„Das hat dir der Teufel gesagt!“ – So erklärt in Grimms Märchen das Rumpelstilzchen die eigentlich unerklärliche Tatsache, dass die Königstochter plötzlich seinen Namen weiß. Der Hörer des Märchens weiß es natürlich besser, da die Information schlicht und ergreifend von einem Boten erlauscht wurde. Die Frage ist nun für die neutestamentlichen Schriften, ob dort auch wie im o. g. Märchen unerklärliche Phänomene von Autoren oder Zeitzeugen pauschal dem Teufel zugeschrieben wurden. Das würde bedeuten, dass nach dem dazu gewonnen Wissen die Rede vom Teufel heute wohl völlig zu entmythologisieren wäre.
Ich möchte in dieser Arbeit untersuchen, welche Sicht auf den Teufel das Markus-Evangelium und das lukanische Doppelwerk widerspiegeln. Dazu werde ich zunächst in einem sprachlichen Befund darstellen, mit welcher Terminologie Markus und Lukas vom Teufel reden.
Danach folgen die beiden Hauptteile der Arbeit, in denen zuerst das Markus-Evangelium, dann das lukanische Doppelwerk untersucht wird. Dabei wird jeweils in einem ersten Schritt eine mögliche Verbindung des Teufels mit anderen Zwischenwesen erwogen. Ist eine Zusammengehörigkeit der beiden nachzuweisen, so ergibt sich aus den Eigenschaften der Zwischenwesen die mittelbare Wirkweise des Teufels. Im zweiten Schritt prüfe ich, inwieweit dem Teufel selbst eine unmittelbare Wirkweise zugesprochen wird, wie er also konkret auf die Menschen einwirkt. Den dritten Schritt bildet dann die Einordnung der Beobachtungen in den theologischen Zusammenhang des jeweiligen Werkes.
Bei der Untersuchung des lukanischen Doppelwerkes wird es schon vergleichende Rückverweise auf Mk geben. Diese vergleichenden Elemente werden im anschließenden Kapitel noch einmal auf die wichtigsten Punkte zusammengefasst und überblicksartig dargestellt.
Vor dem Ausblick auf eine mögliche weitergehende Beschäftigung mit dem Thema steht dann der Ertrag aus der vorangegangenen exegetischen Arbeit. Dort werde ich auch eine Antwort auf die Frage versuchen, inwieweit der Teufel oder die Rede von ihm zumindest nach der Beschäftigung mit Mk und dem lukanischen Doppelwerk zu entmythologisieren ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Terminologie des Teufels
2.1. Eigennamen des Teufels
2.2. Nebenbegriffe für den Teufel
2.3. Terminologie des Teufels
3. Der Teufel im Markus-Evangelium
3.1. Die mittelbare Wirkweise des Teufels im Markus-Evangelium
3.1.1. Die Trennung von pneu/mata und daimo/nia
3.1.2. Die Verbindung des Teufels mit daimo/nia
3.1.3. Die mittelbare Wirkweise des Teufels durch daimo/nia
3.2. Die unmittelbare Wirkweise des Teufels im Markus-Evangelium
3.2.1. Der Widersacher Jesu Christi
3.2.2. Der Widersacher der Menschen
3.2.3. Der Verführer
3.2.4. Die unmittelbare Wirkweise des Teufels
3.3. Der Teufel in der markinischen Theologie
3.3.1. Die Funktion des Teufels im Gesamtkonzept des Evangeliums
3.3.2. Der Teufel als Ursache des moralischen Übels
4. Der Teufel im lukanischen Doppelwerk
4.1. Die mittelbare Wirkweise des Teufels im lukanischen Doppelwerk
4.1.1. Die Verbindung von pneu/mata und daimo/nia
4.1.2. Die Verbindung des Teufels mit pneu/mata und daimo/nia
4.1.3. Die mittelbare Wirkweise des Teufels durch pneu/mata und daimo/nia
4.2. Die unmittelbare Wirkweise des Teufels im lukanischen Doppelwerk
4.2.1. Der Widersacher Jesu Christi
4.2.2. Der Widersacher der Menschen
4.2.3. Der Verführer
4.2.4. Die unmittelbare Wirkweise des Teufels
4.3. Der Teufel in der lukanischen Theologie
4.3.1. Die Funktion des Teufels im Gesamtkonzepts des Doppelwerks
4.3.2. Der Teufel als Ursache des moralischen und des physischen Übels
5. Vergleich des Teufels in der lukanischen und markinischen Theologie
6. Ertrag
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verständnis des Teufels im Markus-Evangelium und im lukanischen Doppelwerk, um zu klären, wie diese neutestamentlichen Schriften das Böse interpretieren und ob eine Entmythologisierung der Rede vom Teufel möglich ist. Dabei wird analysiert, in welcher Weise der Teufel als handelnde Macht dargestellt wird und in welchem Verhältnis er zu Zwischenwesen wie Dämonen steht.
- Vergleichende Analyse von Markus und Lukas hinsichtlich der Teufelsvorstellungen.
- Untersuchung der mittelbaren Wirkweise durch Zwischenwesen (Dämonen/Geister).
- Analyse der unmittelbaren Einwirkung des Teufels auf den Menschen.
- Einordnung des Teufels in die jeweilige theologische Konzeption des Werkes.
- Reflektion über die Frage der Entmythologisierung und Relevanz der Teufelsthematik heute.
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Die Verbindung des Teufels mit daimo/nia
Das Wort daimo/nion kommt in Mk insgesamt 13x vor. Das Hauptargument für eine Verbindung des Teufels mit den Dämonen ergibt sich unzweifelhaft aus dem Beelzebulstreit Mk 3,22-27.
Hier werfen die Schriftgelehrten in V. 22 Jesus als erstes vor: „o[ti Beelzebou/l e]xei“. Dieser Vorwurf bleibt ohne Zusammenhang zur zweiten Anschuldigung und zur Entgegnung Jesu. Es wird außerdem keine nähere Angabe zur Bedeutung des Namens gemacht.33
Der zweite Vorwurf ist sachlich zu trennen, aber syntaktisch durch kai/ direkt angeschlossen: „kai\ on tw|~ a]rxonti tw~n daimoni/wn e>kba/llei ta\ daimo/nia.“ Für sich gesehen bedeutet diese Aussage, dass es ein Wesen gibt, welches Herrscher, Herr, Fürst, Oberer34 der Dämonen ist. Daraus kann auch die Vorstellung eines strukturierten Dämonenreiches abgeleitet werden.35 Jesus wird nicht unterstellt, dass er dieses Wesen sei, sondern, dass er in irgendeiner Art und Weise entweder mit ihm im Bunde sei oder sich zumindest seiner Autorität bediene. Dahinter steht die Ansicht, dass ein Exorzist diejenige dämonische Macht benutzen kann, die er gleichzeitig bekämpft.36
Nach dem Bildwort über das Reich folgt in Mk 3,26 Jesu konkrete Stellungnahme zur Anschuldigung der Schriftgelehrten: „kai\ ei> o< satana~j a>ne/sth e>f’e
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung formuliert das Interesse der Arbeit, die Sichtweisen auf den Teufel in Markus und Lukas zu untersuchen und deren Entmythologisierungspotenzial zu hinterfragen.
2. Zur Terminologie des Teufels: Dieses Kapitel klärt die verwendeten Begriffe für den Teufel und die damit verbundenen Bezeichnungen, um eine einheitliche Grundlage für die folgende Untersuchung zu schaffen.
3. Der Teufel im Markus-Evangelium: Hier wird analysiert, wie Markus zwischen Dämonen und unreinen Geistern differenziert und den Teufel als Gegenspieler Jesu sowie als Ursache moralischen Übels darstellt.
4. Der Teufel im lukanischen Doppelwerk: Dieses Kapitel zeigt auf, dass Lukas eine undifferenziertere Verbindung von Zwischenwesen zum Teufel vornimmt und diesem eine größere Wirkmächtigkeit zuschreibt als Markus.
5. Vergleich des Teufels in der lukanischen und markinischen Theologie: Der Vergleich arbeitet die signifikanten Unterschiede in der Differenzierung der Zwischenwesen, der Wirkmächtigkeit des Teufels und seinem Bezug zur Passion heraus.
6. Ertrag: Der Ertrag fasst zusammen, dass beide Autoren die Existenz des Teufels und seine Verbindung zum Bösen betonen, und reflektiert, dass diese Rede auch heute noch zur Veranschaulichung der Abgründe des Bösen sinnvoll sein kann.
7. Ausblick: Der Ausblick schlägt weitere Forschungsfelder vor, etwa die Einbeziehung des Matthäus-Evangeliums oder eine vertiefte systematisch-theologische Auseinandersetzung.
Schlüsselwörter
Teufel, Markus-Evangelium, lukanisches Doppelwerk, Dämonen, Exorzismus, Versuchung, Satan, moralisches Übel, physisches Übel, neutestamentliche Theologie, Entmythologisierung, Zwischenwesen, Beelzebulstreit, Soteriologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Rolle und die Wirkweise des Teufels in zwei zentralen neutestamentlichen Werken, dem Markus-Evangelium und dem lukanischen Doppelwerk (Evangelium und Apostelgeschichte).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Terminologie, die Unterscheidung oder Gleichsetzung von Zwischenwesen (Dämonen), die unmittelbare Versuchung durch den Teufel und die Einbettung dieser Phänomene in das jeweilige theologische Gesamtkonzept.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin, exegetisch zu untersuchen, welche Rolle der Teufel in den jeweiligen Werken spielt, welche Unterschiede in der Darstellung bestehen und ob diese Vorstellungen heute noch eine Bedeutung haben (Stichwort Entmythologisierung).
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine exegetische Arbeit, die sprachliche Befunde, formgeschichtliche Analysen und den Vergleich der synoptischen Überlieferungen nutzt, um die Intentionen der Autoren herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Markus-Evangeliums und des lukanischen Doppelwerks. Er beleuchtet jeweils die mittelbare Wirkweise durch Zwischenwesen, die unmittelbare Einwirkung als Verführer und die Einordnung in die Theologie des jeweiligen Autors.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Teufel, Dämonen, moralisches Übel, Soteriologie, Versuchung, Markus, Lukas und die Frage nach der Entmythologisierung des Bösen.
Worin liegt der Hauptunterschied in der Dämonologie zwischen Markus und Lukas?
Markus unterscheidet strikt zwischen verschiedenen negativen Geistern und den Dämonen, während Lukas diese Gruppen undifferenzierter zusammenfasst und sie alle dem Teufel direkt unterordnet.
Wie bewerten die Autoren die Macht des Teufels nach der Auferweckung Jesu?
Besonders Lukas betont, dass mit der Auferweckung Jesu ein Wendepunkt erreicht ist, an dem der Mensch dem Teufel widerstehen kann, während der Teufel bei Markus von Anfang an zwar als besiegt gilt, aber dennoch eine konkrete Gefahr bleibt.
- Arbeit zitieren
- Eric Weidner (Autor:in), 2005, Der Teufel im Markusevangelium und im lukanischen Doppelwerk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119687