwieriger Unternehmenssituationen, als Motivationsinstrument zum Aufbrechen alter betrieblicher Strukturen. Bei der Bergtour, beim Bau einer Brücke, beim Abseilen einer Schlucht, beim Springen in die Tiefe werden unter Anleitung V Schlüsselqualifikationen wie V Verantwortung, Zuverlässigkeit und Konfliktbewältigung, Abstraktionsfähigkeit, Teamfähigkeit und Lernfähigkeit vermittelt. „(Lexikon der Psychologie 2001, S. 92; Hervorhebung durch A.M.)“

Schlüsselqualifikationen, Metaqualifikationen, die Personen befähigen, nicht nur in der Gegenwart, sondern auch auf den Bedarf zukünftiger Situationen bezogen angemessen und kompetent zu handeln. Vor allem im Arbeitskontext verlangen immer schnellere wissenschaftlich-technische und gesellschaftliche Innovationzyklen (V Innovation) vom einzelnen die kontinuierliche Weiterbildung seiner Qualifikationen (V Erwachsenenbildung). Aus betrieblicher Sicht werden in diesem Zusammenhang eine beständige Lernfähigkeit und –bereitschaft sowie Flexibilität von Mitarbeitern immer wichtiger, da davon auszugehen ist, daß die sich ständig verändernden beruflichen Anforderungen nicht mehr allein durch einmal erworbenes Fachwissen zu bewältigen sind. Schlüsselqualifikationen werden meist in die drei Kompetenzbereiche Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und Selbstkompetenz unterteilt. Die Methodenkompetenz liefert die entsprechenden Methoden, um fachliche Inhalte zielgerichtet umzusetzen. Dazu gehören z. B. analytische, kreative und dezisionistische Problemlösekompetenzen. Der Wandel der Arbeitsorganisation hin zu einer immer dichteren Vernetzung und zu mehr V Teamarbeit läßt die Bedeutung V sozialer Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Kommunikations-fähigkeit immer relevanter für die erfolgreiche Zusammenarbeit im betrieblichen Alltag werden. Selbstkompetenz beinhaltet die Fähigkeit zum V Selbstmanagement, die Fähigkeit, sich selbst zu beurteilen, weiterzuentwickeln und so den eigenen Wertehorizont ständig erweitern. Erst das Zusammenspiel aller drei Kompetenzbereiche ermöglicht den Transfer des Gelernten auf neuartige Situationen (V Lerntransfer) und damit deren Bewältigung. „(Lexikon der Psychologie 2001, S. 92; Hervorhebung durch A.M.)“

2.1 Fachliche Kompetenzen

Die fachliche Kompetenz eines Projektmanagers beinhaltet die Koordination aller Tätigkeiten, Maßnahmen und Verpflichtungen die gegenüber dem Auftraggeber eingegangenen wurden.

„Definition nach DIN 69 901: Projektmanagement ist die „Gesamtheit von Führungsaufgaben, -organisation, -technik und –mittel für die Abwicklung eines Projekts“.“2

Alle fachlichen Qualifikationen sind in dem folgenden Anforderungsprofil erfaßt und mit Hilfe einer subjektiven Skala kann der Grad der Anforderungen an die Eigenschaften eines Projektmanagers abgelesen werden.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1-1: Anforderungsprofil eines Projektmanagers (DREGER 1975)

Daraus ist abzuleiten, daß die fachlichen Kenntnisse bedingt notwendig und erforderlich sind, diese aber nicht für jeden möglichen Teilbereich des Projektes vorhanden sein können. Die Hauptaufgabe eines Projektmanagers ist die Führung der verschiedenen Einzelaktivitäten in einem Projekt. Wichtige Merkmale wie Wirtschaftlichkeitsdenken oder Organisationsgeschick, wie im Profil erkennbar, spielen dabei eine wichtige Rolle.

Einige Kompetenzen die im Anforderungsprofil als fachliche Qualifikationen bezeichnet werden, gehören zu den sozialen Kompetenzen (z.B. Einfühlungsvermögen), auf die im nächsten Abschnitt tiefer eingegangen wird.

2.2 Soziale Kompetenzen

Soziale Kompetenzen sind ein Fächer von ganz unterschiedlichen Fähigkeiten. Auch Soft Skills genannt, bezeichnen sie die Fertigkeiten und Fähigkeiten im Umgang mit Menschen und Entscheidungen. Sie sind wichtigere Aspekte für die berufliche Karriere, können aber die fachlichen Kompetenzen nicht ersetzen.

Soziale kompetente Menschen besitzen die Fähigkeit mit anderen Menschen so umzugehen, daß diese Beziehungen hochgradig positiv für beide Seiten sind. Sie sind in die Lage konstruktive Verbindungen, ob privat oder im Berufsleben, aufzubauen und gemeinsame Pläne und Ziel zu verwirklichen.4

3 Welche Schlüsselkompetenzen gibt es?

3.1 Emotionale Intelligenz

Emotionale Intelligenz ist der entscheidende Erfolgsfaktor für die berufliche Karriere. Denn Menschen die einen hohen Intelligenzquotienten haben und nicht nur ihrem Verstand vertrauen, sondern auch auf ihre Gefühle hören, sind erfolgreicher.

Der amerikanische Psychologe Daniel Golemann definiert Emotionale Intelligenz wie folgt: Emotional intelligente Menschen erkennt man daran, daß sie Fühlen und Denken integrieren. Sie wissen, was sie fühlen, was andere fühlen und versuchen den Grund dieser Gefühle herauszufinden und die Auswirkung dieser Gefühle auf andere vorauszusehen. Emotionale intelligente Menschen sind sensibel und kritisch sowohl der eigenen Person, als auch anderen Menschen gegenüber.

Der kluge Umgang mit Gefühlen ist nach Goleman auf die folgenden fünf Komponenten zurückzuführen. Selbstwahrnehmung – Selbstreflexion: Ehrlich und selbstkritisch mit sich umgehen, die eigenen Schwächen und Stärken kennen, die eigenen Gefühle und dessen Wirkung auf andere einschätzen können. Selbstreflexion: Die Grenzen der eigenen Belastbarkeit kennen und dementsprechend planen.

Selbstkontrolle: „Erst denken, dann handeln“ ist das Motto. Gefühle und Stimmungen in die positiven Bahnen lenken und nicht Gefangener der eigenen Gefühle zu sein.

Beispiel: Selbstkontrolle zeigt sich bei dem Vorgesetzten, der trotz seiner Wut über den Fehler eines Mitarbeiters diesen nicht in Anwesenheit des Kunden lauthals maßregelt.

Selbstmotivation: Selbstmotivierte Menschen besitzen die Fähigkeit, eigene Emotionen zum Leistungsantrieb zu nutzen und Ziele mit Ausdauer zu verfolgen. Sie suchen nach Herausforderungen und lernen gerne. Erfolgswille mit Zuversicht und ausgeprägtes Vertrauen in die eigenen Stärken, optimistisch auch bei Niederlagen.

Beispiel: Ich möchte unbedingt studieren, suche diese Herausforderung jetzt noch mal nach vielen Jahren Berufstätigkeit. Mit viel Ehrgeiz und Erfolgswillen möchte ich dieses Ziel mit Ausdauer erreichen.

Soziale Wahrnehmung: Ist die Fähigkeit, sich in die Gefühle anderer Menschen hineinzuversetzen (Einfühlungsvermögen, Empathie). Beispiel: Im Geschäftsleben bedeutet dies, mit dem Kopf des Kunden zu denken und kundenorientiert zu handeln.

Soziale Kompetenz: Sie ist nach Golemann die „Krönung“ der emotionalen Intelligenz. Sozial kompetente Menschen können andere Menschen motivieren und überzeugen; sie sind teamfähig, kontaktfähig und habe kommunikatives Geschick.

Im Berufsleben hängt es von der emotionale Intelligenz ab, ob ein Manager das Vertrauen seiner Auftraggeber gewinnen kann und damit wesentlich erfolgreicher zu sein. Er bezieht bei Entscheidungen seine Gefühle mit ein und geht aktiv mit Konflikten um. Überlegtes Handel schafft beste Voraussetzungen dafür, das in seinem Einflussbereich Vertrauen und Fairneß herrschen.5

3.2 Einfühlungsvermögen

Eine grundlegende soziale Kompetenz ist das Einfühlungsvermögen. Auch Empathie genannt, ermöglicht sie uns moralisch völlig wertfrei die Fähigkeiten, das Denken, das Fühlen und das Wollen eines anderen Menschen nachzuvollziehen. Eine Vorstufe der Empathie ist die Sympathie. Sie ist das Mitgefühl auf oberflächlicher Ebene. Dagegen ist Empathie tiefgründiger und ist die Einfühlung, das Verstehen, was den Gefühlen zu Grunde liegt. „Die Grundlage der Empathie ist die Selbstwahrnehmung; je offener wir für unsere eigenen Emotionen sind, desto besser können wir die Gefühle anderer deuten.“6

Toleranz und Offenheit vorausgesetzt, können wir in die Haut des anderen schlüpfen, die Welt aus seinen Augen sehen und uns entsprechend ihm gegenüber verhalten. Egal ob wir Mitarbeiter führen, mit Kunden verhandeln oder auch einfache Alltagsgespräche führen ist Empathie eine Grundlage für erfolgreiches Handeln. Zum Einfühlungsvermögen gehören die Mäeutik, die Kunst des aufschlussreichen Fragens, das richtige Einschätzen von Menschen und die Körpersprache. Auf alle drei Bereiche wird in den folgenden Abschnitten näher eingegangen.7

Mäeutik

Mäeutik wurde von Sokrates auch als „Hebammenkunst“ bezeichnet. Diese Art der Kommunikation ist die „Hebamme der Gedanken eines anderen“. Weitere geläufige Bezeichnungen für diese Vorgehensweise sind auch „Aktives Zuhören“ oder „Öffnende Gesprächsführung“. Mäeutik setzt sich aus drei Elementen zusammen: Fragen stellen und aufmerksam zuhören (aktives Zuhören), Wiedergeben der Aussage des anderen und Gefühle in Worte kleiden können. Im Zusammenspiel dieser drei Elemente können wir unserem Gesprächspartner bei der Geburt seiner Gedanken helfen. Mäeutik bildet die Grundlage für die anderen Soft Skills.

Beispiel: In Konflikten, Diskussionen oder Verhandlungen kann ein Projektmanager mit angewandter Mäeutik die Interessen des Gesprächspartners erfahren.8

[...]


1 Vgl. HEEG 1993, S. 1.

2 Vgl. MEYER 2001, S. 30

3 Vgl. DREGER 1975, S.51.

4 Vlg. DICK 2002, S. 188.

5 Vlg. DICK 2002, S. 58 f.

6 Vgl. GOLEMANN 1995, S. 127.

7 Vgl. DICK 2002, S. 68 f.

8 Vgl. MEYER 2001, S. 73 f.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Schlüsselkompetenzen eines Projektmanagers
Hochschule
Fachhochschule Bielefeld  (FB Minden)
Note
gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V119631
ISBN (eBook)
9783640226504
ISBN (Buch)
9783640230976
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schlüsselkompetenzen, Projektmanagers
Arbeit zitieren
Andrea Müller (Autor), 2003, Schlüsselkompetenzen eines Projektmanagers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119631

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