Fünf Jahre Schuleingangsstufe Vollmarshausen

Eine Zwischenbilanz


Examensarbeit, 2005

88 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Einleitung

Am 22. Juni 2005 fasst das Kollegium der Schule Vollmarshausen einen einstimmigen Beschluss: Das pädagogische Konzept des seit 1999 erprobten Schulversuchs zur „Neukonzeption der Schuleingangsstufe“ soll in der gegenwärtigen Form in das Schulprogramm aufgenommen werden. Warum mich gerade an diesem Tag mein Weg an die Schule führte, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls wurde ich Zeugin eines bewegenden Momentes, dessen Bedeutung am glücklichen Gesicht des Schulleiters Dr. Ernst Purmann abzulesen war. In den Vorgesprächen mit Herrn Purmann hatte ich erfahren, dass es in den zurückliegenden Jahren auch immer wieder sehr kontroverse Diskussionen zu diesem Thema gegeben hatte. Im Mittelpunkt stand dabei sehr oft die Frage der „idealen Klassenkonstellation“. Mit diesem Beschluss wurde u. a. auch die Dreierjahrgangsmischung am Schulanfang (Eingangstufe, Stufe 1 und Stufe 2) festgeschrieben.

Einen Einblick in die Schuleingangsstufe bekam ich bereits im Wintersemester 2003/2004 im Rahmen der Schulpraktischen Studien des Fachbereichs Mathematik der Universität Kassel. Das Erleben eines jahrgangsgemischten Unterrichts und eigene unterrichtspraktische Versuche waren für mich eine gänzlich neue Erfahrung. Aus dieser ergaben sich sowohl Begeisterung als auch kritische Fragen, die mich schließlich zum Thema dieser Hausarbeit bewegten.

Von Anfang an wurde ich mit meiner Idee in der Schule willkommen geheißen und erfuhr von den Lehrkräften und der Schulleitung eine sehr engagierte Unterstützung und eine warmherzige Offenheit: Ich konnte in allen Klassen hospitieren, mit den Klassenlehrerinnen vor, während und nach dem Unterrichtsvormittag Gespräche führen und Termine für Interviews klären. Der Schulleiter opferte mir mehrere seiner Sprechstundenzeiten, um meine Fragen zu beantworten.

Mit der Teilnahme am Schulversuch setzte sich die Schule Vollmarshausen zum Ziel, den Schulanfang kindgerechter zu gestalten, die schulische Arbeit zu verbessern – wenngleich dieses Vorhaben bereits durch die Einrichtung der Eingangsstufe 1972 sehr weit entwickelt war. So wurden die neuen Wege nicht begonnen, sondern fortgesetzt. Gleichwohl setzte mit dem Schulversuch im Herbst 1999 ein tief greifender Entwicklungsprozess ein. Die Fixierung der erarbeiteten Konzeption im Sommer 2005 im Schulprogramm weist darauf hin, dass dieser Prozess Stabilität auf einem neuen Niveau gewonnen hat. Da ich bei der erlebten Dynamik des Kollegiums vermute, dass sich das Konzept in den kommenden Jahren noch weiter entwickeln wird, möchte ich eine Zwischenbilanz ziehen:

Mit dieser empirischen Untersuchung soll herausgefunden werden, wie sich die derzeitige Situation in der Schuleingangsstufe Vollmarshausen gestaltet und welche Veränderungen sich im Vergleich zum Beginn des Schuljahres 1999/2000 ergeben haben. Hierfür werden eigene Recherchen vorgetragen und auch Ergebnisse weiterer Untersuchungen einbezogen1. Für ein umfassendes Bild werden Lehrerinnen der Schuleingangsstufe befragt.

Im 1. Kapitel dieser Arbeit wird dem Leser die Schule Vollmarshausen und deren Kinder vorgestellt.

In Kapitel 2 wird die Entwicklung des pädagogischen Konzepts der Schule Vollmarshausen von 1971 bis 2005 in einzelnen Schritten skizziert. Dadurch soll verdeutlicht werden, dass Elemente dieses Konzepts auf einem historisch gewachsenen Verständnis eines gelingenden Schulanfangs basieren.

Die Ausgangssituation für den Schulversuchs „Neukonzeption der Schuleingangsstufe“ und deren Organisation sollen Gegenstand des 3. Kapitels sein.

Das 4. Kapitel dieser Arbeit ist der Praxis der Schuleingangsstufe gewidmet. Um dem Leser einen Eindruck vom Schulalltag zu vermitteln, werden wichtige Elemente vorgestellt.

Inhalt des 5. Kapitels ist eine Beschreibung des Untersuchungsverfahrens, durch welches ein Beitrag zur internen Evaluation geleistet werden soll. Es folgen die Kriterien, nach denen die Befragten ausgewählt wurden und Überlegungen zum möglichen Antwortverhalten. Außerdem wird die Untersuchungsdurchführung geschildert.

In Kapitel 6 erfolgt die Auswertung der Lehrerbefragung.

Dieser schließt sich in Kapitel 7 ein Vergleich der Jahre 1999 und 2005 an, der die Entwicklung des Schulversuchs seit seiner Einführung veranschaulichen soll.

In der Schlussbetrachtung werden die wichtigsten Ergebnisse aufgegriffen und reflektiert.

1 Portrait der Schule Vollmarshausen

Der Weg, der aus der Stadt Kassel zur Schule Vollmarshausen in südöstlicher Richtung führt, beginnt mit breiten lebhaften Straßen, die allmählich ruhiger und schmaler werden. Schon bald führen sie durch eine ländlic]he Gegend. Das Erscheinungsbild der Gemeinde Lohfelden-Vollmarshausen ist dörflich geprägt und von vielen Fachwerkhäusern geziert. Mit seinen 3660 Einwohnern ist der Gemeindeteil überschaubar und bietet den hier aufwachsenden Kindern ein geborgenes Umfeld. „Aufgrund der ländlichen Lage kann sich die Spielwelt der Kinder über weite Räume in der Natur erstrecken“ (vgl. Schulprogramm der Schule Vollmarshausen 2003). Die Möglichkeit der Freizeitaktivität in Vereinen ist groß und wird rege genutzt. So ist jedes zweite Schulkind ein Mitglied eines Vereins (vgl. Purmann 2001, S. 24).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Sicht auf den Altbau und den Schulhof

Die Schule Vollmarshausen besteht aus vier Gebäuden, dem Alt- Mittel- und Verwaltungsbau, sowie dem Quertrakt. Das einstige Schulgebäude, der Altbau, wurde 1895 erbaut und 1936 erweitert. Aufgrund hoher Schülerzahlen in den 1950er Jahren wurde der Schulkomplex aufeinander folgend ausgebaut. Heute beherbergt dieser u. a. Verwaltungsräume, eine Horteinrichtung, zehn Klassenräume und verschiedene Fach- und Nebenräume. Zu den Fachräumen zählt ein Computerraum, die Schulbibliothek, ein Werk-, Bewegungs- und Versammlungsraum, eine Küche sowie ein sozialpädagogischer Raum, das „Bernsteinzimmer“. Die Flure werden als Arbeits- und Präsentationsflächen genutzt und sind farbenfroh mit Kindergemälden geschmückt. Die Klassenräume sind jeweils mit einer Leseecke, einem Sitzkreis, einer PC-Ecke, Gruppentischen, sowie Regalen mit vielfältigen Arbeits- und Spielmaterialien ausgestattet und deren Wände mit Schülerarbeiten gestaltet.

Der Schulhof ist durch den Altbau zweigeteilt. Im vorderen Bereich befindet sich unter alten Linden ein Spielplatz, mit zahlreichen Spielgeräten: eine Schaukel, ein Klettergerüst, eine Wackelbrücke, eine Rutsche und eine Wippe. Neben Asphalt besteht hier der Bodenbelag aus Kies, durch den das Toben ungefährlicher wird und der im Spiel bestens Verwendung findet. Den hinteren Teil des Schulhofs bildet eine große Spielwiese, an die ein eingezäunter Teich anschließt. Der „Geräteschuppen“ beherbergt weitere Spielmöglichkeiten, die den Kindern in den Pausen zur Verfügung stehen.

Die Schule Vollmarshausen ist eine zweizügige Grundschule, die derzeit von ungefähr 200 Kindern besucht wird. Eine Besonderheit der Schule ist die Schuleingangsstufe, in der momentan circa 120 fünf- bis achtjährige Kinder in sechs jahrgangsgemischten Klassen unterrichtet werden. Die anschließenden Klassen 3 und 4 sind jahrganghomogen organisiert.

Jede dieser zehn Klassen, die jeweils etwa zwanzig Kinder umfassen, besitzt ihren eigenen Tiernamen. Dementsprechend sind die Klassentür und das Klassenzimmer mit Kinderzeichnungen oder Aufnahmen gestaltet. Das ist ein Zeichen hoher Identifizierung mit diesem Namen und drückt ein besonderes Gemeinschaftsgefühl aus. Die Namen der Schuleingangsklassen bleiben über die Jahre konstant.

Das Kollegium der Schule besteht derzeit aus einem Schulleiter, einer stellvertretenden Schulleiterin, einer Sozialpädagogin und einem Sozialpädagogen, einer Sonderschullehrerin und zehn Lehrerinnen*. Im alljährlichen Wechsel unterrichten alle Lehrerinnen in den jahrgangsgemischten Klassen.

Die Schüler der Schule Vollmarshausen kommen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule. Diese haben sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Das Stichwort „veränderte Kindheit“ trifft auch für die Kinder der Ortes Lohfelden - Vollmarshausen zu. Die Familienstrukturen haben sich ebenfalls hier in den letzten Jahrzehnten stark verändert.

So wächst etwa ein Drittel der Kinder als Einzelkind auf. Ungefähr 25% der Elternpaare sind geschieden, weshalb sich neue Formen des Zusammenlebens entwickeln, beispielsweise die Eineltern- und die „Stief-Familie“. Etwa 12% der Kinder leben bei einem allein erziehenden Elternteil. Trotz drastisch steigender Arbeitslosigkeit (gegenwärtig 12,5%), die in der überwiegenden Anzahl der Familien beide Elternteile ohne eigenständiges Einkommen leben lässt, steigt die Anzahl der berufstätigen Elternpaare (zurzeit ungefähr 35%) (Information aus dem Gespräch mit dem Schulleiter am 31.10.2005).

Dass diese Veränderungen des sozialen Beziehungsgeflechts die kindliche Seele prägen, liegt auf der Hand. Demzufolge unterscheiden sich diese Kinder in ihren sozialen Kompetenzen von denen, die in einer „traditionellen“ Familie bzw. in „gesicherten Verhältnissen“ aufwachsen.

Folglich ist es sehr wahrscheinlich, dass das Leben einer ganzen Reihe von Kindern der Schule Vollmarshausen durch schwierige Umstände geprägt und mit Spannungen beladen ist. Ein sorgloses Aufwachsen ist auch hier in diesem scheinbar idyllischen ländlichen Bereich nicht selbstverständlich.

Durch fehlende finanzielle Mittel oder auch durch mangelndes Interesse der Eltern klafft die Schere der freizeitlichen Förderung sehr stark auseinander. Im Extrem sieht man auf der einen Seite Kinder, die ein zusätzliches, täglich wechselndes nachmittägliches „Bildungsprogramm“ durcharbeiten und auf der anderen Seite Kinder, die sich in der schulfreien Zeit überwiegend selbst überlassen sind. Daraus resultiert, dass die Kinder mit höchst unterschiedlich geförderten Lernvoraussetzungen in die Schule kommen und sie durchleben. So können beispielsweise manche Kinder bei der Schulaufnahme schon schreiben und lesen, während andere noch keinen Buchstaben ihres Namens kennen.

Da in Vollmarshausen nur wenige ausländische Kinder zur Schule gehen, besteht im Unterricht kaum eine sprachliche, religiöse oder kulturelle Differenz - im Gegensatz zu vielen anderen Schulen, deren wichtige Aufgabe gerade im Umgang mit dieser Differenz besteht.

Wie unterschiedlich das Leben der Kinder durch die Umwelt geprägt werden kann, wird an diesen Beispielen ansatzweise deutlich. Da sich die Lebenswelten immer vielgestaltiger entwickeln, werden folglich die Veränderungen, die sich im Wesen und Verhalten der Kinder bemerkbar machen, extremer werden. Die Schule kann diese Veränderungen nicht ignorieren, sie kann sie auch nicht spürbar beeinflussen. Sie kann jedoch einen Rahmen spannen, innerhalb dessen sich Kinder in ihrem Sosein aufgehoben und angenommen fühlen. Die Aufgabe der Schule besteht somit darin, dieser Verschiedenheit der Kinder gerecht zu werden, die individuellen Interessen und Erwartungen der Mädchen und Jungen aufzugreifen. Zudem ist ihren besonderen Begabungen ein Entwicklungsspielraum zu eröffnen sowie das höchst unterschiedliche Lernniveau, Lerntempo und Lernverhalten auf dem Weg des Lernprozesses zu berücksichtigen. Mit der Einrichtung der Schuleingangsstufe setzt sich die Schule dies zum Ziel.

2 Entwicklung des pädagogischen Konzepts von 1971 bis 2005

Die Schule Vollmarshausen steht in einer langjährigen reformpädagogischen Tradition. Bereits Ende der 1960er Jahre strebt das Kollegium der Schule Vollmarshausen eine Neugestaltung des Schulanfangs an.

1968 wird in Hessen der Schulversuch „Eingangsstufe - differenzierte Grundschule“ eingerichtet. Mit dem Ziel einer frühen Bildungsförderung und eines geleitenden Schuleingangs nehmen sieben auserwählte, später schließlich 51 Schulen an der Reform teil (vgl. Der Hessische Kultusminister 1975).

Auch die Schule Vollmarshausen gehört ab dem Schuljahr 1971/1972 zu den beteiligten Schulen. Nunmehr werden die Kinder mit ihrem vollendeten fünften Lebensjahr, ohne die Feststellung ihrer Schulfähigkeit, in die Schule aufgenommen. In der zwei Jahre umfassenden Eingangsstufe werden sie von einer Lehrperson sowie einer Sozialpädagogin bzw. einem Sozialpädagogen betreut. Der damalige Schulleiter begrüßt diese Veränderungen, dennoch erhofft er sich primär eine Verbesserung der insgesamt misslichen Bildungssituation an seiner Schule. Die Klassenräume der Schule sind überfüllt und Unterrichtsmaterialien unzureichend vorhanden (vgl. Purmann/Peter 1986, S. 30). Wie ersehnt, bringt die Einrichtung des Schulversuchs zahlreiche positive Veränderungen mit sich: Die Klassengroße wird auf 25 Kinder beschränkt, die Klassen mit modernem Mobiliar ausgestattet und die Anschaffung von Lernmaterial möglich. Zudem vergrößert sich durch die Aufstockung des Eingangsstufengebäudes das Raumangebot (vgl. Purmann/Peter 1986, S. 24ff.).

Mit dem Schulversuch „Eingangsstufe - differenzierte Grundschule“ bekommt die Schule viele inhaltliche und organisatorische Gestaltungsmöglichkeiten geboten. Somit ergibt sich für sie die Notwendigkeit eines neu erarbeiteten Konzepts (vgl. Purmann/Peter 1996, S. 20). In zahlreichen Konferenzen werden Arbeitsformen und Unterrichtsinhalte hinterfragt und diskutiert (vgl. Purmann/Peter 1996, S. 24). Für die Beantwortung von Fragen zur konkreten Umsetzung des Anfangsunterrichts werden in den Jahren 1973 und 1977 Hospitationen an Reformschulen in Frankreich durchgeführt. Das pädagogische Konzept widerfährt so einen bedeutenden Entwicklungsschub (vgl. Purmann/Peter 1996, S. 24). Durch die Anschaffung vielfältiger Materialien und die Umsetzung der teilweise neu entdeckten Unterrichtsformen wird eine innere Differenzierung und Individualisierung zunehmend möglich (vgl. Purmann/Peter 1986, S. 33).

1984 wird die Schulleitung in Vollmarshausen von Ernst Purmann übernommen. Der Reformprozess enthält damit eine neue Dynamik.

Im Jahr 1985 wird diese durch eine Exkursion in die Niederlande zusätzlich angetrieben, indem neue Unterrichtselemente kennen gelernt, diskutiert und erprobt werden (vgl. Purmann/Peter 1986, S. 33).

Angeregt durch die niederländischen Schulkonzepte, besinnt sich das Kollegium zudem verstärkt auf das Gedankengut der Reformpädagogen der zwanziger und dreißiger Jahre. So ist die Konzeptentwicklung u. a. durch Ideen von Maria Montessori, Peter Petersen und Célestin Freinet geprägt (Purmann 1988, S. 155).

1992/1993 läuft der Schulversuch „Eingangsstufe – differenzierte Grundschule“ mit dem Inkrafttreten eines neuen Schulgesetzes aus (vgl. HIBS 1994, S. 5). Alle bestehenden Eingangsstufen werden laut § 187 Abs. 7 des Hessischen Schulgesetzes von 1992 als Regeleinrichtung weitergeführt (vgl. HIBS 1994, S. 5).

„Aus den Versuchsschulen „Eingangsstufe - differenzierte Grundschule“ werden „Grundschulen mit Eingangsstufen“ (HIBS 1994, S. 5). Mit einem leicht veränderten Konzept wird nun eine größere Kontinuität zwischen Kindergarten und Schule angestrebt. Es soll u. a. gruppen- und jahrgangsübergreifend gearbeitet und innerhalb eines festen zeitlichen Rahmens ein kindgerechter Lern- und Arbeitsrhythmus entfaltet werden (vgl. HIBS 1994, S. 6f.).

Das Kollegium der Schule Vollmarshausen diskutiert die mit dem neuen Konzept verbundenen Herausforderungen und entscheidet sich mehrheitlich für eine Weiterentwicklung in diesem Sinne. (Nur etwa ein Dutzend der 51 hessischen Versuchsschulen führt nach dem Auslaufen des Schulversuchs die Eingangsstufe als Regeleinrichtung mit dem geforderten veränderten Konzept fort.)

Die Einführung der festen Öffnungszeiten mit regelmäßiger und verlässlicher fünfstündiger Betreuung der Kinder verläuft unproblematisch und findet bei der Lehrerschaft und den Eltern schnell Zuspruch (vgl. Purmann/Peter 1996, S.39). Die konzeptionelle Vorgabe, die beiden Jahrgänge der Eingangsstufe in altersgemischte Gruppen umzustrukturieren (vgl. HIBS 1994, S. 5 f.), löst hingegen teilweise große Skepsis aus. Vor allem die Eltern befürchten, die jüngeren Kinder könnten überfordert und die älteren unterfordert werden (vgl. Purmann/Peter 1996, S. 32).

Eine intensive Auseinandersetzung mit jahrgangsübergreifendem Lernen in Theorie und Praxis (das Kollegium unternimmt mehrere Hospitationsreisen zu Schulen im In- und Ausland, deren Unterricht bereits jahrgangsübergreifend organisiert ist) überzeugen schließlich. Zum Schuljahr 1993/1994 wird demnach das neue Konzept an der Schule Vollmarshausen eingeführt (vgl. Purmann/Peter 1996, S. 31).

Hingegen der anfänglichen Befürchtungen erweist sich die Praxis als überwiegend positiv. Durch die bewusst geförderte Heterogenität, auf die die Lehrerinnen verstärkt mit vielfältigen Formen der inneren Differenzierung reagieren, findet vor allem soziales Lernen wesentlich intensiver statt als zuvor. Auch eine gesteigerte Lern- und Leistungsmotivation wird bemerkbar (vgl. Purmann/Peter 1996, S. 34).

Im Jahr 1996 werden vom Kollegium erneut Veränderungen bezüglich der Eingangsstufe diskutiert. Die Lehrerschaft empfindet den Übergang von dieser in die jahrgangshomogene Klasse 2 als Bruch. Zudem sieht sie die praktizierte Klassenkonstellation als Widerspruch zum Rahmenplan, der die Klassen 1 und 2 als pädagogische Einheit versteht. Zusätzlich wird der Reformwille durch die reformpädagogischen Konzepte wie von Petersen oder Montessori bestärkt, die grundsätzlich eine Mischung dreier Jahrgänge vorsehen (vgl. Purmann 1996, S. 117).

3 Der Schulversuch „Neukonzeption der Schuleingangsstufe“

Resultierend aus den Diskussionen über eine Neugestaltung des Schulanfangs werden in einigen Bundesländern die BLK-Modellversuche zur Neukonzeption der Schuleingangsstufe eingerichtet - in Hessen im März 1994.

Aus diesem hessischen Modellversuch zur „Pädagogische und strukturelle Neukonzeption des Schulanfangs entsprechend einer ökopsychologischen Sichtweise bei Integration der Sondermaßnahmen zur Förderung der Schulfähigkeit in das 1. und 2. Schuljahr“ geht der Schulversuch „Neukonzeption der Schuleingangsstufe“ hervor, an dem fünf Schulen beteiligt sind. Ab 1998 wird dieser von 30 Schulen durchführt, ebenfalls von der Schule Vollmarshausen. Für die beteiligten Schulen bringt die Teilnahme eine ganze Reihe konzeptioneller sowie struktureller Veränderungen mit sich. Auf diese Neuerungen soll nach der Schilderung der Ausgangslage der neuen Schuleingangsstufe eingegangen werden.

3.1 Die Konzeption der neuen Schuleingangsstufe

3.1.1 Zur Ausgangslage des Schulversuchs

Der Schulanfang wird Mitte der 1990er Jahre an den meisten deutschen Schulen durch die Überprüfung der Schulfähigkeit der Kinder bestimmt. Diese hat die Bildung möglichst entwicklungshomogener Gruppen für einen gleichschrittigen Unterricht zum Ziel. So entstehen durch mögliche Rückstellungen und vorzeitige Einschulungen Altersunterschiede bis zu 2,8 Jahren innerhalb einer Klasse. Diese Einschulungspraxis lässt in der Bildungspolitik gegenwärtig Kritik laut werden. So wird das Verständnis der Schulfähigkeit kritisiert, da gewöhnlich die Anforderungen der Schule als Konstante gesetzt werden. Die Schulfähigkeit wird demnach als Fähigkeit ausgelegt, über die das Kind zum Schulbeginn zu verfügen hat. Völlig unbeachtet bleibt, dass es sich bei der Schulfähigkeit um einen Relationsbegriff und nicht um eine Eigenschaft des Kindes handelt.

Auch die Einschulungspraktiken werden kritisch hinterfragt. Da ein einheitliches Diagnostikverfahren und ein allgemeingültiges Verständnis von Schulfähigkeit fehlen, differieren an den Schulen auch die Zahlen der Aufnahmen und Rückstellungen. Hinzu kommt, dass es lediglich 75% der zurückgestellten Kinder möglich ist, eine Vorklasse zu besuchen. Aufgrund derer Zusammensetzung sind zudem Erziehungsschwierigkeiten nicht ausgeschlossen, außerdem fehlt den Kindern die nützliche Anregung einer leistungs- und sozialheterogenen Klasse.

Demnach führt die derzeitige Einschulungspraxis unweigerlich zu einer beträchtlichen Chancenungleichheit. Die Zurückstellung sozial benachteiligter Kinder wirkt sich mehr als Bildungsbehinderung als eine Bildungshilfe aus und die Früheinschulung kommt überwiegend den Kindern der oberen Sozialschichten zugute (vgl. Hessisches Kultusministerium 1998, S. 579f.).

Das Kultusministerium stellt dazu fest, „dass der Eingang zur Schule in der Bundesrepublik Deutschland noch keine überzeugende Struktur und pädagogische Konzeption gefunden hat“ (Hessisches Kultusministerium 1998, S. 580).

Aus dieser Notlage heraus entwickelt sich die Forderung eines kindgerechtern Schulanfangs. Dieser wird im Rahmen des Schulversuchs „Neukonzeption der Schuleingangsstufe“ nachgegangen.

3.1.2 Die Organisation der neuen Schuleingangsstufe

Den am Schulversuch teilnehmenden Schulen werden u. a. mit dem Ziel der Verbesserung des Schulanfangs die folgenden Rahmenvorgaben auferlegt. Sie charakterisieren die Einrichtung der Schuleingangsstufe:

- Es werden alle schulpflichtigen Kinder und auch die, die auf Wunsch ihrer Eltern mit dem vollendeten fünften Lebensjahr eingeschult werden sollen, ohne die Überprüfung ihrer Schulfähigkeit aufgenommen.
- Die Verschiedenheit der Kinder wird soweit anerkannt, dass sie als Bereicherung für das gemeinsame Leben und Lernen verstanden wird.
- Es werden jahrgangsgemischte Klassen gebildet, da sich durch die Heterogenität der Kindern Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten, sowie Situationen der sozialen Erprobung ergeben.
- Der Unterricht wird so gestaltet, dass jedes Kind seinen Möglichkeiten entsprechend Lernangebote nutzen und Entwicklungsdefizite abbauen kann.
- Schulärztliche, schulpsychologische und sonderpädagogische Dienste sollen Hinweise für die individuelle und lernprozessbegleitende Förderung liefern.
- Der individuelle Blick auf das Kind ermöglicht eine Förderung seinen Möglichkeiten entsprechend, wobei es durch geeignete Unterrichtsformen in seinem eigenständigen und selbsttätigen Lernen gefördert wird.
- Das Handeln der Lehrkräfte ist grundlegend durch eine diagnostische und fördernde Tätigkeit bestimmt.
- Die Begabungen und Neigungen eines Kindes werden als Entwicklungschance wahrgenommen.
- Durch die Betonung der Leistungen des Kindes, nicht seiner Defizite, soll es in seinem Selbstvertrauen gestärkt werden.
- Ein gleitender Übergang in die Schule wird durch die Arbeit eines Sozialpädagogen bzw. einer Sozialpädagogin ermöglicht, der bzw. die gemeinsam mit den Lehrerinnen im Team arbeitet.
- Jedes Kind erhält zum Ende des Schuljahres einen verbalen Entwicklungsbericht.
- Den Kindern wird entsprechend ihres Entwicklungs- und Lernfortschritts eine individuelle Verweildauer (ein bis drei Jahre) ermöglicht (vgl. Hessisches Kultusministerium 1998, S. 580-583).

Die teilnehmenden Schulen haben die Möglichkeit ihr Konzept - unter Berücksichtigung dieser Vorgaben - nach ihren standortbezogenen Bedürfnissen entwickeln (vgl. Burk u. a. 1998, S. 15f.).

4 Praxis der Schuleingangsstufe

4.1 Organisationsstrukturen

Die „Neukonzeption der Schuleingangsstufe“ im Jahr 1999 bedeutet für die Praxis der Schule Vollmarshausen strukturelle Änderungen. Zwar bestehen bereits seit 1993 jahrgangsgemischte Gruppen am Schulanfang (Eingangsstufe 1 und 2), jedoch hat sich die Spanne mit dem Einbeziehen der 2. Klasse von zwei auf drei Jahrgänge erweitert. Jetzt werden die Schulanfänger (Eingangsstufe) zusammen mit den Kindern der Stufe 1 (1. Schuljahr) und Stufe 2 (2. Schuljahr) in jahrgangsgemischten Klassen unterrichtet.

Die Schuleingangsstufe besteht nunmehr aus sechs altersgemischten Gruppen. Sie erhalten folgende Bezeichnungen:

Klasse E/1/2 a: Känguru-Gruppe Klasse E/1/2 d: Giraffen-Gruppe Klasse E/1/2 b: Elefanten-Gruppe Klasse E/1/2 e: Bären-Gruppe Klasse E/1/2 c: Zebra-Gruppe Klasse E/1/2 f: Nilpferd-Gruppe Die Klassen a, b und c sowie die Klassen d, e und f befinden sich jeweils auf einem Flur der verschiedenen Gebäudeteile der Schule. Intern werden die beiden Gruppen mit „Flur 1“ und „Flur 2“ bezeichnet.

Die vier Klassen der Grundstufe (3. und 4. Schuljahr) bleiben jahrgangsbezogen organisiert.

Das Lernen in der Schuleingangsstufe findet in der Regel in der altersgemischten Klasse statt. Die Kinder haben eine Klassenlehrerin, zeitweise arbeitet noch eine Sozialpädagogin bzw. ein Sozialpädagoge gemeinsam mit ihr im Unterricht.

Phasenweise werden auch jahrgangs- und leistungsbezogene Unterrichtssequenzen arrangiert:

- Zweimal wöchentlich verbringen die Eingangsstufenkinder eine Stunde in der jahrgangsbezogenen Lerngruppe. In dieser Zeit werden sie von den zwei Sozialpädagogen im „Bernsteinzimmer“, das mit vielfältigen anregenden Materialien des Spiels und der Förderung ausgestattet ist, betreut. Während dessen arbeitet die Lehrerin in der Klasse mit den Stufe-1- und Stufe-2- Kindern. Diese Zeit wird jedoch zum Teil auch so organisiert, dass die Kinder eines Flures jahrgangsbezogen unterwiesen werden.
- Im Mittagsbereich lernen die Stufe1-Kinder jeweils an einem Tag in einer jahrgangsbezogenen Phase, in der Niveaugruppen zur Entwicklung der Lesekompetenz gebildet werden.
- Die ältesten Kinder der Gruppe (Stufe-2-Kinder) erfahren dreimal wöchentlich für eine Stunde eine separierte Förderung in Rahmen der Jahrgangsgruppe. Diese findet nach dem Schulschluss der jüngeren Kinder im zukünftigen Klassenverband der 3. Klasse statt und beinhaltet fachbezogenen Stoff der Bereiche Mathematik, Deutsch und Musik.
- Während die Kinder der Stufe 2 an den Übungsstunden des Schulchores teilnehmen, arbeitet die Lehrerin mit der Teilgruppe der Eingangsstufen- und Stufe-1-Kinder.
- Daneben sind Kleingruppen (jahrgangs- und klassenübergreifend) eingerichtet, die morgens oder mittags zur Förderung dienen.

Da die Klassenlehrerinnen untereinander eng kooperieren und die Klassenräume nah beieinander liegen, kommt es vielfach auch zu spontanen klassenübergreifenden Gruppenbildungen innerhalb der beiden Flure.

4.2 Zeitliche Strukturen

Im Sinne einer kindgerechteren Schule wird die Schule Vollmarshausen im Rahmen des Schulversuchs „Neukonzeption der Schuleingangsstufe“ zu einer Schule mit verlässlichen Öffnungszeiten. D. h., dass die Kinder an jedem Tag der Woche mindestens vier Zeitstunden betreut werden, von 7.45 Uhr bis 11.45 Uhr. Der Unterrichtsvormittag gliedert sich nicht im Dreiviertelstundentakt, sondern in größeren Zeiteinheiten. Der Schulvormittag wird durch zwei großen Hofpausen (10.15-10.45 Uhr und 11.45-12.00 Uhr) in drei Unterrichtsblöcke geteilt. In diesen Unterrichtsblöcken finden täglich in gleicher Abfolge die Unterrichtsphasen statt. Die zeitliche Einteilung ist dabei der Dynamik des Klassengeschehens untergeordnet. Für die einzelnen Sequenzen des Unterrichtsvormittags gibt es Symbolkarten, die den Kindern Orientierung bezüglich des Ablaufs bieten.

Der „normale“ Unterrichtsvormittag stellt sich für das einzelne Kind wie folgt dar: Von 7.45 Uhr bis 8.00 Uhr ist die so genannte „Ankommzeit“, in der es in seinen Klassenraum geht. Um 8.00 Uhr beginnt der Offene Anfang, der nach etwa zwanzig Minuten in eine Arbeitsphase mündet. Im weiteren Verlauf finden sich der Morgenkreis, das gemeinsame Frühstück, sowie Arbeits-, Bewegungs- und Spielzeiten wieder. Für die Eingangsstufenkinder haben um 11.45 Uhr Schulschluss. Einige wechseln danach in die Betreuung (bis 14.00 Uhr) oder gehen in den Hort (bis 16.00 Uhr). Die älteren Kinder haben meistens noch Unterricht bis 13.00 Uhr.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Stundentafel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Stundenplan der Zebra-Gruppe – Schuljahr 2005/2006

Eingesetzte Lehrkräfte: BO, PU, MO, BI, RA, LE, MA und CO = Sozialpädagoge

* Stufe 1+2 Kinder in der Klasse, Eingangsstufenkinder im Bernsteinzimmer

** mehrwöchige Förderangebote – sowohl für schwache als auch für besonders begabte Kinder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.3 Inhaltliche Strukturen

Die Schule Vollmarshausen versteht sich nicht allein als Stätte der Vermittlung von Kenntnissen wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie möchte in gleicher Weise ein Ort des Lebens sein. Das Kind wird als ganzer Mensch mit seinen Interessen, Bedürfnissen und Neigungen wahrgenommen und nicht allein auf seine kognitiven Fähigkeiten reduziert. Seine Lebenswirklichkeit wird nicht außen vor gelassen, sondern zu einem Bestandteil des Unterrichtsgeschehens. Den Erfahrungen der Kinder wird in der Schule Raum gegeben, sodass sie teilweise den Unterricht mitbestimmen. Neben der Bearbeitung fachbezogener Inhalte des Schulanfangs wird jedem Kind die Möglichkeit eröffnet, „seine“ Themen darzustellen. Dies geschieht u. a. durch feste Unterrichtsformen wie dem Morgenkreis und die Wochengeschichte. Sie ermöglichen dem Kind seine Themen zum Gegenstand des Unterrichts werden zu lassen (siehe unten).

Ein weiterer Aspekt ist die Organisation der Arbeit durch Tages- und Wochenplan. Hier kann das Kind teilweise selbst entscheiden, mit welchen Inhalten es sich schwerpunktmäßig auseinandersetzen möchte.

4.4 Unterrichtliche Struktur – der Tagesrhythmus

Mit der Abschaffung des festen 45minütigen Schulstundentakts entwickelt sich eine neue Lernstruktur. Der Schulvormittag ist nun durch die zwei festgelegten Hofpausen in drei Unterrichtsblöcke gegliedert, deren Ablauf inhaltlich durch die täglich wiederkehrenden, verlässlichen Elemente des Tagesrhythmus’ bestimmt wird.

4.4.1 Die Ankommzeit

Der Schulvormittag beginnt um 7.45 Uhr mit der „Ankommzeit“. In dieser kommen die Kinder nach und nach in die Schule. Einerseits bietet diese Zeit berufstätigen Eltern die Möglichkeit einer Betreuung ihrer Kinder vor dem eigentlichen Unterrichtsbeginn und andererseits dient diese den Kindern dazu, sich auf die schulische Situation und den bevorstehenden Unterricht einzustimmen. Nach freier Wahl nutzen sie eigenständig das vielfältige Angebot des eigenen oder das des benachbarten Klassenraums: sie lesen (vor), spielen, basteln, nutzen Arbeitsmaterialien, unterhalten sich mit der Klassenlehrerin und Freunden, laufen umher oder träumen einfach nur vor sich hin. Während dessen hat die Lehrerin die notwendige Zeit, die Kinder einzeln zu begrüßen, den Unterricht vorzubereiten, beim Spielen oder Unterhalten den nahen Kontakt zu den Kindern zu finden, mit einzelnen Kindern zu üben oder sie in dieser offenen Situation mit ihren Vorlieben und ihrer freien Verhaltensweise zu beobachten. Die Ankommzeit endet um 8.00 Uhr.

4.4.2 Der Offene Anfang

Der Offene Anfang beginnt um 8.00 Uhr. Er bietet den Kindern einen fließenden Übergang in den Unterricht. Sie können mit der in der Anfangszeit begonnenen Tätigkeit fortfahren. Die „Neuankömmlinge“ und die Kinder, die sich während der Ankommzeit keines Arbeitsmaterials bedient haben suchen sich nun selbstständig geeignetes Material zum Arbeiten. Dabei muss die Lehrerin die Kinder selten zum Handeln anregen. Bei der Materialienwahl ist zu beobachten, dass die Kinder von sich aus ihre Grenzen erfahren wollen, sie austesten und sogar teilweise ermutigt sind, diese ansatzweise zu überschreiten. Die Lehrerin steht ihnen dabei als Beraterin helfend zur Seite und hat gleichzeitig die Möglichkeit, die individuellen Lernwege der Kinder zu verfolgen und zu unterstützen.

4.4.3 Die Pause

Im Rhythmus von Konzentration und Entspannung bekommen die Pausen eine herausragende Bedeutung. In zwei großen zeitlich festgelegten 30- bzw. 15minütigen Hofpausen und der individuellen Bewegungszeit befinden sich die Kinder auf dem Schulhof.

Durch die vielseitigen Spielgeräte des Schulhofs, des Geräteschuppens und der Spielkiste der Klasse werden sie zum bewegungsreichen Spiel angeregt

4.4.4 Die Arbeits- und Spielzeit

In mehreren Arbeitsphasen des Schulvormittags ist den Kindern die Arbeit am Tages- bzw. Wochenplan vorgegeben. In diesen Arbeitsphasen beschäftigen sich die Kinder mit verschiedensten Wahl- und Pflichtaufgaben, die die Lehrerin zuvor für jedes Kind individuell zusammengestellt hat. In der Regel sind diese an kein bestimmtes Schulfach gebunden, sondern enthalten einzelne Aspekte der Fächer Deutsch, Mathematik, Kunst, Musik und Sachunterricht.

Am Ende des Tages oder der Schulwoche müssen die Kinder die Aufgaben des Planes bearbeitet haben. Neben den zu erarbeitenden Aufgaben besteht die große Herausforderung für die Kinder in der angemessenen Zeiteinteilung. Die Entscheidung liegt bei ihnen, wann sie welche Aufgabe bearbeiten und wann sie sich eine Spielpause einrichten. Hat ein Kind auf die Bearbeitung einer begonnenen Aufgabe keine Lust mehr, kann es zunächst eine andere angehen. Trotzdem muss es sich dabei bewusst sein, dass die verschobene Aufgabe noch zu bearbeiten ist. Auf diese Weise tragen sie die Eigenverantwortung für ihr Arbeitsverhalten – stets begleitet durch die Lehrerin im Hintergrund, die das einzelne Kind beobachtet und gegebenenfalls eingreift. Die Arbeiten des Wochen- bzw. Tagesplans werden von den Kindern in verschiedenen Formen organisiert. Die Kinder entscheiden, ob sie allein oder, falls es die Aufgabe zulässt, in Partner- oder Gruppenarbeit arbeiten. Auch findet die Bearbeitung in der gesamten Gruppe statt.

In die Arbeitszeit ist zum Teil auch Fachunterricht integriert wie etwa der Religions- und Sportunterricht.

Nach der intensiven Arbeitsphase von maximal 60 Minuten, beginnt für die gesamte Gruppe die Spielzeit. Bei Beschäftigungen wie dem Malen an der Tafel, dem Bauen mit den Holzklötzen und dem Puzzeln schöpfen die Kinder neue Kraft.

4.4.5 Die Bewegungszeit und das gemeinsame Frühstück

Ein fester Bestandteil des Tagesrhythmus’ ist das Frühstück. Es findet gemeinsam im Klassenverband statt. Bevor das Frühstück beginnt, deckt jedes Kind seinen Frühstückstisch. Es nimmt sein Platzset und seinen Trinkbecher aus dem dafür vorgesehenen Regal, holt die Brotdose aus dem Ranzen und stellt alles zusammen auf den Tisch. Ist der Frühstückstisch gedeckt, gehen die Kinder in der circa 10minütigen Bewegungszeit zum Toben auf den Pausenhof. Nachdem sie die Gelegenheit hatten, ihren Bewegungsdrang gerecht zu werden, finden sich alle Kinder im Klassenraum zusammen und das gemeinsame Frühstück beginnt. Bis auf die zwei Kinder, die den Teedienst übernommen haben und Tee einschenken, sitzen alle Kinder auf ihren Plätzen. Während die Kinder frühstücken, liest ihnen die Lehrerin zuweilen eine Geschichte vor. Nach etwa 10 Minuten ist das Frühstück beendet und die Kinder räumen ihre Plätze auf. Nun können sie mit neuer Energie dem weiteren Unterricht folgen.

[...]


1 Witrzens, Susanne: Die Schuleingangsstufe Lohfelden-Vollmarshausen im Prozess der Eicke, Cornelia/Schlegelmilch, Lisa: Die Grundschule Vollmarshausen im Spiegel der Meinungen von Eltern und Kindern 2004. (Unveröffentlichte wissenschaftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Grundschulen).

Ende der Leseprobe aus 88 Seiten

Details

Titel
Fünf Jahre Schuleingangsstufe Vollmarshausen
Untertitel
Eine Zwischenbilanz
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
88
Katalognummer
V119641
ISBN (eBook)
9783640226542
ISBN (Buch)
9783668214804
Dateigröße
1705 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fünf, Jahre, Schuleingangsstufe, Vollmarshausen
Arbeit zitieren
Linda Himmelmann (Autor), 2005, Fünf Jahre Schuleingangsstufe Vollmarshausen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119641

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Titel: Fünf Jahre Schuleingangsstufe Vollmarshausen



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