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Calvins Prädestinationslehre

Die historischen Entwicklungen und ihre Bezüge zur Institutio von 1536, der „Congrégation sur l’élection éternelle“ (1551) und der Institutio von 1559

Title: Calvins Prädestinationslehre

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 32 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Eric Weidner (Author)

Theology - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

Der Name Johannes Calvin ist maßgeblich mit der Lehre von der Prädestination
verbunden. Doch deren Gestalt und Stellenwert in Calvins Theologie war nicht von
Anfang an deutlich ausgeprägt, sondern hat sich im Laufe der Zeit verändert. In dieser
Arbeit möchte ich daher die Entwicklung der Prädestinationslehre in der Theologie
Calvins untersuchen. Ausgangspunkt wird dabei die „Institutio christianae religionis“
von 1536 mit Calvins erster dogmatischer Äußerung zu diesem Thema sein. In einem
ersten Arbeitsschritt werde ich die ICR’36 also auf ihre Ausprägung der PL
untersuchen.
Als Hauptgrundlage der Arbeit werde ich danach die 1551 im Rahmen des
Gerichtsprozesses gegen Hieronymus Bolsec entstandene Predigt Calvins – die
„Congrégation“ – zur Prädestination behandeln. Anhand dieser möchte ich deutlich
machen, dass die theologischen Äußerungen Calvins zunehmend von dessen
Lebenssituation und biographischer Entwicklung geprägt sind. Daher ist diesem
Arbeitsschritt ein Abriss von Calvins Leben zwischen 1535 und 1551 vorangestellt. Da
Calvins Predigt situationsbedingt in starker Abgrenzung zu den theologischen
Argumenten Bolsecs entstand, werde ich diesen und seine theologischen Argumente
ebenfalls vorstellen. Mit der Beschreibung des Prozessverlaufs beschreibe ich die Folie,
auf der Calvin seine PL weiter ausbaute und solider fundierte. Aus der Predigt, die
Calvin im Pfarrkonvent in Genf gehalten hat, werde ich die theologischen Argumente
für seine Prädestinationslehre im Vergleich zur ICR’36 herausarbeiten.
Nach einer knappen Charakterisierung der Folgezeit des Prozesses bis 1559
behandle ich als dritten Punkt die ICR’59, die als letzte große dogmatische Äußerung –
auch zur Prädestination – gilt und somit die Endgestalt der Lehre darstellt. In einer
vergleichenden Darstellung mit den vorangegangenen Textgrundlagen werde ich die
zentralen, 1559 neu hinzugekommenen Aspekte beleuchten und abschließend einer
kritischen Würdigung unterziehen.
Durch die Bearbeitung der PL möchte ich zeigen, dass sie sich von einem
Randaspekt der Theologie Calvins zu einem zentralen und gut fundierten Lehrstück
entwickelt hat. Die zentralen Punkte sind jedoch bereits 1536 angelegt und es geschieht
inhaltlich hauptsächlich eine Akzentverschiebung, während die PL im Wesentlichen
konstant bleibt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Prädestinationslehre in der ersten Ausgabe der ICR von 1536

2.1 Gott ist nicht Urheber der Sünde

2.2 Die Beständigkeit der Vorsehung Gottes zum Heil

2.3 Die Kirche als Versammlung der Erwählten

2.4 Zusammenfassung: Die Prädestinationslehre in der ICR von 1536

3. Calvin und die zeitgeschichtlichen Ereignisse von 1535 bis 1551

3.1 Von der Verfassung der ersten ICR bis zur Vertreibung aus Genf 1535-1538

3.2 Die Straßburger Zeit 1538-1541

3.3 Die zweite Genfer Phase ab 1541

3.3.1 Die Rückkehr nach Genf und die Einführung der Kirchenordnung

3.3.2 Verschiedene Streitigkeiten

3.4 Die Situation in Genf

3.4.1 Die Situation Genfs bis 1550

3.4.2 Die Situation Genfs im zeitlichen Umfeld der Auseinandersetzung mit Bolsec

4. Die Auseinandersetzung mit Hieronymus Bolsec 1551 und 1552

4.1 Hieronymus Bolsecs Hintergrund

4.2 Der Auslöser für Bolsecs Verhaftung

4.3 Die theologische Kritik Bolsecs an Calvins Prädestinationslehre

4.3.1 Fälschliches Heranziehen von Bibelstellen und Augustin

4.3.2 Die Prädestinationslehre macht Gott zum Tyrannen

4.3.3 Gott wird zum Urheber der Sünde

4.3.4 Heilsuniversalismus: Calvin beschneidet die Liebe Gottes

4.4 Der Prozessverlauf

4.4.1 Die ersten Befragungen Bolsecs (16. bis 24. Oktober)

4.4.2 Zunehmende Politisierung des Prozesses (25. Oktober bis 11. November)

4.4.3 Rundbriefe an die Schweizer evangelischen Kirchen (12. November bis 26. November)

4.4.4 Antworten aus den Schweizer evangelischen Kirchen (27. November bis 21. Dezember)

4.4.5 Verurteilung und Verbannung Bolsecs (22. Dezember bis 23. Dezember)

4.5 Die Folgezeit des Bolsec-Prozesses bis 1559

5. Die Prädestinationslehre in der „Congrégation sur l’élection éternelle“

5.1 Die Gliederung der Schrift

5.2 Die theologischen Argumente Calvins

5.2.1 Die Schriftgemäßheit der Prädestinationslehre

5.2.2 Die Unbegreiflichkeit Gottes gegen den Tyrannen-Vorwurf

5.2.3 Gott nicht als Urheber der Sünde, Schuld der Menschen

5.2.4 Heilspartikularismus mit 1.Tim 2,4

5.3 Zusammenfassung: Die Prädestinationslehre in der „Congrégation“

6. Die Endgestalt der Prädestinationslehre in der ICR von 1559

6.1 Neue Aspekte der Prädestinationslehre

6.1.1 Verwerfung des Einwands, Prädestination mache Ermahnung nutzlos

6.1.2 Der Stellenwert der Berufung

6.2 Zusammenfassung: Prädestinationslehre in der ICR von 1559

7. Kritische Würdigung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Prädestinationslehre in der Theologie von Johannes Calvin, ausgehend von der ersten Ausgabe der „Institutio christianae religionis“ (1536) über die Predigt „Congrégation“ (1551) bis hin zur abschließenden dogmatischen Fassung in der „Institutio“ von 1559, wobei der Einfluss biographischer Faktoren und zeitgeschichtlicher Kontroversen, insbesondere des Prozesses gegen Hieronymus Bolsec, im Zentrum steht.

  • Historische Entwicklung der calvinischen Prädestinationslehre.
  • Biographischer Kontext und kirchenpolitische Auseinandersetzungen in Genf.
  • Theologische Kontroverse mit Hieronymus Bolsec.
  • Vergleichende Analyse der drei zentralen Textgrundlagen (1536, 1551, 1559).
  • Die Rolle der Kirchenzucht und Christologie im Kontext der Prädestination.

Auszug aus dem Buch

4.3.2 Die Prädestinationslehre macht Gott zum Tyrannen

Der wohl bekannteste Vorwurf, der auch in Genf für Furore sorgte, ist die Anklage, Calvin mache Gott zu einem Tyrannen, Götzen oder Jupiter. Befürworter der Prädestination nach einem ewigen Ratschluss vor aller Zeit ließen Gott demnach willkürlich oder von zwei Willen angetrieben erscheinen. Dies weist auf einen fundamentalen Unterschied in der Gotteslehre hin: Für Calvin gehorcht Gott nur seinem eigenen Gesetz oder ist „exlex“, während Bolsec einen einheitlichen Willen Gottes annimmt, der von „paterna misericordia“ bestimmt ist und alle Menschen erretten will. Damit kritisiert Bolsec das „Doppelte“ an Calvins PL, dass nämlich durch die Erwählung zum Heil vor aller Zeit ohne Zutun der Menschen in logischer Konsequenz andere genauso verdammt worden sein müssen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit skizziert die methodische Untersuchung der Prädestinationslehre Calvins anhand dreier zeitlich gestaffelter Hauptschriften unter Berücksichtigung biographischer und historischer Einflüsse.

2. Die Prädestinationslehre in der ersten Ausgabe der ICR von 1536: Calvin entfaltet die Lehre noch zurückhaltend primär zur Abwehr des Vorwurfs, Gott sei Urheber der Sünde, und verknüpft sie mit der Ekklesiologie.

3. Calvin und die zeitgeschichtlichen Ereignisse von 1535 bis 1551: Dieses Kapitel liefert den biographischen und politischen Kontext, der notwendig ist, um die zunehmende Verschärfung und Radikalisierung von Calvins theologischer Argumentation zu verstehen.

4. Die Auseinandersetzung mit Hieronymus Bolsec 1551 und 1552: Der Prozess gegen Bolsec wird als entscheidender Wendepunkt dargestellt, in dem theologische Differenzen zur Prädestination zunehmend politisch aufgeladen wurden.

5. Die Prädestinationslehre in der „Congrégation sur l’élection éternelle“: Diese Predigt wird als ein durch die Bolsec-Krise geprägtes Kondensat analysiert, das Calvins Lehre in der polemischen Auseinandersetzung verfeinert.

6. Die Endgestalt der Prädestinationslehre in der ICR von 1559: Calvin erreicht hier die Ausformulierung der Prädestination als zentrales Lehrstück, wobei die Berufung und die Christologie stärker in den Vordergrund rücken.

7. Kritische Würdigung und Ausblick: Die Arbeit reflektiert die Aufwertung der Prädestination zu einem zentralen Lebensthema Calvins und die Grenzen seiner Argumentationsweise bei der Frage nach der Gerechtigkeit Gottes.

Schlüsselwörter

Prädestination, Johannes Calvin, Hieronymus Bolsec, Institutio christianae religionis, Kirchenzucht, Gnade, Erwählung, Verwerfung, Gottesbild, Theologiegeschichte, Reformationsgeschichte, Heilsgewissheit, Christologie, Ratschluss Gottes, Genfer Reformation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die zeitliche Entwicklung und theologische Ausformung der Prädestinationslehre Johannes Calvins über einen Zeitraum von rund 25 Jahren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Zentrum stehen die dogmatischen Grundlagen der Prädestination, die kirchenpolitische Situation im Genf des 16. Jahrhunderts sowie die theologischen Auseinandersetzungen mit Kritikern wie Hieronymus Bolsec.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Calvins Lehre von der Prädestination von einem eher beiläufigen Randaspekt der frühen „Institutio“ zu einem zentralen, fundierten Lehrstück wurde, das maßgeblich durch äußere Drucksituationen geformt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor führt eine vergleichende Analyse der Primärquellen (ICR 1536, „Congrégation“ 1551, ICR 1559) durch und bettet diese in den historischen und biographischen Kontext ein.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der drei zentralen Textbasen, unterbrochen von einer detaillierten Analyse des Bolsec-Prozesses, um die Dynamik zwischen theologischer Lehre und biographischer Lebenssituation zu beleuchten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Prädestination, Calvin, Bolsec, Institutio, Erwählung, Verwerfung, Genf, Kirchenzucht, Gnade, Christologie.

Warum war der Prozess gegen Hieronymus Bolsec so entscheidend für Calvin?

Bolsec stellte Calvins Lehre infrage, indem er sie als Häresie bezeichnete und Gott zum Tyrannen machte. Diese öffentliche Konfrontation zwang Calvin dazu, seine Lehre detaillierter zu begründen und systematischer abzusichern.

Inwiefern hat sich die Rolle der Kirchenzucht im Laufe der Entwicklung verändert?

Während in der frühen „Institutio“ von 1536 die Prädestination eng mit der Ekklesiologie und der Kirchenzucht verbunden war, löst sie sich in der „Institutio“ von 1559 von diesem direkten Kontext und wird zu einem eigenständigen, dogmatischen Lehrstück.

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Details

Title
Calvins Prädestinationslehre
Subtitle
Die historischen Entwicklungen und ihre Bezüge zur Institutio von 1536, der „Congrégation sur l’élection éternelle“ (1551) und der Institutio von 1559
College
University of Heidelberg  (Theologische Fakultät)
Course
Seminar Calvins Institutio christianae religionis
Grade
1,7
Author
Eric Weidner (Author)
Publication Year
2006
Pages
32
Catalog Number
V119686
ISBN (eBook)
9783640236268
ISBN (Book)
9783640238330
Language
German
Tags
Prädestinationslehre Seminar Institutio Bolsec Calvin Kirchengeschichte Dogmengeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eric Weidner (Author), 2006, Calvins Prädestinationslehre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119686
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